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| Das Motorrad ist ein Stück Freiheit und die Regeln für die Körperpflege werden einfach: an den Körper des Motorradfahrers kommt nur Wasser und Asphalt, denn das Motorrad ist das am schwierigsten zu beherrschende Fahrzeug. | |||
| Das Motorrad ist wie ein wildes Tier zwischen den Beinen, das bockt, sich aufbäumt und vor Vergnügen brüllt, wenn man ihm die Sporen gibt. Mit dem Adlerblick geht es dann kühn in die Ferne zum Kilometer fressen. | |||
| Eine moderne Tausender hat eine viertel Tonne Gewicht, den Hubraum eines Kleinwagens, die Leistung eines Mittelklassewagens, rast wie ein Sportwagen und hat den Antritt eines Kampfjets. | |||
| Winterfahrer oder Warmluftfahrer scheidet die Motorradfahrer in zwei Kasten. Die Warmlufthelden überschwemmen im Frühjahr massenhaft die kurvenreichsten Straßen des Landes, um darauf hin- und herfahren zu können. Winterfahrer dagegen sind unabhängig von der Jahreszeit auf der Piste, auch in Kälte und Finsternis, um ihren täglichen Verrichtungen nachgehen zu können. | |||
| Die Puristen unter den Motorradfahrern sind Solisten, denn sie interessieren sich nur für die Eine. Sie kaufen sich einen Einsitzer, um sich die Fülle der Gesichte nicht stören zu lassen. Der Solofahrer lebt den Traum von der Verschmelzung von Mann und Maschine in höchster Beständigkeit, ohne Beifahrerin hinten drauf. | |||
| Schönwetterfahrer motten im Winter ihre Maschinen ein und wenn sie im Frühling, bei den ersten Sonnenstrahlen ihre Maschinen wieder aus der Dunkelheit und dem Staub der Garagen in die Sonne herausholen ist die Welt wieder voller Motorräder. | |||
| Schrauber ist ein Motorradfreak, der kleinere oder größere Reparaturen und Umbauten selber macht und seine Maschine nur der Fachwerkstätte überlässt, wenn’s gar nicht mehr anders geht. | |||
| Sex beim Motorradfahren muss man nicht missen, sondern man kann dazu hinter sich eine Beifahrerin platzieren. Alle Sozia dieser Welt haben gemeinsam, dass sie eine auch beim Bodenturnen kaum vorkommende Grätsche beherrschen. Außerdem verbrennen sie sich unten beharrlich Schuhe und Waden an der heißen Auspuffanlage. Im Gegenzug erkälten sie sich meist oben herum, weil Windkanalversuche mit Motorrädern nur von Männern durchgeführt werden. Außerdem gibt es bei jedem Bremsen dieses sanfte Klack, wenn die Helme aneinander stoßen. Letztlich sind alle Motorradbräute enorm opferbereit. Der Soziussattel heißt in Österreich Pupperlhutschn, da auf ihm fallweise eine Beifahrerin (Pupperl) gehutscht wird; manche sagen zum ganzen Motorrad Pupperlhutschn. | |||
| Herrenfahrer sind die Motorradfahrer alle, denn wer hat schon einmal etwas von einem Motorrad mit Chauffeur gehört. Und gesund sind sie auch, denn es gibt keine Motorräder, die sich als Krankentransportfahrzeuge eignen. Wer Motorrad fährt macht sich zum autonomen Subjekt und wenn man einmal stürzt sagt man: "Ich habe das Motorrad weggeschmissen." | |||
| Sollte einmal ein Motorrad einige Tröpfchen Öl verlieren, dass ist das keine Respektlosigkeit sondern es markiert damit nur sein Territorium. | |||
| Bauingenieure bauen Straßen als die die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Diesem Grundprinzip stellen sich manchmal Berge in den Weg, dann wieder Vierkanthöfe und tausendjährige Kirchen. Darum hat die Menschheit die Kurve erfunden. Die längste Verbindung zwischen zwei Punkten findet sich an steilen Bergen, in engen Tälern und an den Seen des Salzkammerguts. Folglich sind dort auch die schönsten Serpentinen und die aufregendsten Kurvenkombinationen. Weil ein Motorradfahrer sich überhaupt niemals für die kürzeste, sondern immer für die kurvenreichste Verbindung zwischen zwei Punkten entscheidet, nimmt er vor dem Wochenende die Landkarte zur Hand und sucht darauf nach gewundenen gelben Linien. | |||
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Die Routenplanung erfolgt nicht nach dem Ziel,
sondern nach der Farbe der "Motorrad Reisekarten" Maßstab 1:300.000
also 1 cm auf der karte sind
3 km in der Landschaft. Roter Doppelstrich = Dosenrefugium, von Motorradfahrern geächtet Roter Strich = Bundesstraße, nur super wenn eine Dosenbahnauffahrt die Dosen wegsaugt Gelber Strich = kleine Strasserln die noch der natürlichen Topologie folgen Weißer Strich = selten asphaltiert dafür begegnet man Mountainbikern und Kühen |
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| Fahren, fahren und immerfort fahren, das ist das Los der Motorradfahrer. Der erste Grund dafür liegt in der der Mechanik der festen Körper: Einem Motorrad, das steht, fehlen die stabilisierenden Kreiselkräfte und es fällt um. Der zweite Grund ist ein thermodynamischer: Die Abkühlung des Körpers durch den Fahrtwind ist enorm und steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit, daher muss man sich warm anziehen. Folgerichtig ist ein stehender Motorradfahrer stets viel zu warm angezogen. Aus dieser Not haben die Motorradfahrer eine Philosophie gemacht: Der Weg ist das Ziel und muss in einem fort befahren werden, abgestellt wird nur zum Tanken. Dazu kommt noch, dass das Verbrennen fossiler Brennstoffe in unserer Kultur als ein Wert an sich gilt. | |||
| "Der Blick leitet die Bewegung ein" war der Leitspruch eines meiner Sportprofessors. Das Prinzip der Sinnes gesteuerte Bewegung gilt besonders beim Motorradfahren, wo der Blick die Bewegung führt. Beim Motorrad heißt es mit den Augen zu zielen, denn der Blick lenkt die Maschine. Nur der Adlerblick nach vorne bzw. zum Ziel erlaubt eine einwandfreie Steuerung des Fahrzeugs. Ziel führend ist es auch, das Kinn auf die Fahrlinie "aufzulegen". Und wohin man schaut, dort fährt man auch hin. Im Gehirn läuft alles auf dieses Ziel hinaus. Für "Angstkurven" ist zu prüfen, ob sich dort etwas befindet wo man wie gebannt hinschaut, aber nicht wirklich hin will - Leitschienen, Mauern, Gräben oder andere unangenehme Sachen am Straßenrand. Wenn man einfach nicht hinschaut, sondern den Kurvenausgang fixiert und denkt: "Dorthin will ich!" und dann ist das Problem gelöst. | |||
| Pechrabenschwarz, mattschwarz oder dreckig, nur diese drei Farben gibt es für echte Motorräder. Außer wenn der Hersteller kein Schwarz anbietet, dann muss man halt warten bis die Maschine dreckig ist. Motorräder können aber auch gerne gelb sein, solange sie von der Post sind. | |||
| Naked ist eine Maschine, wenn sie vorne die Rundungen der Scheinwerfer und Uhren nicht unter einer Verkleidung versteckt. Ein Naked-Bike ist das oben-ohne Pinup unter den Motorrädern. Gleichzeitig das Fahrzeug für Leute, die keine Lust auf Klebearbeit haben. | |||
| Grüßen von Motorradfahrer zu Motorradfahrer ist ein beliebtes Ritual und wird von Anfängern zu Recht als verworren angesehen. Es gibt den Motorradgruß im Fahren und im Stehen. Der Umgang zwischen den Motorradfahrern bei abgestellten Maschinen ist der der Männern in einer verschworenen Gruppe und das Du ist selbstverständlich, wie das auch bei den Bergsteigern ist: Todeskandidaten unter sich. Der Motorradgruß im Fahren ist umlagert von allerlei Ge- und Verboten. Das ehernste Verbot lautet: Grüße nie, also niemals, ein Einspurfahrzeug, das weniger als ein Achtelliter Hubraum hat. Wer fahrlässig Motorroller, Mofas, Mopeds, Mokicks, Hilfsmotorfahrräder, Kleinkrafträder oder Leichtkrafträder grüßt, verliert nicht nur sein Gesicht, sondern schließlich auch jegliche Selbstachtung. Von Frühling bis Herbst grüßen manche nicht, weil sie Winterfahrer sind und so den Warmlufthelden gegenüber Verachtung zeigen. Auf Autobahnen zahlt sich der Gruß zur Gegenfahrbahn nicht aus, weil das ja sowieso keiner wahrnimmt. | |||
| Wheely & Stoppy sind Kunststücke, mit denen ein Motorradfahrer die Dosenfahrer beim Anhalten bzw. Wegfahren bei einer Ampel bestens unterhalten kann. Aber was gibt es Besseres als die letzten Millimeter auf einem Reifen mit einem Burnout sinnvoll zu verbrauchen. Leider lernt man das alles in keiner Fahrschule. | |||
| Dose fahren heißt etabliert zu sein, denn ein Auto heißt bei den Motorradfahrern Dose, Bürgerkäfig oder kurz Käfig. Gestern noch mit der Maschine in den Dolomiten, heute mit der Mittelklassedose bei Mutti zum Kaffee oder bei Ikea zum Möbelpacken. Wer mit der Dose im Stau steht kriegt keine Luft, außerdem sieht der Mensch auf dem Motorrad viel mehr als in der Dose. | |||
| Dosenbahn oder Bandl ist das, was die Dosenfahrer Autobahn nennen. Für Autofahrer das größte Glück, aber auch für Motorradfahrer, da die Dosenbahn die Dosenfahrer von den Freilandstraßen saugt. Jede Dosenbahnauffahrt macht die Freilandstraße leer. Die Motorradfahrer haben eigentlich nicht wirklich etwas von der Dosenbahn, es sei denn man will eine Strecke ohne Genuss in kurzer Zeit überwinden. | |||
| Vorbeischlängeln ist eine der zahlreichen Möglichkeiten das Aggressionspotential der Dosentreiber zu erhöhen. Denn es ist unter Dosentreibern ein weit verbreiteter Irrglaube, dass für Motorräder das Vorfahren an stehenden Dosen verboten ist. Tatsächlich beschleunigt das aber den Verkehrsablauf. Ganz erbost reagieren viele vom Stau geplagte Dosentreiber, wenn ein Motorrad zwischen den Kolonnen nach vorne fährt, dennoch dürfen Einspurige an Fahrzeugen, die vor Kreuzungen oder anderen Hindernissen anhalten, daneben oder dazwischen vorbeifahren, um sich weiter vorne aufzustellen. Natürlich muss dafür ausreichend Platz vorhanden und die Fahrzeuge müssen stehen, um daran in Schrittgeschwindigkeit vorbeifahren zu dürfen. | |||
| Warum gibt es auf den Straßen so viele verschiedene Tempolimits und warum sind sie gerade da wo die Tafeln stehen? Keiner kann das wirklich wissen. | |||
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