Auf der Via Nova durch das Innviertel haben mich meine Adidas Watsmann 175 Kilometer und fünf Tagen lang mit einem vier Kilo schweren Rucksack von Passau nach Salzburg getragen. Mehrere Hundert Landschaftsaufnahmen sind entstanden, je zur Hälfte mit der Digitalkamera und mit dem Fotohandy. Es geht dabei darum jene Photonen auf einem Chip festzuhalten, die auch später noch über die Augen das Gehirn stimulieren und damit Eindrücke und Erinnerungen erzeugen können. Dabei sollte das Bild so eingefangen werden, dass sowohl die Totale einen Überblick über die gesamte Szenerie zeigt, als auch die anderen fünf klassischen Einstellungsgrößen - Halbtotal, Halbnah, Nah, Groß und Detail - bei der Betrachtung ausgewählt werden können.

Meine Füße tragen mich am Inn entlang von Passau nach Passau, Schärding, Obernberg, Kirchdorf, Altheim, Maria Schmolln nach Mattighofen und dann weiter von Braunau nach Überackern und dann die Salzach entlang über Burghausen, St. Radegund, Ostermiething nach Salzburg.

 

Der unserem Erdzeitalter (Holozän) vorangegangene Abschnitt der Erdgeschichte war das Eiszeitalter (Pleistozän), es hat das heutige Landschaftsbild der Alpen und des Alpenvorlandes am Deutlichsten geprägt. Es war dies die letzte große Vereisungsphase in den Alpen, in welcher die Gebirge von Eismassen bedeckt waren, die mit gewaltigen Gletscherzungen weit ins Vorland hinaus vorstießen. Der Salzachgletscher stieß beträchtlich ins heutige Oberösterreich vor. Gespeist von den Eismassen der Zentralalpen wälzte sich dieser Gletscher mindestens vier Mal durch das Salzachtal und das Salzburger Becken nach Norden, um sich dann in ein verzweigtes, fächerförmiges System an Seitengletschern auszubreiten. Der letzte Vorstoß war in der Würmeiszeit von 115.000 bis vor 10.000 Jahren. Damals entstand eine staffelartige Anordnung der einzelnen Endmoränenwälle und -kuppen. In den Tallagen sammelte sich der Schotter der Moränen zu zu gewaltigen Bergen, in die die heutigen Flüsse Inn und Salzach mit ihren Nebenflüssen nur wenig einschneiden. Der Salzachgletscher hobelte den Boden des Flachgaus und des Salzkammergutes aus, in diesen Senken entstanden durch abschmelzende Eisberge mannigfaltige Seen.

 

In der jüngeren Steinzeit besiedeln vor 7000 Jahren Menschen die fisch- und wildreichen Ufer dieser Täler, die auch damals schon gut zugänglich sind. Das übrige Gebiet ist noch lange mit undurchdringlichem Urwald bedeckt. In dieser Zeit vollzieht sich auch die Wandlung des Menschen vom umherziehenden Nomaden zum sesshaften Bauern, der nicht mehr nur vom Jagen alleine lebt, sondern auch den Boden bearbeitet. Er stellt kunstvolle Waffen, Werkzeuge und Gefäße her. Die Toten werden auf der Grabsohle aus festgestampftem Lehm verbrannt und ihre Asche in Urnen mit anderen Beigaben beigesetzt.

Die Kelten besiedeln ab 700 vC dieses Gebiet. Im Jahr 15 vC wurde das keltische Königreich Norikum mit dem römischen Weltreich vereint. Die Römer bauten Fernstraßen, verwalteten und kultivierten das Land systematisch. Im Rahmen des Zusammenbruch des Weströmischen Reichs erfolgte um 450 der Rückzug der Römer aus dem Gebiet des heutigen Innviertels. In den darauf folgenden Jahrzehnten drangen Hunnen, Awaren und Slawen in dieses Gebiet ein und verwüsteten es. Durch die Bayerische Landnahme um das Jahr 550 vollzog sich ein ethnischer und kultureller Wandel. Die Baiern besiedelten das Land, machten die noch verbliebenen Römer tributpflichtig und befestigten die Grenzen gegen die Überfälle dem Osten. Sie siedelten in Einzelhöfen, Weilern und Dörfern mit Namen, die aus Personenname plus -ing(en) oder -heim bestehen, wie Munderfing, Ostermiething, Hucking und Fucking oder Altheim und Bergheim und prägten die heute bestehende dörfliche Struktur des Landes. Die Orte bekamen ihre Namen, die Mundart und heidnische Bräuche ihre regionalen Färbungen. Der bayerische Siedlungs- und Herrschaftsraum erstreckte sich am Ende des 6. Jahrhunderts bereits über den ganzen Mattiggau (dem heutigen Innviertel mit dem nördlichen Teil des Flachgaus). Dar Mattiggau erlebte eine Blütezeit unter dem letzten Agiolfinger Herzog Tassilo III. (748-788) und wurde als bairisches Stammesherzogtum von den Herzogshöfen Ranshofen und Mattighofen aus verwaltet.

Bis 1779 war das Gebiet als Innbaiern ein Teil von Niederbayern. Mit der Ratifizierung des Friedens von Teschen, der den Bayerischen Erbfolgekrieg (1777-1779) beendete, kam Innbaiern als Innviertel 1779 zu Oberösterreich. Auslöser dieses Krieges war das Aussterben der bayerische Linie der Wittelsbacher im Jahr 1777. Eine Reihe von mitteleuropäischen Mächten erhob nun Anspruch auf dieses Erbe, Österreich auf das Herzogtum Niederbayern.

Im Zuge der Napoleonischen Kriege kam das Innviertel dann noch einmal von 1809 bis 1816 an Bayern. Beim Wiener Kongress (1814-1815) wurde das Innviertel wieder Österreich. Die Architektur in den Städten mit ihren bunt bemalte Hausfassaden erinnert noch heute an die bayerische Vergangenheit des Innviertels.

 

Wegstrecke:
- Wien-Passau mit dem ICE 28
- Passau
- Schardenberg
- Wernstein
- Schärding
- St. Florian am Inn

Mein Rucksack ist bereits seit vorgestern gepackt und hat vier Kilo Gesamtgewicht, dazu noch das, was "am Mann" (wie man beim Bundesheer sagt) ist. Ich steige in Wien um 8h15 in den ICE und rausche elegant nach Passau. Ab Schärding fährt der elegante Bahn jenen Streckenabschnitt entlang, die ich anschließend wieder zurück gehe.

In Passau sind Straßen und Fußgeherzonen voller Menschen, meist Studentinnen (der Frauenanteil bei den Studierenden liegt hier bei fast 70 Prozent). Ich gehe um 11h30 vom Bahnhof durch die engen Gassen der Altstadt zum Inn und dann über den Fünfersteg, von dem aus ich eine Bildserie über Passau schieße, hinüber an das rechte Innufer nach Österreich, ins Innviertel. Vorerst geht es durch das Sauwaldgebiet, vorbei am Laufkraftwerks Ingling über Achleiten und Fraunhof nach dem beeindruckenden Wernstein, wo die prächtige Neuburg von Bayern herüber grüßt.

Nach vier angenehmen Stunden zwischen Bahnstrecke und Flusslauf erreiche ich Schärding, vorbei an den beiden Brauereien Brauereien Baumgartner und Kapsreiter (die zu den drei erhalten Stadttoren ein zusätzliches bilden) geht es auf den weitläufigen barocken Stadtplatz, wo ich in einem Lokal an der Silberzeile das erste Baumgartnerbier seit Langem genieße.

Wenig später geht es weiter nach St. Florian am Inn, wo ich ein schönes Zimmer mit Balkon nach Westen zum Fluss beziehe. Vor den Innviertler-Knödeln im Landgasthaus schlendere ich noch ein Stück den Inn entlang, und genieße den Sonnenuntergang auf einer Bank.

 

Wegstrecke:
- St. Florian am Inn
- Suben Antisenhofen
- Bründlkapelle
- Stift Reichersberg
- Obernberg
- Katzenberg
- Kirchdorf am Inn

Nach dem Frühstück in einem hellen Raum geht es erst einmal wieder etwas abseits vom Inn nach Suben, wo ich einige Aufnahmen vom Stift mache, in das eine Strafvollzugsanstalt integriert ist. Dann weiter den Damm am Inn entlang, vorbei an riesigen leuchtendgelben Rapsfeldern, bis zur Bründlkapelle, die ich kurz vor 11h erreiche. Mittags mache ich eine kurze Fotorast im Stift Reichersberg und gehe dann weiter nach Obernberg am Inn, wo ich die Stadthäuser meiner Großeltern aufnehme und auf dem Marktplatz mit den herrlichen Rokoko-Stuckfassaden ein köstliches Mittagsmenü vertilge.

Gegen 16h gehe ich durch Katzenbergleiten hinauf zum etwas verfallenen Schloss Katzenberg mit seinem historischer Garten und dann auf dem Bergrücken weiter nach Kirchdorf am Inn. Natürlich muss ich die Photonen der gotischen Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1484, einem imposanten Tuffsteinbau mit einem 45 Meter hohen Turm, einfangen. Die barocke Innenausstattung bleibt unsichtbar, denn die Kirchentüren sind alle fest verrammelt. An der seitlich im neugotischen Stil errichtete Lourdeskapelle sind an einer Außenwand verschiedene Krücken befestigt. Vor der Kirche befindet sich der gepflegte Marienhof, in dessen Gastgarten ich mich bewirten lasse.

Später verbringe ich noch viel Zeit auf der Aussichtsplattform am Inn vor der Vogelinsel. Hier im Europareservat "Unterer Inn" brüten vielerlei Wasservögel auf den dem Hauptstrom vor gelagerten Sandbänken. Diverse Arten an Möwen, Fischreiher und vor allem die verschiedensten Enten sind hier beheimatet. Es gibt aber auch seltenen Vögeln wie den Eisvogel. Plötzlich sehe ich zwei große rosafarbene Vögel kreisen, die mich an Flamingos erinnern. Natürlich kann ich nicht glauben, dass es im Innviertel wild lebende Flamingos existieren können. Etwas später kommt ein Paar, ausgerüstet mit Fernrohr und Feldstecher, auf die Aussichtsplattform und beginnt mit der systematischen Beobachtung und Bestimmung der Vögel. Ich frage, was das hier für Vögel wären, die wie Flamingos aussehen. Sie starren mich an und erzählen, dass es hier seit drei Jahren ein ausgewildertes Flamingopärchen gäbe, das sie aber noch nie beobachten konnten, obwohl sie regelmäßig hierher kämen. Der Neid auf mich ist unüberhörbar.

Mein Quartier ist nur zwei Wegbiegungen von der Aussichtsplattform entfernt. Im dem kleinen Gastgarten sitzt an einem Tisch ein etwas angetrunkener Innviertler, der sich vor bundesdeutschen Touristen produziert. Im Teich nebenan quaken fünf höllisch laute Frösche und ich will das Gequake mitnehmen, dazu stelle ich mein Handy auf Aufnahme und halte es in Richtung Teich. Der Einheimische deutet zu den Deutschen auf mein Telefon und lacht: "Der hat eine Fernsteuerung" und dann zu mir unter allgemeinem Gelächter zu mit: "Schalte sie doch ab." Mein Zimmer ist weniger spannend, es ist in dem zweifelhaften Charme der 1960er Jahre eingerichtet.

 

Wegstrecke:
- Kirchdorf am Inn
- Moosham
- Altheim
- Stern
- Gaugsham
- Untertreubach
- Schweigertsreith
- Maria Schmolln
- Unterminathal
- Stallhofen
- Mattighofen

Am Morgen ist der Himmel bedeckt, aber es lockert bald wieder auf. Und dann ein Schock: Der Akku der Digitalkamera ist nach 133 Lichtbildern in Treubach aus, das letzte trägt den Zeitstempel 12h30. Ab nun kann ich nur mehr mit dem Kamerahandy fotografieren, wollte ich doch nur das Ladegerät für mein Handy (= Fotokamera + Videokamera + Tonband + MP3-Player + Video-Player + Radio + Internetbrowser + Telefon + Kurzmitteilungen) mitnehmen.

Ich entschließe mich am Morgen, nach fünf Kilometer Wegtrecke von Mühlheim aus nicht die 17 Kilometer nach Braunau zu gehen, sondern weiter den 28 Kilometer langen Pilgerweg durch den Kobernaußerwald über Altheim über Maria Schmolln nach Mattighofen.

In Altheim erstehe bunte Feitel für meine Söhne, in jener Eisenwaren- und Farbhandlung, in mir mein Vater schon einen Feitel gekauft hatte. Nach einer kleinen Inspektion des Stadtplatzes schwenke ich auf die Straße nach Stern, fotografiere die in Pastellfarben ausgemalte St. Laurentiuskirche neben den noch immer das Gasthaus Engel betrieben wird, wo ich vom Großvater nach dem Kirchgang immer mit Würstel und Himbeerkracherl versorgt wurde. Dann geht es weiter nach Stern, wo der größten Feitel der Welt vor dem Gasthaus zum goldenen Stern steht, er hat den hier ansässigen Feitlclub (ohne e) in das Guinnessbuch der Rekorde gebracht. Weiter geht es den Hohlweg hinauf nach Lüftenegg, wo keines der alten Häuser mehr steht. Auch der Jahrhunderte alte Hof meiner Großeltern musste längst einem modernen Gebäude weichen. Der Brunnen und der Brotbackofen, die vor dem Haus standen sind weg, nur der Wurzgarten meiner Großmutter ist noch dort, wo er immer schon war. Vor einem Nachbarhaus richtet ein Mann Langholz für ein Betriebsgebäude zu. Er erinnert sich noch an meine Großeltern und meinen Vater. Ich erkundige mich auch nach meinem Spielgefährten Max, der wenig älter war als ich und so schöne Laubsägearbeiten gemacht hatte, die überall im Haus als Etageren und Schmuck angebracht waren. Der Mann meint: "Der ist ... 1992 gestorben ... unter ungeklärten Umständen ... da war irgendwas mit seiner Frau." und mehr will er auch nicht sagen.

Ich lasse mir noch den Weg durch den Gaugsamer Wald nach Treubach erklären und marschiere durch das Gehölz, das direkt an die Felder des Großvaters grenzt. Ein finsterer Bauernwald in dem ich als Kind oft Schwammerl suchen und Schwarzbeeren pflücken war. Manchmal durfte ich zum Stocken mit, Großvater und Vater waren Artilleristen und kannten sich mit Sprengungen aus. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die beiden wortlos den Wurzelstock eines Baumes mit Krampen und Schaufel etwas freilegten, um dann Sprengstoff unter die Wurzel stopfen zu können. Dann gingen wir alle in Deckung und die Zündschnur brannte langsam auf den Stock zu, bis es einen Riesenkrach gab und trockener Lehm und Holzsplitter durch die Luft flogen. Orientierungshilfen gibt es hier keine und ich richte mich an der Himmelsrichtung nach Süden bis ich wieder saftige Wiesen sehe in denen eine Weiler steht. Wie geplant, bin ich Schalchen bei Treubach aus dem Wald gekommen. Eine Bäuerin wartet vor einem Hof auf ihr Kind, das eben aus einem Schulbus steigt und wir plaudern über meinen Weg, sie instruiert mich: "Sie müssen da über den Beri ummi nach Droiba", dabei steht Beri  für Berg und Droiba für Treubach. Als ich fotografierend vor der Kirche stehe, bleibt ein Schulbus neben mir stehen und die Lenkerin fragt mich wo ich hin wolle, darauf bietet sie mir an: "Woll'n S' mit? Ich habe noch einige Plätze frei." und die Schulkinder sehen mich erschrocken an. Ich aber lehne lachend ab und gehe an der Kirche vorbei wieder in ein Waldstück hinein. In der Hügellandschaft des Kobernausserwaldes wechseln immer wieder finstere Waldstücke mit saftigen Wiesen und weiten Feldern ab. Ich gelange schließlich über Leitrachstetten und Schweigertsreith zum Wallfahrtsort Maria Schmolln. Einem malerischen Dorf mitten im Kobernaußerwald auf einer schmalen (schmolln) Bergzunge. Beim SPAR, der gerade nach der Mittagspause wieder aufgesperrt wird, versorge ich mich mit einer Wurstsemmel, Joghurt und Apfelsaft.

Dann geht es weiter über Unterminathal wieder in den Wald hinein, hinüber nach Mattighofen, wo ich nach einer Runde am Stadtplatz im Café auf meinen Bruder warte, mit dem ich hier verabredet bin. Als ich eintrete sehe ich eine ältere Frau, in der ich eine Verehrerin aus Jugendtagen erkenne und am Nebentisch sitzt noch eine zweite. Die eine war mir zu zickig gewesen - wenn man mit ihr im Freibad herumtollte, flüchtete sie mit den Worten: "Ich hab ein Loch im Trommelfell" aus dem Wasser. Die andere war mir ganz einfach zu simpel gestrickt. Beide waren damals entschlossen, mich in die engere Wahl als Lebenspartner zu ziehen und durchaus bereit einen sexuellen Kontakt mit mir aufzunehmen. Heute bin ich froh, widerstanden und niemals meinen Samen in ihrem feuchten Schoß begraben zu haben. Irgendwann rettet mich dann die Ankunft meines Bruders, als mich Nummer zwei gerade von der Schädlichkeit der Mikrowellen mit dem Argument überzeugen will, dass sogar ihre Katze Milch nicht annehme, die "in der Mikrowelle" gewärmt wurde. Ich nehme an, dass sie gar keinen Mikrowellenherd besitzt, verbeiße mir aber die Frage danach. Zum Schluss winke ich den beiden am Parkplatz zu, als sie in ihren hohen Geländeautos zu den Eigenheimen abfahren, die sie mit ihren Ehemännern am Waldrand errichtet haben.

Dann geht es mit dem Auto nach Braunau und mein Bruder lädt mich zum Abendessen ins Restaurant Gugg, das beeindruckende Kulturquartier der Stadt Braunau, ein.

 

Wegstrecke:
- Braunau
- Ranshofen
- Scheuhub
- Rothenbuch
- Salzachmündung
- Überackern
- Duttendorf
- Ach
- Burghausen
- Werfenau
- St. Radegund
- Hadermarkt
- Ettenau
- Ostermiething

Ich beginne den Tag mit einem ausgedehnten Frühstück in einer Bäckerei und bin um 7h30 auf dem Weg, schließlich habe ich mit 50 Kilometer die längste Wegstrecke der Woche vor mir. Am Himmel sind nur mehr einige dekorative Wolken, doch es hat empfindlich abgekühlt. Von der größten Stadt des Innviertels aus geht es in deren Ortsteil Ranshofen und weiter durch die Hügel der Innterrassen hinunter zum Fluss, wo ich auf dem Damm vorbei an der "Braunauer Riviera" (ausgedehnten Schotterbänken) und dann durch die Ausläufer des dichten Weilhartsforsts zum Parkplatz des Inn-Salzach-Blicks komme. Weiter geht es hinaus nach Überackern, einem Dorf mit einer unglaublich gotischen Pfarrkirche, deren Vorläufer bereits in einer Urkunde um das Jahr 750 erwähnt wird.

Der Weg führt jetzt mitten durch den Weilhartsforst, ein dicht bewaldetes Gebiet der hügeligen Moränenlandschaft des eiszeitlichen Salzachgletschers das praktisch unbesiedelt ist. Die Autos mit bayerischem AÖ Kennzeichen sind hier häufiger, als die mit dem österreichischen BR. Als ich wieder einmal nach dem Gebiet der Castell’schen Forstverwaltung ein Stück auf der Straße gehe, bleibt ein Auto mit AÖ stehen und die Fahrerin fragt mich wo ich hin wolle und ob sie mich mitnehmen könne. Ich antworte: "Ich gehe nach Salburg, muss aber erst morgen dort sein". Sie nickt mitfühlend und fährt wieder weiter die einsame Straße durch den Wald. Weiter geht es über Berg, Aufhausen und Weng bis Ach. Auf dieser Wegstrecke liegen ein Schloss und allerhand an Kapellen, Marterl und Bildstöcken.

Von Ach aus gehe ich hinüber nach Burghausen um der Burg etwas näher zu sein, über den großen Platz und ein Stück Fußgängerzone gehe ich zum Salzachufer und die nächste Brücke wieder hinüber ins Innviertel. Von Wanhausen nach St. Radegund führt der monotone Weg durch den Wald.

Es geht nun über Tarsdorf zum Tagesziel nach dem geschichtsträchtigen Ostermiething. Die letzen zehn Kilometer fallen mir trotz der landschaftlichen Schönheit und der angenehmen Wiesenwege etwas schwer, doch wollte ich nicht wie ursprünglich geplant in St. Radegund übernachten, sonst wäre die letzte Strecke der Woche nach Salzburg zu lange geworden. Die Bajuwaren siedelten im 6. Jahrhundert hier auf der gerodete Bergkuppe, der damalige Name "Ostaramundigon“ leitet sich von Ostara, der Frühlingsgöttin, und mundare für roden her. Mein Quartier ist ein Gasthof, gleich unter der Kirche, die diese Bergkuppe ziert. Hier stand bereits in den 750-er Jahren, während der Agilolfinger-Herrschaft Herzog Tassilo III., eine Pfarrkirche.

 

Wegstrecke:
- Ostermiething
- Riedersbach
- Wildshut
- Oberndorf-Laufen
- Triebenbach
- Munting
- Bergheim
- Salzburg-Itzling

Die Salzach macht von Ostermiething bis Bergheim einen tieftraurigen Eindruck. Es geht 30 Kilometer lang stumpfsinnig am Damm entlang, links eingezäunte Wildschweingehege, rechts die träge Salzach. Manchmal rollen Radfahrer mit Sportdress und Helm an mit vorbei. Der ursprünglich breitflächige und verzweigte Verlauf ist durch durch die 1820 begonnene Regulierung nun endgültig verloren gegangen. Die Regulierung hat eine immer stärkere Eintiefung und ein kanalartiges Erscheinungsbild zur Folge. Erst kurz vor der Stadt Salzburg wird die grüne Salzach wieder lebhafter, es ragen Sand- und Felsbänke aus der Oberfläche und das Wasser sprudelt und macht Wellen. Und hier tauchen auch manchmal Jogger und Spaziergänger auf dem Weg auf. Kurz vor der Stadt beginnt dann das bunte Leben: Hausfrauen und Schulkinder sind unterwegs und auch Radfahrer ohne Raddress und Helm.

In Itzling sitzen dunkelhäutige Salzburger verschiedenster orientalischer Abstammung auf den Bänken am Damm in der Sonne. Mein Weg führt mich in die Stadt zum Gasthaus Wilder Mann, wo ich meinen Flüssigkeitshaushalt durch Stiegl-Bier und Frittatensuppe vor der Entgleisung rette. Dann wandere ich mit meinem Rucksack und einer Leberkäsesemmel in der Hand zum Stiegelbräu auf der halben Höhe der Festung, um die Aussicht über die Stadt zu genießen. Zwei Kellner stellen sich mir in den Weg und verwehren den Eintritt, weil sich hier die ÖVP gerade selbst bejubelt und bei dieser Feier auch gleich einen neuen Obmann wählt. Also ziehe ich wieder hinunter in die Stadt und setze mich auf eine Bank am Domplatz in die Sonne.