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Meine Diva ist eine Yamaha XJ600N, Baujahr 1995 mit inzwischen 25 Mm Laufleistung. Ihr Kosename kommt von Typenbezeichnung Diversion (für Ablenkung, Unterhaltung, Umleitung) der verkleideten Version. Der Fahrer dieser Maschine heißt Divi. Wie selbstverständlich bin ich schon als Knirps mit dem Motorrad Vaters aufgewachsen, einer DKW RT 125. |
![]() Meine Diva ist sowohl optisch als auch akustisch eine angenehme Erscheinung. Die naked Version betont die klassische Maschine. |
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Die Neuinszenierung der Technik und Mode der späten sechziger und frühen siebziger Jahre ist heute kaum ein Thema, außer für die Motorradbranche wie das Modell Yamaha XJ600N zeigt. |
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| Die Maschine sieht aus wie ein Motorrad aus einer anderen Zeit: geteilter Lenker, eine fliehende Sitzbankflosse, klassische Armaturen und zwei riesige Auspuffschalldämpfer. | |||
| Die Technik der Maschine ist konventionell und solide. Ein Doppelschleifen-Rohrrahmen bildet das Rückgrat, die Räder werden von zwei klassischen Federbeinen und einer Telegabel geführt. Einscheiben-Bremsen vorne und hinten sorgen für die Verzögerung. Angetrieben wird das Motorrad vom luftgekühlten Vierzylindermotor. | |||
| Meine persönliche Diva ist eine "Permanently Scratched Beauty" mit zerkratztem Tank (Reißverschluss) im Genitalbereich, abgeschürfter Lenkermitte (Schlüsselbund), abgeschürfter Tachouhr (Parkschaden) und Delle am Tank auf der rechten Seite (Vorbesitzerin). | |||
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Meine Diva ist ein Mittelklasse-Tourer mit fabelhaftem Fahrkomfort. Ein bewährter und aufwändiger Vierzylinder-Reihenmotor mit Luftkühlung, vier Vergaser mit Drosselklappensensor, Hinterradaufhängung mit Zentralfederbein, eine Sitzbank komfortabel wie ein Clubsessel. |
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Meine Diva ist das beste Allzweck-Motorrad, für mich jedenfalls. Sicher, es gibt viele Bikes die schneller beschleunigen, die im Gelände leichter zu handeln sind, es gibt auch einige die bequemer sind... Aber es gibt eben keines, das einen besseren Kompromiss aus allen Eigenschaften darstellt: ob Autobahn, kurvige Bergstraßen, Schotterpisten - die Diva macht hier überall eine gute Figur. |
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![]() Meine Diva hat ein kräftiges aber gezähmtes Anfahrdrehmoment, kein Tritt ins Kreuz aber auch keine lahme Ente und wiegt die wenigen 61PS durch einen sechsten Gang auf. |
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| Schon ab 1500/min beschleunigt das 600er Triebwerk ruckfrei hoch, ein unspektakulärer, gleichmäßiger Schub ist ideal für Alltag und Motorradneulinge. Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung können sich durchaus sehen lassen. Sie kann wie jedes Motorrad zu einem Geschoß werden, wenn man das will. Allerdings geht ungestüme Fahrweise heftig auf Kosten des Verbrauchs. Sobald die Maschine rollt, kommt sie schnell und vibriert ab 4000 Touren ein bisschen. Die deutlichen Vibrationen sind aber so etwas wie eine Ansprache, so wie ein Hund vor Freude beim Herumtollen bellt oder ein Pferd vor Freude am Rennen wiehert. | |||
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Der Knieschluss ist superb und die Sitzposition exakt richtig für mich. Relativ aufrecht und doch nach vorn geneigt, die Füße grad so weit nach vorne wie ich's brauch. |
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Meine Diva hat einen Motor dem die Kraft zum Hals heraus kommt und dem eigentlich egal ist, in welchem Gang man die Diva über die Landstraßen scheucht. Vierter, fünfter oder sechster Gang, Leistungsreserven sind immer genügend da. Dreht man die Gänge beim Beschleunigen aus, fühlt man sich wie Münchhausen auf seiner Kanonenkugel. Sie hat eine gut dosierbare Kupplung die leichter geht als ich es von der BMW F650 kenne, keine Problem damit, auch nicht im Kolonnenverkehr. Das Getriebe schaltet sich einwandfrei. |
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Meine Diva hat wahrlich edle Armaturen, die symmetrischen Uhren sind in silbernen Bechern und haben nachtblaue Zifferblätter, weiße Schrift, dazu die Kontrollleuchten im engen Dreieck zwischen Tacho und Drehzahlmesser - einfach geil. Die Instrumente sind ein Traum in Chrom und Blau. Die Kontrollleuchten sind vor allem bei Nacht hübsch anzusehen, verlieren aber bei Sonnenschein an Signalwirkung. |
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| Meine Diva hat Bedienelemente, die gut in der Hand liegen, Kupplungs- und Handbremshebel lassen sich verstellen. Die Rücksicht in den Spiegeln ist prima und der Knieschluss zum 17 Liter Tank perfekt. | |||
| Meine Diva hat den Choke vor dem Benzinhahn unterm Tank. Da wo er hingehört - macht zwei Meter Schlauchspaghetti weniger zum Lenker. | |||
| Meine Diva hat mit mir leider einige Anfangsprobleme: Mit dem Handling des Blinkers habe ich anfangs meine Probleme und ich stelle manchmal den Blinker nicht zurück. Das Losfahren mit der Kupplung macht anfangs auch noch Ärger und das Motorrad stirbt beim Anfahren ab. Dazu kommt, dass der Motor nur ohne Gang angelassen werden kann, was ich erst nach dem ersten Absterben mitten auf einer Kreuzung durch Trial and Error herausfinde! | |||
| Meine Diva ist leicht zu rangieren mit ihren satten 200 Kilo. Doch wenn man die Diva auf ihren Hauptständer stellt merkt man das Gewicht erst wirklich. | |||
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Kopiert wird übrigens schon längst nicht mehr und die Yamaha Triebwerke und Fahrwerke sind inzwischen Legende. |
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| Die erste Yamaha ist ein Riesenerfolg, so dass die Modellpalette rasch ausgeweitet werden kann. Auch im Rennsport heimst Yamaha schon früh zahlreiche Erfolge ein und ist bald hinter Honda die unumstrittene Nummer zwei. Der Durchbruch in Europa kommt Ende der 1960er Jahre. In den 1970ern umfasst die Modellpalette schnatternde Zweitakter der RD-Typen, die urige XS 650 im klassischen Stil britischer Bigbikes, die SR 500, das Kultmobil der Kickstart-Fraktion, die XT-Enduros, standesgemäße Untersätze für Sahara-Durchquerungen, die TR 1-Tourer, die man erst schätzt, als es sie nicht mehr gibt, die XJ Reihenvierzylinder, die dicken XS Drei- und Vierzylinder mit der ausladenden Martini-Verkleidung und andere mehr. | |||
| Meine Diva ist alles in allem eine erschwingliche Möglichkeit, die Vorzüge eines Vierzylinders zu genießen. Zwar kann sie nichts wirklich super gut, leistet sich aber auch keine wirklichen Schwächen, erledigt alle Disziplinen unauffällig und unaufdringlich. Das Fahrwerk könnte wohl stabiler sein, aber kaum komfortabler. Der Motor könnte spritziger sein, aber in der Leistungsentfaltung kaum berechenbarer. Die Bremsen könnten bissiger sein, passen aber zur Fahrleistung. | |||
| So ist die Diva eine verlässliche Partnerin für alle, die sich nicht um falsche Eitelkeiten scheren. | |||
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