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Zen oder die Kunst ...
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Zen oder die Kunst
durch das Web zu surfen
Za-Zen und die Nutzung der Neuen Medien. Hier einige Überlegungen über die Philosophie des Za-Zen aus der Sicht der Nutzung der neunen Medien.

     
   

Ute Uttendorf interviewte zum Thema den Mediengestalter und Internetautor Achim von Achenlohe.

     
     
   

Herr von Achenlohe worin besteht denn der Reiz des Surfens?

Der Reiz beim Surfen im Netz besteht darin, dass man sich in einem gigantischen Informationsraum frei bewegen kann - dem größten den es in der Menschheitsgeschichte je gab.

In diesem Raum kann man Richtung und Schrittweite jederzeit selbst bestimmen. Man kann mit Siebenmeilenstiefel zu neunen Ufern schreiten oder sich auf einer kleinen Insel niederlassen.

Wer dagegen passiv sein möchte, hört Radio oder sieht fern.

Seit wann surfen Sie denn im Netz?

Ich bin seit Mitte der 1990-er Jahre ein begeisterter Surfer. Aber damals gab es noch keine Suchmaschinen im heutigen Sinn. Mann musste über irgendeine der bekannten Seiten einsteigen und hoffen, dass einen die Links auf dieser Site weiter führen würden.

Damals waren die interessanten Seiten in Katalogen zusammengefasst, die über das Internet (wie ab Anfang 1995 Yahoo!) oder in Printmedien (sic!) veröffentlicht wurden. Suchtechnologien wie sie heute Google oder Kartoo benutzen, waren damals nicht einmal erahnbar - ganz im Gegenteil: als einige Jahre später Goggel  auftauchte war die Meinung der meisten "Fachleute", dass solche Spielereien keine Zukunft hätten.

Überraschend ist, dass seither der relative Anteil der jämmerlichen Sites nicht kleiner geworden ist. Waren ganz am Anfang viele Seiten zu schlicht, frönen heute zu viele dem Computerkitsch...

Was erwartet sich der Surfer in den Weiten des Internet?

Die Aufgaben jeder Site ist zu unterhalten und zu informieren. Daher liegt die Bestimmung von Information und Werbung im Internet vor allem in der klaren Darstellung von Inhalten, Meinungen, Unternehmensdaten, Produkten und Dienstleistungen.

Dabei kann eine bestimme Ästhetik nicht schaden, die dem Besucher entweder Spannung oder Wohlbefinden vermittelt.

Der Internetauftritt kann ein Werbemittel mit enormer Reichweite sein, selektive Nutzung durch die Interessenten und vergleichsweise geringen Kosten verstärken seine Attraktivität. Erfolgreiche Websites und intelligente Web-Lösungen sind auch mit kleinen Budgets möglich. Die detaillierten Aufgaben...

Lassen Sites psychologische Rückschlüsse auf den Erstellter zu?

Jede Frustrationsquelle lässt auch psychologische Rückschlüsse oder auf den Erstellter einer Site zu. Alles, was mir das Surfen erschwert und was mir die Zeit stiehlt erzeugt im Betrachter Ärger. Den Besucher auszutricksen und zu leimen hilft im Netz nichts, sondern verärgert ihn und vertreibet ihn von der Homepage.

Der Zeitdiebe: Zu lange Ladezeiten gehören zu den Klassikern der Frustquellen - die Seite lädt und lädt und es gibt nichts zu sehen. Also nix wie weg von den Zeitdieben.

Die Selbstverliebten: Man kann keinen Eingang zu den eigentlichen Inhalten finden oder unmotiviertes Gedröhne und sinnloses Spektakel verjagt die Sufer. Es ist erstaunlich wie einige selbst verliebte Seitenmacher den Zugang verzögern oder ihn zwischen unzähligen Buttons und Grafiken oder in komplizieren Imagemaps verstecken.

Die Kleingeister: Manche Multimedia-Designer haben ihr Vergnügen an Minischrift - ganz ungerührt davon, dass das den Leser ärgert. Man braucht mehr Zeit um diese Texte zu lesen und lange Texte werden schier unlesbar. Eine ärgerliche Miniaturisierung gibt es auch bei Hyperlinks, Buttons, Formularen und Suchfeldern.

Die Lügner: Man fühlt sich genötigt wenn ein Link nicht hält, was der erklärende Text verspricht. Weil der Seitenmacher nicht die Wahrheit schreibt, klickt man sonst nichts mehr auf dieser Site an und geht zur nächsten Homepage.

Die Unverfrorenen: Solche die mit Werbung den Inhalt überdecken. Denn ich bin ja nicht auf der Seite um eine x-beliebige Werbung zu bewundern, sondern ich will den Inhalt der Homepage durcharbeiten. Gerade weil es der Websurfer stets eilig hat und die gebotenen Informationen erst einmal überfliegen möchte, stört Werbung die direkt über dem Inhalt liegt am meisten. Abzuwarten, dass sie von selbst weggeht oder nach einer Möglichkeit zum Wegklicken zu suchen, ist der Grund, dass man ohne zu lesen zum nächsten Anbieter weiterklickt.

Lassen Sites Rückschlüsse auf den Kenntnisstand des Erstellers zu?

Mitunter kann man auch die Unreife des Seitenbastlers einschätzen. So manche Site ist ein Erstlingswerk und bleibt es zum Glück auch. Hier wird vieles erprobt aber nichts wirklich gestaltet.

Der Bastler flickt aus selbst Geklautem und selbst Gebasteltem irgendwas zusammen, ohne Plan und ohne Ziel.

Der Kindskopf: Manche Seitenbastler sind in Flashes und Zappelbilder verliebt, nach Information Suchende mögen sie kaum. Animationen müssen schon sehr gut gemacht sein oder ausnehmend Wichtiges darzustellen haben, damit sie ein Plug-In als Eintrittskarte wert sind.

Der Grünschnabel: Jeder muss von vorne anfangen, eben auch Webdesigner. Die typischen Anfängerfehler sind bunte Textspielereien, alberne Bildchen, fehlende Kontaktadressen, veraltete Informationen, tote Links oder interne Sites in einem neuen Fenster.

Der Designverliebte: Es gibt Leute, denen die Form wichtiger ist als der Zweck. Das mag ja bei der Entrichtung der eigenen Wohnung angehen aber im Internet wird das zum Ärgernis. Was sollen z.B. Texte für einen Sinn haben, die man wegen ihrer Winzigkeit nicht lesen kann?

Es gibt wohl auch Probleme bei der Formulierung von Texten?

Bei diesen Symptomen handelt es sich um Mängel an Bildung auf Grundschulniveau. Dadurch kann man nicht nur die Freude am Lesen, sondern auch den Glauben an den Sinn von Schulbildung verlieren. Alles unangenehme Nadelstich für den Surfer: Niete

Die Formulierungsniete: Reden kann praktisch jeder, Gedachtes in eine einwandfreie schriftliche Form zu bringen ist oft eine unüberwindbare Hürde. Dinge allgemein verständlich zu hinzuschreiben ist nicht jedem gegeben. Wir kennen das alle: Man liest eine Beschreibung und kennt sich nicht aus, auch nicht wenn man den Text mehrfach durchgegangen ist.

Der Schreibschwache: Ganz ohne Schreibfehler geht es nicht. Doch Internetbastler mit ausgeprägten Rechtschreibschwächen sind für jeden Leser schlimm. Jeder ist wohl schon in Sites hinein gekracht, wo sich Un-Design mit der Un-Rechtschreibung einen harten Kampf liefern. Sites mit mehr Schreibfehlern als Textzeilen sind heute keine Seltenheit.

Der Typographie-Versager: So mancher Seitenbastler steht nicht nur mit Design und Rechtschreibung auf Kriegsfuß, sondern weiß auch mit den Mindesterfordernissen an die Typographie nichts anzufangen. Idiotenapostrophe oder Plenken und die beliebige Benützung von Satzeichen sind die Folge - obwohl diese Leute gerne Plenken machen, wissen sie nicht was das ist. Kurz informieren kann man sich darüber in unserem Lexikon über Satztechnik...

Muss mediengerechte Aufbereitung denn wirklich sein?

Erst die mediengerechte Aufbereitung macht Internetauftritte erfolgreich. Die Darstellung der Ideen, Texte, Farbflächen, Fotos und Grafiken muss dem Medium angepasst sein, sonst wird's ein Flop. Qualifizierte Vorarbeiten sind notwendig, ohne sollte sollte kein Webprojekt begonnen werden.

Das gesamte Informationsmaterial wie Texte und Bilder müssen so umgeformt und strukturiert werden, dass sie dem Medium Internet gerecht werden. Am Anfang der Umsetzung steht die mediengerechte Aufbereitung...

Was heißt barrierefreier Zugang zu Informationen im Internet?

Barrierefreiheit im Web meint den ungehinderten Zugang zu Informationen im Internet auch für sehbehinderte Internetnutzer. Denn das Internet wird gerade von Sehbehinderten überproportional häufig genutzt da kein anderes Medium seine Inhalte für Blinde und Sehbehinderte voll automatisch selbst in geeigneter Weise aufbereiten kann.

Blinde können sich die Texte einer Website von einem speziellen Browser vorlesen lassen und sind daher auf eine sinnvolle Gliederung der Inhalte und auf Textbeschreibungen für Bilder angewiesen.

Sehschwache sind auf variable Schriftgrößen angewiesen, damit sie die Inhalte in großen Lettern lesen können.

Farbenblinde Nutzer sind auf kontrastreiche Graustufen angewiesen, denn nur so werden Bildinhalte für sie sichtbar. Farben mit inhaltlichen Bedeutungen und farblich gegliederte Inhalte können von ihnen oft nicht erkannt werden.

Man schließt Menschen mit Sehbehinderungen weitgehend aus, wenn man beim Webdesign bestimmte Kriterien der Ergonomie missachtet...

Gibt es für schlechte Sites keinen Pardon?

Schlecht gemachte Seiten können unfreiwillig durchaus auch einen beträchtlichen Unterhaltungswert haben.

Natürlich ist es grausam, unschuldige Besucher mit ungelenkem Text, peinlichen Rechtschreibfehlern, kindlichem Gedudel oder mit einfältigen Farbkombinationen zu traktieren.

Doch hat es auch seinen Reiz zu sehen, dass sich ein Anfänger vielleicht tagelang mit einer Zappelgrafik abgemüht hat, aber die wenigen Zeilen Text und die Bildschirmaufteilung nicht richtig hinkriegt.

Hauptsächlich geht es dabei schlicht um handwerkliche Mängel, die auch bei Webauftritten von Firmen und Institutionen zu beklagen sind. Allem voran fehlendes Gespür bei Textgestaltung und Typographie, schlampig verarbeitete Grafiken in Tateinheit mit unerträglichen Farben, einer planlosen Navigation und nutzlosem Blendwerk, das nicht zur Steuerung sondern zur Verirrung beiträgt.

Wer will auf so einer Seite schon länger verweilen, als es dauert aus dem Schlamassel wieder herauszukommen.

Die Verbindung im Netz ist der Link...

Links sind zum wesentlichen Element des Webs geworden: Links schaffen Verbindungen zwischen unterschiedlichsten Sites an verschiedenen Orten. Aber nur der Leser entschiedet wie es weiter geht, Bevormundung im Netz ist unmöglich. Und mit einem Mausklick kann der Leser hier sein und auch gleich wieder weg.

Links dezentralisieren und ordnen, verteilen und verbinden Objekte in der rhizomatischen Struktur des Netzes. Literarisches von den rechten Links...

Wie läuft die Navigation im Netz?

Da der Webdesigner nicht wissen kann, an welcher Stelle die Suchmaschine den Gast in einen von ihm gestalteten Internetauftritt leitet, braucht jede (wirkliche jede!) Site zumindest eine minimalistische Navigation.

Menüs und die anderen Navigationselementen auf einer Site sind aus Links aufgebaut und müssen klar als solche erkennbar sein.

Erst einmal: weiterführende Links gehören homogen in den Text eingebettet und müssen dort auch eindeutig als Verzweigungsmöglichkeit erkennbar sein. Sie müssen auch beim raschen Überfliegen der Site als Links wahrgenommen werden können.

Bannerwerbungen und Zappelbilder lenken vom Eigentlichen ab. Das Web darf weder zur Litfasssäule noch zum Irrgarten werden. Niemand würde es einem Fernsehsender verzeihen, flimmerten auf dem Fernsehschirm ständig Laufbänder oder Grafiken über wichtige Sendetermine. Im Web ist das anders, da kann man sich so etwas (noch) erlauben. Zwingen kann man den Besucher aber zu gar nichts - und wer irgendwo lange herumsuchen muss, geht woanders hin.

Und wie funktioniert die Orientierung innerhalb einer Site?

Je mehr Informationen eine Site anbietet, desto wichtiger wird eine übersichtliche und ausgeklügelte Navigation. Die wichtigsten Dinge sollten direkt von der Startseite aus erreichbar sein. Niemand mag zwischen auseinander gerissenen Informationsfragmenten hin und her suchen.

Menüs sind meist Teil des Kopfes oder am linken Rand einer Site. Ein eher ungewöhnlicher Platz ist der rechte Rand. Ein Mini-Menü am Seitenende platziert, kann zur Vereinfachung der Navigation innerhalb der Site dienen.

Sitemaps sind auch für große Informationsangebote im Netz die beste Navigationshilfe. In einer Map sind alle Links auf die Inhalte der Website gesammelt. So können sich die Besucher einen Überblick über das Gesamtprogramm machen und direkt die gewünschten Sites aufrufen.

Bei großen Informationsangeboten kann dem Besuchern bei der Orientierung einen "Eingangstunnel" bauen, das ist eine Site die vor die eigentlichen Inhalte geschaltet wird und erklärende Einleitungstexte mit Links zu den Untersites enthält.

Und wie hängt das Surfen mit Za-Zen zusammen?

Za-Zen bedeutet an und für sich "Sitzen in Konzentration und Stille", so wie es beim stundenlangen Surfen üblich ist.

Bei Za-Zen stehen die mediative Selbsterfahrung und Erleuchtung des eigenen Ichs im Mittelpunkt. Beim Surfen durch die Weiten des Netzes ist es nicht viel anders. Beginnend bei einer konkreten Frage verselbständigt sich der Pfad durch den Informationsraum. Der Weg durch das vieldimensionale Informationskontinuum ist das Ziel, denn wo das Ergebnis zu finden ist und wie es aussieht, ist auch nach dem Abschluss des Surfens unbestimmt. Eine neue Suche bringt andere Pfade und neue Ergebnisse.

Za-Zen ist die individuelle Chance, die eigene Weise mitten in Raum und Zeit in der raum- und zeitlosen Gegenwart im ewigen Jetzt zu sein. Die Kern-Übung des Za-Zen ist das Sitzen in aufrechter Haltung, das Sitzen in Stille und das Sitzen in Versenkung.

Beim heutigen Surfen in Konzentration und Stille im Netz geht es darum Web-Sites zu betrachten, die man eigentlich nicht festhalten kann. Vielleicht ist die Originalsite im Netz bereits wieder verändert, während man das vor wenigen Sekunden auf den PC übertragene Abbild gerade liest.

Alle Welt redet über Optimierung von Websites?

Ohne Optimierung wird jede Site ein Mauerblümchen bleiben und einsam vor sich hin vegetieren.

Der bei Weitem größte Teil der Internetnutzer gelangt über Suchmaschinen auf die für sie interessante Sites. Anschließend werden die Inhalte meist grob auf Brauchbarkeit überprüft und oft nur die ersten Bereiche durchgesehen.

Ist der Seitenaufbau zu langsam oder das Aussehen unattraktiv, wird der Benutzer blitzschnell zum nächsten Anbieter wechseln, ohne dass er den Text gelesen hat. Daher steigt der Wert des Informationsangebots durch optimierte Seiten wesentlich. Und wir verstehen etwas von Optimierung...

Sie betreiben eine Textklinik im Rahmen von Informationsdesign?

Informationsdesign ist an und für sich die Umsetzung von Information in visuelle Formen. Beginnend bei der typografischen Aufbereitung der Texte bis hin zur grafischen Gestaltung des Bildschirminhalts. Diese Art von Design geht damit weit über eine visuelle ästhetische Gestaltung hinaus. Planung, Implementierung und Optimierung der Kommunikationsprozesse mit Printmedien und elektronischen Medien müssen gemeinsam mit Auftraggebern und Nutzern durchgeführt werden.

Voraussetzung sind neben gezieltem methodischen Vorgehen gute Kenntnisse der Entwicklungswerkzeuge, verbunden mit einem hohen Maß an Kreativität, eben Wissen über Informationsdesign...

Wie kann man die Informationsfluten noch bewältigen?

Die Informationsfluten der Webgesellschaft kann man auf die Dauer nur bezwingen, indem man sich hin und wieder in sein "Kloster" zurückzieht und sich völlig aus der sonstigen Welt ausklinkt.

Das ganz persönliche Kloster können ein paar Tage auf einer Selbstversorgerhütte sein, eine längere Tour mit dem Motorrad oder ein Ritt auf dem Raft durch ein kaum bezähmbares Wildwasser...

Mich hat mein persönlicher Weg an einen Ort geführt, wo ich Abstand habe vom Getöse der Mediengesellschaft. Aus diesem Abstand kann ich der Brandung des Informationsschwalls entgehen und die so genannte Normalität unserer Webgesellschaft von außen sehen.

Aber jeder geht seinen eigenen Weg, denn jeder ist in einer anderen Situation: Die einen haben Familie und einen festen Job, eine Situation aus der sie nicht ohne weiteres heraus können. Andere sind weniger gebunden und können weite Freiräume besiedeln. Das muss aber auch nicht gleich die Flucht vor der Welt sein: Wenn es darum geht, manchmal so etwas wie eine Fastenkur in Sachen Information, eine Entgiftung vom Informationskonsum zu machen und sich mehr Freiraum zu schaffen, dann kann man das auch im Alltag tun, wie beim Motorradfahren oder bei anderen Adrenalinsportarten...

Kann man sich in Sachen Wissen von Za-Zen inspirieren lassen?

Za-Zen ist für die Webgesellschaft besonders geeignet, denn Za-Zen ist eine wohltuende Schulung sich selbst bewusst zu werden. Es ist immer wieder eine grandiose Erfahrung sich bewusst zu sein, wie sich mein Körper im Moment mitteilt, was ich soeben denke oder was für Gefühle ich gerade habe. Dadurch nimmt man die kleinen Dinge, das vermeintlich Normale, Alltägliche auf einmal wieder frisch wahr. Ich weiß, dass das bei mir sehr gut funktioniert, dass die Achtsamkeitspraxis des Za-Zen mir neue Freiräume gibt und meine Kreativität anregt.

Das Za-Zen vor dem PC hat mich auch ermutigt, eigene Wege zu gehen und darauf zu vertrauen, dass sich über das Netz neue Themen, die Aufgaben, die Inhalte zeigen werden. Es geht dabei um die gestiegenen Ansprüche an alle, die in der Gesellschaft in irgendeiner Form mitmachen wollen. Informationen sind wie Gäste, die ich gerne einlade. Aber wenn ich merke, das sie für mich schädliche Gedanken auslösen, dann sperre ich sie wieder aus und meide den Kontakt mit gewissen Medien oder gewissen Situationen.

Sind wir die Spinne oder die Fliege im Netz?

Diese Frage ist eigentlich ein typisches Koan.

Es ist immer schone eine hohe Kunst gewesen mit Wissen umzugehen. Der Mensch ist dem Thema "Wissen" heute viel stärker ausgesetzt als in der Vergangenheit. Der Mensch bekommt auf immer mehr Kanälen Informationen zugeteilt, wird auch viel mehr über sein Wissen bewertet und das Web hat heute beim Wissenserwerb einen hohen Stellenwert. Ich denke durch den Ansturm von Informationen hat sich die alte Angst verstärkt nicht zu genügen weil man nicht genug weiß.

Aber trotz allem ist es so, dass wir zwar die Spinne im Netz sind aber wie die Fliege, die sich darin verfängt. Der Mediendesigner besitzt das Instrumentarium, aus dem das Netz gesponnen ist. Der Surfer gleicht eher der Fliege, die an den einzelnen Fäden kleben bleibt, wenn sie nicht aufpasst.

Das Paradoxe daran ist, je mehr Information einem zur Verfügung steht, desto mehr Angst hat man, nicht vollständig informiert zu sein. Schon Sokrates sagte aus dieser Haltung heraus "Ich weiß, dass ich nichts weiß." - eigentlich auch ein Koan...

Lesen Sie Online oder schmökern Sie in Büchern und Zeitschriften?

In Zukunft wird der Bildschirm wohl der allgemein akzeptierter Leseort sein, das Leseverhalten wird sich schließlich anpassen, die Akzeptanz der Lektüre am Bildschirm ändert sich bereits seit einiger Zeit.

Erfahrung mit dem Online-Lesen gibt es jedenfalls bereits: Kinder lesen am Bildschirm aufmerksamerer wenn sie viel surfen oder sich regelmäßig in Computerspiele vertiefen, als solche Leute die das Lesen der Printmedien gewöhnt sind. Diese Kinder und Jugendlichen sind es gewöhnt gerade am Bildschirm keine Leserfehler zu machen, denn sonst würden sie jedes Spiel verlieren.

Für mich jedenfalls sind Online-Nachrichtenmagazine die wichtigste tägliche Informationsqualle und unverzichtbar geworden. Wenn ich etwas wissen will, greife ich nicht mehr zum Lexikon, sondern lasse mich von Google in die Weiten des menschlichen Wissens entführen.

Nehmen die persönlichen Kontakte durch das Web ab?

Geistige und körperliche Präsenz wird in Zukunft wohl zu einem knappen Gut, denn die geografischen Entfernungen in einer globalen Kultur werden immer weiter. Man hat heute viel mehr Kontakte mit Menschen, die weit entfernt von uns wohnen und dorthin zu reisen kosten Zeit und Geld. Hinzu kommt der Trend zur Virtualisierung und das Internet knüpft neue Kontakte, bei denen unsere Kontaktqualität nicht abnimmt .

Durch die neuen Medien wird unsere Aufmerksamkeit neu fokussiert und wir nehmen den Anderen unter anderen Gesichtspunkten neu wahr.

Das Web kann eine echte Chance sein, Kontakte mit Menschen zu finden, die einem liegen und gleiche Interessen haben. Man konnte sich Mitstreiter früher nur aus dem persönlichen oder beruflichen Umfeld aussuchen. Über das Internet vervielfältigt sich der Suchradius von wenigen hundert Menschen auf mehrere Millionen.

Neuere Techniken wie Mobiltelefonie, E-Mail und SMS erzeugen genau wie das Internet verschiedenste zusätzliche Kontaktflächen zwischen den Menschen.

     
    Das Interview mit Achim von Achenlohe über Zen führte Ute Uttendorf.
     
     
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