Selbstüberschätzung hat für die Zweiradfahrer noch schlimmere Folgen als für Dosenfahrer. Der Bericht des Verkehrsministeriums Sommer 2002 führt zu schnelles Fahren als Hauptunfallursache an. Alkohol ist nur ganz selten im Spiel. Offensichtlich haben Bewusstseinsbildung, Disziplin und scharfe Kontrollen im Kampf gegen Promillesünder gegriffen.

Nur gegen die Selbstüberschätzung auf einem kraftstrotzenden Motorrad gibt es scheinbar noch kein Rezept.

 
     

Unfallanalysen des Instituts für Zweiradsicherheit (IFZ) in Essen ergeben, dass zwei Drittel aller Kollisionen zwischen PKW und Motorrädern von Autofahrern verursacht werden.

In der Hälfte dieser Unfälle mit Autos sind die betroffenen Motorradfahrer völlig schuldlos verwickelt.

    Die passive Sicherheit von Motorrädern und Dosen haben sich enorm auseinander entwickelt: Während in Autos zahlreiche ausgeklügelte Vorrichtungen die Insassen schützen, von Energie schluckenden Sicherheitskarosserien über Sicherheitsgurte, Kopfstützen bis hin zu einhüllenden Airbag-Wolken, gilt für Motorradfahrer die uralte Reiterphysik...  
     

Beim Sturz geht's hinaus aus dem Sattel, hinein in den unkontrollierten Flug und das verhängnisvolle Schlittern über Fahrbahnen und die Botanik: den Aufprall auf Asphalt, Bürgerkäfige, Randsteinen, Leitschienen, Bäume und andere Hindernisse.

       
 
   

In Österreich starben im Jahr 2001 insgesamt 1000 Personen bei Verkehrsunfällen. Davon 222 Zweiradfahrer (40 Moped-Aufsassen, 62 Radfahrer, 110 Motorrad-Aufsassen), 140 Fußgänger, 150 Dosenbeifahrer und 400 Dosenlenker.

Die Dosenfahrer töten demnach im Jahr 300 unbeteiligte Personen, die Motorradfahrer 10.

Pro gefahrenen Kilometer gibt es jedoch mit dem Motorrad im Vergleich zur Dose fast vier Mal so viele Tote.

 
     

Schwere Motorradunfälle mit Fahrzeugen unter 67 PS gehen zu 2,5% tödlich aus, Unfälle mit Maschinen über 120 PS zu 8,6%.

25jährige Motorradfahrer haben fünf Mal so viele Motorradunfälle wie 50jährige - also haben 50jährige Motorradfahrer ähnlich viele Unfälle wie Autofahrer.

Fast die Hälfte aller Motorradunfälle findet ohne Beteiligung Dritter statt - aber auch die Dosenfahrer haben das gleiche Problem, denn 38 % aller toten Dosenlenker sterben durch Alleinunfälle.

Von den verunglückten Motorrad-Aufsassen in Österreich sind 20 % Ausländer, fast alle davon lassen in Tirol und Vorarlberg ihr Leben.

   

Die tödlichen Unfälle mit Motorrädern sind in Österreich rückläufig, von 2000 bis 2002 immerhin pro Jahr jeweils um 10 % bei steigender Motorradanzahl. Zu einem Grundbestand von 300.000 Motorrädern kommen pro Jahr 20.000 dazu.

Im Jahr 2002 verunglückten 70 Österreicher bei Motorradunfällen tödlich; dazu kommen 19 getötete ausländische Motorradfahrer (60 % der in Tirol getöteten Motorradfahrer sind keine Österreicher). Im Vergleich zum Vorjahr (107 Todesopfer) bedeutet das einen Rückgang von 15%. Die Motorradunfälle gehen also wesentlich stärker zurück als die Verkehrsunfälle insgesamt.

 
     

Also lieber viel zu langsam als auch nur ein bisschen zu schnell.

   

 

 
 
   

In den Ländern Europas werden Jugendliche per Gesetz daran gehindert mit einem Auto zu fahren, da sie keinen Führerschein dafür machen können. Aber mit dem Fahrrad oder dem Moped dürfen sie fahren, das ist zwar viel gefährlicher aber gesetzlich gedeckt.

 
   

 

 
 
    Stürzen, darin sind sich die Experten einig, gehört zum Motorradfahren wie das Amen zum Gebet. Ein kleiner Sturz ist besonders für Einsteiger unvermeidlich.

Aber: wer hat schon aufgehört Fahrrad zu fahren, weil er als Kind vom Drahtesel geflogen ist?

 
      Bei einem Sturz ist es wichtig, sich so schnell wie möglich vom Motorrad zu trennen. Die Masse der Maschine ist erheblich größer als die des Motorradfahrers und deshalb würde sie ihn sonst weiter mitziehen als seine Rutschpartie alleine dauert. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Maschine den Fahrer unter sich begräbt. Je kürzer die Schleiferei auf dem Boden desto eher ist die Chance, dass man keinen Kontakt mit der Leitplanke oder anderen Hindernissen bekommt und desto eher hält auch das Leder stand ­ bevor es an die Haut geht.
   

Problematisch wird es erst, wenn die Zahl der Stürze mit den gefahrenen Kilometern nicht abnimmt. Dann dürfte das Tempo einfach über dem IQ des Sturzpiloten liegen. Denn Stürzen gehört nicht zum Fahrgenuss und je höher das Tempo, desto erbarmungsloser ist die Flugpartie.

Wie aber kann man Stürze vermeiden, ohne langsamer zu werden?

 
     

1. Erfahrung: Es zählt einzig und alleine Übung, Übung und nochmals Übung, denn je mehr man Motorrad fährt, umso sicherer wird man. Denn Motorradfahren funktioniert ganz anders als Autofahren. Während man an das Lenkrad eines Autos einfach vom Gehirn aus steuern könnte, um das Fahrzeug nach links oder rechts zu steuern, ist beim Motorrad unbedingt ein komplexer Körpereinsatz notwendig. Und der ist eben Übungssache.

   

2. Adlerblick: Ein Motorrad fährt dahin, wo der Fahrer hinschaut.
Schwarze Katze von rechts? Einfach erschreckt auf die Mieze starren, und es gibt eine weniger.
Zu schnell am Kurveneingang und den starren Blick in den Sturzraum und es geht garantiert ab in die Büsche.

Im positiven Fall heißt das, dass durch diszipliniertes entlang Hangeln an einer bewusst ins Auge gefassten Linie selbst auf schmalen Seitenstraßen ordentliche Geschwindigkeiten möglich sind. Der Blick darf niemals dicht vor dem Motorrad kleben, sondern muss als Adlerblick der Maschine weit vorauseilen.

Der kluge Mensch lernt hieraus aber auch, dass ein Motorrad dann am sichersten bewegt wird, wenn man auf jeden Fall sieht, wohin es geht. Schonungsloses hineinsteuern in blinde Ecken ist etwas für die Rennstrecke oder für Blöde.

 
     

3. Schräglage: Schnelles Fahren ohne die psychische Fähigkeit zur Schräglage ist technisch nicht möglich und gefährlich. Nicht möglich, weil ein Motorrad mit zunehmender Geschwindigkeit bei gleich bleibendem Kurvenradius einfach einen größeren Schräglagenwinkel braucht. Gefährlich, weil Kurven, die sich zuziehen bei Angst vor weiterem Umlegen der Maschine, blitzartig den Abflug einleiten.

Deshalb sollte man ständig an seiner persönlich möglichen Schräglage feilen, im Ernstfall ist das mehr wert als jeder Erste-Hilfe-Kurs, alle Club-Mitgliedschaften und Protektorenkombis zusammen. Also hinunter mit der Maschine und unbeirrbares Vertrauen in den Griff der Straße, koste es eine noch so große Überwindung. Die wird Belohnung sein: Als habe die Maschine Klauen und Zähne, hält sie sich am eingeschlagenen Radius fest.

   

4. Kurventechnik: Dem Radius der Kurve auf der Außenlinie folgt man so lange folgen, bis man deutlich den Kurvenausgang sichtet und erst dann die Maschine umlegen. Wer in lockerer Rennfahrer-Manier die vermeintliche Ideallinie entlang glüht, kann sich unversehens vor einer brutal zuziehenden Hundskurve finden. So hat schon mancher sein Mopped im Gegenverkehr versenkt.

Was an der Außenlinie noch wichtiger ist: Nur so ist der Schädel vor den Kühlern entgegenkommender LKW sicher. Vorsicht aber mit der Straßenoberfläche, denn logischerweise finden sich Rollsplitt, Dreck und Öl meistens in den Außenbereichen.

 
     

5. Bremsen: Hartes Bremsen direkt in Kurven ist völliger Schwachsinn. Erstens stellt sich das Motorrad auf und vermindert damit automatisch die Schräglage. Zweitens verkraftet ein Vorderreifen nur entweder die Kurvenführungskraft oder die Bremskraft. Zu tiefes oder gar panisches Hineinbremsen in Kurven erhöht die Gefahr, aufgrund eines wegrutschenden Reifens vom Mopped nach innen abzusteigen.

Deshalb ist es ganz wichtig, das korrekte Tempo vor der Kurve anliegen zu haben und nicht auf gut Glück ins Leere zu schießen. Immer auf Sicht fahren, denn plötzliche Überraschungen können durch entschlossenes Drücken gemeistert werden, denn durch die zunehmende Reibung der Reifen auf der Straße wird erstaunlicherweise das überschüssige Tempo zuverlässig abbaut.

   

Wer diese Grundregeln testet, wird feststellen, dass er sich auf dem Motorrad viel sicherer fühlt. Es macht mehr Spaß und ist objektiv sicherer.

 
     

Kein Motorradfahrer sollte je vergessen, dass nur ein gesunder Mensch ein guter Motorradfahrer sein kann.

Krüppel und Leichen können keine Motorräder durch die Kurven gleiten lassen.