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Selbstbiographie |
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Von Zeit zu Zeit habe ich manische Anwandlungen und dann schreibe ich eine Geschichte, einige Verse oder bastele etwas für den Cyberspace. Gerade eben hatte ich wieder so einen Schub - und seitdem kann man was Neues auf deiser Website lesen. |
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| Selbstbiographie en Miniatur | |
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Ich bin, da ich dieses schreibe vierzig Jahre alt oder vierhundert. Ich stamme von Familien aus dem Herzen Österreichs. An der wilden Traun im Salzkammergut gezeugt und im Innviertel geboren, aber früher einmal lebte ich in einem fruchtbaren Tal der Alpen mit viel Wasser, begrenzt durch hohe Gipfel und schrieb mit spitzer Schrift und spitzer Gänsefeder zarte Verse auf fein getönte Pergamente. Weit ist mein Weg und wer mich ein Stück begleiten will, der soll mir willkommen sein. Aber es macht mich nicht traurig wenn er ohne mich einkehrt oder sich für einen anderen Pfad als ich entscheidet. Wohl soll er leben und meiner gedenken oder auch nicht. Meine Tagträume begleiten mich Tag und Nacht auf meiner Wanderschaft durch die Welt. Meist sind es meine eigenen, die ich manchmal aufschreibe um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Manchmal sind es die geflügelten Tagträume der anderen, die mich aus fernen Ländern und längst vergangenen Zeiten erreichen, wie sie in Büchern gedruckt stehen. Nicht jedem ist es gegeben seinen eigenen Tagtraum träumen, das eigene Glück erleben. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich einmal ein Kind war, schwach und unwissend. Später war ich ein Jüngling, der sich anschickte eine Welt zu erobern, die er nicht kannte. Ich war gebilligt. Ich war beengt. Später hab nicht immer eingewilligt, hab' vielen meine Liebe geschenkt, war liebreizend und tief betrübt, war geizend und ungeübt, war schüchtern und mutig, immer nüchtern und riss mir das Herz blutig, war herrisch und ergeben, manchmal auch störrisch und wollte immer nur leben. Ich liebe die Menschen. Ich liebe sie mehr als die Wiesen, Wälder, Flüsse, Berge, die Tiere und die Sterne, mit denen ich gerade so zu sprechen vermag wie mit denen, die mir lieb sind. Vor allem aber liebe ich die Frauen. Allen voran die Liebe Frau, die mir Weib und Mutter Gottes ist. Längst steht sie in Anmut gebenedeit an Gottes Thron, die weiße Lilie in den hoch gestreckten und gefalteten Händen. Sie lächelt mir zu oder weint auf mich herab, ganz nach ihrem Sinn. Bete an, was du verbrannt hast und verbrenne, was du angebetet hast. Was ihr kennt, ist nur ein Teil dessen, was ich dichtete. Oft hat mir der Wind meine Blätter fort gerissen oder meine Texte sind in den Tiefen der Computer verschwunden oder wurden einfach weg geschmissen, da ich sie mich auf meinen Wanderwegen nicht tragen wollte. Viel habe ich bei meinen vielen Wanderschaften verloren. Wer meine Blätter gefunden hat, soll sie behalten, ob er nun damit seine Schuhe ausstopft oder ob er sie zum Gaudium seinen Freunden vorliest. |
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| Wiener Stadtcafés | |
| Kaffeetrinken zu zelebrieren gehört bei mir zum
Lebensgefühl. Kaffee trinke ich nie zu Hause, immer nur in einem Tempel in
dem dieses geheimnisvoll duftende Getränk von Könnern für Kenner serviert
wird, dem Kaffeehaus. Ich sitze da mit meinem Kleinen Braunen inmitten einer Schar von Menschen, die in
sich zurück gezogen sich selbst oder andere betrachten, solche die
miteinander sprechen um etwas aufzubauen und solch die miteinander streiten
um etwas zu zerstören.
In jenen Lokalen, in denen ich Stammgast bin, heißt es das eherne Grundritual jedes Stammgastes einzuhalten: Der wirklich Stammgast hat Rechte und Pflichten - dazu gehört, dass im gleichen Lokal immer das Gleiche konsumiert werden muss, damit es der Keller nach dem Eintreffen des Stammgastes unaufgefordert servieren kann. Durch dieses kleine Ritual kann erstens der Stammgast allen Gelegenheitsgästen zeigen, wer er hier ist. Und zweitens der Kellner vorführen, wie fürsorglich hier Gäste behandelt werden, wenn sie öfter kommen. Die Menschen im Kaffeehaus verbindet die Idee, außerhalb ihrer vier Wände in vertrauter Umgebung zu sitzen und Kaffe zu genießen. Sie haben sich die Zeit genommen oder sich mit jemandem verabredet, kurz sie sitzen hier und müssen sich nun entscheiden ob es ein Kleiner Brauner wird oder ein Verlängerter, Mokka, Kurzer, Türkischer, eine Melange, Einspänner oder eine Schale Gold. Das Wiener Kaffeehaus hat sich in seiner dreihundertjährigen Geschichte zum Mythos und zur Lebensphilosophie entfaltet. Im Kaffeehaus wurde und wird Kunst besprochen, Liebschaften begonnen und so manche Umwälzung eingeleitet. Das Wiener Kaffeehaus ist eine Institution für Arbeiter und Angestellte, für Sandler und Generaldirektoren, für Literaten, Maler und Lebenskünstler, für Einsame und Lauscher, für Ehepaare und Liebespärchen, für Huren und Gauner. Zum Ambiente gehören Thonet-Stühle, Marmortischchen, Ledersessel, Plüschbänke und Samtvorhänge, denn man mag es, in seinem verlängerten Wohnzimmer von der Gemütlichkeit längst vergangener Tage umgeben zu sein. |
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Café Aida |
Links von mir sitzen zwei 90-jährige Damen mit einem passenden Herrn und einem dicklichen Mann, der mit seinen 70 Jahren den Jüngling und Sohn in dieser Runde gibt. Der Greis tuschelt mit seiner Begleiterin über mich und dann fixieren mich beide, bilden sich offenbar ein mich zu kennen und sind zunehmend verärgert darüber, dass ich sie nicht grüße. Rechts von mir am Tischchen zwei Männer südosteuropäischen Aussehens, die sich nach dem Zusammenbruch ihres Heimatlandes Jugoslawien offenbar irgendwie in Wien durchschlagen. An den weiteren Tisch massige Frauen aus den Außenbezirken, die auf Einkaufsbummel in der Innenstadt sind, zwei Müllmänner in Knallorange und auch einige junge Pärchen. Die Ausstattung und die Bedienung lassen vermuten, dass man beim Eintritt in das Café einen durch Zeitsprung in die 1950-er Jahre geschlüpft ist. Das Café ist gesteckt voll und jedes der winzigen Tischchen besetzt, wenn eines frei wird dauert es nur Sekunden bis neue Gäste daran Platz genommen haben. |
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Café Segafredo |
Natürlich ist die überwiegende Zahl der Gäste wie den anderen Kaffeehäusern, doch der Anteil der Reichen und Schönen scheint hier höher als sonst. Nicht immer ist es einfach in diesem Café eine Platz zu finden, doch wenn man ein Tischchen ergattert hat, dann gibt es zuvorkommende Bedienung und viel zu sehen. Wenige Tische von mir sitzt eine wunderschöne junge Frau mit blonden Zöpfen, Wangengrübchen und einer in Schwarz gehüllten umwerfenden weiblichen Morphologie. Manchmal dringen Wortfetzen aus ihrem Gespräch mit dem belanglosen Mann zu mir herüber, den sie mit den Problemen ihres Lebens und ihrer Liebesbeziehungen zuschüttet. Von ungewolltem Kochen und Putzen ist die Rede, von Untreue und hundert roten Rosen als Entschuldigung dafür. Sie weiß um ihre Wirkung auf Männer und ihre Seele lebt offenbar davon. Heute hat sie jedenfalls eine rustikale Frisur mit schwarzem Outfit so kombiniert, dass wohl kein Mann daran vorbeischeuen kann. Der Dreitagebart an ihrem Tisch meinte am Anfang noch die Gesprächsführung zu haben aber bald die ihm zugedachte Opferrolle angenommen, während sie ihn mit ihrem Klagegesang über ihr an sich einzigartiges aber vielfach verbesserungswertes Leben einlullt. Ein süßer zappliger Kobold mit schlanken Beinen in Nylons, eine Salontussi mit gebleichten Zöpfen und im eng anliegenden Pulli, wohl gefüllt mit apfelrundem Weiberfleisch, dazu gemacht die Männer reihenweise zu KO zu gehen zu lassen. Die Worte brausen aus ihrem Mund, der aufklappend vorstößt um die männliche Jammerlappigkeit kalt nieder zu beißen. Ein Weibchen mit bebenden Brüsten, das eine ihrer Generalproben für ihren Ansturm auf den Wohlstand abhält. Sie ist sich gewiss, dass sie nicht mehr lange Zeit hat, sich von einem Mann das richtige Nest zurecht machen zu lassen. Aber diesmal hat sich sich keinen Akteur gewählt, sondern einen Zuhörer für das Ticken ihrer biologischen Uhr. |
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Café de l'Europe |
Das
älteste der italienischen Cafés in der Hochburg der Wiener Kaffeehaus-Kultur,
jahrelang Treffpunkt von Exilanten mit dem freien Blick auf das pulsierende
Leben der Innenstadt. Wenn man sich durch die dicht gedrängten Gäste im
Erdgeschoß gedrängt hat, gelangt man am Pianisten vorbei in den Tearoom im ersten Stock mit
herrlichem Blick auf den Graben.
Der Pianist spielt auf dem Treppenabsatz als gäbe es keinen besseren Platz für ihn und sein Klavier. Maschine und Mann sind Ton in Ton aufeinander abgestimmt: Auf Schwarz spärliche weiße Sprenkel. Ich nehme an einem der weiß gedeckte Tischen auf der Lederbank Platz und der freundlich lächelnde Kellner bringt mir meinen Kleinen Braunen. Viele der Gäste sind hierher gekommen, um nach der Arbeit den Tag ausklingen zu lassen. Durch die riesigen Glotzfenster habe ich freien Blick auf die Geschäftigkeit am Graben und die hell erleuchteten Schaufenster erhellen die Menschen unter mir, die den Graben gemächlich entlang spazieren oder ihn geschäftig nahe der Höchstgeschwindigkeit durchschreiten. Zwei Tische von mir entfernt blättern zwei rauchende dickliche Mädchen in einem Photoalbum und brechen in unregelmäßigen Abständen in gedämpftes Gelächter aus. Die Blonde zeigt dabei ihre gelblichen vorstehenden Zähne. Bevor die beiden das Café verlassen verhässlichen sie sich noch etwas mit grauen Hauben und dicken Mäntel. Sonst sitzen hier fast nur Paare im fortgeschrittenen Alter, altersmäßig zwischen Abteilungsleiter und Pensionsanspruch. Die meisten Gäste trinken Kaffee, zwei Damen am Fenster haben sich etwas leichtes zum Abendessen bestellt: Grüner Salat mit Hühnerstreifen in riesigen Glasschüsseln. Dazu ein kleines Bier und eine Campari gespritzt. Rechts neben mir blättert eine elegante Mittdreißigerin eifrig in Geschäftspapieren und telefoniert dann mit ihrem Abendrendezvous. "Acht - das ist sehr gut, ich freue mich schon sehr" sagt sie lächeln mit starrem Blick zum Fenster hinaus, ihr Telefon ans Ohr gepresst. Was wird sie wohl die zwei Stunden bis dahin anfangen, doch als Stammgast kümmert sich der Ober ergeben um sie. |
| Tiefblicke in die Schluchten zwischen den Häusern | |
| Geneigte Leserin, geneigter Leser bitte noch etwas Geduld, diese Rubrik wird sich erst in einigen Tagen füllen. |
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| Pawlow'sche Mutanten | |
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Beim Einkaufen folge ich meiner Geliebten wie ein treuer Hund. Zwei Einkaufszentren und zwei Fußgängerzonen waren neulich die Tatorte. Ein kleiner Hund steckt in jedem Menschen und sollte es nur ein Pawlow'scher sein. Nur zweihundert Mal klingeln, fressen, klingeln, fressen und schon lässt das Klingeln allein den Speichel fließen.
Der gewöhnliche Pawlow'sche Hund mit Klingel und Hundefutter hat heutzutage ausgedient: Kaufen und verbunkern, kaufen und verbunkern und schon hat man kein Geld mehr, es ist weg und man kann nicht mehr darüber verfügen. Die Markenprodukte und Designerlabels haben das Hundefutter des Iwan Petrowitsch Pawlow abgelöst und den Menschen durch eine neue entwickelte Verhaltenskonditionierung zum Reflexhund gemacht. Zwangskauf-Mutanten leben direkt unter uns, werden immer mehr und haben bereits in fast allen Lebensbereichen die Themenführerschaft übernommen. Sie sagen uns, wo wir unseren Urlaub zu verbringen, welche Automarke wir zu bevorzugen, was wir anzuziehen und wo wir unsere Abende zu verbringen hätten. Mutanten-Jargon kann man überall hören, von den Menschen um uns herum, in den Medien, von den Politikern. Keine Wohnungen mehr, sondern Bühnen mit Kulissen, fettarme Milch und Süßstoff statt des prallen, echten Lebens. |
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