Ich fahre von Wien quer durchs Alpenvorland ins Innviertel, direkt über die Hügel und nicht im Donautal - keinen Kilometer Autobahn.

Auf der gesamten Fahrt geht es quer über die sanften Hügel aus Molasse und Flysch. Ursprünglich Schieberinnen ausgehobelt von den immensen Eismassen. Die Gletscher schliffen damals auch ganze Berge zu Findlingen und Kieselsteinen zusammen. Das Eis schabte nach und nach riesige Furchen ins Land. Später, bei seinem Rückzug füllte diese Becken als glazialen Mistgruben mit Schotter und Schmelzwasser. Durch den Abfluss dieser Gletschermeere entstanden später unsere Hügel, Flusstäler, Moore und Seen.

Die Alpen hoben sich schließlich wieder, nachdem die kilometerdicken Gletscher abgeschmolzen waren, wie ein überladenes Auto nach dem entleeren. Und die heutige Landschaft war fertig.

Die Täler schlängeln sich vom Süden nach Norden der Donau zu und so muss man Hügel um Hügel erklimmen, um vom Wiener Becken zu den Tälern von Salzach und Inn zu kommen. In einem Stück kann man das nicht fahren, da die Anschlüsse der Ost-Weststraßen in den niederösterreichischen Talorten fast immer ein klein wenig versetzt und die Anschlüsse schlecht ausgeschildert sind. Alle Wegweiser wollen den Verkehr nach Norden zur Autobahn oder den größeren Orten im Tal der Donau führen.

 
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hoch über dunklem Farn besonnte Kronen
worüber graue Bergesspitzen thronen
in des Waldes Stille, die den umschmiegt
der an Bächen mit kristallnem Wasser liegt
in grüner Gräser Wiesen - hat gesiegt
wer das besitzt, mag nimmermehr wo anders wohnen
möge ihn die Gottheit vor Schlecht'rem schonen
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Bis nach Traisen geht es wie geschmiert die bekannten Straßen von Brunn am Gebirge, Hinterbrühl, Gaaden, Heiligenkreuz, Alland, Hafnerberg, Altenmarkt, über den Gerichtsberg nach Hainfeld und weiter im Tal der Gölsen und ins Tal der Traisen. Insgesamt dauert die Reise 10 spannende Stunden.

Die Landschaft des Voralpenlandes, die wir durchqueren, ist Teil der voralpinen Schotterplatten als Folge der eiszeitlichen Schmelzwasserströme von Traisen, Pielach, Melk, Erlauf und Ybbs.

Es geht über grüne Hügel mit Feldern, Wiesen und Wäldern. Die Straßen sind gesäumt von den bizarr geformten Bäumen, voll mit Mostobst. Meist sind es uralte Dirndlbirnbäume, denen man ansieht, dass sie schon ein Menschenleben lang heiße Sommer und kalte Winter überstanden haben. Immer wieder werden Blicke auf die Kalkalpen im Süden frei. In den Orten zwischen den freundlichen Gehöften verdichten sich Alleen, Kapellen und Bildstöcke an den Straßenkreuzungen zu einem liebenswerten Antlitz der Ansiedlungen.

Bei herrlichem Sonnenschein fahren wir über die gewundenen Straßen, die der Mensch über Jahrtausende an die Landschaft angepasst hat. Die Landschaft ist ein dreidimensionales Kunstwerk in den verschiedensten Grüntönen, verziert mit den rot-weißen Farbtupfen der Bauerhöfe. Das hellgraue Straßenband tut sich immer wieder neu vor uns auf. Trotz der flirrenden Hitze ist in den Waldabschnitten die Straße immer wieder durch die Feuchtigkeit schwarz.

Als ersten architektonischen Höhepunkt gibt es eine Außenbesichtigung der mächtigen Anlage des Stiftes Seitenstetten. Besinnlich stimmt vor allem der außergewöhnliche barocke Klostergarten mit seiner herzbewegenden Architektur und den Blumen und altertümlichen Bäumen, die heute kaum noch in den Gärten zu sehen sind.

Von Wilhelmsburg im Tal der Traisen geht es über die grünen Hügel und durch die gepflegten Dörfer nach Hofstetten im Pielachtal. Östlich der Pielach sind es die Sammelsiedlungen, westlich des Tals liegen Streusiedlungen mit den Vierkanthöfen im Traunviertel und noch weiter die Vierseithöfen im Innviertel.

Von der Pilach geht es nach Kilb und weiter hinüber nach Oberndorf ins Melktal. Von dort verschiedene ost-west Landesstraßen über den Bergrücken nach Purgstall im Erlauftal. Weiter über Wolfpassing und Euratsfeld dem Ybbstal zu.

 

Von Ulmerfeld-Hausmening im Ybbstal weiter über die B122 nach Steyr und Bad Hall auf einen Kaffee am romantischen Hauptplatz, der Verkehr und Fußgänger miteinender verbindet, ohne Zoneneinteilung und Gettos. Die B195 führt uns nach Kremsmünster und weiter nach Lambach, wo wir auf die B1 treffen. In Lambach lassen wir und das Benediktinerkloster und Mariahimmelfahrtskirche in einfachen Worten durch eine Führerin erklären, deren Wissen weit hinter der Begeisterung nachhinkt.

In Oberösterreich wird das sanft nach Norden abfallende Voralpenland von den Flüssen Enns, Traun und Inn durchflossen und von der Bundesstraße 1 (B1) erschlossen. Ein kleiner Spaziergang in Kammer an dem jadefarbenen Wasser des Attersees und am Ufer der Ager erinnert uns an die Schönheit der Landschaft des Salzkammerguts.

In Oberösterreich kann man an der B1 immer wieder Ölpumpen sehen, da im Alpenvorland Erdöl und Erdgas gefördert wird. Diese Kohlenwasserstoffe sind durch die thermische Umwandlung der organischen Stoffe des Fischschiefers entstanden. Insgesamt hat die Fahrt durch das Voralpenlend in Oberösterreich auf der gut ausgebauten Bundesstraße eins wenig mit Naturerlebnis zu tun.

 

Das Alpenvorland erstreckt sich von der Schweiz bis nach Tschechien als eine dem Alpen- und Karpatenbogen vor gelagerte Senke, die im Zuge der Hebung der Alpen mit deren Abtragungsmaterial (Sand, Schotter, Ton) gefüllt worden ist.

Die lieblichen Hügel des nördlichen Alpenvorlandes bestehen aus jungtertiären Sedimenten. Diese Molasse hat sich zwischen den Alpen und der Böhmischen Masse in und nach den Eiszeiten in einer Zusammensetzung aus Sandstein und Konglomeraten abgelagert. Diese sammelte sich im Mittel- und Oberteritär in den äußeren Becken, welche die abgelagerten Materialien der Alpenkette aufnahmen. Die Uralpen waren als Gebirge von gigantischen Ausmaßen von 6000 Metern Höhe aufgefaltet und wurden in 50 Millionen Jahren auf die halbe Höhe abgetragen.

Die Hügel des Voralpenlandes wurden durch die nacheiszeitlichen Schmelzwasserströme der Gletscher gebildet. Die nach Norden sanft abfallende Ebene wird in Niederösterreich heute nur mehr von Bächen und kleineren Flüsschen durchzogen. In Oberösterreich sind die Flüsse auch heute noch wesentlich wasserreicher.

Zwischen diesen Wasserläufen türmen sich gewaltige Hügel, die so genannten Schotterplatten, die entlang der riesigen Flüsse in der Eiszeit als Terrassen entstanden sind.

 

Die Klammen an der Salzach sind phantastische Gebilde aus Fels, die über die Jahrtausende durch das Wasser geformt worden sind.

Man erreicht die Klammen auf bequemen Wegen am Fuße der schroffen Kalkalpen und der vorgelagerten Grasberge in einer der landschaftlich schönsten und abwechslungsreichsten Gebirgslandschaften der Alpen. Dabei es gibt es schon vor dem Einstieg und auf der Fahrt eine Menge zu sehen und entdecken: bizarr geformte Felsen, rauschende Wasserfälle mit ihren Nebelschleiern, riesige stockdunkle Höhlensysteme, reißende Bäche, stille Tümpel, weite Kessel und mächtige Kolke, die als Riesenbohrlöcher in den Felsengrund gehen.

Die ersten drei Salzach-Klammen erkunden wir gleich am ersten Tag: Kitzlochklamm, Sigmund-Thun-Klamm und Liechtenstein-Klamm. Die restlichen zwei Klammen werden am nächsten Tag besichtigt:
Salzachöfen und Lammeröfen.

Das Wasser leuchtet in jeder der Klammen mit einer anderen Farbe: leuchtendes Blau, wogendes Türkis, elegantes Grau, frisches Grün oder geheimnisvolles Petrol aber immer wieder zeigt es sich auf den Felsen und im Sturz in die Tiefe im brodelnden Weiß der Gischt.

Also sind wir abgestiegen zu den Höhlen und wieder heraufgekommen aus dem Tosen.

 

Brodelnd schießen die Wassermassen in Felsentöpfe hinein, strudeln im Kreis und werden gurgelnd weiter gesogen. Man spürt, dass man hier nur kurze Zeit Gast sein darf als Besucher in einer Welt, in der sich seit Jahrtausenden Wasser und Fels einen immerwährenden Kampf liefern.

Wasserfälle und sprudelndes Wildwasser ionisieren die Luft in ihrer Umgebung auf das Vielfache des normalen Wertes und versprühen feine Wassertröpfchen. Die Wasserstrudel bewirken durch ihre hohe innere Reibung eine physikalisch messbare Ionisierung der umgebenden Luft. Negativ ionisierte Wassertröpfchen reinigen die Luft und erleichtert die Sauerstoffaufnahme der Lunge. Diese ionisierte Luft und die feinsten Wassertröpfchen der Wasserfälle tun unseren Lungen gut und sind heilsam bei Erkältungs- und Asthmaerkrankungen.

Jede Klamm ist für sich einzigartig und ein sichtbares Zeichen dafür, wie die urgewaltige Kraft des Wassers langsam, aber stetig den härtesten Fels besiegt und sich immer tiefer ins Gebirge schneidet. Aber heute noch tiefen die Achen Millimeter um Millimeter in den Fels ein. Auf sicherem Steig stehend, denkt man unvermittelt darüber nach, wann der Fluss sich wohl auf dieser Steghöhe befunden haben mag. Vielleicht zu den Zeiten der Pharaonen oder bereits viel früher, als sich die ersten Menschen hier ansiedelten oder schon, als die Gletscherzungen der Eiszeit abzuschmelzen begannen? Wild wogt das Wasser der Ach in ihrem schmalen Bett. Jeder Schritt weiter in die Klamm hinein lässt die Felswände in neuen Grün- und Blautönen leuchten und feine Nebel im Spiel der Sonnenstrahlen vom Wasser herauf ziehen, sobald die Sonne auch nur ein wenig Licht in die Schattenwelt bringt. Kleine Regenbogen spannen sich von einer Seite der Klamm zur anderen.

Besonderes Schuhwerk oder besondere Bekleidung ist für keine der Klammen notwendig, denn die Steige und Brücken sind auch für Ungeübte, Kinder oder ältere Menschen gefahrlos zu begehen.

Das unheimliche Gurgeln, Sausen und Brausen, das ihre Felsräume und die Klammwände durchdringt, ist allen Klammen gemeinsam und jede für sich ist ein aufregendes Naturschauspiel. In den Klammen und Schluchten ist es manchmal so eng, dass man das Gefühl nicht los wird, die Holzstege und Besucher würden von den blanken Felsen regelrecht verschluckt. Gerade an heißen Sommertagen bieten sich die rauschenden Bäche in Kombination mit kurzen Wanderungen als ideale Ziele an.

 

Der Steg durch die Sigmund-Thun-Klamm bildet gemeinsam mit dem naturkundlichen Lehrweg um den Klammsee und dem Schauraum des Krafthauses Kaprun-Hauptstufe ein Kernstück des "Erlebnis- & Erholungsraumes Bürgkogel Klammsee"

Dieser wunderbare Teil des Kapruner Tales im Vorland des Nationalparks Hohe Tauern ist gut erschlossen und dient dem Wanderer und Erholungsuchenden als Ort der Regeneration und der Begegnung mit der einmaligen Natur. Bis zu 32 Meter tief hat sich die Kapruner Ache bisher auf ihrem Weg durch die Sigmund-Thun Klamm eingeschnitten und dabei markante Glättungen, Strudeltöpfe und Kolke gebildet.

An der Stelle der Klamm durchschneidet die Kapruner Ache die Riegel der harten Felsen aus Kalkglimmerschief des Mais- und Bürgkogels. Besonders attraktiv sind die in den blaugrauen Fels eingelagerten Quarze und Kalkspate, welche den Wänden ein geheimnisvolle Aussehen geben unter denen die Wassermassen kochend Blasen werfen und nach unten toben.

Die Gewalt der Strömung treibt die sprühenden Massen des petrolfarbenen Wassers durch die Felsspalten hindurch und lässt die ohrenbetäubenden Sturzbäche in Kaskaden haltlos über Felsen stürzen. Tief unter unseren Füßen brodelt und tobt und dröhnt eiliges Wasser in der Schlucht und sammelt sich dann in einem ruhigen See in einer tiefen dunklen Felsenschlucht.

Der ruhig dahin fließende eiskalte Bach ergießt sich in den See und wird dann zu einem echten Wildwasser, das sich schäumend zwischen Felsblöcken hindurchzwängt und die engen Rinnen wie in einer Bobbahn hinunter schießt.

Das Wasser in der Klamm hat ein dunkles geheimnisvolles Petrolblau und in der gleichen Farbe grüßt uns der Stausee aus dem die Klamm entspringt. Der oben anschließende Klammsee hat das gleiche Petrolblau und bietet mit seinem Naturlehrpfad und einem Kiosk die Möglichkeit Natur zu tanken, sie erklärt zu bekommen und sich zu erfrischen. Die Zuflüsse des Sees sind so kalt, dass normale Bäche dagegen wie ein Durchlauferhitzer wirken.

Die Sigmund-Thun-Klamm ist täglich von Mitte Mai bis Anfang Oktober geöffnet. Zugang über Kaprun, Tiefe 32 Meter, Länge 320 Meter.

 

Die Kitzlochklamm liegt bei Taxenbach im Pinzgau, hoch über dem Salzachtal. Durch sein mildes Klima wird Taxenbach von den Einheimischen als das "Meran des Pinzgaues" bezeichnet.

Die Kitzlochklamm ist die Mündungsschlucht der Rauriser Ache in das Salzachtal. In der Klamm hat sich die Rauriser Ache durch den Kalkschiefer hinunter gearbeitet und dabei in Jahrtausende langer Arbeit senkrechte Wände geformt.

Die Klamm ist durch einen gut gesicherten Steg erschlossen, der an einer ehemaligen Einsiedelei vorbei führt. Mit einem 100 Meter hohen Wasserfall inszeniert die Rauriser Ache gleich am unteren Eingang ihr Finale. Es geht dann über sichere Stege und Tunnel aus dem 16. Jahrhundert hoch über der tosenden Ache dahin. Im Schaum gekrönten Wasser liegen riesige Schieferfelsen, als hätte sie ein Zyklop dort hinein geschmissen. Das dunkle graublaue Wasser hat nicht nur die Klamm geformt, sondern auch die Höhlen in den Wänden, von denen man einige gefahrlos betreten kann. Es schießt unter uns laut, wild und schäumend unter unsrem Holzsteg durch die Engen und unter den Holzbrücken hindurch. 

Durch die engen Felsspalten wälzen sich unbändige Wasserbänder, die Wogen werden förmlich durch die Felsen hindurchgepresst und stürzen sich immer wieder in dicken mächtigen Gießbächen nach unten. Mit ungebrochener Macht fluteten die kochende Gischt über oft kaum vom Wasser bedeckten Felsenblöcke hinweg. Wir sind betäubt von dem Donnern des Wassers in der Tiefe und sehen immer nach unten und kaum auf den Weg, der vor uns liegt.

Einer der großen Stollen heißt Ritzstollen und wurde 1553 von Bergknappen als Erkundungsstollen zur Erzgewinnung und zum Goldsuchen geschlagen. Anschließend führt der Steig hin zu einer aufgelassenen Einsiedelei, von der heute nur mehr die Höhle hoch über dem Abgrund ist, in die einmal der Bretterverschlag eingebaut war. Vom Tal aus kann man diese Höhle über einen leichten Weg erreichen, ohne dabei durch die Klamm zu müssen.

1974 stürzte hier eine Holzbrücke 20 Meter in die Tiefe und riss 24 Mädchen aus Limburg an der Lahn im Alter zwischen 10 und 13 Jahren mit in den Gebirgsbach. 16 der Kinder konnten lebend und acht nur noch tot geborgen werden.

Die Sage von den wilden Frauen von der Kitzlochklamm berichtet von einer stürmischen Winternacht, in der aus der Kitzlochklamm wilde Frauen zum Bauern auf der Embach-Rain Graskuppe kamen. Der Hunger hatte sie aus der Klamm getrieben und in ihrer Not klopften sie und baten um etwas zu Essen. Der Bauer gab ihnen zu essen und die wilden Frauen erfüllten dem Witwer dafür seine geheimsten Wünsche.

Zugang über Taxenbach, Gehzeit zwei Stunden, Wasserfallhöhe 100 Meter.

 

Die Liechtensteinklamm liegt südlich von St. Johann im Pongau und ist die Mündungsschlucht des Großarlbachs in die Salzach. Die Erosion der Klammkalke durch die Ache hält seit Ende der Eiszeit an.

Nach einigen vergeblichen Versuchen gelang einer Handvoll Pongauer Alpenvereinsmitgliedern 1875 die Erschließung der wildromantischen Klamm. Im Laufe der Arbeiten aber ging den beherzten Männern das Geld aus. In ihrer Not wandten sie sich an Fürst Johann II. von und zu Liechtenstein, der im nahen Großarl eine Jagdwirtschaft betrieb. Mit seiner Spende von 600 Gulden konnte das Werk 1876 vollendet werden. Und für die bedeutendste Schlucht der österreichischen Alpen war der Namensgeber gefunden. Seit 1876 ist die Klamm für Besucher zugänglich.

Die reißenden Wassermassen die sich über Jahrtausende immer tiefer in die Schlucht geschnitten haben sind auch heute noch ein packendes Erlebnis. Die von ihnen geformten Felsen stehen nun stellenweise so eng und hoch, dass der Himmel nur mehr als kleiner Streifen zu erkennen ist. Die unwirklich anmutenden Licht- und Schattenspiele in der tosenden Tiefe und finsteren Enge der Klamm erzeugen wohl in allen Menschen eine besondere Stimmung.

Weit unter uns liegt ein nebeliger Hauch über dem brodelndem Wildwasser. Die Gewalt der Strömung treibt das kristallklare Wasser in meterhohen Wellen und donnernden Abstürzen schäumend über Felsblöcke und im sprühenden Gischt durch enge Verblockungen. Sonnenstrahlen tanzen in hellen Flecken über die Felsen und Steine im Wildwasser.

Ein 50 Meter hoher Wasserfall schließt ganz oben die Wanderung ab und die Sonne zwischen den Felswänden zaubert aus dem staubartigen Sprühregen des Schleierfalls ein buntes Lichtermeer. Ein Teil der Wasserführung der Ache wird heute durch ein Kraftwerk genützt. Als wir dann kurz vor Mittag die Klamm wieder verlassen, hat der Ansturm auf das Naturwunder voll eingesetzt und die Beschaulichkeit ist dem Trubel einer Fußgängerzone gewichen.

Die Sage von der Liechtensteinklamm erzählt, dass der Schmied von Oberarl in der Plankenau bei St. Johann seine verkrüppelte Tochter dem Teufel verschrieben hatte, wenn dieser ihm die Gasteiner Quellen vor das Haus brächte, bevor der Hahn früh morgens zum ersten Mal krähe. Der Teufel begann in der folgenden Nacht mit seiner Machenschaft doch die Frau des Schmiedes, eine listige Hexe, hatte von diesem Geschäft erfahren und wollte die Tochter retten und der maßlosen Gier ihres Mannes ein Ende bereiten. Noch vor dem Tagesanbruch tauchte die Mutter den Hahn in den Brunnentrog, so dass er noch in der Nacht zu krähen begann. Da der Teufel mit den warmen Quellen gerade über die Klamm flog, hörte er zu Oberarl den Hahn krähen und wusste, dass er zu spät kam. Wutentbrannt schmetterte er die Quellen in die Tiefe der Liechtensteinklamm auf dass sie den Menschen niemals mehr nützen können.

Die warmen Quellen in der Liechtensteinklamm gibt es tatsächlich, doch ist bisher jeder Versuch ihrer gewerblichen Nutzung gescheitert und bis heute ist es niemandem gelungen, das Heilwasser zu fassen und abzuleiten.

Zugang über St. Johann im Pongau, Gehzeit dreiviertel Stunde, Klammlänge 4000 Meter, davon sind 1000 Meter begehbar, Höhendifferenz 100 Meter, Wasserfallhöhe 50 Meter.

 

Direkt an der Salzach befindet sich die größte Flussklamm Österreichs, die so genannten Salzachöfen. Diese Salzachklamm ist nach der letzten Eiszeit als Durchbruch der Salzach zwischen Hagen- und Tennengebirge entstanden.

An der geologischen Bruchlinie zwischen Tennen- und Hagengebirge hat sich die Salzach über die Jahrtausende auf einer Länge von zwei Kilometern in einer Schlucht bis 80 Meter tief in den Dachsteinkalk eingegraben. An den engsten Stellen ist die Klamm nur wenige Meter breit, so dass man gerade noch mit dem Kajak durchkommt.

Die Klamm ist breit genug, dass der Blick auf das Wildwasser hinunter auf die beiden mutigen Kajakfahrer frei gegeben wird, die sich nacheinander an den Stromschnellen vorbei wagen. Wir selbst  bekommen keinen Tropfen ab und können vom sicherem Steig aus gut beobachten, wie das reißende Wasser mit den bunt leuchtenden Kunststoffbooten spielt.

Ein großer Teil dieser wildromantischen Schlucht ist durch einen Weg erschlossen, an dessen Basis sich die Salzach durchzwängt. Das grandiose Naturgebilde weist Funde aus der Steinzeit und aus der Römerzeit auf und ist seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Besuchermagnet.

Steinzeitliche Jäger haben vor einigen tausend Jahren hier an den Ufern der Ursalzach gejagt und sich einen Unterstand gebaut, der direkt am Abstieg liegt. Inzwischen hat sich die Salzach 40 Höhenmeter tiefer eingegraben.

Die Felswände hängen teilweise über und an der eindruckvollsten Stelle, dem gewaltigen "Dom", scheinen sie sich oben vollständig zu schließen. Im Laufe der Jahrtausende hat die Salzach die Wände des Doms ausgewaschen.

Gleich unterhalb des Zugangs zur Schlucht liegt die Rokokokapelle Maria Brunneck. Sie wurde 1763 als Marienwallfahrt für Fuhr- und Wandersleute an der Stelle früherer Vorgänger erbaut. Das "Brünl" gibt Heilwasser, das gegen Augenleiden hilft, der Marmorbrunnen stammt von 1972. Seit ich mit dem Wasser der Augenquelle die Augen ausgewaschen habe, sehe ich viel klarer.

Neben dem Zugang liegen einige Denkmäler zur Erinnerung an die Kämpfe am Passesanno 1809 gegen die mit den Franzosen verbündeten Bayern und ein Turnerdenkmal von 1921.

Zugang über den Pass Lueg, Länge 1000 Meter, davon sind 100 begehbar, die Gehzeit ist 45 Minuten, die Höhendifferenz ist 50 Meter, zugänglich von Mai bis Oktober.

 

Durch die finstere Lammerklamm und durch die eindrucksvolle Lammerschlucht führen gesicherte Wege entlang der Felswände. Die Schlucht ist bis zu 60 m tief, aber oft nur wenige Meter breit.

Das Wasser der Lammer leuchtet smaragdgrün aus der Tiefe, als wir zum eigentlichen Teil der Klamm absteigen. Der dunkle Abschnitt der Klamm ist nur 100 Meter lang und sein Abfluss ist ein offene Schlucht. Diese engste Stelle der Klamm liegt am Eintritt und heißt "Dunkle Klamm". Das Wasser hat sich hier etwa 30 Meter eingetieft und die Felswände über dem ungestümen Bach kommen einander auf einen Meter nahe, scheinen sich aber zu berühren und bilden ein hohes Dach über dem rasenden Wasser.

Nach dem etwas breiteren Mittelteil der Schlucht, der von steilen und hundert Meter hohen Felswänden aufragen verengt sich neuerlich zu einer Klamm vor dem Austritt ins Lammertal bei Oberscheffau.

Das rasende Wasser zwängt sich in der Schlucht durch riesenhafte Verblockungen und die grüne Flur verwandeln sich dabei immer wieder in schäumende Gischt die sich tosend über Wasserfälle ergießt und in rasanten Stromschnellen und heftige Strudel dem Tal zustrebt.

Jahrhunderte lang wurde auf der Lammer Holz aus dem Raum Abtenau zur Saline Hallein getriftet und dafür musste aus die dunkle die Klamm durch die Trittsteige begehbar gemacht werden. Riesige Holzmengen wurden in der Saline Hallein als Grubenholz zur Auskleidung der Stollen und als Pfannholz zum Beheizen der Sudpfannen benötigt.

Seit 1884 ist die Begehung der Steiganlage durch die Klamm auch für das Publikum möglich.

Zugang von Scheffau im Tennengebirge, Länge der Klamm 100 Meter, Länge der Schlucht 1000 Meter.

 

Die Geburtsstunde der Klammen und Schluchten war am Ende der letzten Eiszeit, als sich die Gletscher zurückzogen. Im Laufe der Jahrtausende haben die tosenden Massen des Schmelzwassers tiefe Felsspalten mit Kolken und Strudeltöpfen in den harten Fels geschliffen.

Über zu zweitausend Meter hoch wölbten sich die Gletscher während der letzten Eiszeit (vor 40.000 bis 10.000 Jahren) über den heutigen Gebirgen. Die Eisströme schliffen in ihrem steten Fluss nach unten die Haupttäler der Gebirge aus. Die Folge waren viele Meter hohe Geländekanten zu den Seitentälern.

Wenn die Mächtigkeit eines eiszeitlichen Talgletschers immer größer wurde, kam es vor, dass er über einen ihn begrenzenden Bergkamm hinüber floss. Das führte dazu, dass hier ein Sattel in U-Form ausgeschliffen und erniedrigt wurde als wäre er ein Tal. Dies hatte zwei bedeutende Konsequenzen: Durch deisen Eisverlust an das Nachbartal ließ das Erosionspotential des eigentlichen Talgletschers nach. Das hatte zur Folge, dass das Tal nicht mehr so intensiv ausgeräumt wurde wie oberhalb dieses Sattels, so dass der Talboden zum Talausgang hin sogar ansteigen konnte. Folglich bildete sich nach Abschmelzen des Gletschers ein See (ähnlich einem Gletscherzungensee), der durch den hohen Abfluss beim Abschmelzen durch einen reißenden Fluss entwässert wurde. In der Folge wurde die Schwelle, die ihn aufgestaut hatte, vom Wasser immer tiefer eingegraben bis der entstandene See durch den neuen Abfluss trocken gefallen war. Meist ist diese Schlucht aber schmäler als der Talboden des Gletschers, so dass rechts und links eine Erosionsterrasse stehen blieb.

Als sich das Klima wandelte kamen die Wasserfluten der abschmelzenden Gletscher der Würmzeit und tieften mit ihren Wassermassen die Täler weiter ein. Die reißenden Gebirgsbäche ergossen sich über Jahrtausende in diese Täler und durchschnitten die Kalke und Schiefer der Felsen.

Ein geradezu lehrbuchhaftes Beispiel für diese Effekte ist die Schlucht der Salzach zwischen Taxenbach und Schwarzach. Hier hat der Salzachgletscher sich in zwei Teile gespaltet: der eine Eisstrom floss über Saalfelden zur Saalach, der andere nach Bischofshofen. Kitzlochklamm, Gasteiner Klamm und Liechtensteinklamm resultieren aus dem gleichen Phänomen der Teilung von Gletscherströmen.

Das Schmelzwasser dieser Gletscher hat im Laufe der Jahrtausende in den Schluchten Auswaschungen (so genannte Kolke oder Strudellöcher ) in einer Größe von vielen Metern geschaffen. Einiges über die Entstehung derartiger Kolke findet man im Abschnitt über das Felsenbad.

Gegen 10.000 vC war die Nach-Würmeiszeit beendet und die eiszeitlichen Jäger und Sammler wanderten vermehrt in das Voralpengebiet ein. Die jüngere Altsteinzeit dauerte bis etwa 9000 vC und endete klimatisch äußerst turbulent. Die Wassermassen schmelzenden Eises verursachten unvorstellbare Bergstürze, immer wieder verlegten sich die Wasserwege durch Felsen und Erdmassen und es stauen sich kurzzeitig immer wieder riesige Seen auf. Das alles führte zu plötzlichen Wasserschwällen, die alles mit sich rissen und alles Leben in den darunter liegenden Tälern vernichteten. Der Durchbruch dieser riesigen Seen war wesentlich folgenschwerer als der Bruch heutiger Staudämme wäre. Seit der letzten Eiszeit wechselten in unregelmäßigen Abständen kalte Zeiten mit wärmeren, regenreiche mit trockenen. Waldreiche Taigas und baumlose Tundren entstanden und vergingen, grasreiche Steppen und lichte Wälder veränderten sich in relativ kurzer Zeitfolge und veränderten immer wieder unwiederbringlich die Flora und Fauna des Alpenraums.

 

Das Felsenbad ist eine urtümliche Flusslandschaft in der mit Wasser gefüllte Strudellöcher zum Baden einladen. Kalt- und Warmbäder liegen hier auf natürliche Weise ganz nebeneinander. Auf alle Fälle zeigt dieses Naturdenkmal dem Besucher auf beeindruckende Weise die Schaffenskraft der Natur, noch dazu kann man hier völlig frank und frei baden.

Von Hallein aus geht es die herrlich ausgebaute Wiesbachtal-Landesstraße am fjordartigen Wiestalsee an hohen Felswänden entlang, dann weiter bis zur Abzweigung Faistenau und dann durch die Strubklamm.

 

Bald sind wir am Felsenbad angelangt. Hier hat der Almbach im Felsen vor langer Zeit einige Kolke ausgewaschen, die wie riesengroße Badewannen zur Erfrischung einladen. Wir suchen einen schönen Platz auf den warmen Felsplatten. Überall haben sich schon Gruppen eingefunden, die sich zum Kampieren für die Nacht einrichten. Nachdem unsere Getränkeflaschen im eiskalten Wasser versenkt sind, versenke ich auch meinen Körper für einige Sekunden in diesen eisigen Fluten des Almbaches.

Es gibt aber auch natürliche Badewannen von der Größe eines ganzen Badezimmers, die über Jahrtausende durch das Wildwasser aus dem Fels gewaschen wurden und nun nur mehr bei Hochwasser mit frischem Bachwasser gefüllt werden. Das Wasser in diesen Wannen kann deshalb so warm werden wie in einem Thermalbecken. Der Badeplatz ist ein schönes Stückchen Natur, auch wenn man wegen der Kälte des Almbachs kaum von Baden sprechen kann, sonder eher von einer Mutprobe.

Diese besonderen Formen im Felsen sind durch die früheren Wildwasser des inzwischen still geworden Almbaches in Jahrtausenden durch Auswaschungen geschaffen worden. Dabei verschwindet das Wasser in Spalten, wobei durch die nachströmenden Wassermassen große Felsbrocken in Wasserhöhlen kreisförmig bewegt werden, die sich so in den Felsboden hineinschleifen. Die dabei im Felsboden entstehenden Kolke sind mehr oder weniger große Becken, die auch Strudellöcher oder Strudeltöpfe genannt werden.

Nur sehr starke Strömungen in Verbindung mit widerstandsfähigem grobem Geröll führen zur Austiefung derartiger wannenartiger Kolke am Boden der Flüsse. Dieser Effekt tritt besonders in Flussengen auf, also unterhalb von Wasserfällen und an den Wänden von Engtalstrecken (Klammen).

Schließlich geht es die Strubklamm zurück und dann nach Ebenau, wo wir eine kleine Rast bei der Kramerin einlegen, einige Kleinigkeiten kaufen, hinter dem Haus am Familientisch Kaffee trinken, mit dem Kramer plaudern und dann weiter am Wallersee vorbei in Richtung Innviertel fahren.

 

Über schmale Nebenstraßen, durch grob behauene Tunnel und nach atemberaubenden Tiefblicken in die Strubklamm erreicht man das Felsenbad. Hoch ragen in der Strubklamm die manchmal senkrechten Felswände auf und bilden eindrucksvolle Schluchten, die von von subalpinen Wäldern gesäumt sind.

Das Schmelzwasser der Eiszeitgletscher und die mitgeführten Geröllmassen haben in Engtälern tief eingeschnittene Flussläufe und die bizarre Schluchten geschaffen. Bleiben große Mengen an Geröllmassen als Hindernisse in einem Flusslauf liegen, werden hinter diesen tiefe Schluchten im felsigen Untergrund ausgewaschen. Durch diesen Gerölltrieb wird sowohl die Tiefenerosion als auch die Seitenerosion verursacht.

Ich habe mich vor einigen Jahren vor der Strubklamm absetzen lassen und bin entlang der Klamm den Metzgersteig hinauf gegangen. Der Pfad mit seinen leichten Steigungen bietet herrliche Einblicke in die Tiefe der Strubklamm, doch nach eine halben Stunde ist der Weg hoch über der Klamm auch schon wieder zu Ende. Dann bin ich weiter durch den trocken gefallenen Strubsee und über den schottrigen wasserlosen Lauf des Almbaches zum Felsenbad gewandert, wo ich schon erwartet wurde.

Mit dem Wandersteig an der Strubklamm ist das Andenken an einen Mordfall verbunden, von dem der Weg seinen Namen hat. An einem Sommertag im Jahre 1673 kam ein Metzger mit seiner schwangeren Geliebten den Weg entlang, denn seine Geliebte wollten mit ihm zum Heiligen Wolfgang an den (Wolfgang-) Abersee. Aber der Bursche hatte den Plan seine Verlobte loszuwerden und stürzte die Unglückliche plötzlich in die schaurige Tiefe der Klamm. Am Weg steht heute noch ein Marterl mit dem Bild der Bluttat und der Aufschrift: "... um sich loszumachen von ihr, stürzte er sie über den Felsen“. Die junge Frau hatte aber am Gesträuch Halt gefunden und versprach über die Tat Stillschweigen zu bewahren, wenn der Metzgerbursche sie rette. Der kletterte zu ihr hinunter und schnitt den Ast ab, an dem sie sich festgeklammert hatte. In St. Wolfgang angekommen, betrat der Mörder die Wallfahrtskirche und erblickte hinter dem Altar das Bild der toten Verlobten. Aufgewühlt über diese unerklärliche Erscheinung stellte er sich dem Gericht und wurde verurteilt.

Diesmal geht es aber auf der anderen Seite die kurvige Straße an der wildromantischen Strubklamm zum Felsenbad und wir müssen einige Male zurücksetzen, um entgegenkommende Autos vorbeizulassen. Die Straße durch die Strubklamm ist eineinhalbspurig ausgebaut und nicht jeder Entgegenkommende hat die Fähigkeit die Ausweichmöglichkeiten perfekt zu nutzen.

 

Vom Innviertel aus geht es in das Salzburger Seenland zum Mattsee und bei herrlichem Badewetter fahren wir nacheinander über die vor uns quer liegenden vier Moränenhügel der Würm-, Riss-, Mindel- und Günzeiszeit. Während der Risseiszeit erreichten die Gletscher ihre größte Ausdehnung, in der Würmeiszeit gab es den letzten Gletschervorstoß. Die Gletscher rissen beim Vormarsch alles mit sich, was sich ihnen in den Weg stellte, häuften es auf ihren Rücken und schoben es vor sich her. Beim Rückzug ließen die Gletscher den ganzen Dreck zurück, den sie mitgebracht hatten. Am Ende jeder Eiszeit blieben daher mächtige Schottermassen am vorderen Rand der Gletscherzunge als Endmoränenwälle stehen und Schotter füllten die tiefen Täler des Voralpenlandes auf. Die Moränenhügel stellen jeweils die Randlage der Gletscher während einer längeren Epoche dar.

Nach der letzten Moräne geht es den Grabensee entlang durch die beschaulichen Dörfer und die gewundenen Straßen am Waldesrand zum Strandbad in Mattsee.

So viele Badegäste wie heute habe ich im Strandbad Mattsee noch nie gesehen, trotzdem funktioniert alles bestens. Auch am Buffet gibt es kaum Stau und irgendwie kriegt man immer einen Sitzplatz am Buffet und auf den Planken am Wasser sind auch noch Plätze für uns frei. Jedenfalls heißt es immer wieder ins Wasser zu gehen, zu schwimmen und auf den Plätten im See zu liegen, nur so lässt sich die Hitze aushalten.

Am Mattsee scheint die Zeit seit hundert Jahren stehen geblieben zu sein, zumindest im alten Teil des Standbads ist alles wie früher: Die Gebäude sehen immer noch so aus wie in den 1920er Jahren und auch sonst ist alles nur ein wenig technischer geworden ohne, das Aussehen verändert zu haben. Auch der Baumstamm und die Plätten nahe am Ufer schwimmen wie damals im Wasser. Ganz anders im neuen Teil des Strandbads mit seiner Wasserrutsche, seinen Beachball-Plätzen und den vielen anderen grellbunten Attraktionen.

Wenn ich im 26 °C warmen See schwimme, fühle ich mich wie ein Lachs der wieder in seine heimatlichen Gewässer gelangt ist. Wir liegen auf der großen Pritsche, die das ganze Ufer am alten Teil überwölbt und schwimmen immer wieder hinaus zum Baumstamm oder einer der Plätten.

Am späten Nachmittag fegt ein kurzer Gewitterregen das Strandbad leer. Nachdem sich die Gewitterwolken wieder verzogen haben, geht es in die berühmte Konditorei auf Kuchen und ein Glas Milch, dann fahren wir nach Obertrum um im Braugasthof zum Abendessen Trumer Pils zu trinken.

 

Ab Mittag liegen wir im Park des Strandbads in Seeham unter alten Bäumen, die schon zur Zeit meiner Kindheit herrlichen Schatten gespendet haben.

Das Wasser des Obertrumersees ist grün, warm und klar. Wir schwimmen einige Male ohne Hast zur großen Plätte mit den Aufstiegsleitern hinaus und sonnen uns dort mitten im See.

Am Abend dann saure Wurst in einem Kastaniengarten direkt vor dem Strandbad, dazu wie überall hier Trumer Pils. Dann gleiten wir über die herrlich angelegte Straße von Mattsee nach Neumarkt am Wallersee.

 

Die Seenlandschaft der Trumer Seen ist ein Geschenk der Eiszeit. Die blauen Seen und die grünen Hügel machen den Liebreiz der Landschaft von Mattsee aus, dieses uralte Siedlungsgebiet ist heute von der Landwirtschaft und vom Tourismus geprägt. Die sanftwellige grüne Landschaft birgt so manch verborgenes Naturjuwel, Bäche und Seen beleben hier seit der letzten Eiszeit die Moränenlandschaft. Die drei in eine Hügellandschaft eingebetteten Seen sind von einer besonders schönen Landschaft eingerahmt, in der man bei Wanderungen viel Ursprüngliches und auch viel Kulturelles mitnehmen kann. An vielen Stellen öffnet sich ein schöner Blick zu den berühmten Gipfeln der Berchtesgadener Alpen.

Die drei Trumer Seen sind wie der Wallersee und die die kleinen Egelseen aus Gletscherzungen des Salzachgletschers entstanden. Gletscherseen können verschiedene Ursachen haben und liegen fast immer am Gebirgsrand oder direkt an den Hauptkämmen.

Entstanden ist diese Art von Seen meist durch eine Übertiefung an der Gletscherzunge, ähnliche Seen können aber auch in Kesseln oder an Engstellen des Gletschers entstehen. Die Salzach-, Traun- und Kremsgletscher bildeten Zungengletscher, deren Endmoränen günstig für die Entwicklung dieser Seen waren.

Bis vor etwa 10.000 Jahren war Mitteleuropa in der letzten Eiszeit von Inlandseismassen bedeckt. Mit zunehmender Klimaerwärmung zog sich das Eis zurück und hinterließ neben Urstromtälern riesige Geröllmassen und Gesteinsschutt in Form von Endmoränen und Moränenwällen. Hinter diesen Geröllwällen entstanden vielfach Toteisseen. Manchmal blieben beim Rückzug der Gletscher mächtige Eisbrocken in einer Senke oder der Mulde eines Zungenbeckens liegen. Das Eis wurde dann von Schmelzwasserablagerungen zugedeckt und schmolz wegen des immer noch kalten Klimas erst im Laufe der Zeit ab, dieser Schmelzvorgang konnte einige tausend Jahre anhalten. Durch das nach unten abfließende Schmelzwasser entstand dann eine weitere Eintiefung der Mulde, die sich mit Wasser als neuer See füllte. Dieses Gewässer war zunächst ausgesprochen nährstoffarm, doch seine Umgebung führte schnell zur Ansiedelung von Pionierpflanzen und Tieren.

Nicht alle Zungenbeckenseen und die vermoorten Becken inmitten der Moränenlandschaft sind heute verlandet, die Trumer Seen und der Wallersee sind nach wie vor Juwelen der Voralpenlandschaft. Doch die Seen sind zunehmend von Verlandungsmooren umgeben, so auch der Mattsee.

 

5000 vC die ersten Spuren menschlicher Besiedlung sind nachweisbar
0450 vC Siedlungen des keltischen Königreichs Norikum
0015 vC bis 0476 nC Römische Gutshöfe
0560 Bajuwarische Landnahme und Gründung von Mattiggau und Attergau
0770 Gründung von Ort und Stift Mattsee durch den Bajuwarenherzog Tassilo III.
0788 Mattsee wird karolingische Herrschaft
0907 die Reichsabtei Mattsee wird mit Ötting vereinigt und dem Bistum Passau unterstellt
1805 Mattsee wird der bayerisch-napoleonischen Staatsverwaltung unterstellt
1816 das Land Salzburg und damit auch Mattsee kommt zu Österreich
1945 die ungarische Regierung flieht vor den Russen nach Mattsee und vergräbt hier den ungarischen Kronschatz

 

Das Ibmer Moor ist ein Naturschutzgebiet im Südwesten des Innviertels. Einige der Seen und Tümpel sind für Badende geöffnet, so auch der Ibmersee, an dem sich ein romantisches Strandbad befindet.

Der Moorsee hat weiches warmes Wasser mit 28 °C. Im bräunlichgrünen Wasser schwimmen zwei Bloche, einer dick und kurz, der andere vielleicht 20 Meter lang. Man kann herrlich mit diesen Hölzern spielen, immer sind sie im Besitz von Gruppen von Leuten, die damit ihren Spaß haben. Lange sitze ich am Steg, beide Beine über dem Ibmersee baumelnd und lese mit großem Vergnügen einen Roman von Erich Kästner und Reiseberichte von Bruce Chatwin.

Lange Zeit hat das Ibmer Moor mit seinem "Körper“, dem Torf, den Anwohnern auf vielerlei Art wertvolle Dienste geleistet. Nun ist es unter Naturschutz gestellt und ein überaus attraktiver Naturraum für Wanderer, Badebegeisterte und Naturinteressierte. Die herrliche Umgebung und der Moorlehrpfad eignen sich hervorragend zum Wandern und Erkunden.

Bei der Rückfahrt von Ibm kommen wir nach Hart bei Pischelsdorf und lassen uns die Wallfahrtskirche Hart aufsperren. Der Innenraum der Kirche aus dem 16. Jahrhundert ist wertvoll barock ausgestattet mit Statuen des Bildhauers Sebastian Hagenauer und einem Kruzifix der Gebrüder Zürn. Die Kirche wird von Pischelsdorf am Engelbach aus betreut.

Noch einmal bleiben wir beim Rindenschacher stehen und gehen um das gotische Kirchlein am Waldrand herum. Das Kirchlein am Rindenschacher liegt an der Straße mitten im Wald, eine gotische Privatkirche mit barockem Zierrat am Portal, aus dem links ein Laubbäumchen und rechts ein Nadelbäumchen wächst.

In Auerbach Höring Nr. 6 liegt das Gasthaus "Essigwurst Paula" (Niederstraßer), das ich so lange gesucht hatte und wo ich zuletzt als Kind mit der italienischen Verwandtschaft eines Freundes gewesen bin. Ein Wunder, dass es das Wirtshaus immer noch gibt.

 

Das Ibmer Moor ist ein Hochmoor und entstand in der Eiszeit durch den Vorstoß des Salzachgletschers, als er sich weit ins flache Land vorschob, große Becken ausschürfte, ein Gewirr von Schotterwällen zusammen schob und mächtige Moränenhügel auftürmte.

Der Ibmer Moorkomplex ist das größte Moorgebiet Österreichs. Es teilt sich in zwei durch die Straße Ibm-Hackenbuch deutlich getrennte Teile: in ein ca. 2,5 Kilometer langes und etwa einen Kilometer breites östliches und ein kleineres westliches Becken. Das im Osten gelegene Moorgebiet ist unverfälschter als der westliche Teil. Es weist im Süden ein noch gut erhaltenes, etwa 20 Hektar großes Latschenmoor auf, die so genannte Ewigkeit. Dagegen sind die Teile gegen Hackenbuch bereits durch Torfstiche ziemlich intensiv abgebaut.

Vor dem letzten Vordringen dieses Gletscherstromes bildeten sich durch seine Schmelzwässer große Eisseen, die aber bereits in der Eiszeit selbst wieder ausgetrocknet waren. Die Torfbildung im Ibmer Moor, Waidmoos und Bürmoos begann daher bereits vor 12.000 Jahren.

Hochmoore oder Regenmoore wie das Ibmermoor haben keinerlei natürliche Zuflüsse oder Grundwasser und werden ausschließlich vom Regenwasser gespeist. Das heißt, dass die Niederschlagsmenge größer sein muss als der Wasserverlust durch Verdunstung und Abflüsse. Die Moorbildung wird einerseits durch Wasser stauende Schichten und andererseits von der im Innviertel überdurchschnittlich hohen Niederschlagsmenge begünstigt.

Die Bezeichnung Hochmoor rührt von der Hochwölbung im Zentrum des Moores her, das im Gegensatz zum Niedermoor zwischen ein und 12 Meter höher als die Umgebung liegt. Das Hochmoor ist wie ein Uhrglas gewölbt, es gibt aber innerhalb des Hochmoors hügelartige Erhebungen und nasse Vertiefungen. Die Bulten sind höher gelegene kissenförmige Buckel und die Schlenken sind mit Wasser gefüllte Vertiefungen. Im Zentrum eines Hochmoores herrschen die besten Wachstumsbedingungen.

Torf enthält so gut wie keine Nährstoffe. Nur Regen, Luft sowie pflanzliche (Pollen, Sporen) und tierische Rückstände (Kot, Kadaver) bieten den Pflanzen das Auskommen. Ein weiteres Kennzeichen für Hochmoore ist ein stark saurer, mineral- und sauerstoffarmer Wasserhaushalt, da das Hochmoor seine Nährstoffe von außen ausschließlich über das Regenwasser erhält. Hinzu kommt, dass die Temperatur innerhalb des Moores unabhängig von der Umgebungstemperatur kaum über 10 °C steigt. Das führt zu einer Verkürzung der jährlichen Vegetationsperiode im Moorbereich um bis zu drei Monate.

Die Lebensbedingungen in diesem extremen Lebensraum sind für Pflanzen und Tiere ziemlich schwierig und daher ist ein Hochmoor artenarm. Die wichtigsten Pflanzen und hauptsächlichen Torfbilder im Hochmoor sind die Torfmoose (Sphagnum). Spezialisten, wie der Fleisch fressende Sonnentau, sind auf Moore angewiesen, sonst sterben sie aus. Diese Moore wachsen an der Oberfläche von Jahr zu Jahr weiter, während die tieferen Schichten absterben und schließlich in Torf übergehen.

Durchschnittlich wächst ein Hochmoor ein Millimeter pro Jahr und das heißt, dass ein zehn Meter hohes Moor etwa 10.000 Jahre alt ein müsste. Die dicksten Moore, wie das Ibmermoor, haben eine Dicke von zwölf Meter.

Unter diesen Bedingungen können pflanzliche und tierische Bestandteile, die in das Moor geraten, nicht zersetzt werden und bleiben daher über Jahrtausende erhalten. Das gerbsäurehaltige Moorwasser trägt hier zusätzlich zur Erhaltung der eingeschlossenen biologischen Massen durch Gerbprozesse bei. Daher ist die Rekonstruktion der nacheiszeitlichen Vegetationsgeschichte anhand der im Torf erhaltenen Pollen möglich. Auch ganze Tiere und Menschen, die vor Jahrhunderten hier umgekommen waren, können aus Hochmooren oder deren Überresten geborgen werden.

Moore sind für die Erforschung vor- und frühgeschichtlicher Zeiten gleichsam als Archive anzusehen, ebenso wie die schriftlichen Aufzeichnungen aus vergangenen Jahrhunderten. Im Torf eingeschlossene Pflanzen- und Blattreste, vor allem aber Pollenkörner, ermöglichen genaue Feststellungen über Klimaperioden und Besiedlungen. So ist die Moorforschung heute bereits ein wichtiges Hilfsmittel der Vor- und Frühgeschichte.

Für das Ibmer Moor hat es immer wieder Pläne zur Entwässerung und Kultivierung des vom menschlichen Standpunkt so nutzlosen Moores gegeben. Diese Ausbeutung hat dem Moor viel von seiner Ursprünglichkeit genommen, auch wenn die Absichten zum größeren Teil im Stadium der Beratung stecken geblieben sind. Der gewerbliche Torfstich entstand um 1850 für die Beheizung von Glasfabriken in Hackenbuch, seit deren Stilllegung 1927 ist der Torfstich wieder auf den Hausbrand beschränkt.