Beim Fotografieren geht dabei darum, jene Photonen festzuhalten, die auch später noch über die Augen das Gehirn stimulieren und damit Eindrücke und Erinnerungen erzeugen können.

Dabei sollte die Photonen in einem Bild so eingefangen werden, dass sowohl die Totale den Überblick über die gesamte Szenerie gezeigt, als auch die anderen fünf klassischen Einstellungsgrößen - Halbtotal, Halbnah, Nah, Groß und Detail - bei der späteren Betrachtung der Bilder wie in einem Zauberspiegel ausgewählt werden können.

 
 
Meine erste Kamera ist eine Digna Dacora, die ich bei einem befreundeten Drogisten kaufe. Der freundliche Mann, den ich nur im grauen Arbeitsmantel kenne, ist ein wichtiger Sponsor des Fußballvereins, in dem mein Vater Obmann ist. Zu Weihnachten bekommen wir immer mehrere Fläschchen Likör, den er selber in den verschiedenen Geschmacksrichtungen und knallbunten Farben herstellt. Sein größter Stolz ist seinen Glühwürmchen-Likör, der in mehren Farben schillert. Nun bin ich öfter in seinem Geschäft, wo eine exotische Duftwelt herrscht, um meinen Fotoapparat zu besuchen, den ich mir kaufen werde, wenn ich endlich genug Geld zusammengespart habe. Eines Tag reicht dann mein Geld, ich habe zwar erst gut die Hälfte der Kaufpreises zusammen und bekommen meinen Wunschtraum trotzdem ausgehändigt, gemeinsam mit einem Kurzlehrgang im Fotografieren und einem Film. In diesem Augenblick beginnt mein Leben als Fotograf und ich beginne Potonen auf Filme zu bannen, auch wenn diese in jenen Tagen nur schwarzweiß einfangen lassen.

Die Digna Dacora ist mein ganzer Stolz, eine ausnehmend elegante Mittelformatkamera mit schwarz-silbernem Aluminiumgehäuse. Gebaut wurde der Zauberkasten im Kamerawerk Dangelmaier von 1954 bis 1959 in München für Rollfilm 120 im Format 6x6 cm. Das Objektiv ist ein 8/80 mm Achromat - für mich ein drittes geheimnisvolles Wortmysterium im Zusammenhang mit meinem Wunder-Apparat. Die Kamera ist mit wenigen Handgriffen zu bedienen: Zum Fokussieren des Bildes wird es in einem Gewinde gedreht, der Bereich reicht von 1.5 m bis unendlich. Abblenden ist möglich, zusätzlich zur Standardblende f/8 kann ein Lochblech f/11 in den Strahlengang geschwenkt werden. Das versenkbare Objektiv springt durch leichtes Verdrehen federunterstützt heraus, durch Druck lässt es sich wieder einschieben und durch Drehen verriegeln. In diesem Zustand ist die Kamera wesentlich kleiner, ein Auslösen ist unmöglich. Der Verschluss wird durch Drücken des Auslösers gespannt, die einzige Belichtungszeit ist 1/50 s. Für "B"  gibt es Drahtauslöseranschluss und Stativgewinde. Bei versenktem Tubus ist das Auslösen nicht möglich. Der Filmtransport erfolgt, indem man am Rad dreht, das kleine rote Fenster in der Rückwand wird dabei zur Kontrolle benutzt. Mit dem Durchsichtssucher lassen sich die Bildausschnitte festlegen. Ein Zubehörschuh und ein Blitzanschluss ergänzen die Kamera.

Einige Jahre später schaffe ich eine Minox mit 8x11 mm Film an. Ich schätze die Kamera sehr, da sie nicht nur elegant, sondern außerordentlich klein und schnell zu bedienen ist, ich habe die Minox fast immer eingesteckt, um Schnappschüsse machen zu können.

Bald nach dem Erwerb der Digna Dacora beginne ich damit, die Filme und Fotos selbst zu entwickeln. Die Entwicklerdose und der Vergrößerungsapparat sind die Kernstücke des Fotolabors, die man kaufen muss. Alles Andere findet sich sowieso in jedem Haushalt oder ist Eigenbau, als Dunkelkammer dient das WC. Anfangs wurden so manche der Bilder fleckig oder Grau in Grau, ohne richtigem Kontrast und waren verdorben, aber es nützte alles nichts: durch diese Chemie musste ich durch, denn die Ausarbeitung meiner vielen Filme beim Fotografen kann ich mir nicht leisten.

 
 

Mit meinen Fotos will ich erzählen, was ich gesehen habe. Es geht dabei darum jene Photonen auf einem Chip festzuhalten, die auch später noch über die Augen das Gehirn stimulieren und damit Eindrücke und Erinnerungen erzeugen können.

Auf keinen Fall will ich so genannte "künstlerische Aufnahmen" machen. Die Fotoplattform flickr.com ist voll von verschiedensten Bildwelten, von bieder bis schrill - da kommt man mit dem Schauen gar nicht mehr nach und kann unglaublich viel über Hinsehen und Danebenschauen lernen. Doch ich will neue Lösungen in der Bildpräsentation, denn die ist bei den Fotoplattformen festgefressen in der Tradition der Papierbilder und Diapräsentationen und weder originell noch mediengerecht.

Nun zu meinem Ansatz: Meine Bilder haben eine Ausdehnung, die in jeder Dimensionen mindestens ein Drittel größer ist als die des Bildschirms, also 1600x1200 Pixels für 1280x800 Bildflächen. Daher kann ein Photonenstrom in einer kinoähnliche Darstellung gezeigt werden und liefert ein räumliches Vollbilderlebnis beim Anzuschauen der an sich statischen Bilder. Dadurch besteht die Möglichkeit mit dynamisch gewählten Bildausschnitten die Einzelheiten von Bildern anzuzeigen, ohne deren Gesamtsicht einzubüßen. Den Fotos wird dadurch neues Leben eingehaucht.

Die Elemente der Bildgestaltung beim Fotografieren umfassen verschiedene Grundelemente und beeinflussen auch die späteren Möglichkeiten bei der Ausarbeitung und der Betrachtung. Bei der Sicherung einer optimalen Präsentation mit entsprechender Software geht es praktisch um die drei Hauptkomponenten zu Gestaltung: Format, Bildkomposition und Einstellungsgröße.

Format

Das Bildformat kann zunächst quer, hoch oder quadratisch sein. Durch eine nachträgliche Bearbeitung, Aneinanderfügen bzw. Zuschneiden sind auch besonders hohe oder schmale, mehreckige, ovale oder runde Formate möglich. Der Liebe Gott hat unsere Augen neben- und nicht übereinander gesetzt und dadurch bestimmt, dass wir unsere Umgebung im Querformat wahrnehmen und auch die von Menschen geschaffenen Filmleinwände und Bildschirme entsprechen diesem Format. Und so hat sich das Querformat als universelle Ausgangsform bewährt.

Bildkomposition

Durch die Bildkomposition kann zunächst der Vorder- oder der Hintergrund hervorgehoben werden. Die Bildaufteilung lässt sich symmetrisch, asymmetrisch oder etwa nach den Regeln des goldenen Schnitts gestalten.

Damit Landschaftsfotos nicht langweilig und statisch wirken kann aus der Totalen heraus bei der späteren Betrachtung das Spiel mit Vorder-, Mittel- und Hintergrund mehr Tiefe und Spannung verleihen.

Einstellungsgröße

Der Bildausschnitt stellt eine der wichtigsten Kompositionselemente bildnerischer Gestaltung dar. Hier kann je nach Ausschnitt unterschieden werden zwischen: Weitwinkel, Total, Halbtotal, Amerikanisch, Halbnah, Nah, Groß und Detail.

Die wichtigste Funktion der Einstellungsgröße besteht wohl in ihrer Funktion, Kontinuität zwischen verschiedenen sich überlappenden Teilstücken eines Raumes zu erzeugen. Voraussetzung für die Nutzung der verschiedenen Einstellungsgröße bei der Bildpräsentation ist, dass sie als Ausschnitt aus einer Totalen abgeleitet werden können. Während in der Frühgeschichte des Fotografieren, das nach dem Knipsen festgelegt war, kann heute Software zur Aufspaltung herangezogen werden. Die dynamische Veränderung der Einstellungsgröße erlaubt dem Betrachter eine bisher nicht gekannte Flexibilität der Bildanalyse.

Daher heißt es, nicht einfach das gewünschte Motiv als Bildausschnitt heranzuzoomen, sondern das Motiv im Kontext aufzunehmen. So wirkt nicht nur das Foto lebendiger und vermittelt eine szenische Momentaufnahme, sondern lässt beim Betrachten auch noch den Bildausschnitt einstellen.

Farbe

Ein noch größerer Frevel am göttlichen Schöpfungswillen als das Hochformat ist die Entscheidung für Aufnahmen in Schwarzweiß oder Monocolor. Die Primaten, und damit auch der Mensch, sind die einzigen Säugetiere, die in Farbe sehen können. Hunde, Katzen und alle anderen Säugetiere sehen alles braun in braun, man kann dazu auch Sepia sagen. Alle anderen Farbinformationen aus der Natur werden nicht wahrgenommen.

 
 

Seit einiger Zeit arbeite ich an einem Softwarekonzept zur Bildpräsentation. Dadurch soll das Betrachten der Fotos (immerhin einige hundert) in einer geeigneten Weise neu organisiert und das anschauliche Abspielen der Präsentation abwickelt werden. Es war mir dabei ein Anliegen die beiden Tätigkeiten des Einfangens und der Wiedergabe der Photonen viel weiter zu entkoppeln als bisher. Sie werden von verschieden Geräten mit unterschiedlicher Technologie erledigt und jedes Gerät sollte optimal eingesetzt werden.

Die Fotoalbum Skripts zeigen die Bilder direkt an oder lassen sie in beliebigen Zyklen und beliebiger Geschwindigkeit ablaufen. Allen Anwendungen gemeinsam ist die automatische Weiterschaltung der Bilder, gekoppelt mit der manuellen Möglichkeit mit einem Mausklick vor und zurück blättern zu können. Weiche Übergänge und Überblendungen können als Stilmittel eingesetzt werden. Diese Präsentationstechnik macht aus normalen Fotos eine kinoartig lebendige Bildpräsentation mit Bewegungseffekten.

 
 

Beim Zeigen der Bilder geht es um Flexibilität #Starrsinn. Es gilt dabei verschiedene Betrachtungsweisen aus dem Hut zu zaubern.

Es geht darum, aus einem bereits fertigen Bild möglichst viel herauszuholen. Also ausgehend von der Totalen die verschiedenen Einstellungsgrößen abzuleiten. Die Halbtotal, Halbnah, Nah, Groß und Detail

Die Frage nach dem "richtigen" Bildausschnitt bei des Erstellung beim Einfangen der Photonen gibt es bei dieser Präsentationssoftware nicht mehr, denn je mehr Unterschiedliches auf dem Bild ist, um so mehr interessante Bildausschnitte gibt es später zu betrachten. Was früher als stecknadelkopfgroßes Detail endete, wird heute zur dynamischen Vielfalt der Bilddetails. Der Betrachter der Bildergalerie kann dann die Ausschnitte der Bildelemente wählen. Aber natürlich nur, wenn das Photonen-Speichergerät in der "Weitwinkelstellung" eingesetzt worden ist und die Totale eingefangen hat. Ganz gleich, ob der Betrachter nun eines der darauf vorhandenen Motive in der Bildmitte haben will oder es im Verhältnis des Goldenen Schnitts platziert, er legt den Bildaufbau bei der Betrachtung selbst fest. Außerdem gilt es, die gesamte Bildfläche lückenlos (im Sinn des Wortes) für die Bildpräsentation konsequent zu nutzen und nicht etwa Teile für die Navigation zu reservieren.

Das Ergebnis meiner Untersuchungen ist die Implementierung von mehr als ein Dutzend Betrachtungsverfahren, zum Teil mit beeindruckenden kinoartig lebendigen Bildpräsentationen und Bewegungseffekten. Daneben sind noch ein halbes Dutzend experimenteller Ansätze von Galerien entstanden, die sich in der Praxis als nicht so brauchbar erwiesen haben. Diese dynamischen Animationen und Überblendungen machen die Darbietungen von Bildern zu lebendigen, multimedialen Ereignissen. Zur Präsentation der Bilder in Form einer Galerie stehen damit individuell einsetzbare Bildgestaltungsentwürfe zur Verfügung.