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8.Oktober 2007 Mo
Mittags im Café Posthof den herrlichen Herbsttag genießen. Am Nachmittag kommt
best Friend vorbei, um sich abzusichern, dass wir morgen auch sicher zu seiner
Vernissage kommen.
7.Oktober 2007 So
Am Nachmittag alleine und in der Herbstsonne einen längeren Spaziergang über
Biedermannsdorf
und
Laxenburger Straße fast bis Wien. Am Hinweg beim Radlheurigen auf ein Glas
Rotwein und ein Schmalzbrot. Am Rückweg beim heurigen Lupo eingekehrt, um dort
die Geliebte und einen väterlichen Freund zum Abendessen treffen.
6.Oktober 2007 Sa
Am Morgen beim Pfarrflohmarkt zwei Pflanzen und einen Rosegger Roman um
insgesamt elf Euro erstanden.
König Ottokars Glück und Ende mit den Söhnen im Burgtheater, die beiden in
eleganten, schwarzen
Anzügen
- geradezu unglaublich. Für den Besuch zwei nebeneinander liegende Logen
gebucht, so dass wir in einer Reihe nebeneinander sitzen. Ob ihnen das Stück
gefallen hat und ob sie noch einmal mit ins Theater gehen,
5.Oktober 2007 Fr
Der Sekretär wird geliefert, wir tragen ihn zu dritt in den ersten Stock und
stellen ihn an den vorgesehenen Platz. Es sieht wirklich toll aus, wie edel wird
er erst sein, wenn die Schrammen ausgebessert sind und sich die festgeklemmten
Laden öffnen lassen.
4.Oktober 2007 Do
Die Geliebte hat einen Arbeitstisch über Internet erstanden, das zerlegt und
beschädigt in einem Lager in Wien steht. Heute wollen wir den Sekretär abholen,
aber er passt in das geliehene Transportauto nicht hinein. Sie hatte den Tisch
vor einigen Tagen besucht und nur gemessen, ob ihr Notebook in die
Schreiböffnung passt, nicht aber, ob das Riesending in das Auto hinein geht.
2.Oktober 2007 Di
Vormittags ein Spaziergang auf dem Wasserleitungsweg nach Baden, dabei höre ich
auf Ö1 eine wunderbare Erzählung. Die Himmel ist mit einem weißen Schleier
überzogen, der die Sonnen durchscheinen lässt. |
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30.September 2007 So
Mittags im Café Posthof, viele Leute bevölkern Fuzo, denn es ist Töpfermarkt.
Unser best Friend sagt am Sonntagvormittag sein Kommen ab, damit ich nicht zu
viel für den Brunch einkaufe - was denkt der, wo er ist, am Sonntag kann man in
diesem Land kaum einkaufen.
29.September 2007 Sa
Bei herrlichem Wetter einen ausgedehnten Ausflug nach Krems und Abendessen in
Weißenkirchen/Wachau bei Gruber in der Grubstraße.
28.September 2007 Fr
Heute scheint nichts vorgefallen zu sein, drum dieser Eintrag.
27.September 2007 Do
Meine Novelle Kupfer ist bereits auf dreißig Seiten angewachsen. Der Schreibvorgang macht mir
Spaß, ich hantiere gerne mit Buchstaben, Wörtern,
Ausdrücken, Synonymen, Zeiten und - ich brauche keinen Therapeuten. Da bin ich
frei, da kann ich meine Fantasie ausleben.
Am Abend mit best Friend und unseren Geliebten beim Heurigen Enigl. Ich wollte zu dieser
Wiedervereinigungsfeier gar nicht kommen, aber best Friend hat mich betoniert.
26.September 2007 Mi
Best Friend will sich unbedingt mit mir und Ini treffen, da er wieder mit seiner
geliebten zusammen ist und das jetzt im kleinen Kreis feiern möchte. Daher will er
entweder seine Geliebte zu uns oder uns zu seiner Geliebten einladen.
25.September 2007 Di
Im
Akademietheater die Lesung von Venus und Adonis besucht. Erstaunlich wie viele
Worte man aufwenden kann, um so einen lapidare Handlung zu erzählen. Ich
bewundere das grenzenlos, denn meine Geschichten sind oft viel toller, aber ich
bin nicht in der Lage, so viele Buchstaben mit der Erzählung zu beschäftigen.
24.September 2007 Mo
Meine Novelle Kupfer begonnen. Ich müsste den ganzen Tag und die Nacht
durchschreiben, so viel stürzt über mich herein, natürlich sind es einzelne
Handlungsfetzen, die manchmal wegen ihrer Ungereimtheiten nicht so einfach
eingestrickt werden können. Am Abend sind es dann schon 2686 Wörter bzw. zehn
Seiten, am nächsten Tag bereits achtzehn. Aber das ist immer so, am Anfang geht
es immer schnell und die Seiten lassen sich rasch füllen, die in weiterer Folge
immer notwendigen Recherchen und Umstellungen im Text sind aufwändig und fressen
die Zeit auf.
Mittags über die Weinberge nach Baden, um fünf mit best Friend im Café Posthof, der
nun wieder mit seiner langjährigen Geliebten zusammen ist.
22.September 2007 So
Ein wundervoller Herbstausflug in die geheimnisvolle
Karthause Mauerbach und zum nahen Tulbingerkogel. Wenn mir mehrere Leben
zugemessen wären, würde ich eins davon als Karthäuser in einem dieser Häuschen
mit Garten verbringen wollen.
21.September 2007 Sa
Schon am Vormittag zu einem ausgedehnten Ausflug ins Mostviertel aufgebrochen.
Auf dem Weg nach Seitenstetten finden wir bei einem kurzen Halt die
unglaublichsten Schwammerl in einem kleinen Waldstück. Im Klostergarten wird Obst und Gemüse
von Bauern aus der Gegend verkauft, ich nehme je drei riesigen gelbe und rote
Zwiebeln, die größten, die ich je gesehen haben. In St. Peter in der Au ist ein
sehr angenehmes ländliches Fest im Gange. Ardagger Stift ist einsam wie damals,
als ich auf meiner Pilgerreise hier durchgekommen bin, dagegen ist am Kollmitzberg
der größte Kirtag Österreichs, eine messeähnlichen Großveranstaltung mit
Gewerbeausstellung, Vergnügungspark und Bierzelten. 300 Aussteller und 30.000
Besucher überschwemmen alljährlich am Wochenende der Quatemberwoche des
September zum größten Kirtag Österreichs auf den Kollmitzberg.
Quatember (quattuor tempora = vier Zeiten) ist Mittwoch, Freitag und Samstag von
vier Wochen im Jahr.
Auf dem Weg nach St. Pölten ziehen wir uns im Wald für die Veranstaltung im
Festspielhaus um und kommen zu spät, man lässt uns aber während ses Applauses
hinein. "Rossini e Pasta" heißt der herrliche Arienabend mit vielen bekannten
Arien aus dem Barbier von Sevilla und für mich unbekannten aus der Oper
Cenerentola, die ich nicht kenne. Im Anschluss gibt es Rotwein und viel zu viel Pasta.
Hatten wir bei der Hinfahrt über die Prüfungspraxis des Rechnungshofs
diskutiert, so streiten wir uns bei der Heimfahren über das Schicksal unehelicher
Mütter im 18. Jahrhundert.
"Ordnung ist Glück" ist einer von Rossinis Leitsprüchen und er hat recht, denn das Gegenteil von
Ordnung ist Chaos und Verlust.
20.September 2007 Fr
Heute habe ich endlich eine Liebesgeschichte in den Roman Flusswasser einarbeiten können,
wochenlang hatte ich keinen Zugang zu diesem Handlungsteil gefunden und mich
nicht drüber getraut.
20.September 2007 Do
Die letzen Tage ist das Schreiben mit fünf Seiten pro Tag wieder einmal besser
gelaufen. Vorher waren es über Wochen nur zwei Tagesseiten. Mein schlechtes Gewissen
über den schleppenden Fortschritt beim Schreiben ist einer inneren
Ruhe gewichen.
Das gesamte Triptychon hat inzwischen einen Umfang von 276 Buchseiten. Der Roman
Flusswasser umfasst nun 182 Seiten, die größten Lücken bestehen immer noch im
dritten Viertel.
Mittags im Café Posthof mit einem befreundeten Antiquitätenhändler auf einen kleinen Braunen.
Am Abend Romeo und Julia um Burgtheater, kein Klamauk - Gott behüte - sondern
eine Schmierenkomödie, die bei den unbedarften Teilen des Publikums ehrliche Lacher
erzielt hat. Die Übersetzung hat der Sohn eines DDR-Ministers besorgt. In
Wahrheit keine Übersetzung sondern ein Drehbuch in Proletendeutsch, die sollten
alle zum Film gehen, da wären sie besser aufgehoben. Ich habe zum Schluss gebuht, wie niemals zuvor und bin meinen Ärger
über diesen Regiedummkopf samt seiner stümperhaft spielenden Schwester trotzdem
nicht los geworden.
18.September 2007 Di
Die Söhne sind zum Abendessen bei uns, ich habe mich für Cotoletto Milanese
entschieden und alle sind begeistert, am Schluss waren die Augen dann doch
wieder größer als der Magen - zum Glück.
17.September 2007 Mo
Setze die Beschreibung von Graz und Canischa im Jahr 1598 fort, eine mühsame
Sache, denn die Recherchen fressen das neunzig Prozent der Zeit auf.
16.September 2007 So
Im Haus gegenüber ist nun, nach aufwändigen Umbauarbeiten von mehr als einem
Jahr, ein älteres Beamtenehepaar eingezogen. Meinen Gruß haben sie bisher immer nur mit
äußerster Mühe erwidern können - sie mit depressiv abweisendem Gesicht, er
seines mit
einem Dauergrinsen verzerrt, das ihn wahrscheinlich den ganzen Tag
begleitet. Ich werde solche Anstrengungen nun nicht mehr von ihnen fordern.
15.September 2007 Sa
Brunch mit der geliebten und zwei ihrer Schulkolleginnen. Eigentlich sollten
wir zu Leas Taufe, das hatten wir total vergessen - sehr peinlich.
Kasino am Schwarzenbergplatz, Das "DUO+1" auf den Spuren von humoristischen
Dichtern. Ringelnatz: "Nie bist du ohne Nebendir" gestern Morgenstern: "Der
Nachtschelm und das Siebenschwein" und morgen Kästner: "Nimm einen Strick. Und
schieß dich damit tot"
12.September 2007 Mi
Die Neuproduktion der Volksoper "Orpheus in der Unterwelt", ist ein
wundervoller, drolliger Klamauk in einem bezaubernden
Bühnenbild und possierlicher Musik. Der begeisterte Applaus zeigt, welche Freude
das Publikum an dieser Aufführung hat. Anlässlich der neuen Direktion habe ich
ein Abonnement besorgt und eie es scheint, ist meine Erwartungshaltung richtig
und der neue Direktor ist auf gutem Weg.
9.September 2007 So
Best Friend kommt zum Frühstück, es gibt natürlich zur Feier des Tages Eier Benedict.
Nachmittags fahren
wir zum Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald und warten bei
Sonnenschein und ein bisschen Regen auf den Papst Benedikt XVI., der nach
heftigen Bähhhnedetto-Rufen vom Erker schließlich sein "Grüß Gott und auf
Wiedersehen, Vergelt's Gott“ herunter krächzt und sich von mir und den anderen
11.999 Besuchern verabschiedet. Dann laben wir uns mit best Friend und seiner
Ex-Frau bei Wildschweinwürstel und
Bier im Klosterhof. Wegen der lokalen Einbahnregelung kommen wir erst nach einem größeren, wunderschönen Umweg, auf
Tee und Apfelstrudel im Haus der Ex an.
8.September 2007 Sa
Ein rundes inMaturatreffen in Aula unserer HTL. Einer unserer Schulkollegen ist
hier Professor und er führt uns durch die Schule, in die alte Klasse, als wir noch die EVA waren.
Damals war er einer meiner engsten Freunde und ich fahre mit ihm zu einem Gasthof
im ziemlich abgelegenen Grillenberg.
Alle müssen wir vor, während und nach dem Abendessen unsere Lebensgeschichten
erzählen, was bis kurz vor Mitternacht dauert. Auf der Rückfahrt haben wir noch
unseren ehemaligen Klassenvorstand
in sein Sommerhaus gebracht.
7.September 2007 Fr
Meine Ex-Frau ruft mich an und zitiert aus einer Einladung zu meinem
morgigen Maturatreffen, die ich nie erhalten habe. Es ist wie früher,
immer hat sie meine Briefe "irrtümlich" geöffnet und mir manchmal aus dem
Inhalt zitiert, denn die Briefe waren dann meist nicht auffindbar. Als
meine Mutter noch hin und wieder einen größeren Geldschein hineingelegt
hatte, war der keines Zitates wert. Drauf gekommen bin ich damals, weil
meine Mutter eingeschnappt war, weil ich mich nie für das Geld bedankt
hatte.
6.September 2007 Do
Der Tod von Pavarotti macht mich traurig, obwohl ich gar nicht so sein Fan war,
aber er war eben "der" Tenor schlechthin und eine Ausnahmepersönlichkeit, wie es
sie in einem Jahrhundert nur eine Handvoll gibt.
5.September 2007 Mi
Die ersten Handlungsfetzen für den Roman Flusswasser sind zusammengetragen und
auch einige Skizzen für einige der Novellen des Triptychons sind
niedergeschrieben. Ich muss in jede meine Novellen
einzeln hineinköpfeln, auch wenn es ein schmerzhafter Bauchfleck werden sollte. Was noch
weitgehend fehlt, sind Rede
und Gegenrede, sowie die übrigen Streckmittel, damit sich die Geschichte nicht zu sehr verdichtet. Ohne diese
Auflockerung ist alles eine viel zu dicke ungenießbare Pampe oder ein
unappetitliches Jus, aus dem erst eine wohlschmeckende Sauce bereitet werden
muss.
Beim Schreiben ist zunächst jede Novelle immer lächerlich. Es scheint
hoffnungslos, dass dieser neue noch unfertige überall empfindliche Ansammlung
von Wärtern irgendwann einmal selbständig existieren kann.
Am Abend kommt best Friend vorbei, erzählt
zum von den Vorbereitungsarbeiten der Vernissage, bei der er in einem Monat
gemeinsam mit einem halben Dutzend Hobbymalern teilnimmt. Irgendwie will kein Gespräch entstehen, denn
für mich ist das Schneiden von vier oder fünf Passepartouts dann doch eine zu
simple Tätigkeit, um darüber Überlegungen anzustellen.
4.September 2007 Di
Das Kernstück der Schlacht von Quentin im Roman Flusswasser ist nun fertig geschrieben und umfasst
fünfzehn Seiten, der gesamte
Umfang des Triptychons liegt nun bei 235 Seiten.
Ich mache täglich eine Fernreise in meinen Zweitwohnsitz und der liegt zurzeit
im 16. Jahrhundert und ist über mein Skriptorium ganz leicht zu erreichen.
Nachmittags vor dem Café Posthof, aber es ist fast zu kühl um heraußen zu
sitzen. Ich habe über all dem Gegrübel über meine Arbeit einen merkwürdigen
Einfall:
Ich bin in einer Währung geboren, in der Ostmark - nein doch nicht, denn die
Ostmark in der ich geboren bin ist das Gegenstück zum Altreich, wohingegen die Ostmark
auch was anderes ist wie die Westmark.
3.September 2007 Mo
Die Söhne sind zum Abendessen bei mir, die Geliebte kommt mit einer Stunde Verspätung und, obwohl
wir mit dem Essen auf sie gewartet hatten, isst sie dann alleine in der Küche.
Beschwert sich aber, dass die Sauce versalzen gewesen wäre, da sie das
eingekochte Jus zum Fleisch gegessen hatte.
2.September 2007 So
Abends beim Eröffnungskonzert der Wiener Volksoper. Eine köstliche
Festveranstaltung mit einer ansehnlichen Anzahl von Sängern.
1.September 2007 Sa
Die
Eröffnung der Volksoper ist nett gemacht, aber nicht wirklich
überragend.
Manchmal fällt mir
die Decke auf den Kopf, weil ich über all dem Schreiben ja kaum mehr aus den
vier Wänden heraus komme, in denen ich gefangen sitze.
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30.August 2007 Do
Best Friend kommt zum Frühstück, zu dem es Tee, Spiegeleier und Tomaten mit
Mazzarella gibt. Er erzählt von seiner Brasilienreise: Manaus, Rio Negro, Amazonas, endlosen
Stränden, Rio, Sao Paulo, aber fast nix von seiner Begleiterin, unter der er gelitten
hatte.
29. August 2007: Paganini in Baden
In der
Arena in Baden gibt man die Lehar-Operette Paganini. Das Durchschnittsalter des
Publikums in Theatern ist natürlich beträchtlich höher als in einer Diskothek,
aber hier sind nur die Wenigsten unter siebzig. Entsprechend ist auch die
Inszenierung und übereinstimmend mit der Aufführung ist auch die Begeisterung.
Manche der Besucherinnen (Achtung: es geht hier um echte Frauen oder besser
Greisinnen, denn dieser Text ist nicht gegendert!) klatschen, obwohl sie vom
Sänger kaum etwas nichts hören konnten, das sie doch selbst laut mitgesungen
hatten. Wahrscheinlich gilt der Applaus dann der eigenen musikalischen Leistung.
Überhaupt sind im Publikum mehr Sängerinnen als auf der Bühne und singen die
Arie "Gern hab' ich die Frau'n geküsst" mit, wer hätte schon geahnt wie viele
Lesben in dieser Generation gibt. Das schwache Libretto und die standardisierte
Aufführung können nicht vom eigentlichen Höhepunkt des Abends ablenken: den
Greisen, die sich hier köstlich unterhalten und sogar der peinlich schwachen
Guggi Löwinger zujubeln, deren Stimmchen nicht einmal für eine Sprechrolle
reicht.
Als ich in Baden ankomme stelle ich mich in, der nach kurzer Zeit schon
heruntergekommenen, Bäckereifiliale am Bahnhof um ein Gebäck an. Plötzlich höre
ich hinter mir einen jungen Mann: "Ich war heute hier Frühstücken und habe einen
Nike-Pullover vergessen." Darauf die Verkäuferin, nicht mehr ganz so träge
wie vorhin: "So was hängt bei uns nicht lang'." Der junge Mann stürzt enttäuscht
aus der Bäckerei, nicht ohne vorher noch seinen Gefühlen Ausdruck zu geben:
"Arsch ... Danke." Anschließend gehe ich in die Fußgeherzone und bestelle im
Café in der Pfarrgasse einen kleinen Braunen. Nach der Vorstellung noch auf ein
Achtel Rot bei einem kleinen Heurigen.
27. August 2007: Paradies am Teich
Den gestrigen Nachmittag
haben wir bis zum Sonnenuntergang im ausnehmenden Strandbad in Brunn, am Areal
des Hotel Böck, verbracht. Ein Tag wie ein kleines Fest mit Sommersonne am
feinen Sandstrand und Schwimmen im grünlichen Teichwasser. Erstaunlich, was aus
dem ehemaligen Gewerkschaftsbad geworden ist, nur wenig erinnert an die alten
Zeiten, sogar die große alte Uhr, die man von allen Stellen des Areals aus sehen
kann, ist irgendwann um zehn nach neun stehen geblieben. Das neue Konzept der
formgewandten Gastronomie der 100tage.com, bequeme Liegen am Rasen und
ausufernde Clubgarnituren auf dem Steg verspricht Sonnen- und Badefreuden und
ein wenig Luxus um wenig Geld. Heute sind wir bereits um zehn nach neun in
diesem Strandbad wo wir dann bis fünf Uhr in einer der Clubgarnituren am Steg
den Tag mit Lesen, Plaudern, Schauen und Nichtstun zwischen entspannten
Halbnackten verbringen, die wie wir Sonne, Wasser und Müßiggang genießen.
25. August 2007: Rodung eines Urwalds
Das
Grundstück neben unserem Haus war seit Jahrzehnten sich selbst überlassen und
hat sich in dieser Zeit in einen undurchdringlichen Urwald verwandelt. Buschwerk
und umgestürzte Baumriesen sind die ideale Lebensbasis für einen fröhlichen
Spatzenschwarm und eine laut quakenden Population von Fröschen wurde. Büsche und
von Efeu überwucherte Bäume bilden ein undurchdringliches Dickicht, durch das
sich seit sieben Uhr früh die unerbittliche Schaufel eines knallgelben Baggers
kämpft. Ihr Greifen nach dem Dschungel ist der Ablauf das Anhebens, des weit
nach vorne Greifens, Absenkens, um beim Zurückziehen alles weg zu reißen, was
ihr im Weg gestanden ist. Busch für Busch weicht, die größeren Bäume werden von
einer kreischenden Kettensäge gefällt, Büsche und umgestürzte Baumriesen werden
von der Baggerschaufel ausgerissen.
Unser Hausherr kann sich vor Unglück nicht fassen und beobachtet wie sich "Meine
Grüne Lunge" - wie er das Nachbargrundstück nun nennt, da es eine braune
Erdwüste geworden ist - in wenigen Stunden zu einem nackten Acker
verwandelt. Noch tagelang stiert er jede freie Minute auf das Ergebnis der
Barbarei und spricht jeden auf sein Unglück an, schwört den Nachbar als
Naturfeind, Baumfrevler und Unmenschen zu beschimpfen. Der braune aufgerissene
Boden zieht ihn magisch an und er kann sich nicht von seinem Anblick trennen.
Auf meine Frage, ob er nicht wenigstens froh sei, nun das von ihm so gehasste
Quaken der Frösche nicht mehr hören zu müssen, antwortet er, dass er sie gerne
wieder zurück hätte. In seiner Verzweiflung über den Froschlärm war er von
einigen Jahren gegen einen ganz anderen Nachbarn vor Gericht bezogen, da niemand
wusste, dass die lärmenden Frösche im Urwald des Nachbargartens zu Hause sind.
12. August 2007: Stotter-Flimm in Salzburg
Salzburg
gab in diesem Jahr keine Festspiele für mich. Das diesjährigere Motto "Die
dunkle Seite der Vernunft" und das diesjährige Antrittsgestammel des
diesjährigen Festspielintendanten Jürgen Flimm hatten sowieso bereits das
Schlimmste befürchten lassen - und genau so ist es auch gekommen. Von Männer im
Rentenalter, die eigene Reden nur stotternd von von Zetteln ablesen können, kann
man annehmen, dass sie nur selten in der Lage sind, geeignete Sprach- und
Musikwerke für Festspiele sinnvoll auszuwählen. So ist der früh vergreiste Flimm einer
der Erzeuger des Kernschattens der dunklen Seite der Vernunft. Dass die
Festspiele bereits vor Beginn praktisch ausverkauft waren, ist eher auf das
Beharrungsvermögen des langjährigen Publikums, als auf die Qualität der
gezeigten Stücke zurückzuführen. Wer einmal gesehen hat, in welchem Festgepränge
die Münchner Schickeria hier aus den Luxuskarossen steigt und in die
Festspielstätten schreitet, weiß, dass diesen Leuten das nahe Salzburg vor allem
als Bühne dient. Erneuert hat Flimm die Festspiele ohne Zweifel, aber nur, wenn
man auch die Verschlechterung zu den Erneuerungen zählten muss. Und das
Protzpublikum ist den Festspielen treu geblieben und es zahlt auch in diesem
Sommer gerne jeden Preis dafür, sich selbst auf die Bühne der Eitelkeiten
stellen zu können.
Als Ersatz für die Festspiele in Salzburg habe ich Volksmusik auf der Seebühne
von Seeham und im Bauernland von Berndorf genossen, die Musikanten hier wissen wenigsten was sie tun und machen
ihre Sache gar nicht schlecht.
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24. Juli 2007: Logorrhö II
Mittags
sitze ich vor dem Café Posthof bei meinem kleinen Braunen unter einem Schirm, es
tröpfelt bereits den ganzen Tag und hin und wieder regnet es richtig - wie eben
jetzt. Ein mir seit langem bekannter Bankangestellter setzt sich mir gegenüber
an einen Tisch, er stützt sich beim Gehen humpelnd auf einen Stock und hat in
der anderen Hand zwei Plastiksäcke und eine Herrenhandtasche. Der Stock hat
einen Knauf in Form eines Hundekopfes, dem er (auf meine Nachfrage) nicht einmal
einen Namen gegeben hat. Als der Regen nachlässt, gehe ich zu seinem Tisch um
mich zu verabschieden, da ergreift er seine Chance und labert mich zu. Erzählt,
dass er sich nach einem sechzehn Stunden Arbeitstag im Dezember einen
Meniskusriss zugezogen habe, wie ungern er nun auf Rehabilitation in das
Fünfsternhotel im Salzburgischen fahre - wo er schon einmal war, wie er
ungefragt zugibt. Dass er nach der Meniskusoperation unter einem schrecklichen
Harnstau gelitten habe und dass man im kurz nachher einen Teil seiner Prostata
entfernen musste. Erzählt von verschieden Leuten, die er letztes Mal in
Rehab-Zentrum getroffen habe. Von einem, dem ein LKW-Spiegel aus der Stirn
operiert worden war und einem Ehepaar, das nur eine einzige Behandlung am Tag
gehabt hätte und diese in die Morgenstunden verlegen ließ, damit es ohne
Zeitdruck die Salzburger Festspielen und ein nahes Haubenlokal besuchen konnte.
Aber nun sei er selbst bereits fast wieder der Alte und der Aufenthalt im
Rehab-Zentrum hinausgeschmissenes Geld, doch er könne den Ärzten nicht
entkommen. Ich jedoch kann ihm nach mehreren Anläufen entkommen, als er gerade
den Schicksalsschlag eines weiteren Insassen über mich entleeren will.
19. Juli 2007: Goethes Faust
Goethes
Faust wird vor der Burg von Perchtoldsdorf in einer eigenwilligen aber
interessanten Inszenierung gezeigt, eine manchmal schrullige Mischung von Texten
aus Faust I und Faust II, gut bebildert und nett gespielt. Zum Ende hin werden
die Monologe immer länger und die Aufmerksamkeit des Publikums immer kleiner.
Man ahnt, warum die Werke des Dichterfürsten heutzutage kaum mehr eine
Bühnenaufführung erleben. Jedermann kennt den Namen Goethe und mehr oder weniger
lange Zitate aus dem Faust, aber das scheint auch schon alles zu sein, was von
dem Werk des beliebten Namensgebers von Straßen, Gassen und Plätzen übrig
geblieben ist.
Faust ist im Grunde nichts anderes als ein selbstgefälliger Spießer, der - kaum
hat er das Heft in der Hand - alles und jedes um sich herum vollständig
vernichtet und dabei sich selbst in die Tiefe zieht. Ein Jammerlappen, der
seinen Egoismus in Geiz auslebt und diese Knauserei für Bescheidenheit und
Selbstbeschränkung hält. Nicht umsonst ist der Geiz eine der sieben Todsünden
und führt direkt in den Schlund der Hölle. Als Jugendlicher hatte ich das nicht
so gesehen, da war er für mich ein Gelehrter, ein Verführter, einer der die
Sprache bis in den letzten Winkel kennt und mit ihrer Ausdruckskraft die
unglaublichsten Bilder in meine Vorstellung projizieren kann. Nun ist aus einem
Helden ein armseliger Wicht geworden, ein verbissener Gernegroß und ewiger
Besserwisser, ein wissenschaftlich gebildeter Blender und arglistiger
Schaumschläger.
18. Juli 2007: Badeplatz Traunsee
Heute
ist einer dieser wundervollen brütend heißer Tag. Unser erstes Ziel ist Bad
Ischl, wo wir einen Kaffee beim Zauner an der Esplanade nehmen. Dann geht es weiter nach Gmunden. Nachdem wir und durch die
Stadt durchgewurstelt haben geht es zum Badeplatz am Ostufer des Traunsees und nach einiger
Zeit durch die Tunnels zur Schlucht. Die Badegäste und Bergsteiger hier
schließen uns in ihre kleine Gemeinschaft ein, grüßen und geben freundliche
Kommentare ab. Hier ist mein liebster Platz am Traunsee, ein herrlicher
Kiesstrand und ein wundervoller Ausblick. Fast den ganzen Nachmittag sitze ich
auf einem kleinen Felsen, der von allen Seiten von Wasser umgeben ist. Die Buben jammern zwar
etwas über Sonnenbrand,
sind aber vom See und der Landschaft ebenfalls begeistert. Am späten Nachmittag sind wir nach einer ruhigen Rückreise im gekühlten
Wagen zu Hause. Ein beschauliches Abendessen im Garten
unter dem Ahorn-Baum beschließt einen schönen Tag.
17. Juli 2007
Schon um sieben Uhr beginnen die Starts und Landungen des Hubschraubers. Der
Helikopter ist vom ORF
gechartert und bringt eine Regisseurin und einen Kameramann auf den Sarstein, in dem winzigen Hubschrauber
ist der Kameramann mit seiner Riesenkamera und dem Dreibein auf seinem Sitz
eingeklemmt. Beim nächsten Flug werden zwei Hüttenwirte
nach oben geflogen.
Vormittags dann in Hallstatt, nach einem kleinen Rundgang zwischen
kleingewachsenen Japanern gehen wir ins Museum
und schauen uns die Hallstätter aus der Keltenzeit samt ihren Artefakten ziemlich gründlich
an. Dann zurück
nach Steeg, Zigaretten und Leberkäsesemmeln kaufen, bevor wir uns wieder ins Strandbad
begeben.
Heute ist das Wasser weit kälter, als die letzten beiden Tage und
wir sind wieder am Strand, kaum dass wir uns ins Wasser gekämpft haben. Nachher noch einen kleinen
Abstecher nach Bad Goisern, wo ein scheußliches Festzelt den Marktplatz
verschandelt. Mein Jüngster genießt zum dritten Mal in Folge nach dem Abendessen
seine Gundel-Palatschinke.
16. Juli 2007
Am Morgen geht es mit dem Auto zur Koppenbrüllerrast, wo wir in den Zug nach bad
Aussee einsteigen wollen. Doch es geht mit dem Zug nach Obertraun zurück, denn
der Personenzug kehrt
um und fährt nicht mehr wie früher nach Bad Aussee weiter. Hier ist der
Bahnsteig voll mit kleinen Japanerinnen, die auf die Eilzüge nach
Attnang-Puchkeim und nach Steinach-Irdning. Schließlich fährt der der Eilzug nach Bad Aussee
ein.
Der Schaffner gebärdet sich merkwürdig, erzählt uns ungefragt und in wenigen
Minuten seine Lebensgeschichte und die eines Verwandten, der nach Übersee
ausgewandert ist. Zwischen den einzelnen Handlungssträngen sagt er immer: "Schau ma
wie's Wetter wird." Plötzlich sieht er mich bewusst an und sagt zu mit: "Arzt, Arzt, Arzt, Krankenhaus,
Krankenhaus, Krankenhaus, Lehrer, Lehrer, Lehrer", alles genau drei Mal und
dazwischen manchmal "Schau ma wie's Wetter wird." Bei der Summe der drei
Einzelpreise unserer Fahrkarten verrechnet er sich ziemlich, obwohl er daran lange
an dieser Addition gearbeitet hatte. Während uns dieser unerklärliche Mann in Schaffneruniform
zuschwafelt, rausch die Landschaft am Fenster vorbei - schön und flüchtig - und
ich kann sie nicht genießen, da ich von der Logorrhö (Sprechdurchfall) dieses
Sonderlings völlig
zugeschüttet werde.
In Bad Aussee gehen wir die unglücklich aussehende Bahnstraße in die
Stadt hinein und dann wieder zum Bahnhof. Dort beginnt die Wanderung zurück zum
Hallstätter See, entlang der Koppentraun. Auf dem Weg
gibt es viel zu sehen, eine Strecke durch Wiesen, vorbei an uralten
Bauerhäusern, einmal den trägen, dann wieder wild reißenden Fluss entlang, über
eine Hängebrücke und schließlich zu einer netten, schwer überteuerten Jausenstation, mit
einem kleinen Sandstrand an der Koppentraun. Nach drei Stunden Gehzeit
sind wir wieder beim Auto
und fahren zum Seebad nach Untersee. Die Buben sind nun gut gelaunt und im Nachhinein hat ihnen
sogar der Weg gefallen - sagen sie.
Abends landet ein Hubschrauber mit großem Getöse in unserem Garten, es ist der Sohn der
Wirtsleute, der in Grönland als Pilot beschäftigt ist. Ein Monat arbeiten, ein Monat frei und
jetzt ist er eben hier und fliegt mit einem Lama Leute vom ORF und transportiert Holz.
15. Juli 2007
Nach dem gemeinsames Frühstück fahre ich mit meinen Söhnen nach Bad
Goisern, wo wir seit Jahren in der gleichen Pension absteigen. Die kurze Rast an der Autobahn
vergällt uns die brüllender Hitze und wir sitzen danach gerne wieder im
klimatisierten Autos. Kurze Zeit später im Freibad Untersee am Hallstätter See.
Bei der Hitze sind ziemlich viele Leute da und das Wasser ist nicht ganz so
kalt, wie man sagt. Zum Abendessen sind wir beim Steegwirt und meine Söhne sind
mit dem Essen sehr zufrieden. Dann, in der Nacht, noch einen Spaziergang zum Kraftwerk Steeg und dann über
die Bahnbrücke zurück zu unserer Pension.
8. Juli 2007: Finta
Semplice
Die
Aufführung der Oper Finta
Semplice im Theater an der Wien wird mit einem leidenschaftlichen Beifallssturm
gefeiert. Es ist wahrlich unglaublich, dass ein zwölfjähriges Kind so eine
vollkommene Musik schreiben kann und dieses Einfühlungsvermögen in den Stoff des
Stücks besitz, das ursprünglich von Goldoni stammt.
4. Juli 2007: Jeans
Als ich
vor dem Einkaufen noch Papier und Kartons in den schon ziemlich vollen
Papiercontainer stopfe, reißt mir der Hosenboden der Jeans der Länge nach auf
und ich muss noch einmal in die Wohnung, um die Hose zu wechseln. Eigentlich
wollte ich letzten Samstag in Graz meine schon löchrigen Levis Jeans ersetzen,
doch habe ich es dann doch nicht gemacht. Es war ein herrlicher Tag in dieser
bequemen, quirligen Stadt. Die Innenstadt ist voll mit Menschen, die vor den Lokalen sitzen oder auf Straßen und Plätzen
miteinander plaudern und dazu auch noch den Sommerschlussverkauf genießen.
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30. Juni 2007: Haydns Oratorium Die Jahreszeiten
Im Stefaniensaal
in Graz gibt man das Oratorium Die Jahreszeiten von Joseph Haydn . Unter
der Leitung von Nicolaus Harnoncourt singen Genia Kühmeier,
Werner Güra und
Christian Gerhaher, der Arnold Schoenberg Chor und der Concentus
Musicus vollenden den Musikgenuss. Am Schluss entlädt sich die Begeisterung des Publikums in einem
anhaltenden, leidenschaftlichen Applaus.
24. Juni 2007: Interaktive Analyse-Verfahren für Manuskripte
Ich
habe in letzter Zeit eine Familie von Verfahren entwickelt, um Manuskripte,
Bilder und andere Dokumente analysieren und strukturieren zu können. Nunmehr
steht ein Paket von dHTML (dynamic-HTML) Implementierungen zur Verfügung, mit
dem diese Aufgaben automatisiert durchgeführt werden können. Die Implementierung dieser
dHTML-Arbeitsplattform erfolgt mit den formalen Sprachen HTML, JavaScript und CSS.
Die automatische Analyse der Manuskript-Struktur ist eine zentrale
Methodensammlung zur Texterschließung. Dabei geht es darum, den Text mit dessen
Wörtern und dessen
innere Struktur zu durchleuchten und zu filtern. Diese Methoden des Word Mining
unterstützen mit einer Reihe von statistischen Methoden die automatische Texterschließung:
- Recherche in Textbeständen.
- Filterung von Wörtern und Phrasen.
- Aufbau von Glossaren und Thesauren.
- Erstellung von semantischen Netzen.
Als informationstechnische Basis werden Methoden aus dem Compilerbau
verwendet. Dazu zählen: Die lexikalische Analyse zur Identifikation der
Schlüsselwörter. Die semantische und syntaktische Analyse zur Identifikation der
einzelnen Befehle. Und schließlich die Codegenerierung zur Erzeugung der
strukturierten Informationen.
Diese textualen Analysen erfolgen jeweils beim Anzeigen der Site und sind
daher immer aktuell. Der Text des Manuskripts lässt sich damit auf seinen Kern
reduzieren. Ein Mausklick gibt rechts neben dem Dokument Informationen über
dessen Struktur, es sind Überschriften und Wörter aus dem Text, nur neu
strukturiert. Die Methoden basieren auf statistischen Algorithmen - der Rechner
zählt, wie häufig Wörter vorkommen, erstellt ein automatisches
Inhaltsverzeichnis oder hilft bei der Suche nach Schlüsselwörtern,
Schreibvarianten oder Schreibfehlern.
23. Juni 2007: Kleine Oper, große Kunst - I due timidi
In
der Kammeroper wird mit "I due timidi - Die beiden Schüchternen" eine von der
RAI 1949 bei Nino Rota in Auftrag gegebene Oper aufgeführt. Schwellende Musik
macht eine platte Geschichte zu einer musikalischem Blüte mit bunten
Blütenblättern, die poetischen Bilder auf der kleinen Bühne liefern alleine
schon eine spannende Geschichte. Eine ganze Hausfront wird wie der Tubus eines
Fotoapparats hinein- und hinausgefahren. Der Handlungsstrang ist ganz
Barockoper: Die blutjungen und schüchternen Verliebten Mariuccia und Raimondo
kommen einfach nicht zusammen, statt dessen machen sich an die beiden eine
ältere Frau bzw. ein älterer Mann heran um sie zu heiraten. Dass am Ende nicht
die "richtigen" Hochzeiten stattfinden, man es sonst aus Oper, Volksbühne und
Heimatfilm kennt, ist nur eine keine Enttäuschungen. Die Figuren sind im Detail
bewundernswert realistisch herausgearbeitet und die pathetisch-ironische Musik
Rotas haucht ihnen pralles Leben ein. Doch leider, kaum begonnen schon verronnen
- der Einakter ist wahrlich kurz und man möchte sich gleich das Ganze noch
einmal vorsingen und -spielen lassen.
13. Juni 2007: Drama vor einer Feuermauer - Das Haus des Richters
Im
Akademietheater gewährt man einen Einblick in "Das Haus des Richters" von
Dimitré Dinev. Der Mythos des Minotaurus ist mit einer erheblichen Menge von
leicht beweglichem Krempel vor einer Feuermauer und einer Pause
ausgestattet. Gegen das, was man heutzutage Raum nennt, kämpfen die
Schauspieler mit ihrem Können und der launige Text des Dichters mit Erfolg
an. Ein wundervoller Theaterabend der dazu noch das Nachdenken über die
griechische Tragödie und bulgarisch-österreichische Dichter sowie meine
angeborene Abneigung gegen Feuermauern gleichermaßen fördert.
13. Juni 2007: Leichte Operette - Jubel, Trubel, Krisenzeit
Jubel,
Trubel, Krisenzeit,
eine lieblich-leichte Operette von Johann Strauß in einer neuen Textfassung
von Ferenc Kaller als Straßentheater in der Barnabitengasse. Die hübsch
gemachte Persiflage auf Unternehmertum und Bankerfinten ist ein herrliches
Nachmittagsvergnügen. Die zentrale Unternehmergestalt in diesem Jux heißt
bezeichnend Leiderklein.
11. Juni 2007: Traumspiel vor einer Feuermauer - Der Sturm
Im
Jahr 1609 ist ein britisches Schiff mit Siedlern auf dem Weg nach Virginia. Es
läuft in einem Hurrikan in der Karibik auf Grund, Besatzung und Passagiere
können sich auf eine unbewohnte aber fruchtbare Insel retten und überleben.
Diese Geschichte inspiriert Shakespeare zu seinem karibischen Zauberspiel Der
Sturm, dessen einziger "Eingeborener" Caliban ist, eine Verballhornung des
Wortes Kannibale und eine Anspielung auf das englische Wort Karib an. Bei dieser
Neuinszenierung im Akademietheater ist das Stück als Drama
vor einer Feuermauer einem kargen Bühnenbild mit
exakt drei Schauspielern
besetzt, die in furioser Weise alle Charaktere beleben und beim entzückten
Publikum Lachsalven und Begeisterung auslösen. Doch ist es für den Beobachter
sicher schwieriger als für die Darsteller, im wechselnden Rollenspiel von
Böse auf Gut, von Abscheulich auf Schön umzuschalten, so wie es z.B. immer
wieder auftritt wenn Maria Happel vom geifernden Scheusal Caliban auf die
milde Schönheit Miranda umschwenkt - ganz klar vor der Feuermauer
dargestellt und perfekt gespielt, doch der Zuschauer kann sein Inneres
nicht so schnell umschalten.
9. Juni 2007: Traum vom Symposium in der Kirche
An
einem strahlender Morgen stehe ich in einer Menschenmenge vor der kleinen
Kirche. Wir alle wollen zum Symposium, das heute im Gotteshaus stattfindet, und
warten nun zwischen den Weinstöcken mit reifen Trauben, die grünlich-gelb
schillern. Die Leute sind in Tracht oder ländlich angezogen, die Männer haben
Hüte auf, fast alle Frauen sind in Dirndlkleidern. Ein Mann hält am Kirchenplatz
eine flammende Rede, um seiner Meinung Nachdruck zu verleihen und die Anhänger
zu stärken und die Wankelmütigen zu überzeugen. Wenig später ist gotische
Kirchlein gesteckt voll mit den Symposiumsteilnehmer, die dicht gedrängt im
spitzen Chorgestühl sitzen. Neben mir hockt ein entfernter Bekannter, den ich
flüsternd von meiner Ansicht überzeugen kann, die im Gegensatz zu der des
Agitators steht. Dadurch hat meine Gruppierung genug Stimmen um unsere
Anschauung durchzusetzen, erfreut signalisiere ich das einer ausnehmend schönen
älteren Dame, die in der vordersten Reihe sitzt. Wir haben alle das Gebäude
wieder verlassen und stehen nun am Parkplatz vor der Kirche setze ich ein Baby
in den Fond ihres Luxusschlittens, dann steigen auch wir ein und sie fährt
zufrieden lächelnd los.
3. Juni 2007: Der Traum danach
Heute ist einer jener Morgen, an denen ich wie berauscht aus einem Traum
erwache. Dann ist aber der morgendliche Traum noch lange nicht beendet und ich
genieße, erschaffe die Bilder, die mein Geist erschafft, und steuere Geschichten
und probiere Variationen aus.
Wenn sich meine Sinne im weißen Licht des Morgens hinter geschlossenen
Augenliedern räkeln, genieße ich jeden Moment des Seins. Die traumhafte
Erlebniswelt durchsetzt meine Gedanken, während ich am weichenden Schlafes
festhalte. Die Zeit verstreicht Minute um Minute, und trotz der wahren Welt um
mich herum, mit ihren Licht und den Geräuschen, halte ich die Augen geschlossen
um mein Kopfkino vor den Sinneseindrücken abzuschotten, um ihm Zeit zu geben,
die Träume fortzusetzen und die Begegnung mit dem Draußen sanft und leicht zu
gestalten.
Das Surfen auf den ungewollte erlebten Traumbildern wird nun mit den selbst
gelenkten Tagträumen gesteuert und die Hirngespinste der Traumerlebnisse setzen
sich ganz selbstverständlich in denen eigen Erfindungen fort. Die Trugbilder
sind wie das wahre Leben in seiner wohligsten Wärme, sie umhüllen mich und geben
immer wieder Raum für neue Träume.
Viel später dann, wenn ich an meinem Skriptorium stehe um das eben Erlebte in
Worte zu kleiden, flaniere ich noch einmal durch die fremde Welt und erforsche
ihre Landschaften, ziehe noch einmal durch unbekannte Gegenden und Stadtviertel
und treffe noch einmal die Geschöpfe der untergegangenen Traumwelt.
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28. Mai 2007: Über das Alleine Gehen
Ganz
alleine zu gehen ist etwas Anderes als in einer Gruppe zu wandern oder in
einer militärischen Formation zu marschieren. Dieser Unterschied zeigt sich
nicht so sehr der täglichen Strecke vom Auto ins Wohnzimmer,
sondern erst bei einem Tagesmarsch oder noch deutlicher bei einem Fußmarsch von
mehreren hundert Kilometern, den man ohne Begleitung zurücklegt. Dabei heißt es,
einen Schritt nach dem anderen setzen, um dann irgendwann einen Ort nach dem
anderen zu
passieren. Es geht erst einmal um das das Gehen an sich und dann um das Passieren,
aber nicht um das Bleiben.
Der Weg ist das Ziel und alles andere liegt nur an diesem Weg. Das betrifft vor
allem meine Pilgerreisen ...
25. Mai 2007: Besteckmodell Cumberland
Anlässlich
der Putin-Besuches in Wien wurde beim Galadiner in der Hofburg erstmals mit dem
neuen Silbebesteck mit Bundesadler gedeckt. Im Rahmen eines Zeitungsberichtes gab
es dann nähere Informationen über dieses Besteck und siehe da, ich besitze
ebenfalls einige Teile des Modells Cumberland, dessen Entwurf aus Wien um
1870 von der Firma J. C. Klinkosch stammt. Die Geschichte dieses Bestecks
hat etwas: 1866 kam König Georg V. von Hannover, 2. Herzog von Cumberland
(ein Cousin der Königin Victoria) nach der gegen die Preußen verlorenen
Schlacht nach Wien in sein Exil. Der Welfenkönig hatte sich auf die falsche
Seite gestellt, nämlich auf die der Habsburger. In Wien erwarb er 1868 zwei
Gebäude in Penzing und sein Sohn Ernst August, 3. Herzog von Cumberland
bezog 1886 das von ihm erbaute Schloss Cumberland in Gmunden am Traunsee.
Für welchen der Wohnsitze das Besteck entworfen wurde, ist nicht geklärt. Als
Staatsbesteck der k.u.k. Monarchie war dieses Essgerät auf der Rückseite der
Griffe mit dem Doppeladler verziert. Die Modeln mit dem Doppeladler und nun
auch die mit dem Bundesadler befinden sich heute im Bestand der Wiener
Silberschmiede Werkstätte.
21. Mai 2007: Via Nova Innviertel 2007: Passau - Schärding -
Mattighofen - Braunau - Salzburg
Auf
der Via Nova durch das Innviertel haben mich meine Adidas Watsmann 175 Kilometer
und fünf Tagen lang mit einem vier Kilo schweren Rucksack von Passau nach
Salzburg getragen. 272 Landschaftsaufnahmen sind entstanden, je zur Hälfte mit
der Digitalkamera und mit dem Fotohandy. Die
Tagbuchseiten über die Via Nova
sind nun online.
20. Mai 2007: Geburtstag
Geburtstag hat jeder genau einmal im Jahr, Schaltjahrgeschädigte ausgenommen.
Heute hat es mich erwischt. Doch wenn ich mir mein Alter so vorsage oder wenn
ich die Frage nach meinem Alter beantworte, klingt die Zahl für mich so fremd,
als müsste ich nun endlich zugeben, in Wirklichkeit ein Foxterrier zu sein.
Für
meine Gäste bereite ich Limettenhendl im Semmelmantel zu,
ein weiterer Beitrag zur Molekulargastronomie.
Zutaten
8 Hendlhaxn
5 Semmeln
2 Limetten für den Saft auspressen
1/4 l Milch
4 Eier
1 Bund Petersilie
Butter, Salz, Pfeffer
Zubereitung
Hühnerteile mit einer Zehnerspritze Limettensaft infiltrieren und in einen befetteten Bräter geben,
salzen und bei 180°C im Backrohr 45 Minuten garen.
Semmeln würfelig schneiden, Milch, Eier und
gehackte Petersilie dazugeben,
gut durchmischen, mit Salz und Pfeffer würzen und ziehen lassen.
Masse über die Hühnerteile streichen und im Rohr weiter goldbraun braten.
Mit Zitronen- und Limettenvierteln garnieren und mit
Backofengemüse servieren.
19. Mai 2007: Camino Austria 2006: Wachau - Nibelungengau -
Strudengau - Machland
Ich
habe nun endlich die Tagebuchseiten vom Jakobsweg von Stift Göttweig durch die
Wachau und dann durch den Nibelungengau, den Strudengau und das Machland bis
nach Linz redigiert und online gestellt. Als ich den frisch publizierten Text aus dem September 2006 noch einmal
wie durch ein Vergrößerungsglas betrachte, erlebe ich meine Pilgerreise am Camino
Austria noch einmal. Unterstützt haben mich bei meiner Erinnerung Fotos, Landkarten,
Wegbeschreibungen und meine handschriftlichen Aufzeichnungen.
19. Mai 2007: Gartenparty
Abends bei der
Gartenparty zum 50. Geburtstag eine Freundin. Ein wahrlich bezauberndes Fest mit
Dutzenden Leuten die sich auf verschiedenste Tischgruppen über den gesamten
Garten verteilt haben und Büfett und Gegrilltes genießen.
18. Mai 2007: Der Löwe im Winter

Abends im Mödlinger Stadttheater: Hinterlist, Bosheit und Selbstgefälligkeit
kommen nicht nur in Shakespearestücken vor, sondern auch in James Goldwins
Broadwayerfolg Der Löwe im Winter. Es geht dabei um niemanden Geringeren als den
jungen Richard Löwenherz im Dunstkreis seiner schrecklichen Familie. Der
patriarchalische Vater knechtet als König nicht nur seine Untertanen sondern
quält auch jedes seiner Familienmitglieder bis aufs Blut. Eine gekonnt
inszenierte und grandios gespielte österreichische Erstaufführung.
17. Mai 2007: Chinatag
Nachmittags besuchen wir die Terrakotta-Armee des ersten Kaiser von China,
Qin Shi Huang Di, im Künstlerhaus. Zum Eintrittspreis von 12 Euro bekommt man
allerdings bei so manchem Chinesen ebenfalls nachgebaute Terrakotta Figuren zu
sehen und dazu ein komplettes Abendessen mit allem Pipapo. Und weil die
Ausstellung so schön war, sehen wir uns zur Vertiefung des China-Feelings noch
den chinesischen Ausstattungsfilm "Der Fluch der goldenen
Blume" an.
12. Mai 2007: Soundcheck
Heute
gibt es bei unserem Lieblingsheurigen Lupo Musik und Wildschweinbraten. Nach
einer Portion vom Hausschwein und zwei Stunden Soundcheck Jazz dröhnt mir der Kopf und ich will endlich wieder
nach Hause gehen. Neben uns am Tisch hatte sich schon am Nachmittag ein Pärchen
einen Platz reserviert. Er scheint an die Fünfzig zu sein, die dickliche Frau
mit den schwärzlichen Zähnen, der Knollennase und der Klobesenfrisur geht wohl
auf die Sechzig zu. Sie weint immer wieder vor Glück und ihr kullern die Tränen
nur so über die Wangen - entweder weil mein Sitznachbar sie wegen ihres Zweiten
Gesichts lobt (das sie aber heute leider zu Hause gelassen hat) oder weil sie
die musikähnlichen Geräusche so glücklich machen. Kurz bevor wir gehen, versucht
uns der Mann noch eine Fangfrage zu stellen: Ob wir Jesus sehen könnten, wenn
wir dabei wären als er seine Jünger in Emmaus trifft. Ich kontere mit einer
Fangantwort persönlichen Sinndeutung
und frage an ihm vorbei: "Welche Maus?" Der kurze Disput über Bibelinhalte und
die Größe unserer Bibliothek überzeugen mich, dass ich längst zu Hause sein
sollte.
11. Mai 2007: Strandbar Hermann
Ich
bummle am späten Nachmittag vom Westbahnhof durch die Mariahilferstraße und das
Museumsquartier in die Innere Stadt, wo wie jeden Tag das spontane Fest der
Straßenkünstler und der Passanten stattfindet. Dann schlendere ich weiter zum
Donaukanal, vorbei am Badeschiff zur Strandbar Hermann an der Mündung des
Wienflusses in den Donaukanal, hier gibt es Sommer, Sonne und Sand mitten in der
Stadt. Vor dem Theater kehren wir wie fast immer im Einstein ein, auf ein
wohlfeiles Schnitzel mit Erdäpfelsalat.
Dann
genießen wir in unserer Loge im Burgtheater die fabelhafte hundertste
Vorstellung von Der Reigen von Arthur Schnitzler. Anschließend sehen
stehen wir noch einige Minuten ratlos am Rathausplatz und erdulden ein Stückchen
der missglückten Eröffnung der Wiener Festwochen 2007.
8. Mai 2007: Photonen fangen und zeigen
Mit meinen Fotos will ich erzählen, was ich gesehen habe. Es geht dabei darum
jene Photonen auf einem Chip festzuhalten, die auch später noch über die Augen
das Gehirn
stimulieren und damit Eindrücke und Erinnerungen erzeugen können. Auf keinen Fall will ich so genannte "künstlerische Aufnahmen" machen. Die
Fotoplattform flickr.com ist voll von verschiedensten Bildwelten, von bieder bis
schrill - da kommt man mit dem
Schauen gar nicht mehr nach und kann unglaublich viel über Hinsehen und
Danebenschauen lernen.
Doch
ich will neue Lösungen in der Bildpräsentation, denn die ist bei den
Fotoplattformen festgefressen in der Tradition der Papierbilder und
Diapräsentationen und weder originell noch mediengerecht.
Hier gibt es die Geschichte meiner
ersten Fotoapparates, einer Digna Dacora und über meine neuen Ansätze
des Fangens und zeigen von Photonen.
5. Mai 2007: Traum vom Nierenspender
Das
rote Auto steht irgendwo in den Wiesen eines Hügellandes auf dem einige Gehöfte
liegen. Dort treffe ich einen ehemaligen Kollegen und wird fahren gemeinsam auf
der Schotterstraße neben dem Flüsschen das dunkle Tal hinauf. Ein abschüssiges
V-Tal, dessen steile, bewaldete Leiten keine Sonne herein lassen. Oben angelangt
geht es auf eine asphaltierte Straße, an weitläufige Bauerndörfer liegen, aber
wir finden keine Verbindung mehr zu unseren Ausgangspunkt. Schließlich gelangen
auf der Suche an eine große Stadt, an deren Grenze Burgen aus riesigen Blöcken
und Zyklopenmauern die Straße säumen. Auf der Rückfahrt erfahre ich, dass mein
Freund unserer Tante Martha eine Niere spendet und dafür ihr Haus überschrieben
bekommt. Ich bin erstaunt, dass er bereits in den nächsten Tagen in diese
abgewohnte Bude einziehen will.
3. Mai 2007: Maß für Maß
Im
Burgtheater haben wir die Neuinszenierung von Maß für Maß genossen. Ein
großartiger Shakespeare in einer gewagten Inszenierung von großartigen
Schauspielern gespielt. Anschließend gibt es ein Publikumsgespräch, bei
dem einige verärgerte Schimpfer laut und widerspruchsvoll gegen die neu gestalteten
Texte der Rüpelszenen zürnen. Am Liebsten hätten diese Alt-Gebliebenen alles so,
wie es damals in ihrer Jugend war - denn das war eben der echte Shakespeare. In
vier Jahrhunderten Übersetzungsarbeit und Aufführungspraxis hat es wohl die
verschiedensten Konzepte gegeben und der moralisch "begradigte" Shakespeare aus
dem prüden 19. Jahrhundert kommt uns trotz allem bis heute als der
glaubwürdigste vor - zumindest bis zu diesem etwas anderem Auftritt der
Burgschauspieler vor ihrem Publikum, bei dem sie von ihrer Arbeit am
Shakespearezyklus berichten.
Nachmittags war ich schon in Wien unterwegs, um mir braune Sommerschuhe zu
besorgen. Ich habe mich für kamelfarbene Pikolinos entschieden, die in Spanien
aus ganz weichem Leder gefertigt werden und wundervoll nach Zitrone duften.
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24. April 2007: Frauen im Supermarkt
Neben mir stürzt eine
ziemlich dicke Frau im schlammfarbenen Mantel auf die Fleischtheke zu und
bestellt außer Atem: "Eine geile, fette Leberkäsesemmel" und während eine große
Portion Leberkäse abgeschnitten und in ein ziemlich großes Weckerl gelegt wird
schluckt sie und sagt: "Ich habe schon Aquaplaning auf der Zunge", die
Verkäuferin lächelt verständnisvoll. Die Dicke bekommt
das Objekt ihrer Lust in einem Papiersäckchen über die Theke gereicht, sie reißt
den Sack auf, sperrt den Mund weit auf, beißt ein großes Stück ab und
verschlingt es. Als sie später an der Kasse den leeren Papiersack mit dem
Preiszettel neben einem halben Dutzend Fertigpizzen auf das Förderband legt,
lächelt die stämmige türkischstämmige
Verkäuferin: "Haben wir die Leberkäsesemmel schon gegessen?" und die Dicke
darauf: "Ja. Ich habe jetzt eine neue, ganz dünne Kollegin. Die ist stolz auf
ihre Knochen, besonders auf ihre Beckenknochen."
23. April 2007: Kein Genie wie Mozart
Der
Meister der Steinblöcke Fritz Wotruba wäre heute 100 Jahre alt, in seiner
Selbstüberschätzung hatte er über sich selbst geurteilt: "Ich bin eine
Genie wie Mozart". Das tatsächliche Werk des sozialistischen
Staatskünstlers lässt hier einen fundamentalen Irrtum des
Steinbrucharbeiters erahnen: Denn jede einzelne Mozartkugel ist anmutiger
und ausgewogener als Wotrubas Gesamtkunstwerk,
auch diese sind ganz ohne das Genie von Wolfgang Amadeus Mozart
entstanden.
16. bis 20. April 2007: Von Passau nach Salzburg
Die
Via Nova von
Passau nach Salzburg ist (mit meinen geschicksträchtigen Umwegen) 175
Kilometer und fünf Tage lang. So lange haben mich meine Adidas Watsmann mit dem
vier Kilo schweren Rucksack ohne Beschwerden an Inn und Salzach entlang
durch das Innviertel getragen. Dabei sind viele Tagebuchseiten und
hunderte Landschaftsaufnahmen entstanden. Die Anblicke und Ausblicke, die
Begegnungen und Begebenheiten haben mir viel mehr gegeben, als ich meinem
Körper abverlangt habe. Die Tagesstrecken lagen zwischen 30 und 50
Kilometer und sie sind mir leicht gefallen, an keinem Tag wollte ich
aufhören zu gehen, aber ein Etappenziel ist ein Meilenstein, der
eingehalten werden will. 53 Prozent der Österreicher sind auf die
landschaftlichen Schönheiten ihres Landes stolz. Meine Wanderung an Inn
und Salzach durch den Sauwald, Kobernaußerwald und Weilhartsforst hat
meine Leidenschaft für unsere Landschaften frisch angefacht.
7. April 2007
Heute habe ich der Neubaugasse ein dunkelblaues Yukata mit weißen und goldenen
Kalligraphien mit der Bedeutung "Langes Leben" und "Gesundheit" erstanden.
Ein herrliches Kleidungsstück, das ich mir schon längst hätte zulegen sollen.
5. April 2007: Genetic Programming
Ich
beschäftige mich seit einigen Tagen wieder einmal mit Genetic Programming
am Beispiel Game of Life. Dieses Spiel des Lebens ist der Klassiker aller so genannter Zellularen
Automaten. Die Idee dieses Zellularautomaten ist fast so alt wie der
Digitalrechner selbst: Erste Versuche damit starten John von Neumann und
Stanislaw Ulam Ende der 1950er Jahre. Sie wollen ein Simulationssystem
entwickeln, das virtuelle Objekte wie ein Lebewesen sich selbst
reproduzieren kann. Erste greifbare Resultate mit demselben biologischen
Hintergrund fand 1968 John Horton Conway mit seinem Spiel des Lebens,
einem System von zweidimensional angeordneten zellulären Automaten. Bei
diesem Spiel werden Zellen geboren, überleben oder sterben je nach der
Lage ihrer Nachbarn.
Bis jetzt habe ich drei verschiedene Implementierungen erarbeitet, die
das Thema in verschiedener Weise aufgreifen und simulieren. Die grafische
Repräsentation ist ähnlich, sodass der Vergleich der verschiedenen
Verfahren und Methoden gewährleistet ist.
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29. März 2007: Alles in Blüte
Heute
steht der Zwetschgenbaum, genannt der Wohlschmeckende, in in seinem schönsten Blütenkleid
im Garten, auch die Esche, genannt Yggdrasil, vor unserem Wohnzimmer ist
voller unscheinbar braungrünen Blüten. Mit den Blättern lässt sich unser weiser
Yggdrasil zum Glück noch Zeit und wird uns erst im Juni das Tageslicht im
Wohnzimmer dämpfen.
28. März 2007: Der Damensekretär
Tatzeit
10 Uhr: Ich gehe in unserer Gasse an einem Haus vorbei, vor dem Sperrmüll den Gehsteig
blockiert, aber in der Garage sehe ich einen zarten Damensekretär liegen
(nicht stehen). Der Ex-Frau von einem meiner Ex-Freunde ist nach zwei
Männern (so genannten Lebensgefährten) nun auch die Mutter gestorben und
da heißt es ausmisten. Ich spreche sie einfach darauf an, sie muss sich’s
aber noch überlegen, ob sie das Tischchen ihrer Großmutter hergeben will.
Ich schmeiße ihr
am Nachmittag einen Zettel mit meinen Koordinaten ins Postkastl, das
verkehrt herum am Gartenzaun befestigt ist. Vielleicht kriege ich hier
das lange gesuchte
Laptoptischchen
Notebooktischchen.
Tatzeit 22 Uhr: Es brechen die letzten aber anstrengenden Minuten mit dem
blauen Polo an. Erst müsse die 600 Kilogramm aus dem Parkplatz auf die Straße
und über die Kreuzung geschoben werden, dann renne ich ihn an. Beim zweiten
Versuch zündet der Motor und das kleine Auto entschwindet zu seinem neuen
Besitzer. Etwas später kommt der jugendliche Käufer mit Kathi und ihrem Freund
in die Wohnung. Kati ist schrecklich neugierig und schaut sich begeistert unsere
Wohnung an.
Tatzeit Mitternacht: Ich bleibe beim Zappen beim Spielfilm Mulholland
Drive von David Lynch aus dem Jahr 2001 hängen. Die Geschöpf, Bilder und
Stimmungen fließen nur so aus dem Fernseher, bis das Trägermedium endgültig aus
meinem Bewusstsein verschwindet und ich wie von einem medialen Schleim
überzogen, Teil der Handlung werde.
27. März 2007: Alles für einen Euro
Ich
habe seit Längerem den Verdacht, dass die Artikel des täglichen Bedarfs
preislich gleichgeschaltet sind. Jeder dieser Artikel kosten im
Durchschnitt einen Euro. Auch heute wieder bei Lidl, acht Artikel kosten
8.22 Euro. Gut: bei Billa oder Merkur hätte das um die Hälfte mehr
gekostet. Der Hausverstand sagt uns, da ist der Euro eben nur 66 Cent
wert.
Als ich vor einigen
Jahren in Ägypten war, habe ich die dortige Gleichförmigkeit der Preise
als Besonderheit wahrgenommen, der kleinste Geldschein ist ein Pfund und
es gibt keine Scheidemünzen, sodass die verkaufte Menge immer ein
ganzzahliges Vielfaches eines Ägyptischen Pfunds (damals immerhin 30 Cent)
kostet. Die einheitliche Preis-Mengenkoordination des modernen
Lebensmitteleinzelhandels in der EU ist durchaus genial und nicht
jedermann zugänglich.
25. März 2007: Amadé
Mit
unserem Schiurlaub Ende März hatten wir die großartigste Schiwoche des gesamten
Winters erwischt. Im Schigebiet Amadé gibt es massenhaft Schnee und auch genug
Sonnenschein. Alle Pisten sind prächtig bis ins Tal befahrbar und einige
Strecken sind nun offen, die den ganzen Winter über nicht befahrbar waren.
Der Sonntag ist noch ohne Neuschnee, doch in Zauchensee sind die Pisten
fabelhaft und den ganzen Tag lässt sich keine Wolke blicken. Doch ich kämpfe
noch mit meinen neuen Schiern, ich habe das Fahren mit exakter Schiführung
gelernt und das funktioniert nur, wenn man mit den Brettern eins ist. Uns so
gibt es auch auf der FIS-Strecke einen heftigen Sturz (Niederkunft mit doppelter
Entbindung), zum Glück ist es der einzige in dieser Woche geblieben. Am Montag
schneit es dann so heftig, dass wir unseren Schitag abbrechen müssen. Den Nachmittag verbringen wir mit Schlafen, Lesen, Lernen
und Schreiben auf unseren Zimmern.
Ab dann konnten wir ohne Auto den Bauernhof erreichen, auf dem wir
einquartiert waren, und von dort direkt mit der Schiern zur Piste gelangen. Der
Winter hat sich wieder eingenistet, Einheimische und Gäste sind zufrieden.
Die einzelnen Schigebiete des der Schiregion Amadé sind unterschiedlich wie
die Hütten, so sind die Hütten zwischen Flachauwinkel und Kleinarl überfüllt mir
Schifahrern und Gerüchen nach verbranntem Öl, das Fließbandservice in diesen
Hütten ist schleppend und unfreundlich. Als Nummer 67 hat man daher auf der
Frauen-Alm auch nach einer Einstündigen Wartenzeit nicht Anrecht auf das Gericht
67, sondern man muss sich mit dem Küchenpersonal streiten. Ganz anders am
Hoch-Bifang, wo man in der Bifang-Alm und auf den anderen Hütten als Gast
willkommen ist und verwöhnt wird. Darüber hinaus ist hier unser Mittagessen
(Apfelsaft und Kaspressknödel) um ein ganzes Drittel billiger.
16. März 2007
Vormittags die wichtigsten Verzeichnisse vom Notebook auf CD-ROM sichern und die Schisachen herrichten.
Mittags im Sonnenschein vor dem Café in der Fußgängerzone. Abends beim
Heurigen Lupo, wo wir an einem Tisch mit Bekannten sitzen und
ein nettes Gespräch auch über die Oper Manon führen, die sie vor einigen Tagen in der
Staatsoper erlebt haben.
Der Jammerlappen
.
ins dunkle
Reich der Seele fährt er hinab
und klagt mit seiner Jammerstimme
aus seinem finstren Seelengrab
all des Lebens Schlimme
das ihn umgibt
und dass ihn keiner liebt
.
als gramgebeugter Erdenwurm
mit Hängeschultern und belegter Stimme
sieht dieser schmerzgebeugte Surm
mit glas'gem Blick auf all das Schlimme
das ihn umgibt
und argwöhnt, dass ihn keiner liebt
.
beharrlich tönt sein Schmerzgesang
"Meine Ruh' ist hin, mein Herz ist schwer"
und weiter aus rabenschwarzer Seele bang
"ich finde sie nimmer und nimmermehr“
verzweifelt über das, was ihn umgibt
und ahnt, dass ihn keiner liebt
.
des Nächstens
wenn er schlafend stöhnt
wähnt er sich rechtens
dass er so unversöhnt
mit allem, was ihn da umgibt
und weiß, dass ihn keiner liebt
11. März 2007
Sagt
der Hausverstand:
"Fünfundvierzig Jahre Billa sind genug und
wer dort kauft ist selber schuld“.
8. März 2007: Weltfrauentag
Zum
Auftakt des Weltfrauentages wurde in Wien ein 28-jähriger Mann von seiner
36-jährigen Freundin erstochen. Die Frau wurde wegen ihres schlechten
psychischen Zustandes in ein Krankenhaus eingeliefert, der Mann wegen
seines schlechten physischen Zustandes in eine Leichenhalle.
6. März 2007: Ein Künstlergespräch
Heute
herrscht frühlingshafter Sonnenschein und so gehe ich um die Mittagszeit von
Mödling über den Wasserleitungsweg nach Baden. Dort nehme ich in einem Café in
der Pfarrgasse an einem Tisch in
der Sonne Platz, an dem bereits ein älterer Mann sitzt. Er ist Maler und setzt
seine Bilder in PanArt und als Aquarelle in Szene. Die Malfarben für die
Schüttbilder stellt er selbst aus Textilfarben mit Zuschlagstoffen
her. Früher war er in der Automobilindustrie in ganz Europa berufstätig. Ich
erzähle ihm auch von meinem Beruf in der Softwareentwicklung, von meinen Jugendbildnissen im Stile des
Phantastischen Realismus und dass ich nun nur noch interaktive Bildnisse
am Computer gestalte. Bei meinen Bildwelten geht es um interaktive E-Motionen,
um Gestaltung und Inspirationen von bisher ungekannten Wirklichkeiten im
Pixelraum, belebt über Scriptsprachen, dargestellt mit einem Browser. Es geht im
Gespräch dann über des innere Sein, den fassbaren Sinn und öffentliche Stellung von Kunst.
Schließlich muss ich rasch aufbrechen, denn ich habe mich verplaudert und sollte
längst schon wieder zurück sein.
2. März 2007: Il barbiere di Siviglia
Am
frühen Abend irren wir durch die Fußgängerzone in St. Pölten, um eine
Kleinigkeit zu essen und finden dann endlich am Bahnhof ein Wirtshaus, wo
wir essen. Die Aufführung von Sängern und Riesenpuppen des Il barbiere di Siviglia im Festpielhaus ist grandios. Dirigent Kristjan Järvi,
Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Sopran Barbara Payha, Mezzosopran Annely
Peebo, Bariton Morten Frank Larsen. Zurück in Mödling noch in der Brückenbar, die
total voll ist, ganz so wie früher.
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25. Februar 2007: Jammerlappen
Es ist gut,
dass ich therapiebedürftige Freunde und Verwandte habe, sie geben mir die
Möglichkeit, erprobte Gesprächstechniken anzuwenden. Es geht dabei um so
spannende Dinge wie (nicht ausgelebte) Liebschaften von Menschen im
letzten Lebensdrittel, (falsch benutzte) Softwaresysteme, (DVB-T
gespeiste) Fernseh- und (nächtlings läutende) Telefonapparate. Der
Jammerlappen gibt dabei ein durchaus rührendes gleichzeitig auch
widerliches Bild des Jammers ab: hängende Schultern, fahrige Bewegungen,
belegte Stimme, glasiger Blick, ächzende Laute, ein Schatten seiner
selbst. Die Leidenden fühlen sich nach diesen Gesprächen durchaus
erleichtert, ich dagegen bin wegen dieser Jammerlappen ärgerlich und fühle
mich belastet. Dagegen hilft für mich dann nur Bitterschokolade, die zählt
in der Fastenzeit bekanntlich nicht als Süßware, sondern als Medikament.
Jammerlappen meint ursprünglich ein Tüchlein, das zum Abwischen der
Tränen benutzt wird.
18. Februar 2007: Faschingsonntag
Abends mit einem Freund
bei meinem Lieblingsheurigen Lupo, der heute den letzten Tag ausgesteckt hat.
Einige der innerstädtischen Narren haben sich hierher verirrt, die dazugehörigen
Närrinnen sind durchwegs nicht mehr jung und ziemlich
fett besoffen.
15. Februar 2007: Folklore der Eitelkeiten
"Unser"
Opernball hat sich immer schon als merkwürdige Folklore der Eitelkeiten
dargestellt. Diesmal ist er aber besonders langweilig, weil einfallslos - nicht
eine einzige neue Idee, die Dekoration ist heuer in grün-grün gehalten. Die
wenigen neuen Gäste machen die Sache im Fernsehen auch nicht spannender. Sogar
die Operndemo ist zu einem Zusammentreffen weniger Dutzend Erwerbsloser
verkommen.
14. Februar 2007: Traum von der Fattoria
Die
Fattoria ist aus Granit gebaut und stammt aus der Renaissance; sie liegt wie
eine Trutzburg hoch auf einem Berg in einem Wald, umgeben von grünen Wiesen und
Weinbergen der Toskana. Das Haus steht zum Verkauf und unglaublich günstige
Angebot hat uns gereizt und so sind wir die gewundene Straße zum abgelegen
Herrenhaus hinaufgefahren, der steile Wald scheint undurchdringlich und lässt
gerade ein schmales Band aus Schotter frei, das unser feuerroter Auto
hinaufklettert. Bis der Besitzer für uns Zeit hat, übe ich mit dem Sohn
Mathematik und wir beide überwinden mit Lachen und Spaß die Sprachbarriere.
Schließlich ist es soweit und Führung durch das Haus kann beginnen, es geht
durch Säle und unzählige Kammern, durch drei Höfe in denen von allen Seiten der
buckelig verarbeitet Granit in der Sonne glänzt. Von allen Räumen sieht man weit
in die herrliche Landschaft hinunter, rund herum ist alles grün in allen
Abstufungen, die Ähren auf den Feldern färben ganze Flecken golden. Dazwischen
zeigen sich immer wieder feuerrote Ziegeldächer. Die Angabe über die
verschiedenen Größe der Liegenschaft bleiben mir rätselhaft, sie scheinen in
einer alten toskanischen Maßeinheit angegeben. Doch irgendwie können diese
Angabe auch im Verhältnis zueinander nicht stimmen und auch der Sohn kann sie
mir auch nicht erklären, obwohl er doch gerade bei der Umrechnung von Maßen und
Gewichten so geglänzt hatte Schließlich werden wir eingeladen hier die Nacht zu
verbringen Die Frau des Hauses muss noch einmal kurz weg und winkt uns vom
Fahrrad zu, als sie beim Tor hinausfährt, kann den Sohn nicht mehr finden. Die
Sonne geht bald unter und ich setze mich an den Tisch im großen Hof, auf dem
Brot, Käse, Oliven und Rotwein hergerichtet sind. Ein älterer vierschrötiger Man
radelt angestrengt durch das Tor, unter dem Arm eine Astschere, die länger ist
als sein Rad. Er lehnt sein Rad an die Mauer, kommt auf mich zu und fordert mich
mit grimmigen Gesicht auf, im die Anzahlung zu übergeben, dabei hebt er drohend
die Schere. Mir wird schlecht, denn ich ahne, dass er mir einen Finger nach dem
anderen abzuzwicken würde, sollte ich mich weigern. Ich erkenne die
Aussichtslosigkeit und sage sofort die Übergabe zu, immerhin habe ich ein
Drittel des Kaufpreises in Bar mitgebracht, um meine Bonität nachweisen zu
können. Der Mann wird freundlicher, schließt das Tor nach draußen und zieht sich
ins Haus zurück. Als ich im nachschleiche entdecke ich in der Vorhalle auf dem
glänzenden Steinboden einige Gerätschaften, darunter die Astschere und eine
Maschinenpistole. Ich nehme beides, verstecke es und bin erleichtert als der
Radio zu plärren beginnt und berichtet, dass der langjährige Generaldirektor der
BAWAG, Helmut Elsner, "ohne Handschellen" in der Nacht nach Österreich
zurückgeflogen wurde.
13. Februar 2007: Kampf mit Worten
An der
Wirtschaftsuni werden die Top Ten TV-Spots des vergangenen Jahres
präsentiert. T... klebt sich gleich am Ende der Veranstaltung an mich und
bewirft mich am Stehbuffet mit Kampfbegriffen wie neoliberal und
Kerzenschlucker. Der Meister der Worthülsen ist stark aufgeladen,
lautstark, nicht unterbrechbar und hat keinerlei Beißhemmung. So wird er
die Welt bestimmt nicht von seinen Eingebungen überzeugen können.
10. Februar 2007: Arsen und Spitzenhäubchen
Endlich
können wir uns im Akademietheater Arsen und Spitzenhäubchen ansehen. Die
Vorstellung ist hoffnungslos ausverkauft und es war trotz unserer beiden
Abonnements nicht einfach, Karten zu ergattern. Die Lustige Leich' als
literarisches Thema oder Bühnengegenstand ist ganz und gar nicht meins.
(Angeblich lustige Filme wie "Immer Ärger mit Berny", in denen eine Leiche die
Hauptrolle spielt, sind mir ein wahres Gräuel.) In diesem "Lustspiel" aus dem
Amerika der 1940er Jahren geht es zwar um mehr als zwei Dutzend Leichen, aber
nur an zweien davon werden Leichenschändung und Störung der Totenruhe
vorgenommen. Wettgemacht wird der Inhalt des Stückes durch seine Form, das
Bühnenbild, die Inszenierung und vor allem durch das Können der
Ensemblemitglieder des Burgtheaters.
6. Februar 2007: Agrippina
In der
Wiener Kammeroper genießen wir die Oper Agrippina. Ein dramma per musica von Georg Friedrich Händel,
das witzige Libretto
von Vincenzo Grimani. Agrippina die Jüngere intrigiert und verleumdet, so wie es
ihrem Ruf entspricht. Kaiser Claudius ist etwas schwach bei Stimme. Der
halbwüchsige Nero bringt einen Aktenkoffer mit Feuerzeugen auf die Bühne und
zündelt damit mit großer Freude in allen Sing- und Lebenslagen.
5. Februar 2007
Gegen
Mittag wandere ich durch die Weinberge von Mödling nach Baden. Am Himmel
ein weißer Store aus Fetzen und Bändern von Wolken, der die grelle Wintersonne
nicht abhalten kann. Ich vergönne mir ein paar Stunden Wintersonne, in den
Ohren die Musik von Mozart aus meinem neuen Musikhandy.
3. Februar 2007
Abends mit einem
befreundeten Paar beim Felsenheurigen in der Hinterbrühl. Trotz der Häufung von Proleten Stammgästen mit ihren
Hundsviechern besten Freunden ein
erstaunlich nettes Ambiente. Ich nehme 2/4
und dann noch 1/8 Liter jener roten, bewusstseinsverändernden Droge zu mir, auf
die es hier ankommt. Schlafe dann aber ziemlich schlecht, denn es war doch etwas
mehr, als ich vertragen kann.
1. Februar 2007
Ich
beschäftige mich schon seit einigen Tagen eingehend mit dem neuen Multimedia-Handy und bewundere die
Fähigkeiten. Kamera, Radio und Musik-Player sind in diesem an sich winzigen
Gerät eingebaut und liefern einfach grandiose Ergebnisse. Als Erstes
besiedeln eine Oper von Mozart und ein Dutzend Ouvertüren den ein Gigabyte
großen Speicher, der nicht einmal so groß wie ein Fingernagel ist.
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31. Jänner 2007
Mittags einen Kaffee vor dem Café Posthof in der warmen Wintersonne. Die
Terrasse ist voll besetzt mit Gästen, die sich der Sonne ergeben. Am
Nachhauseweg treffe ich Tante M..., die genau so aussieht, wie sich Kinder eine
steinalte Hexe vorstellen: verwelkt, verkniffen, verhutzelt.
25. Jänner 2007
Die
Emotionen der Hyperphysik und Cursor in E-Motion als neue Kapitel gestaltet. Für
die Hyperphysik sind die Emotionen bereits auf 28 angewachsen.
Die Hyperphysik setzt sich vorwiegend mit der
Eigenschaften der Hypereffekte des n-dimensionalen Raums auseinander und entwickelt Rechenmodelle,
anhand derer man diese Effekte voraussagen und simulieren kann.
Bei den von mir entwickelten physikalischen Simulationen im Bereich der Hyperphysik geht es um Objekte der modernen
Astrophysik wie Strings, Branen und Wurmlöcher, die in Realtime interaktiv
gesteuert und simuliert werden.
21. Jänner 2007
An
einem Sonntag kurz nach 10h in Wien vor der Staatsoper, um auf dem Flohmarkt
irgend eine Erinnerung materialisieren zu können - es werden Kostüme aus
Aufführungen der letzten Jahrzehnten verkauft. Doch leider hat sich eine
Menschenschlange um die Oper gelegt und wir fahren vorüber, ohne aus dem Auto
auszusteigen, wir erwarten zu Mittag Gäste und können uns den Luxus ders Wartens
heute nicht leiste.
19. Jänner 2007
Der neuen James-Bond-Film, Casino Royale, ist überraschend gut geworden -
couragiert entstaubt, erfrischend modernisiert und neu
interpretiert. Danach eine Rindsroulade im Fresstempel des Millenniumstower.
18. Jänner 2007
Mittags eine riesige Enttäuschung: Mein Stammcafé ist heute wegen
Reparaturarbeiten für zwei Tage geschlossen. In der Nacht weht der Orkan Kyrill
übers Land, aber bei uns hält er sich in Grenzen. Doch in Bayern haben die
Vorboten des Sturms den Ministerpräsidenten des Freistaates weggefegt. Und in
Berlin: Einstürzende Neubauten.
17. Jänner 2007: Idomeneo
Idomeneo, re di Creta. Die großartige Aufführung einer großartigen Oper
im Theater an der Wien. Sänger, Orchester und Bebilderung tragen die
Aussage der Musik auf kongeniale Weise.
15. Jänner 2007
Das heiße ich Kernkompetenzverteilung: Wir haben nun einen
Wehrdienstverweigerer Zivildiener als
Verteidigungsminister und als Gesundheitsministerin eine kinderlose Singlefrau
und überzeugte Raucherin, die mit Computerspielen
Jugendkultur auf Kriegsfuß steht.
7. Jänner 2007: Sommernachtstraum
Der
Wald des Begehrens im Sommernachtstraum ist zur Steinwüste geworden.
Schließlich kommt der Regisseur aus einem Land ohne althergebrachte
Bühnenwerke in der eigenen Sprache und mit wenig Tradition des klassischen
Theaters: aus Holland. Trotzdem ist diese Shakespeareinszenierung ein
kongenialer Anschluss an die im Dezember 2006 vorgestellte Inszenierung
von Viel Lärm um nichts,
wieder mit in meisterhafter Besetzung an seltsamen Schauplätzen und
ungewohnten Deutungen. Nachdem wir uns, in unserer Loge stehend, die Hände
rot geklatscht haben, dürfen wir noch an der Premierenfeier im Foyer des
Burgtheaters als Staffage teilnehmen und kommen den von uns so verehrten
Künstlern auf Tuchfühlung nahe.
6. Jänner 2007: Winterdampf am Semmering
Winterdampf
am Semmering ist eine Nostalgiefahrt von Wien Südbahnhof über den Semmering nach
Mürzzuschlag und zurück. Dampflok 52.4984, Nachschiebe-Elektrolok 1141, Wagen
ersten und zweiten Klasse mit einem Barwagen.
Weißer Rauch kündigt den zwanzig Minuten verspäteten Zug schon von Ferne an.
Schließlich dampft der Zug stolz in den Bahnhof Meidling ein. Gezogen wird der
Zug von einer grandios instand gesetzten Dampflok der Baureihe 52 aus dem Jahr
1944, an ihr hängen verschiedene historische Wagen. Vorne die erste Klasse, in
der Mitte der holzgetäfelte Speisewagen und hinten die vergammelten Waggons der
zweiten Klasse, voll gestopft mit Reisenden. Wir haben Platzkarten im
Großraumwagen der ersten Klasse, doch die Wagennummer auf der Platzkarte stimmt
nicht und so machen wir es uns nach einigem Suchen in zwei blauen Fauteuils an
einem Südfenster gemütlich. Der Platz verspricht die perfekte Aussicht auf der
Ghega-Strecke über den Semmering und wir freuen uns riesig auf die fünfstündige
Fahrt. Nach wenigen Minuten bricht die Sonne durch und wir schaukeln gemütlich
durch das Wiener Becken, durch das wir sonst so schnell als möglich durchfahren.
Immer wieder müssen wir eilige Züge vorbeilassen, die ihren Fahrplan einzuhalten
haben.
In Gloggnitz gibt es den ersten Fotostopp, alle steigen aus, um die Dampflok
und die historischen Wagen anzusehen und im Bild festzuhalten. Als wir wieder
einsteigen hat eine Gruppe von zwanzig, meist ältere einheimischen Frauen, den
Waggon besetzt. Sie belegen alle Plätze, auch die jener Passagiere, die gerade
ausgestiegen waren um zu fotografieren. Als ich in den Wagen hinein komme,
erstarre ich, weil nun plötzlich überall ältere Leute sitzen, auch auf unseren
Fensterplätzen. Wie sich dann in einer längeren Diskussion herausstellt, haben
die alle keine wirklichen Platzkarten, sondern nur eine Serviette, auf die
jemand mit Kugelschreiber die Nummern der angeblich reservierten Plätze
geschrieben hatte. Die Pensionisten, die unsere Plätze ergattert haben,
verschwinden dann nach einigem Hin und Her wieder. Die Anführerin der
Waggonbesetzer und der Schaffner telefonieren dann noch langwierig mit einem
Verantwortlichen der ÖBB und berichten von dem Chaos, das sie angerichtet bzw.
nicht verhindert haben. Die Anführerin lebt dann direkt neben uns ihren
Sprechdurchfall aus. Sie offenbart sich lautstark allen Mitreisenden, natürlich
sagt sie auch etwas über die Strecke, meist aber versorgt sie uns mit
Informationen über sich selbst, ihre Familienmitglieder, Nachbarn und vor allem
über die Honoratioren von Gloggnitz. Irgendwann verschwindet die dicke Dame aber
endlich, um andere Schäfchen ihrer nun verstreuten Gruppe zu beschallen. Wir
lassen uns aber nicht von der Schönheit der Landschaft ablenken, genießen den
Sonnenschein und bewundern die kühnen Viadukte, die Carlo di Ghega vor mehr als
hundertfünfzig Jahren, trotz enormer Widerstände und Ängste in der Bevölkerung,
errichtet hatte. Diese Ängstlichen und Fortschrittsverweigerer waren wohl die
direkten Vorfahren der Waggonbesetzer gewesen und genau so stelle ich mir diese
Leute auch vor.
Wir werden von einer unglaublichen Anzahl von Mitarbeitern der ÖBB betreut.
Da sind einmal Lokführer und Heizer der Dampflok, die von einem kompetenten
jungen Mann begleitet werden, der überall mithilft und offensichtlich jeden
Einzelteil des Dampfungetüms auswendig kennt. Dann sind da noch weitere
Gehilfen, die beim Schmieren und Wasserfassen des Dampfrosses beschäftigt sind.
Schließlich gibt es noch den Lokführer der E-Lok mit einigen Mann Helfern und
zwei Schaffner.
Am Semmering gibt es dann wieder einen längeren Aufenthalt, weil der Zug ein
Stück zurückfährt, um dann unter Dampf und Gebrüll auf uns zu und vorbei zu
fahren. Das kleine Video, da ich dabei drehen konnte, sieht großartig aus.
Nachdem wir wieder eingestiegen sind, sucht ein junges Paar bei uns Zuflucht,
weil es von den Waggonbesetzern von seinen Plätzen im Raucherwaggon vertrieben
worden ist.
An der gesamten Strecke stehen immer wieder Fotografen; einige knipsen uns
ganz spontan mit der Handykamera aus dem Auto heraus, viele aber fotografieren
ganz ernsthaft und haben eine Kamera mit Stativ aufgebaut.
Der Besuch des Kulturbahnhofes Mürzzuschlag zahlt sich aus. Hier ist die
Geschichte der Bahn und besonders der Bahnbau über den Semmering anschaulich
dargestellt. Außerdem steht in der riesigen Halle eine Dampflok der gleichen
Baureihe wie die unseres Zuges ausgestellt, aber völlig verrostet und
vergammelt, doch kann man die Details in aller Ruhe ansehen und im Führerhaus
alle Griffe, Knöpfe, Hebel und Stellräder betätigen. Am besten gefällt mit aber
die kleine grüne Dampflok "Hansi", die in den 1950er Jahren in einem nahen
Stahlwerk ihren Dienst versehen hatte. Bis zur Abfahrt unseres Zuges bleibt noch
etwas Zeit und so genießen wir auf dem Hauptplatz von "Mürz" im gut besuchten
Testa Rossa einen köstlichen Espresso.
Bei der Rückfahrt bestellen wir uns im Speisewagen Bier, Rotwein und
Frankfurter. Hier führt der dickliche Hömerl das große Wort, ein schmieriger
Mittvierziger mit fettem Schnauzer und dazu abgestimmtem Lockenhaar. Er übertönt
alles, echot jeden Gesprächsfetzen im Wagen und lacht über sein eigenes Gebrüll,
als sei es ein gelungenes Kabarettprogramm.
Ein toller Tag mit unvergesslichen Eindrücken um wenig Geld, herzlichen Dank
an die Österreichischen Bundesbahnen, die uns dieses Durcheinander organisiert Abenteuer ermöglich haben.
3. Jänner 2007: Der Kleinste der Schönheit
In
meinem Stammcafé sitzen am Nebentisch eine kostbar gekleidete Schönheit
mit ihren drei Kindern und dem passenden Gemahl, der sich das alles leisten
kann. Erst einmal wird bestellt und jedes der Kinder kriegt einen Saft.
Der Kleinste will aber nichts trinken, weil er gerade damit beschäftigt
ist, die kleinen weißen Kristalle aus dem Zuckerstreuer über den Tisch zu verteilen.
Schließlich werden die drei Buben wieder in ihre kanarigelben Jacken
gehüllt und sie gehen hinaus um zu spielen. Nach einiger Zeit stürzt der
Kleinste wieder zur Türe herein und sagt weinerlich: "Ich habe mich
angelullt", während er die Rechte in seinen Schritt drückt. Papa beruhigt:
"Jakob, du warst doch gerade auf dem Klo" und legt ebenfalls seine Rechte
in den Schritt des Kindes. Als ich etwas später noch einmal über den Platz
vor dem Café gehe, rennt gerade die Schönheit hinter dem weinenden Jakob
her und versucht ihn zu beruhigen.
1. Jänner 2007: Traum vom Motorradfahrer
In unserer Wohnung wurden vor einigen Tagen Fremde einquartiert. Einer
davon, ein junger Mann, hat ein Motorrad in unserer Küche abgestellt.
Mehrmals am Tag schiebt er es von der Küche ins Wohnzimmer, startet, steht
dann immer wieder Gas gebend daneben und überlegt lange bevor er sich
draufsetzt und vorsichtig durch das Vorzimmer in die Küche zurück fährt,
um es dort erneut abzustellen.
Die unverwüstliche Mnozil-Brass gibt im Akademietheater als Silvesterprogramm
eine selbst komponierte Operette: Das trojanische Boot. Aufgeführt mit jeder
Menge Blech und Blockflöten - angeblasen mit dem rechten Nasenloch und trotzdem
unglaublich kunstfertig. Alles in allem ein erstklassiger Silvesterspaß. |
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