Home | News | Map | Links | ©   Philosophie | Design | Farbe | Kitsch | Aufgaben | Leistungen | Zen & Design
Kitsch
Medienästhetik
Mediendesign
Medienkitsch
Medienfehler
Medienmethodik
Medienkreation
 

Medienkreation
Eine Website zu gestalten ist eigentlich kein Problem, wenn man die dafür notwendigen technischen Kenntnisse und kreativen Fähigkeiten, gepaart mit ein paar Jahren Erfahrung besitzt.

     
     
   

Eine ansprechende Optik, der schnelle Überblick über die Inhalte, lesenswerte und passend aufbereitete Informationen, kurze Ladezeiten - mehr will der gelegentlich vorbeikommende Surfer fürs Erste nicht haben. Diese Wünsche kann man ihm leicht erfüllen.

     
     
     
    Heute kann jeder Hauptschüler etwas mit Frontpage zusammenbasteln, das oft auch entfernt wie eine Homepage aussieht. Wer heute noch professionelle Webseiten baut, muss hart arbeiten und neben HTML auch Java, JavaScript und andere Sprachen und Werkzeuge beherrschen oder einen Shop in die Site einbauen können, wenn der Auftraggeber dies wünscht.

Wie für viele Webworker ist es auch für mich angenehmer, nicht anonym in einer Agentur, sondern selbst bestimmt von zu Hause aus zu arbeiten: Man schaffte es so zwar nicht in die ersten Ränge der New-Economy, kann jedoch auch nicht mit dieser untergehen. Das bedeutet selbstverständlich einige Investition in aktuelle Hard- und Softwarekomponenten, gepaart mit eiserner Arbeitsdisziplin ohne Chef im Hintergrund. Dazu braucht man Kreativität, technisches Know-how und fundierte Kenntnisse bei der Projektabwicklung. Aber Kunstschaffende sind ja auch immer Individualisten, was Probleme bei der Zeiteinteilung und dem Projektfortschritt nach sich ziehen kann.

     
   

Mediendesign hat mir von Anfang an Spaß gemacht und schließlich habe ich es nach und nach zu meinem wichtigsten Arbeitsfeld werden lassen.

Mediendesign hat für mich zwar einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität zur Folge, jedoch meist leider kaum einen materiellen Mehrwert.

 
   

 

Besser kann das Leben ja eigentlich nicht laufen, als wenn man für etwas bezahlt würde, was man sowieso gerne tut: Nur immer dem eigenen Impuls folgen, schreibend, gestaltend, kommunizierend.

Durch meine Arbeit teilt sich der Welt ganz automatisch mit, was ich kann und was nicht und wie ich die Dinge sehe. Wenn dann jemand kommt, der etwas Spezielles haben möchte, muss ich mich mit ihm hinsetzen und über seine Vorstellungen sprechen, ein Angebot machen, den Auftrag abwarten und dann kann ich endlich loslegen.

   

Als Erstes werden die wichtigsten Textteile übernommen, redigiert oder komplett neu geschrieben. Gleich in HTML hinein in eine neutrale Website und alles schön untereinander im Hypertext, gegliedert nur mit Überschriften verschiedenster Hierarchien.

 
       
   

Aber irgendwann starre ich dann auf die leere Fläche auf meinem Bildschirm und versuche einen Raster zu fixieren oder sonst etwas, was gerade als erster Kristallisationspunkt dienen könnte. Jetzt schalte ich vom "Denken" auf "Fühlen" und "Spüren" um. Auf der leeren Seite tu ich das, was alle Lebewesen überall tun: Leiden meiden und Befriedigung suchen.

Genau wie sich anfangs ein neu formulierter Satz holprig anhört, eine neu gestaltete Formulierung unglücklich wirkt. Wie sich ein junger Absatz schmerzlich in die Länge ziehen und unendlich langweilen kann, so sind auch die einzelnen Elemente einer Website unsichere Gesellen, die nur dem Gefühl zugänglich und durch Intuition ausgeglichen werden können. Die richtigen Farben, Raster, Formen, Bilder, Überschriften, Texte und bestimmte Perspektiven entwickeln sich erst langsam, Schritt um Schritt, Tag um Tag.

       
   

Wer das weit schweifende Denken nicht einschalten kann, kann auch nichts gestalten. Was er kann ist allenfalls vorhandene Werke mehr schlecht als recht nachahmen. Als letztes Mittel schwebt genau so etwas als Möglichkeit vor dem Gestalter, dem (noch) nichts eingefallen ist und diese Angst geht dem ersten Entwurf jedes Mal voraus, selbst wenn sie einem kaum mehr auffällt, weil man an sie gewöhnt ist wie an das nächtliche Schlagen einer nahen Turmuhr.

 
     

Es gibt allerdings immer Momente der Unsicherheit im Gestaltungsprozess einer Site, die ich niemals "in den Griff" bekommen kann. Da ist einmal der erste Entwurf. Vorher hatte ich jede menge Material gesammelt und mich eingelesen. Erst jetzt kann ich meinen Generalplan der Site aus dem bestehenden Umfeld abschätzen. Erst jetzt lässt sich feststellen welche Farbpalette, Formen und Stile dem Auftraggeber zusagen - was gar nicht leicht ist, weil er das selber nicht weiß. Gleichzeitig versuche ich das alles in meinem Kopf miteinender zu verschmelzen und in klare Strukturen zu ordnen.

       
   

Persönlich erlebe ich diese Angst nicht direkt als Bangigkeit und auch nicht als bedrückend. Stattdessen erscheint es als ein Hinauszögern, als das schier endloses Vor-mir-her-Schieben dieser Gestaltungsaufgabe.

Ich verzögere etwas, das ich "eigentlich" gerne tue. Irgendwann gleitet diese Phase in ihr natürliches oder von meinem Zeitplan verordnetes Ende und es wird konkret: Immer wieder brüte ich vor der leeren Seite, verändere lustlos Hintergründe und Raster, schiebe unsicher ein Bildchen hin und her, versuche bedachtsam eine völlig neue Farbpalette aus, versuche es mit einer anderen Tabellenaufteilung und probiere eine geänderte Raumaufteilung, teste verschiedene Headlines, dann einige andere Texte...

       
     

... und wenn so eine einige Stunden vergangen sind, verstehe auf einmal die neue Struktur, die sich bildet - ich folge einem Weg zum Ziel, den ich noch nicht kenne, weil sich unbekannte Wege zu entfernten Zielen nie mental erfassen lassen...

   

... jetzt heißt es die Empfindungen und Stimmungen so rasch als möglich hinzufetzen. Schnell genug, dass das Arbeiten nicht vom Fühlen überlagert wird oder sich gar auflöst. Dann geht es an Raster, Formen und Farben: hier fehlt noch eine Farbfläche in einem kräftigen Ton, damit das Andere nicht so angeberisch auf sich aufmerksam machen kann...

 
     

... und immer wieder entsteht links-oben ein Loch, das auf keinen Fall so bleiben kann...

   

... doch plötzlich sieht schon wieder alles schrecklich bieder aus und schreit nach einer Dissonanz, einem Stilbruch, der ein bisschen Schmerz für den Betrachter ist, der sich dann umso besser in der wohlgeordneten Struktur des Hauptteile erholen kann.

 
   

 

Die Welt ist voll gestopft mit Individuen, die entweder zu den geschickten Täuschern und Nachahmern gehören oder die gar nicht wissen und gar nicht bemerken was sie nicht können und sich deshalb selber oft Zufälligkeiten als "Leistung" anrechnen. Die auch nicht erkennen, dass für sie vieles einfach glücklicher Zufall ist, dem sie gar nicht entfliehen konnten.

   

Im einem kreativen Prozess muss man nämlich keinerlei Körperkräfte einsetzen, keine zyklopischen Anstrengungen leisten und nicht einmal intellektuell brillieren. Ganz im Gegenteil: man muss sich fallen lassen, alles durchprobieren was einem so einfällt, aufnehmen was einem zufällt, nicht verurteilen, später aussortieren, einfach nur spielen und fühlen, vorstellen und fühlen, ausprobieren und fühlen, konkretisieren und fühlen.

 
     
   

m einem Kreativprozess heißt es selbst zum Resonanzboden zu werden, um das zu verstärken, was eine Saite an Schwingungen von sich gibt - die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Und eben immer wieder reagieren, Fehler ausmerzen. Jedes Ergebnis ist nur ein Zwischenergebnis. Das immer wieder als neuer Impuls erlebt werden muss. Es muss erspürt werden, was einem zugetragen wird, Zufälliges oder Gesuchtes. Man muss es aufnehmen und erleben wie es sich jetzt gerade anfühlt. In Konzentration die Aufmerksamkeit Fokussieren und auf den Resonanzboden bringen und nicht immer nur herleiten und erklären.

Was hier stattfindet, was da verfrachtet wird, ob dabei etwas herauskommt oder doch nicht - letztlich können wir das niemals vorher wissen, es ist uns nicht gegeben das Ergebnis vor dem Abschluss zu kennen. Immer wieder grübelt man darüber ob der Auftraggeber dies und jenes mögen wird, ob die Termine einzuhalten sind, ob nicht all dieses Ausprobieren und Herumspielen lange schon den veranschlagten Zeitrahmen sprengt. Inzwischen drängen sich immer wieder neue Impulse herein, werden da und dort Änderungen angebracht: verschlechtert, verbessert, umgebaut, rückgängig gemacht.

       
     

Und immer wieder die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen. Aber niemals alles zusammen aus dem Töpfchen zeigen, auch wenn jeder der einzelnen Effekte für sich gesehen noch so toll sein sollte. Niemals Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko, Jugendstil, Moderne und frühes Ikea in einem Raum, das macht ihn zur Rumpelkammer. Bescheidenheit nicht Üppigkeit muss das Ziel sein. Keine überflüssigen Dinge horten und alles belastende Zuviel vermeiden, wie eben im Za-Zen gefordert.

   

Bei diesem Prozess ist das Einfache nicht wirklich einfach und das Schwierige nicht wirklich schwer. Einen Projektablauf zu planen oder ein Dutzend Mitarbeiter zu leiten ist einfacher, als in den eigenen Gestaltungen transparente Ordnung zu erhalten, die nicht nur aus dem Kopf kommt, sondern sich ganz einfach gut anfühlt.

 
       
     
Eine Initiative von Actoid   Top | Home | ©