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  Actoids Vieraugenregel
Überlegungen zur optische Präsentation des Netzes und damit der Ergonomie über die alleinige Rezeption durch die Augen. Es geht dabei um die Ergonomie für die Augen - Eye-Ergonomy oder E-Ergonomie.

Vieraugenregel | Informationsverschmutzung | Code-Ergonomie | Navigation

Vieraugenregel

Das gefoppte Auge
Das irritierte Auge
Das gereizte Auge
Das entzückte Auge

   

Täuschung

Irritation

     

 

Reizung

 

Entzückung

   

E-Ergonomie

   

Benutzer bewerten Websites intuitiv nicht nur nach ästhetischen Kriterien, sondern vor allem nach dem Inhalt und der Benutzerfreundlichkeit. Wer das Zusammenspiel dieser drei Faktoren ignoriert, hat seine Web Investitionen in den Sand gesetzt.

Psychologen schreiben Psychologisches meist für andere Psychologen, um sich nichts zu vergeben und das wissenschaftliche Niveau zu halten. Psychologie soll an dieser Stelle nicht zum Selbstzweck, sondern als Grundlage der Betrachtungen über die Ergonomie im Netz dienen.

   

Die Ergonomie von nicht materiellen Produkten ist Grundlage von erfolgreichen Websites. Sie stellt ein besonderes Problem dar, für das es besondere Lösungsansätze gibt.

Im Vordergrund für die Bedienbarkeit stehen Einfachheit und Klarheit der Oberfläche, um den Informationsgewinn mit gesundem Menschenverstand steuern zu können.

   

Richtig eingesetzte Software Ergonomie sorgt für die Anpassung der Software an die Abläufe und das Arbeitsumfeld und eine klare und konsistente Begriffswelt. Im Detail realisiert Ergonomie die optische Konzepte wie homogene Farbgebung und die Trennung zwischen Bedien- und Anzeigeelementen.

E-Ergonomie ist natürlich ein Thema des Industrial Design in der für elektronische Medien speziellen Form des Interface Design...

   

Im Vordergrund von professionellem Mediendesign hat der Nutzen für den Kunden zu stehen und nicht der Spieltrieb des Mediendesigners. Es geht darum die Eigenschaften der menschlichen Wahrnehmung zu nutzen und nicht an ihnen vorbei zu gestalten.

   

Das gefoppte Auge

   

Die Auflösung der Bilder im Netz ist an die Auflösung des menschlichen Auges angepasst. Genau wie beim Film 18 Bilder pro Sekunde genügen, um dem Menschen eine kontinuierliche Bewegung vorzutäuschen. Heute sind es zwar 50 Bilder pro Sekunde oder mehr, aber trotzdem genügen die 18. Daher müssen bei einem Bild auch nicht die einzelnen Lichtquanten nachgebildet werden, sondern es genügt ein relativ grober Rater.

   

Ein 5x5 Millimeter großes Bild reicht aus, um z.B. ein Gesicht eindeutig erkennen zu können. Dabei ist eine Auflösung von 60 Bildpunkten auf diese 5 Millimeter durchaus annehmbar. Bilder dieser Größe haben 3.600 Bildpunkte und bei 16 Millionen Farben im JPEG Format komprimiert einen Speicherbedarf von 2 bis 3 K.Bytes und entsprechend kurzen Ladezeiten.

   

Eine verlustfreie Vergrößerung so eines Bildes ist natürlich nicht möglich. Größere Bilder müssen entsprechend mehr Bildpunkte haben, um genauso so brillant zu erscheinen.

     

Sehbehinderte nutzen das Internet überproportional häufig, da kein anderes Medium sonst seine Inhalte für Blinde und Sehbehinderte selbst voll automatisch aufbereiten kann.

Barrierefreiheit im Web meint den ungehinderten Zugang zu Informationen im Internet auch für sehbehinderte Internetnutzer. Missachtet man beim Webdesign bestimmte Kriterien, schließt man Menschen mit Sehbehinderungen weitgehend aus.

   

Das irritierte Auge

   

Mediendesign ist immer auch Sprachdesign. Mangelnde sprachliche Ausdruckskraft vernichtet jeden noch so gut gemeinten Informationsansatz im Keim.

 

Die Lebensregel "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" ist beim Mediendesign auf jeden Fall grundfalsch und keine barocke Bildlandschaft kann überzeugen, wenn sie mit ungelenkem Gestammel kommentiert ist. Die eigene Sprachlosigkeit lässt sich auf einer Website nicht durch Wucherungen von Grafik und Animation tarnen sondern nur verstärken. Überlegen Sie: eine Website mit 30 Bildern hätte nach obiger Lebensregel die Aussage von mehr als 30.000 Worten, das entspricht einer Diplomarbeit von über 100 Seiten. (Ich will dabei gar nicht auf den beträchtlichen Unterschied zwischen Worten und Wörtern eingehen.)

   

Dennoch: Bilder schaffen die bleibenden Eindrücke, denn das Gedächtnis für Bilder ist sehr viel leistungsfähiger als das Erinnerungsvermögen für Text.

   

Ältere Benutzer benötigen im Durchschnitt mehr Zeit und mehr Klicks, um ein vorgegebenes Ziel zu finden, sie kehren auch häufiger zur Homepage zurück und benutzen eher automatisierte Such- oder Index-Funktionen.

Ganz abgesehen davon haben ältere Menschen eine reduzierte Motorik und sehen schlechter. Daher haben sie Probleme mit Aufklappmenüs und kleinen Schriften.

   

Das gereizte Auge

   

Der Mensch ist darauf konditioniert aus dem Augenwinkel Gefahren zu erkennen. Dafür genügt eine geringe sichtbare Bewegung um den Gedankenfluss zu unterbrechen eine massive Störung der Konzentration auszulösen.

     

Das eigentliche Gesichtsfeld in dem die Informationen aufgenommen wird ist relativ klein, ein engen Bereich um den Punkt herum den wir fixieren, kleiner als eine Ein-Euromünze.

 

Im äußeren Blickfeld gibt es einen biologischen Alarmreflex, der auf jede Art von Veränderung oder Bewegung in der Umwelt reagiert. Wenn dieser Reflex - z.B. durch die Animation am linken Bildrand - ausgelöst wird, kommt es nicht nur zu einer unwillkürlichen Ablenkung des Blickverhaltens, sondern auch zu einem Verlust an geistigen Ressourcen für die Verarbeitung der eigentlich interessierenden Informationen. 

     

Was folgt daraus? Auch technisch gut gemachte Animationen stören den Besucher beim Aufarbeiten des Inhalts einer Site, ohne dass er eine Möglichkeit hätten, sich beim Lesen dem Störenfried zu entziehen. Oft werden dadurch sogar die eigentlichen Schlüsselinformationen übersehen.

     

Eben so lästig sind Banner oder Werbefenster die nichts zum Thema beitragen. Sie passen im Stil bestimmt nicht zum Layout der Site und stören damit die Ästhetik und die Konzentration auf den Inhalt.

   

Geübte Surfer lassen sich von Werbefenstern nicht mehr beeindrucken und schauen nur mehr auf den Knopf, mit dem sie das Fenster wegklicken können. Die Inhalte des Banners werden nicht mehr wahrgenommen. Geübte gehen mit Zappelbildern ähnlich um, sie schließen die Animationen aus ihrem Sichtfeld aus, indem sie psychologisch eine Art von Blindem Fleck darüber legen.

   

In Unkenntnis der dargelegten Tatsachen wird beim Hervorheben von Information oder dem Setzen von Teasern und Eye-catchern nicht selten mit hohem Aufwand am Ziel vorbei geschossen. Die Folge sind Verwirrung und Verärgerung des Besuchers, der sich prompt vertschüsst und zu einem anderen Anbieter wechselt.

   

Das entzückte Auge

     

Erfolgreiches Web- und Multimediadesign basiert auf technischem Können, eigener Kreativität und einiger Übung.

   

Das "Aufsetzen" sauberer, übersichtlicher Strukturen ist natürlich gerade auch bei der Gestaltung von Text und der Abstimmung von Inhalten, Flächen und Bildern wichtig. Aufmerksamkeitssteuerung ist nicht nur relevant, wenn es um Buttons, Icons, Farben, Grafiken und Menüs geht. Intensive, "laute", große Reize ziehen die Aufmerksamkeit an. 

           
     

Die E-Ergonomie im Kommunikationsdesign der neuen Medien mit Schwerpunkt Internet wird durch die die Anforderungen der Grundsätze der Dialoggestaltung in der ISO 924-10 geregelt, hier sind sie kurz zusammengefasst.

    1

Aufgabenangemessenheit

Ein Dialog ist der Aufgabe angemessen, wenn er den Benutzer unterstützt, seine Arbeitsaufgabe effektiv und effizient zu erledigen.

    2

Selbstbeschreibungsfähigkeit

Ein Dialog ist selbstbeschreibungsfähig, wenn jeder einzelne Dialogschritt durch Rückmeldung des Dialogsystems unmittelbar verständlich ist oder dem Benutzer auf Anfrage erklärt wird.

    3

Steuerbarkeit

Ein Dialog ist steuerbar, wenn der Benutzer in der Lage ist, den Dialogablauf zu starten sowie seine Richtung und Geschwindigkeit zu beeinflussen, bis das Ziel erreicht ist.

    4

Erwartungskonformität

Ein Dialog ist erwartungskonform, wenn er konsistent ist und den Merkmalen des Benutzers entspricht, z.B. seinen Kenntnissen aus dem Arbeitsgebiet, seiner Ausbildung und seiner Erfahrung sowie den allgemein anerkannten Konventionen.

    5

Fehlertoleranz

Ein Dialog ist fehlertolerant, wenn das beabsichtigte Arbeitsergebnis trotz erkennbar fehlerhafter Eingaben entweder mit keinem oder mit minimalem Korrekturaufwand seitens des Benutzers erreicht werden kann.

    6

Individualisierbarkeit

Ein Dialog ist individualisierbar, wenn das Dialogsystem Anpassungen an die Erfordernisse der Arbeitsaufgabe sowie an die individuellen Fähigkeiten und Vorlieben des Benutzers zulässt.

    7

 

Lernförderlichkeit

Ein Dialog ist lernförderlich, wenn er den Benutzer beim Erlernen des Dialogsystems unterstützt und anleitet.

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