26. Dezember 2006: Stefaniebraten

Die kurzweilige Kunst des KochensAbends gibt es zum Stefanitag einen Stefaniebraten in vier Striezel mit Erdäpfelpüree für zwanzig Personen. Einige Gäste arbeiten sich im Laufe des Abends bis zur vierten Portion vor. Der Sechskilobraten schmor drei Stunden im Rohr. Die Maillard-Reaktion hat in dieser Zeit ihre bräunende und geschmackliche Wirkung getan. Aminosäuren und reduzierende Zucker haben sich in der Hitze zu köstlichen Verbindungen gefügt.

See aus Nacht und Feierstunden
.
schwimmend in einem See aus Nacht und Feierstunden
an kurzen Tag die kalte Sonne
lass ich mir das Abendessen munden
ich kochte für zwei Dutzend Freunden voller Wonne
faschierter Braten, der mit Lob als gut empfunden
der langen Nächte finstere Kolonne
umgetauscht gegen schöne Stunden

25. Dezember 2006: Urbi et Orbi in 25 Sprachen

Actoids PilgerreisenHeute kommt der päpstliche Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) in 25 (32) Sprachen zu uns - enttäuschend, wie hatte uns dagegen Johannes Paul der Einfache mit seiner Sprachvielfalt erfreut.

Zu Weihnachten habe ich mir das Buch "Berlin-Wien | Eine Reise zu Fuß" geschenkt, so dass ich heute an einen warmen Heizkörper gelehnt in diese Pilgerreise in die Trostlosigkeit des Ostens eintauchen kann. Es stellt sich vor allem die Frage, welche Sünden man begangen haben muss, um in diese Öde einsickern zu wollen.

24. Dezember 2006: Truthahn gefüllt

Aus meiner Küche fördere ich heute im Tagebau ein fünfgängiges Festessen: Krabbencocktail, Tomatenschaumsüppchen, Truthahn mit Serviettenknödel und Rotkraut, Zitronensorbet, Waffel mit Schokoladenmus.

19. Dezember 2006: Die Sonne hat sich weggedreht

der Winter ist daher gezogen
macht jetzt alles düster, kalt
die Wärme ist verflogen
das Jahr ist nun gebrechlich, alt
.
die Sonne scheint jetzt anderswo
erfreut die Antipoden
sie hat sich weggedreht, geradeso
als wollt sie den Frohsinn roden

13. Dezember 2006: Milchfrau in Ottakring

Beginne im Zug von Wien nach Ungarn mit wachsender Begeisterung die "Milchfrau in Ottakring" zu lesen und Kindheitserinnerungen der unerquicklichen Art tun sich in mir auf. Es entfaltet sich in mir dieses Bild von Menschen in ihrer alltäglichen Armut und ihrer empfindungslosen Starre des Geistes aus längst vergangenen Tagen. Diese allgemeine Hoffnungslosigkeit nährt meine Freude über den unglaublichen Wohlstand, der heutzutage für (fast wirklich) alle herrscht. Viele können diesen Zustand gar nicht richtig einschätzen und glauben sich mitten im allgemeinen Wohlstand in trostloser Armut leben zu müssen, weil sie sich neben ihrer warmen Wohnung mit Fernseher, Handy, etc., ausreichend Lebensmittel nur ein billiges Auto und spärliche Urlaube leisten können. Daran kann man sehen, dass die Zufriedenheit der Menschen nur ganz wenig von ihrem Wohlstand anhängig sein kann. Im Tagebuch der Galina von Hoyer wird das Schicksal von Menschen beschrieben, denen nichts anders übrig bleibt, als in Hühnerställen und fensterlosen Zimmern vegetieren.

Die Landschaft an der Bahnstrecke nach dem Frachtenbahnhof Kledering wird immer eigentümlicher - die Gegend wird faltenlos und der Blick endet im Nichts oder dem roten Ball der untergehenden Sonne. Im Burgenland wie in Ungarn wurden in den letzen Jahren viele Wohnhäuser im pannonischen Barock in die pannonische Tiefebene hineingesetzt, die Formen dieser schwülstigen Häuser sind geradezu Gegenstücke zu jenen hühnerstallartigen Gebäuden, die dort seit Jahrhunderten an den Straßenrand gestellt wurden. Auf den feien Flächen immer wieder Windräder zur Stromerzeugung, von denen 500 Stück gerade so viel Leistung bringen wie ein richtiges Kraftwerk - die Puszta scheint endlich ihre Bestimmung gefunden zu haben. Während der Fahrt hat der Zug die Seite gewechselt, in Ungarn fährt die Bahn rechts, nicht links wie in Österreich.

10. Dezember 2006: Rosarot und himmelblau

MediendesignSchon beim Aufstehen begrüßt mich das milde Licht eines rosaroten Morgens. Die Wölkchen sind orange gefärbt und zwischen Himmel und Hausdächern zeigen sich blaue Streifen über die schwarze Vogelsilhouetten ziehen.

Am späten Vormittag genießen wir in der Pressburger Oper das klassisch choreographierte Ballett des Nussknackers von Peter Iljitsch Tschaikowsky. Anschließend eine kulinarische Expedition durch die verschiedenen Weihnachtsmärkte der Altstadt, die ausgezeichnet gut besucht sind und trotz der geografischen Nähe zu Wien so manche fremdartige Köstlichkeit bieten.

8. Dezember 2006: Viel Lärm um nichts

BurgtheaterIn der Burg ein wundervoll lebendiger Shakespeare - witzig und spritzig - mit einem Wort ein Vergnügen. Die Dame in der Nachbarloge vor Beginn der Vorstellung halb zu uns gewandt: "Es wird mir nicht gefallen, ich kenne seine Inszenierungen im Ausland." Und tatsächlich, während alles begeistert klatscht und im ganzen Saal "Bravo" gerufen wird, verschwindet sie ohne ein einziges Mal in die Hände geklatscht zu haben und ihr graues Haar scheint mir noch ein bisschen zottiger und grauer als zuvor.

6. Dezember 2006: String-Theorie und Branen

Gib mir die KugelBeginne mich aufgrund eines Berichts in Arte wieder einmal mit der String-Theorie und den Branen zu beschäftigen und vertiefe mich in diese dramatische Kosmologie. Das vortreffliche Buch von Stephen Hawking "Das Universum in der Nussschale" hatte ich mir ja schon vor einigen Wochen besorgt aber drin bisher nur geblättert.

3. Dezember 2006: E-Motions

XaverZwei Dutzend Cursor-Animation für die E-Motionen hergerichtet und integriert. "Ein naseweiser spitzfindiger Spötter" von Franz Xaver Messerschmidt als interaktives Medium in zwei Variationen in Szene gesetzt.

1. Dezember 2006:

Actoids BlickBei meinem Zahnarzt in Mosonmagyarovar zur jährlichen Kontrolle, der aber einen zusammengebrochenen Zahn entdeckt und ich hatte geglaubt, mir sei nur einen Plombe heraus gefallen. Eine langwierige Wurzelbehandlung ist die Folge.

26. November 2006: Die Hölle

Ein böser Mensch stirbt und kommt in die Hölle, wo ihn eine Überraschung erwartet. Beelzebub wartet nicht etwa mit Feuer und Streckbank auf den armen Sünder, es sieht hier vielmehr nach Sexklub-Urlaub in der Karibik aus. Die Wochen und Orgien vergehen also und noch immer keimt im bösen Menschen der Verdacht, dass hier irgendwo doch der Hund begraben liegen muss. Eines Tages entdeckt er während einer Bootstour weit draußen vorm Strand einen finsteren Strudel im Meer, aus dem Rauch, Feuer und unfassbare Schmerzensschreie dringen und das Blut in Fontänen herausschießt. Aufgewühlt zum Teufel am Strand zurückgekehrt, fragt er den Gottseibeiuns, was um Himmels willen denn da draußen los sei. Der Teufel antwortet: "Ach, das ist der bei uns in der Hölle für Christen reservierte Bereich. Die wollen das so."

25. November 2006: Salzburg

Am Morgen einen ausgedehnten von der Salzburger Altstadt die Salzach entlang in die Josefi-Au. Dann ein ausgedehnter Bummel durch Salzburg bei fast 20°C und in herrlichem Sonnenschein. Nachmittags mit der Familie meines Bruders eine ausgedehnte Plauderei im Café Basar. Ich habe meinem Neffen ein winziges Schweizermesser mitgebracht, ob seine Eltern davon begeistert sind, kann ich nicht einschätzen. Bevor wir uns auf den Weg nach Wien machen noch Würstel mit Saft im Wilden Mann.

24. November 2006: Geburtstag in Salzburg

TheaterMit einem achtzehnjährigen Auto nach Salzburg, die schwarze Nummentafel erregt bei den jungen Leute Aufsehen, neben denen wir einparken. Zimmer in der Pension Chiemsee beziehen, ausgedehnter Bummel durch die Weihnachtsmärkte, Schöps lässt die Herrenlinie auf und so ist alles zwei mal reduziert (also 25 Euro statt 100) und ich erstehe vier Jacken um zusammen 100 Euro, zwei Strickjacken und eine Daunen- und eine Lederjacke. Mittagessen im Wilden Mann. Elegantes Abendessen im Peterskeller (70 Euro) und dann noch ein Glas Wein beim Spanier neben der Pension.

13. November 2006

Auge rotMein Schnupfen nimmt seit gestern immer verheerendere Formen an und meine Gehirnmasse hat sich inzwischen in Sägespäne verwandelt. Nachmittags wird aus meiner Nase ein tropfender Wasserhahn, der mit nichts zu dichten ist. Ich esse Hühnersuppe - Kikeriki (wird in dieser Situation als Heilmittel angesehen). Am Abend ist die erste Turnierpackung Tempotaschentücher durchgeschnäuzt.

11. November 2006: Bohemien oder Unterschichtler

Noch viel zu tunWer ist noch Bohemien und wer bereits Unterschichtler? Das ist eine Frage, die sich die Gesellschaft sich wohl auch schon vor zweihundert Jahren gestellt hat. Und eines ist klar: Ein Bohemien ist kein Unterschichtler. Zur Unterschicht zählt man nicht allein wer einen miesen Job mit niedrigem Einkommen hat. Wer "Unterschichtler" sagt, meint immer auch mangelnde Bildung, sowie fehlende kulturelle und kreative Dimensionen.

Schwierig wird die Unterschichtfrage auch dadurch, weil sich bis heute Bildung, kulturelles Engagement und Wohlstand nicht so leicht voneinander trennen lassen: Wer kreativ tätig ist, auch wenn er materiell schlecht dasteht, ist letztendlich obenauf. Wer aber sowohl materiell schwach ist und wem es dazu an kulturellen Kompetenzen mangelt, für den gibt es in seiner Chancenlosigkeit keinen Ausweg. Wer materiell, bildungsmäßig und kulturell unten ist, der kommt aus diesem Loch nicht mehr heraus. In einer Gesellschaft, in der Branding, Selbstmarketing, Kreativität, Flexibilität und symbolische Kompetenzen entscheidende wirtschaftliche Potentiale sind, machen Bildung und Kulturkompetenz die Kriterien für die Ungleichheit aus.

Unterschichtslifestyle heiß heute vor allem, sich die Zeit durch das Fernsehen stehlen zu lassen und Unterschichtenfernsehen zu konsumieren. Unterschichtenentertainement unterhält und strengt nicht an. Viele der privaten Fernsehsender verfolgen diese Linie und bekommen dadurch eine durchaus legitime Daseinsberechtigung, denn irgendwie muss man die Leute ruhig stellen und von der Straße fernhalten: Früher gingen sie in die Kirche, heute hängen sie vorm Fernseher. Die Sendungen sind oft so gestaltet, dass man glauben könnte, es seinen Überwachungskameras von Irrenanstalten.

Noch vor wenigen Jahren trugen Unterschichtler diese bunten Unterschichttrainingsanzügen oder führten scharfe Unterschichthunde streng bei Fuß, sie begrüßen sich heute noch mit "Haahloh". Männer mit übergroßen Tattoos, Frauen mit Arschgeweih und daheim die neueste Unterhaltungselektronik. Sie sehen sich mit Begeisterung das Treiben ihrer berühmt gewordenen Unterschichtmitmenschen an, allen voran: Tatiana Gsell, Paris Hilton, Verona Feldbusch, die Lugners, Hugo Egon Balder, Hella von Sinnen, Stefan Raab. In den Krawallshows am Fernsehnachmittag können dann auch bisher unbekannte Unterschichtler zu kurzem Ruhm kommen. Prolo-Entertainment und Tattoos sind nicht mehr die Insignien von Gescheiterten, sondern gehören zu jenen Unterschichtspraktiken, die inzwischen zu massenkulturellen Praktiken aufgestiegen sind.

Unterschichtkultur umfasst auch Zeitungen, die die Nachrichten bereits in Form von Meinung und Haltung journalistisch aufbereitet weitergeben. Zeitungen wie Bild, Krone und Österreich sind durch dieses Konzept des Verkaufs der Verknüpfung von Nachrichten und Meinungsbildung außerordentlich auflagenstark und erfolgreich. Herausgeber und Journalisten steuern durch diese Medien die ungebildeten Massen.

Dieselbe Wirtschaftsordnung, die die Unterschichtler aus der Welt der Güterproduktion fern hält, stellt ihnen ohne Gegenleistung ausreichend Geld zur Verfügung, damit sie sich ihren persönlichen Stil zusammenkaufen können. Denn auch die, die sie keinen Job haben, haben eine gewisse Kaufkraft. Dass die Unterschichten auch noch durch Entertainment ruhig gestellt werden, ist ein natürlicher Nebeneffekt.

Die Unterschicht verliert die Kontrolle beim Geld, beim Essen, beim Trinken, beim Rauchen, in den Partnerschaften, bei der Erziehung und bei der Arbeit, also in der gesamten Lebensführung.

Nirgendwo wird der Disziplinverlust so deutlich wie beim Sport und je höher das sportliche Leistungsniveau, desto geringer der Anteil von Angehörigen der Unterschicht. In den Olympiamannschaften finden sich fast nur noch Studenten oder Leute mit Matura. Sport braucht Menschen mit Selbstdisziplin, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und Leistungsorientierung. All das sind Fähigkeiten, die der Unterschicht mehr und mehr abhanden kommen. Vertreter der so genannten Unterschichtkultur mit ihrer Passivität, Lethargie, Unbildung und Resignation haben inzwischen auch im Leistungssport kaum noch eine Chance.

9. November 2006: Gesundjoggen

WellnessJogging entsteht aus einem absolut natürlichen Bewegungsablauf und ist gesund, doch es birgt auch gesundheitliche Risiken. Joggen ist natürlich das Herz-Kreislauftraining schlechthin. Schließlich sind wird doch als Laufwesen designed. Unser Körper ist in Aufbau, Statik und mit allen seinen Organen und Funktionskreisläufen immer noch der eines Läufers geblieben. Die kraftvollen Oberschenkel und die langen Beine sind nicht zum Sitzen im Auto oder zum Liegen auf der Couch gemacht? Auch die hoch komplizierte Mechanik des Fußes, welche die Aufprallenergie speichern und zum Abstoßen nutzen kann, brauchen wir nicht, um in unsere Autos ein- und auszusteigen. Unsere Atmungsorgane sind wirkungsvolle Energiebeschaffer, deren wahre Kapazität brach liegt. Unser Organismus funktioniert noch weitgehend so, wie er für das Leben eines Läufers lebensnotwendig war, der lange Strecken unterwegs sein musste.

Joggen bringt aber nicht nur Herz und Kreislauf in Schwung, sondern aktiviert auch Stammzellen. Dreißig Minuten Joggen am Tag erhöht die Zahl endothelialer Vorläuferzellen im Blut. Zugleich mobilisiert der Körper durch regelmäßigem Sport auch die Stammzellen und bringt sie in den Blutkreislauf, die Schäden im Organismus vermehrt reparieren können.

Wer regelmäßig joggt stärkt auch seine Knochen und dürfte damit im Alter weniger anfällig für Osteoporose sein. Die Knochendichte der Jogger ist mehr als sieben Prozent höher als die derer, die sich nie oder fast nie sportlich betätigten. Dafür muss man mindestens zwei Mal pro Woche laufen.

Falsch trainierte Dauerläufer (so hießen die Jogger bis vor 20 Jahren) klagten vielfach über Kniebeschwerden, mit der Folge, dass in den 1990-er Jahren erstmals spezielle Laufschuhe entwickelt wurden. Und an Stelle des Krafttrainings der Beine konnte nun der Schuh mit der weichen Sohle treten. Tatsächlich ging dadurch auch die Zahl der Kniebeschwerden deutlich zurück - doch dafür haben seitdem immer mehr Athleten Achillessehnen-Schmerzen. Denn wenn die Sohlen zu viel dämpfen, nehmen am Fuß Geschwindigkeit und Hebelkräfte der seitwärts gerichteten Abrollbewegung zu und die Achillessehne wird stark belastet.

In einer Untersuchung der Laufstile stellte sich heraus, dass die an Achillodynie erkrankten Läufer ihre Füße mehr über den Mittelfuß abrollten und dadurch die Belastung auf der Achillessehne verstärkten. Eine Fehlbelastung, die ihre Ursache ausgerechnet darin hat, dass die Laufschuhe mit immer besseren Dämpfungen ausgerüstet wurden, um die Gelenke zu schützen. Ich habe dem falsch verstandenen Eifer für weiche Sohlen eine äußerst schmerzhafte Achillodynie zu verdanken, die mit eine bittere Laufpause eingebracht hatte.
Zwei Jahre war die Sehne krank
jetzt läuft sie wieder, Gott sei Dank
Woche für Woche schon
einen halben Marathon

5. November 2006: JavaScriptorium

Lernen und SpielenMein JavaScriptorium umfasst eine stetig wachsende Auswahl von Software-Experimenten, mit denen sich die Relation zwischen Text, Bild, Raum und Zeit durchleuchten lasen. Derzeit habe ich über Eintausend dieser Implementierungen realisiert, manche als Lernprogramm, manche als Spiel und andere wiederum als bildhafte und steuerbare Emotionen.

Bei meinem JavaScriptorium sind in jener Technologie für multimediale Bild- und Textpräsentation realisiert, die rund um das Internet entstanden ist. Dieses multimediale Bilderbuch ist nicht mit Farbe, Pinsel und Leinwand ausgearbeitet, sondern mit DHTML und JavaScript. Eine der Möglichkeiten, um mehrdimensionale Animation in Realzeit zu erzeugen. Die von mir entwickelte Software ermöglicht es, Dutzende wesenartige Objekte beliebig zu bewegen, sie zu komplizierten Bildkomplexen zu ordnen und sie für den Betrachter bewegbar zu machen. Die Realzeitfähigkeit ist während der Bewegungsprozesse Voraussetzung, um die Wesen über den Bildschirm gleiten, schweifen und lustwandeln zu lassen. Mit dem JavaScriptorium wird ein Instrument vorgestellt, das sämtliche Phasen einer multimedialen Gestaltung von digitalen Artefakten unterstützt.

Diese Technologie erschließ für den Betrachter die vierte Dimension. Als vierte Dimension im JavaScriptorium wird neben den drei Achsen des Raumes die Zeitachse in das Modell ein, 4D-Modelle dienen vorrangig dazu, um zeitlich gesteuerte Bahnen im Ablauf visualisieren und steuern zu können. Dabei werden die hohe Komplexität und der enorme Rechenaufwand für die Realzeitdarstellung der interaktiv steuerbaren Wesen in Kauf genommen.

Eine erfolgreiche Designlösung wird durch die Funktionalität des entstandenen Produkts, sowie durch den interaktiven Prozess dargestellt, in dem es entstanden ist. Gutes Design entsteht im Kontext von Sachkenntnis und der Innovation. In den letzten Jahren hat Design mit mathematischen Algorithmen eine zweckentsprechende Annäherung vieler kreativer Projekten etwa in der Filmindustrie ermöglich, in denen diese Ergebnisse bislang nicht zu erreichen sind. Das JavaScriptorium versucht, etwas Licht in die Entwicklung dieser Arbeiten zu bringen.

Und noch etwas, ich schreibe alles deutsch um der Dominanz des Englischen im Internet entgegenzuwirken, denn jedes Mal, wenn eine Sprache stirbt, verschwindet auch eine Vision.

1. November 2006: Bestiarium

Actoid MediendesignMultimediale Bestiarien sind bildhafte Fantasien, die tatsächliche oder vorstellbare Eigenschaften von Tier- und Fabelwesen, allegorisch dem menschlichen Spieltrieb erschließen. Eine ausbaufähige Auffrischung des Angebots in einem neuen Kosmos für den Homo Ludens.

Diese Animalisierung der multimedialen Welt gleicht eher einer phantastischen Collage aus den traumwandlerischen Szenerien. Die Artefakte werden wie Puzzlestücke in vorgefundene Landschaften eingefügt. Das Auge kann sich an der feinen Farbwahl und ihrer Grundtönen ergötzten. Der Betrachter kommt in den Besitz eines geistigen Prismas, das gleich einem Sehinstrument funktioniert und ihm die entferntesten Spezies das Reich der fremden Welten enthüllt, von dem man weiß, welches Rätsel es in uns birgt, wie man die ursprüngliche Rolle kennt, die es im unterbewussten Symbolismus spielt.

Die Bildobjekte des Bestiariums sind auf hellem Hintergrund frei gestellte GIFs, damit werden Kompressionsartefakte wie Klötzchenbildung (auch Kästchenmusterbildung, Verblockung oder Makroblöcke genannt) vermieden, wie sie bei komprimierten JPEGs immer wieder vorkommen. Außerdem sind durch die freigestellten Objekte realistische aussehende Überlagerungen von Wesen möglich.

27. Oktober 2006: Acer, nie mehr Acer

Auge rotAcer, nie mehr Acer. Acer repariert seine Notebooks für ganz Europa in einer einzigen Werkstätte. Eines unserer Notebooks ist ein Acer und das befindet sich dort seit zwei Wochen und es ist kein Ende in Sicht. Acer, nie mehr Acer. Es ist lediglich die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms ausgefallen. Acer, nie mehr Acer. Um irgendetwas über Kosten oder Status zu erfahren, muss man in einer Warteschleife endlos ausharren, bis sich dann jemand meldet, der durch Inkompetenz glänzt. Acer, nie mehr Acer. An sich eine Kleinigkeit doch bei Acer dauert die Reparatur drei bis vier Wochen und kostet 145 Euro - eine bodenlose Unverschämtheit. Acer, nie mehr Acer.

23. Oktober 2006: Traum vom Fremden in mir

Projektgestaltung als HerausforderungAls ich aus der Ohnmacht erwache, schaukle ich in einem Schlafwagen und kann mich vor Schmerzen kaum bewegen. Vorher war ich längere Zeit auf einer Uni-Klinik erfolglos behandelt worden, einige Dozenten und Professoren hatten sich bei der Beurteilung meines Zustands ernstlich zerstritten. Nun wacht ein Soldat vor der der Türe des Abteils und sieht hin und wieder nach mir. In einer großen Stadt werde ich in ein abgelegnes Zimmer eines veralteten Krankenhauses gebracht. Kurze Zeit später quellen fremde Besucher herein, kommen bedächtig auf mich zu und stellen sich murmelnd um mein Bett. Zwei der Frauen werden mit Frau Minister angesprochen, obwohl sie genau so ärmlich gekleidet sind wie der Rest der Gruppe. Auch bei genauem Hinsehen ist mir aus den Personen niemand bekannt. Von den Beobachtern erkennt mich zwar auch niemand, aber sie halten mich für einen ganz bestimmten, ihnen sehr wichtigen und gut bekannten Mann. Immer wieder fragen sie mich behutsam, ob ich nicht noch vor ein paar Tagen kleiner und dicker gewesen wäre und anders ausgesehen hätte. Schließlich verschwinden die Gestalten langsam im Hintergrund und ich finde mich in meinem eigenen Bett wieder und erkenne die Silhouette der vertrauten Umgebung.

19. Oktober 2006: Internet Explorer 7

WebdesignHabe mir vormittags den brandneuen Internet Explorer 7.0 installiert. Natürlich ist die Oberfläche viel ansprechender, die zusätzlichen Funktionen erleichtern die Arbeit, das Rendering ist genial und die Sicherheit natürlich wesentlich verbessert. Aber die gewohnte Umgebung ist weg und das schmerzt jetzt noch. Na ja, ich werde mich schon an alles gewöhnen.

18. Oktober 2006: Das Goldenes Vliess

BurgtheaterIm Burgtheater wird Grillparzers "Goldenes Vließ" gegeben, das Burgtheater plakatiert "Vliess", der Duden schreibt "Vlies" vor.
Also was jetzt: Grillparzer, Burgtheater oder Duden.

15. Oktober 2006: Kopfnuss

XaverDer Volksmund sagt, dass ich von meinem Gehirn nur zehn Prozent nutze - das ist ganz schön wenig meint man. Von meiner Wohnung nutze ich im Stehen oder Sitzen gerade einmal 0.25 Quadratmeter, im Liegen einen ganzen Quadratmeter, das sind lediglich 0.25 Prozent bzw. ein Prozent meines Platzangebotes. Wozu habe ich dann eigentlich so eine große Wohnung? Letztes Jahr bin ich als einziger bei 12 °C im Traunsee geschwommen und habe von den 24.500.000 Quadratmetern gerade einen einzigen benutzt, was wird der Volksmund zu dieser Verschwendung sagen?

5. Oktober 2006: Brandauer liest Mozart

BurgtheaterBrandauer liest Mozart im Burgtheater. Klaus Maria Brandauer ist in die Rolle von Josef Nepomuk Bullinger geschlüpft, einem Freund der Familie. Er interpretiert die Briefe der Mozarts auf Wolfgangs ersten Reise ohne väterliche Aufsicht durch Süddeutschland nach Paris, wo seine Mutter stirbt. Sohn Wolfgang schreibt drollige und ernste Briefe an seinen Vater. Vater Leopold ist in seinen Briefen ernstlich verzweifelt über seinen Sohn. Das Hin und Her zwischen Vater und Sohn über die entgegen gesetzten Ansichten über das Künstlerleben ist bewegend belebt durch Brandauers Sprachkunst und einfühlsam umrahmt von der Cellistin Maria Wiesmaier.

Vor der Vorstellung gehen Gewerkschafter mit Fahne und in bunter Folie wie Streikwächter vor dem Burgtheater auf und ab und teilen an die Passanten Flugblätter aus, ich lehnen den Zettel ab: "Nicht für mich, ich bin der Klassenfeind!"

4. Oktober 2006: E-Motions

SchnabelkopfKunst ist die eleganteste Form von Luxus - auf jeglichem Gebiet - und deckt ein ganz grundlegendes menschliches Bedürfnis nach Luxus ab. Doch was ist Kunst? Eine vermeintlich triviale Frage die der triviale Mann von der Straße damit beantwortet, dass Kunst von "Können" käme. Arnold Schönberg dagegen meint, dass Kunst von "Müssen" kommt. Darf Kunst Luxus und Selbstzweck sein? Oder muss Kunst politisch-korrekt und gesellschaftlich relevant sein? Ich jedenfalls will mit meinen E-Motions, einer Sammlung von Arbeiten mit DHTML, erforschen, was man abseits der Nützlichkeit mit den Web-Standards HTML, CSS und JavaScript noch alles gestalten kann.

Digitale Kunst ist anders: In interaktiven Medien lassen sich künstlerische Ideen anders umsetzen und transportieren. Für den Betrachter wird Kunst durch die Interaktion im wahrsten Sinn des Wortes begreifbar und gestaltbar. Er kann und muss in die Gestaltung eingreifen indem er die Darstellung steuert. Diese Form der Kunst ist bewegt und kann bewegt werden - bewegend. Die digitale Medienkunst selbst ein eigentlich nichts anderes als ein Hybrid aus den Verbindungen von Kunst und Technologie. Hybride Schöpfungen und Geschöpfe entstehen aus Neukombinationen und Verschmelzung moderner Technologien mit plastischen, bildlichen und akustischen Objekten.

29. September 2006: Pilgerreise, Jakobsweg von Göttweig nach Linz

PilgerreiseDer letzte Tag meiner Pilgerreise von Göttweig nach Linz ist gekommen. Ich breche nach einem köstlichen Frühstück in St. Pantaleon auf und marschiere nach Pyburg, überquere noch immer im Nebel die Donau bei Mauthausen, erlebe die Düsternis des Konzentrationslagers und gehe schon im Sonnenschein nach Kirchberg hinauf und dann weiter nach St. Georgen an der Gusen. Die letzen Kilometer vor Linz entfliehe ich dem brausenden Autoverkehr mit der Bahn.

Fünf Tage lang habe ich ein wunderbares Stück des Jakobswegs begangen, 170 Kilometer zu Fuß und mit mit alleine. Immer wieder überkommt mich auf meiner Pilgerreise das stürmisches Entzücken, das ich schon in meiner Kindheit beim Anblick einer Spätsommerlandschaft empfunden habe. Es ist diese entzückende Traumherrlichkeit der unendlichen Wege und Pfade durch Wiesen, Felder, Wälder und Weiler, über Bächlein und am Strom entlang, den man spürt, auch wenn man ihn nur selten sehen kann. Darauf aufgefädelt wie auf einer Perlenkette unendlich viel Beglückendes: Fichten, Buchen, Eichen, Blumen, Gräser, Steine. Die vielfältigen Daseinsbeweise von Käfern, Fliegen, Hornissen, Spinnen, und Schmetterlinge. Die Wirklichkeit von Fröschen, Salamandern, Rehen und Vögeln. Rund um die Dörfer Zwetschgenalleen, Streuobstwiesen, gelbe Mostbirnen und Bäume mit roten Äpfelchen am Straßenrand. Auf Waldlichtungen bunte Falter auf Springkraut. Fast lasse ich mir zu wenig Zeit zum Verweilen und Schauen, will ich doch meine vierzig Kilometer am Tag schaffen und von Vielem auch noch die Photonen auf Datenträger bannen.

Weiler und Dörfer mit verstreuten Hausnummern, sogar Marktflecken mit einem unglaublichen Durcheinander der Nummerierung der Häuser. Hier gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel, außer den Bussen, die nur an Schultagen morgens ins Donautal fahren und mittags wieder zurückkommen.

Einmal komme ich in der Vormittagssonne durch ein Dorf und höre aus der Volksschule immer wieder lautes Lachen der Kinder. Kinderlachen ist die Musik unserer Zukunft.

Nun tauche ich wieder in das Lärmen und Treiben der Großstadt ein. Nun ist für mich die Welt der Natur wieder dahin. Hier haben die Menschen ihren eigenen Lebensraum geschaffen und die Natur hinausgedrängt, gedeihen und wachsen darf nur, was geplant und gepflegt wird. Hier heißt es, Augen und Ohren zu verschließen, um nicht zu sehen und zu hören, was man nicht will. Die letzen fünf Tage war es nicht nötig gewesen, mich der Umwelt zu verschließen, ganz im Gegenteil war es eine Zeit, in der ich alles in mich hineingesaugt habe.

25.September 2006: Beginn einer Pilgerreise

ActoidMein Rucksack ultraleicht gepackt mit insgesamt nur 4½ kg für alles, was ich für fünf Tage und 170 km Wegstrecke mit mir tragen muss. Seit Tagen habe ich alles zusammengetragen und optimiert, wichtig waren Gewicht und Funktionalität. In den 4½ Kilo sind enthalten: ein kg Rucksack, Musikinstrument, Jagdmesser, Schweizermesser, Handy-Ladegerät, Taschenlampe, Unterwäsche, Regenbekleidung, Buch, Nessesair, Reiseapotheke und, und, und.

Heute will ich mit Zug und Bus nach Paudorf und dann geht es weiter über Göttweig und Mautern zur Ferdinandswarte, durch den Dunkelsteinerwald nach Maria Langegg, hinüber zur Ruine Aggstein und schließlich hinunter nach Ardagger Dorf.

16. September 2006: Rusalka

Ein wundervoller Nachmittag in Pressburg, die Einheimischen nennen ihre charmante Slowakische Hauptstadt auch flapsig Blava. Durch alte Gassen und Plätze bummeln, manchmal fallen einige Regentropfen. Ein köstliches Mittagessen im "Kelt" vor der Oper und zwischendurch im "Café Mayer", einem k.u.k Kaffeehaus. Später die beeindruckende Vorstellung von Rusalka in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

Actoid vor den VorhangRusalkas lyrischer Sopran trauert in überraschendem, wunderbar solidem Stimmgold. Um die Nixe herum drehen sich singende Wasserwesen in heller Mondnacht auf einer Wiese am Waldsee. Sie liebt einen Prinzen, der hin und wieder in ihrem See badet und der zu ihrem Schicksal wird, wie sie zu seinem. Die Liebenden gehen aufeinander zu und der Weg führt unentrinnbar ins Verderben. Eine wundervoll traurige Oper, perfekt aufgeführt im beschwingten Opernhaus von Bratislava.

11. September 2006: Steinzeitgöttin

VenusVenuspüppchen geile Knolle
Brüste üppig, Hüften rund
Steinzeitgöttin kerngesund
auf dem Köpfchen feine Wolle

Venusbist viel Tausend Jahre alt
Figürchen süß und rund
aus Willendorf der Fund
in längst vergangner Wohlgestalt

7. September 2006: Die Weberischen

MozartDie Weberischen, eine köstliche Persiflage der Beziehung Mozarts zu den Frauen der Familie Weber, denen er unentrinnbar ins Netz gegangen war.
Schaurig schönes Stück, ständig schwarzhumorig spaßig, schließlich satirisch spitz, später schmerzlich schicksalhaft. Schikaneders Schroffheit schafft schaurig schöne schockierende Scheinwelten. Spärliche Schablonenhaftigkeit, Scheinheiligkeit, Schamesröte. Stets schaurig schräg, schillernd scharf.

4. September 2006: Mein Zwölfkilometerlauf

WellnessJogging von Mödling nach Baden mit den neuen Adidas-Watsmann in 1h30' mit Sonne, Wind und Wolkenrasen. Die Laufstrecke geht praktisch die gesamten 12 Kilometer durch Weinberge, die ich mit Leichtigkeit bezwinge. Ich habe erstmalig meinen winzigen Laufrucksack mit, der voll gepackt mit Trainingshose, Funktions-T-Shirt, Kapuzenjacke, Brille und Handy gerade 1000 g schwer ist; Jeans und T-Shirt aus Baumwolle wiegen etwa genau so viel. Ich ziehe mich dann im Beethoven-Tempel um, Trainingshose und frisches T-Shirt. Eine füllige Frau, die gerade eintreten will, macht hastig kehrt und eilt den Hügel zur Stadt hinunter, ohne sich umzusehen. Ich genieße von hier heroben die Aussicht, während ich meine Stretching-Übungen mache. Der Kurpark sieht hinreißend aus, mit all seinen Blumen, Büschen, Bäumen und Baudenkmälern. Schließlich sitze ich noch eine Weile mit einem Eis auf einer Bank in der Fußgängerzone und genieße das Treiben um mich herum, bevor ich mit dem Zug einsteige und zurück fahre.

3. September 2006: Man muss die Frauen nicht verstehen

Der Frauenversteher
.
Du musst die Frauen nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
wie ein Jüngling im Weitergehen
der bei jedem Wehen
sich auf Blüten niederlässt.
.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Jüngling in den Sinn.
Er schart sie alle rund um sich,
betreut sie gerne freundschaftlich,
und wirft nach seine jungen Jahren
nach Neuen seine Blicke hin.
.
Die Himmelstür' die stand halb offen
man konnte schon die Engel sehn.
Nun scheint sie schon seit Tagen
auf ewig zugeschlagen.
in Bitternis und tief betroffen,
heißt es einfach weiter gehen.

1. September 2006: Rechtschreibreform in den 1970-er Jahren

XaverDie Versuche der Reform der deutschen Rechtschreibung in den 1970-er Jahren gingen von der sozialistischen Grundhaltung aus, dass Orthografie ein kapitalistisches Herrschaftsinstrument sei und dem Bildungsbürgertum dazu diene, den Unterschichten den Weg zur sozialen Gleichstellung zu verwehren. Diese Reform hatte vor allem die erbarmungslose Kleinschreibung der Substantive zum Ziel, verharmlosend als "gemäßigte kleinschreibung" angepriesen. Diese Umgestaltung der Rechtschreibung war politisch, nicht wissenschaftlich motiviert und sollte nach dem Willen der roten Regierungen in Deutschland und Österreich eine weltanschauliche Weichenstellung sein. Ein breiter Protest aus der Bevölkerung hielt schließlich die sozialistische Nomenklatura davon ab, des Vorhaben umzusetzen.

 

30. August 2006: Essen als Ersatzreligion

Die kurzweilige Kunst des KochensAbgesehen von Sex und Religion, gibt es wohl kein Gebiet, auf dem so viele Mythen, Glaubenssätze und Heilsversprechen existieren wie bei der Ernährung. Sich richtig und ausreichend zu ernähren ist heute eine Frage der eigenen Wahl und menschheitsgeschichtlich gesehen einfacher denn je. Neu sind die vielen unterschiedlichen Ess-Philosophien, die alle versprechen, der einzige Weg zu einem gesunden langen Leben zu sein. Damit steigt Essen, ursprünglich Kalorienzufuhr zur Erhaltung der biologischen Existenz, zur Ersatzreligion auf.

25. August 2006: Angels. All over

"Ein Stationentheater im Mödlinger Luftschutzbunker von Bruno Max. Mit Schutzengeln, Racheengeln, Erzengeln, Engelsboten, Engelsanbetern und gefallenen Engeln. Tief im Fels rücken sich die Engel in szenischen Collagen ins rechte Licht. Begegnungen auf einer seltsamen Wanderung durch christliche, jüdische und moslemische Mystik und urbane Legenden, Weisheiten aus Literatur, Tradition und Religionen. Kleine Besuchergruppen werden von 60 Engels-Schauspieler in die Geheimnisse dieser geheimnisvollen Lichtboten eingeführt.

24. August 2006: Cosi fan tutte

MozartkugelEin Zerrbild der Mozart-Oper "Cosi fan tutte" im Wiener Lustspielhaus im Prater. Eine Dialekt geschwängerte Bearbeitung des Stoffs, gedacht für einfache Gemüter und verbohrte Opernverweigerer. Dagegen produzierte die Löwinger-Bühne in den 1960-er Jahren spektakuläre Gesamtkunstwerke.

23. August 2006: SZ Kriminalbibliothek

Die Lust des HerunterlesensDie Süddeutsche Zeitung bietet 2006 eine Auswahl von 50 Kriminalromanen an, von denen ich wenigstens die Hälfte der Bändchen dieser Kriminalbibliothek lesen werde. Für mich als nachhaltiger Krimiverweigerer eine gute Möglichkeit diese Scharte auszuwetzen und das Genre halbwegs kennen zu lernen. Jedem gelesenen Buch habe ich ein persönliches Prädikat verliehen, das vor allem von einer literarischen Beurteilung ausgeht. Schade, dass viele der Büchlein vor Fehler im Schriftsatz nur so strotzen.

19. August 2006: Rekonstruktion einer Veranda

Noch viel zu tunAm Morgen in der Gärtnerei um einige Blumen zu kaufen. Wir verbringen einen wundervollen und anstrengenden Nachmittag damit die Pflanzen aus der Sommerfrische im Garten zu holen, umzutopfen und die Veranda neu herauszuputzen. Schließlich ist diese Licht durchflutete grüne Oase einer der beliebtesten Räume in unserer Wohnung.

17. August 2006: Das überrannte Hündchen

WellnessAm Morgen Jogging am Mödlingbach entlang bis zum Negerdorf, zum ersten Mal die nagelneuen Adidas-Watsmann an meinen Füßen, die ich bereits für die Herbst- und Winterläufe angeschafft habe. Das Laufwerk sitzen exakt und (im wahrsten Sinn des Wortes) wie angegossen, aber eben auch viel fester als meine wohnlichen Asics-Bullet. Sie sind wie eine Schweizer Uhr: präzise, stoßsicher, wasserfest und antimagnetisch.
Ich trete auf dem Rückweg einem Hündchen auf eines seiner Füßchen. Das Tierchen hatte sich beim Überqueren des Gehsteigs verschätzt und war mir direkt zwischen den Beinen durchgelaufen. Zu lange hatte sich der kleine weiße Hund an eine Mauer gedrückt, um dann plötzlich zu seinem Frauchen auf der anderen Seite des Gehsteigs zu wechseln.

16. August 2006: Kulinarisches Design

VenusUnsere Art konnte nur als Homo Sapiens kulinaris zu dem aufsteigen, was wir heute sind. Die Zubereitung der Nahrung durch Anwendung von chemischen und physikalischen Methoden sowie nach ästhetischen Gesichtspunkten ist eine jener typische menschlichen Eigenarten, die uns vom Tierreich trennt.

14.  August 2006: Jedermann

TheaterIm Festspielhaus eine Jedermann Aufführung mit Peter Simonischek in der Titelrolle mit einer großartigen Leistung eigentlich aller Mitwirkenden. Das Stück von Hugo von Hoffmannsthal ist leider das Gleiche geblieben. Eine abgeschmackte Geschichte vom Sterben des reichen Mannes, holpriger Text, schlecht gereimte Verse, aber mit Kultcharakter. Anschließend nach Umwegen noch ein Abendessen im Trumer Braugasthof.

13. August 2006: Grass mit SS

Auge rotFür mich ist der Günter Grass sowieso der typische SS-ler - immer schon gewesen. Einer der jahrzehntelang versucht durch sein scheinheiliges Gerede und Geschreibe zu verschleiern, dass er Mitglied der SS war. Die einen gingen einst nach Südamerika und die anderen zu den Linken um sich vor dem Zugriff der Gerechtigkeit zu schützen. Grauenhaft. Grässlich. Grass.

Ein Freund aus Wien kommt uns für zwölf Stunden in Seeham besuchen. Wir fahren mit ihm zur Kaiserbuche hinauf Mittagessen, machen nachher einen Spaziergang in Mattsee über den Schlossberg und an der Esplanade und schließen den Ausflug mit einer Kaffeejause beim Konditor Neuhofer ab. Morgen heißt es um vier Uhr früh aufstehen, denn um acht beginnt sein Dienst im Krankenhaus.

9. August 2006: Ausflüge

Reise zu den UrsprüngenMorgens mache ich mich auf den 8 km langen Weg nach Mattsee und zurück. Kleiner Bummel mit Leberkäsesemmel vom Metzger, dann Zeitung lesen, Kleiner Brauner, Brioche und Frühstücksgebäck im Café Neuhofer. Als ich von unserem Häuschen weggehe sind Himmel und Seen blau, beim Rückweg trüben sie sich ein wenig ein. Alles sonst ist grün. Nahgrün: gelbgrün, hellgrün, knallgrün. Ferngrün: blaugrün, dunkelgrün, hoffnungsgrün.

Mittags Aufbruch zum Ausflug nach Bad Ischl. Nach einer Stunde Fahrtzeit treffe ich Freunde kurz im Café Sissy als sie gerade Yellow-Press Magazine lesen. Wir aber sind weiter auf Schaufenster-Tour und die Freunde fahren wieder ab, ohne etwas mit uns zu unternehmen. Später treffen wir eine meiner Freundinnen wie verabredet beim Zauner an der Esplanade, eine weitere langjährige Freundin gesellt sich wenig später zu uns dreien. Später noch ein gemeinsames Abendessen unter der Laube des Weinhauses auf der gegenüber liegenden Seite der Esplanade. Als es bereits dunkel ist, fahren wir gemütlich in einer Stunde nach Hause.

8. August 2006: Grabenseerunde

WellnessIn aller Frühe Jogging rund um den Grabensee, an den Füßen Asics-Bullet, den Körper im ersten Sonnenschein seit Tagen bei kühlen 17 °C. Die Pfadfinderpopulation am Zellhof ist durch die letzten sieben Regentage stark geschrumpft. In der Birnenallee und auf der Waldstraße lassen sich die Pfützen noch umgehen, doch das feuchte Nordende des Grabensees am Ausfluss der Mattig und die Wiesenwege bis Perwang sind total durchnässt. Insgesamt ein wunderbarer Lauf durch verschiedene Landschaften und Biotope. Eines dieser einzigartigen Naturerlebnisse als Laufstrecke.

Mittags wollen wir nach Salzburg, doch das Auto startet nicht und so schiebe ich es den Berg hinunter, es springt aber trotzdem nicht an. Ein Nachbar gibt uns Starthilfe und es geht los nach Salzburg. Das Orgelkonzert im Dom ist versäumt und so treffen wir uns mit Freunden in Stiegls Brauwelt und sehen uns die Ausstellung an. Anschließend noch Tomaselli und ein Stadtbummel, bei dem es wieder zu regnen beginnt. Zum Abendessen gibt es (vom Erlach mitgebrachte) Fleischlaibchen mit Bratkartoffeln.

7. August 2006: Stimmungen

Der Regen bringt die Seenlandschaft in eine psychedelische Stimmung, hebt sie ab von den Allerwelts-Urlaubsgegenden mit dem immerblauen Himmel und Seen, die von immerfröhlichen jungen Leuten dynamisch besportet werden. Hier im Flachgau siedelt ein Tourismus, der sich in die Landschaft und das Leben der Menschen eingliedert und nichts stört.

WebdesignMein Scriptorium hier habe ich direkt vor dem dem großen Wohnzimmerfenster aufgebaut. Mein Notebook steht auf einem Schubladenschränkchen, sodass ich im Stehen arbeiten und die Landschaft genießen kann. Über meinem Bildschirm das schmales Wäldchen hinter der grün-grün gestreiften Wiese, links und rechts davon die Wasserfläche des Sees. Rechts in einer Bucht Bootskörper und Masten von Segelschiffchen. Über allem die zarten Silhouette der Hügel, die im Morgengrau sanft in den Himmel übergehen. Jeder Regenguss zieht einen dünnen Schleier zwischen mir und der Landschaft vor, jeder Sonnenstrahl bringt das Grün der Wiesen zum Leuchten.

MozartMittags fahren wir in die Stadt Salzburg. In der Neuen Residenz wird ein witziger Filmverschnitt verschiedener Aufnahmen der Entführung aus dem Serail gegeben. Leider ist die Aufnahmequalität so schlecht wie die der Pornofilmchen aus den 1960-ern. Das Wetter ist schöner geworden und in der Sonne ist es richtig heiß. Im Stieglbräu hoch über den Dächern ein Bier mit Brezel und dann noch einen kleinen Bummel durch die total überfüllten Gässchen der Altstadt. Am Abend dann noch zum Kreuz hinter dem Haus, um die Aussicht im Sonnenuntergang zu genießen. Über dem Mattsee steht ein beeindruckender Regenbogen.

6. August 2006: Regen, Regen, nichts als Regen ...

... so weit das Auge reicht, hier eben über den Obertrumer See bis nach Mattsee hinüber. Die Aussicht vom Wohnzimmerfenster auf den See ist dennoch fesselnd, Stimmung und Farbe wechseln jede Stunde. Die Nebelfetzen in den bewaldeten Bergen hinter dem See lösen sich auf. Nachmittags ein Ausflug genau dorthin nach Lochen und zum gotischen Kirchlein von Gebertsham, dann in Mattsee im Bajuwarendorf in der Schützen-Ausstellung und eine ausgedehnte Jause in der Café Konditorei Neuhofer.

4. August 2006: Familienbesuch

Der Familienbesuch ist nun unter großem Dauerwinken abgereist, einige Tage hatten wir zu sechst das kleine Häuschen bewohnt. Wegen des Dauerregens hatten wir fast die ganze Zeit im Haus verbracht, trotzdem war die Besuchszeit fröhlich und ausgelassen. In einer Stunde ist unser hübsches Häuschen wieder blitzblank und aufgeräumt. Und gegen Mittag blinzelt die Sonne auch wieder aus den Wolken. Am Nachmittag noch ein Ausflug nach Laufen und Freilassing, aus dem wir wegen des plötzlich einsetzenden Starkregens bald wieder flüchten.

1. August 2006

Reise zu den UrsprüngenIn der Nacht heftiger Regen, doch ab 10h kommt bereits wieder die Sonne durch und die Wolkenbilder vor den niederen Tauern wechseln rasch. Der See unter uns zeigt sich nur mehr grau und nicht mehr bleiern, in zwei Stunden wird er wieder spiegelnd klar sei. Das helle Grün der Wiesen zwischen unserer Terrasse und dem See ist strahlend. Die große Südterrasse fast schon trocken.

Wellness12h meine erstes Jogging rund um den Grabensee, an den Füßen die Asics-Bullet und trotz Umwegen in 58'43" dazu leichter Regen bei 25 °C. Die Strecke geht abwechslungsreich neben und auf der Straße, am Seeufer, durch dunklen Wald, über Brücken und Stege durch den Schilfgürtel, über Fraham - Zellhof - Randstätt - Rödhausen - Gransdorf - Fraham.

Nachmittags regnet es wieder stärker. Abends können wir wieder auf der Terrasse sitzen und den Sternenhimmel bewundern, wir sehen eine Reihe von Satelliten und einige Sternschnuppen.

 
30. Juli 2006: Höllenangst

TheaterAbends sehen wir eine großartige Höllenangst im Salzburger Landestheater. Das Nestroystück ist kaum wieder zu erkennen. Von Martin Kusej in seine Einzelteile zerlegt, poliert und wieder zusammengebaut. Eine jene ernsthaften Inszenierung, die Nestroys selten gespieltes Werk wieder einmal vorzeigt und bebildert. Insgesamt große Schauspielkunst unter Kusejs strenger Führung mit einem erstaunlichen Bühnenbild, das sich immer wieder für überraschende Ein- und Durchblicke öffnet.

29. Juli 2006: Start in den Urlaub

Die Abfahrt in den Urlaub ins Salzburger Land klappt bestens, ein fröhlicher Start bereits vor 9h. Ab Linz regnet es, zum ersten Mal seit sechs Wochen. Im Flachgau haben anscheinend alle Bauern die Gelegenheit genutzt und Jauche auf den feuchten Böden ausgebracht, nun stinkt es im ganzen Land. Wir sind noch vor 12h in unserem Häuschen in Seeham, wo wir bereits von den Vermietern erwartet werden. Inzwischen schient wieder die Sonne.

Unser Holzhäuschen ist stilvoll-gemütlich, traditionell ausgestattet und mit allen Segnungen des 21. Jahrhunderts: Kabel- und SAT-TV. Türöffner für die Gartentüre, damit man für Besuche nicht die 72 Stufen auf und ab laufen muss. Die winzige Küche ist neu eingerichtet, nur der Geschirrspüler fehlt - alleine schon deshalb, weil kein Platz dafür ist. Die Schlafkammer hat gerade Platz für zwei. Am Dachboden ist ein Matratzenlager für sechs Personen. Im Wohnzimmer steht ein Kachelofen, der uns an den folgenden kalten Tagen Wärme spenden wird.

28. Juli 2006: Reisevorbereitungen

Schleppe alle Pflanzentöpfe aus Wohnung und Veranda in den Vorgarten, wo ich sie an einem schattigen Platz unter der finsteren Eibe deponiere, damit sie während unserer Abwesenheit gepflegt werden können.

Bereite noch das Essay über kulinarisches Design vor. Nachdem alles gepackt ist, gehen wir ins Mautswirthaus essen.

18. Juli 2006: Sommergefühl

Reise in den SüdenDer Sommer dauert nun bereits drei heitere Wochen an und noch ist kein Ende abzusehen. Das Sommergefühl hat sich bei mir scheinbar dauerhaft festgesetzt, nachdem ich die Sommerzeit bereits vergessen hatte, weil der Sommer zwei Jahre ausgefallen war. Dieses Sommergefühl meiner Kindheit hat sich in meinem Bauch eingenistet, als wären alle Endorphine der Welt in mein Blut geschossen. Und aus Erfahrung weiß ich, dass ich mir bald das Sommergefühl zurück wünschen werden. Ich werde wieder lange von dem Gefühl zehren müssen, das ich nun habe, wenn ich mich in meinen weißen Jeans und den weißen Schuhen in der sonnendurchfluteten Landschaft ergehe oder zwischen den sonnenwarmen Mauern der Stadt bummle und unter Sonnenschirmen zum Kaffeetrinken und Plaudern innehalte.

16. Juli 2006: Lauferfolg und Theaterplage

WellnessIch bin erstmals seit zwei Jahren wieder 20 km in einer Woche gelaufen. Immer habe ich noch kleinere Gehstrecken in meinen Läufen, da ich nicht nur im aerobischen Bereich traben will. Es macht mit Spaß ins Anaerobe richtiggehend hinein zu laufen, doch dann müssen Puste & Puls eben wieder normalisiert werden. Die 7.000 m Tour/Retour zwischen Goethegasse und Negerdorf laufe ich nun endlich wieder in einer Zeit von knapp über 40 Minuten.

XaverNachmittags in der Franzensburg im Park von Laxemburg "Der eingebildete Kranke", nach Moliere - ich betone "nach". Eine wahrlich jämmerliche Bearbeitung eines grandiosen Stückes der Weltliteratur.
Prädikat: grottenschlecht mit Schauspielern, die sonst Besseres geben.

4. Juli 2006: Playground

Im Spielraum der Puzzles tut sich Erfreuliches, denn es gibt drei neue Kopfnüsse, die einen besonders hohen Schwierigkeitsgrad haben: Ringpuzzle-Dreier, Ringpuzzle-Vierer und Varicube.

1. Juli 2005: Sangesfreuden

Das Konzert mit Jing Jing Li begleitet von Ivana Alkovic beim Heurigen Lupo ist wieder einmal köstlich. Auch diesmal wieder die Melodie "Oh du lieber Augustin" mit dem wienerischen Text und als chinesisches Liebeslied. Jing Jing hat sich zu einer Operetten-Soubrette entwickelt, die das Wienerlied perfekt bringt.
Unglaublich welche Stimme dieses Persönchen hat.

 
26. Juni 2006: Donauinselfest

Den Abschluss des Donauinselfestes bildet in diesem Jahr erstmals ein "klassisches" Konzert der Wiener Symphoniker, trotz Mozartjahr weniger Mozart als Strauß. 250.000 Menschen sind in dieser Sommernacht auf die Donauinsel gekommen, um die wundervollen Klänge zu genießen. Hier kann sich das Rote Wien von seiner besten Seite zeigen.

25. Juni 2006: Idomeneo

TheaterEine großartige Aufführung des Idomeneo im Theater an der Wien, allein Neil Shicoff singt völlig daneben: er glaubt sich offenbar in einer Verdi-Oper. Er ist bestimmt ein großartiger Sänger, aber diese Stimme wirkt in einer Mozart-Oper befremdlich, ja sogar albern und die lauten Buh-Rufe kriegt er völlig zurecht für seine ärgerliche Leistung. Die Bebilderung des Geschehens ist erstaunlich stimmig und ergreifend. An diesem Abend genieße ich die Musik Mozarts ganz besonders: Erstens weil die Musik gerade dieser Oper zeigt, wie weit der 25-Jährige mit seinen Klängen und der Auffassung des Stoffs seiner Zeit voraus war. Zweitens, wie zusammenklingend Mozart den Stoff und das Libretto seiner drei Königsopern (Silla, Idomeneo, Titus) mit seiner Musik ausdrücken kann. Und drittens, für mich ganz alleine, dass ohne meinen Vorfahren Joseph Anton von Seeau diese wundervolle Musik nicht auf diese Welt gekommen wäre. Zum Abschluss des herrlichen Sommerabends bis Mitternacht noch zwei Gläser Rotwein auf der Terrasse vor der Brückenbar.

23.Juni 2006: Sonnenverwerter

ActoidSo wie mancher von sich behauptet, ein guter Futterverwerter zu sei, bin ein guter Sonnenverwerter und wenn draußen die Sonne nur ein bisschen scheint, werde ich sofort braun. Ich kann es nur schwer akzeptieren, dass ich eben ein guter Verwerter von UV-Strahlen bin und ich kann mich einfach nicht damit abfinden, so viel leichter und rascher braun zu werden, als andere und frage mich ernstlich, ob denn Gesichts- und Körperbräune meiner Gesundheit schadet und meine Lebenserwartung verkürzt.

20. Juni 2006 Traum von der Kamerafrau

Die Lust des HerunterlesensWir überholen einen riesiger Geländewagen, vorne sitz eine Frau hinter der Windschutzscheibe, an der eine Videokamera befestigt ist. Sie hat sich hinter das Kameraobjektiv geklemmt und filmt alles vor sich, was auf sie zukommt. Später treffen wir sie mit ihrem Mann auf einem Rastplatz und bekommen eine Einladung zu ihnen nach Hause. Bei der Weiterfahrt drückt sich die zarte Frau wieder hinter die Kamera, der vom wuchtigen Ehemann gelenkte Wagen rechts gesteuerte, wie ein Fahrzeug des Straßendienstes. Wir fahren hinter dem schwarzen Riesenauto her, bis wir von der Landstraße über verwinkelte Nebenstraßen zu einem Gehöft an einem Fluss gelangen. Erst einmal gibt es ein ausgedehntes Mittagessen an einem wuchtigen Tisch, der in der Tenne aufgestellt ist. Später wandern wir plaudernd an der Stromschnelle hinauf, in grauem Wetter den Bergen entgegen. Links von uns das dunkle Wasser, das in einem engen Felsbett hinunter schießt, auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses düsterer Wald, vor uns hellgrüne sanfte Hügel. In meinem Gespräch mit der hageren Blondine geht es um den Lebensraum des Wohnens, ob man sein Leben im Gebirge oder in der Ebene, am Land oder in der Stadt reizvoller verbringen kann.

16. Juni 2006 Der 90. Geburtstag meines Vaters

VatiMein Vater war immer so stolz auf des Datum seines Geburtstags - der 16.6.1916 - und heute wäre er 90 Jahre alt geworden. Vor Jahren habe ich die Geschichte meines Vaters aufgezeichnet, dabei geht es um den Zeitabschnitt vor meiner Erinnerung, von seiner Geburt bis zur Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Gestorben ist er am Karfreitag des Jahres 1992.

8. Juni 2006 Meine Küchentechnik: Als ich das Kochen erlernte

MuttiFür mich ist Kochen zugleich Liebhaberei und Notwendigkeit. Kochen gelernt habe ich mit acht Jahren von meiner Mutter und das kam so: Mutti macht hin und wieder einige Tage Urlaub vom Familienstress. Als engagierte Lehrerin gibt es für sie beruflich genug zu tun. Dazu kommt, dass sie wie damals selbstverständlich auch die vierköpfige Familie zu versorgen hat: Kochen, waschen, putzen. Das Kochen ist Muttis alleinige Obliegenheit. Am Waschtag kommt eine Wäscherin ins Haus, die von sieben Uhr an den eingemauerten Kessel heizt, darin die Wäsche in der Lauge umrührt, auf der Wäscherumpel schrubbt, im kalten Wasser schwemmt, sie schließlich auswringt und zum Trocknen auf die Wäscheleine hängt. Die Putzfrau wischt einmal in der Woche die Fußböden der Wohnung. Aber an diesen Tagen gibt es einen Esser mehr, denn Wäscherin und Putzfrau müssen mit Frühstück, Jause und Mittagessen versorgt werden.

Diese Überlastung und ihr Wunsch wieder einmal mit ihren Verwandten zusammen zu sein, ist der Grund, dass Mutti in den Sommerferien für einige Tage in weit entfernte Städte zu einer ihrer Schwestern fährt. Vati nimmt das hin, kann aber nicht verstehen, warum seine Frau ihn und seine beiden Söhne für einige Tage alleine lässt. Er übernimmt die Küche und kocht für uns, doch kann er nur zwei Speisen zubereiten: Erdäpfelschmarren und Würstelsuppe. Erdäpfelschmarren als Hauptspeise ohne Sauerkraut ein Stück Fleisch oder Wurst ist mir als eine ziemlich trockene Angelegenheit in Erinnerung geblieben. Ganz anders die Würstelsuppe, die dadurch entsteht, dass man Weißwürste und Nudeln in kochendes Wasser gibt und dann nach zehn Minuten mit einem Schöpflöffel auf einen Suppenteller türmt. Diese Art des Essens wird am dritten Tag unerträglich und so entschließe ich mich, das Kochen zu erlernen. Als Mutti endlich wieder zurück kommt, fange ich an mit ihrer Hilfe zu kochen. Nach wenigen Tagen kann ich einfache Speisen wie Nudeln, Reis, verschiedene Erdäpfel- und Eiergerichte, gebackenen Seefisch, Naturschnitzel, Fleischlaibchen und Braterdäpfel zubereiten. Schließlich unterrichtet Mutti nicht nur Deutsch und Stenographie, sondern am liebsten Hauswirtschaft.

7. Juni 2006 Meine Küchentechnik: Küche und kochen

ActoidDer Mensch benötigt für all sein Denken und Handeln Energie, die in Form von Speisen und Getränken dem Körper zugeführt werden muss. In der gesamten Menschheitsgeschichte konnte dieser Energieerwerb nur unzureichend durchgeführt werden, erst seit dem 20. Jahrhundert kann für einen erheblichen Teil der Erdbevölkerung ausreichend Nahrungsenergie in ungekannter Qualität gewonnen werden. Die Aufbereitung dieser zum Verzehr geeigneten Energieträger bezeichnet man allgemein als "kochen". Dabei ist die Energiezufuhr nur ein Aspekt. Genießer haben erhöhte Anforderungen an Auswahl, Zubereitung und Geschmack der Speisen und die Ästhetik der Umgebung, in denen Speisen und Getränke genossen werden. Essvergnügen ist eben nicht nur mehr als Nahrungsaufnahme, sondern Kultur auf höchstem Niveau.

Küchen im eigenen Haushalt können Oasen für Feinschmecker sein, in der Ernährungswüste einer sich nivellierenden Gesellschaft, die sich in immer größerem Ausmaß mit standardisierten Speisen der Burgerbuden und von Convenience-Produkten ernährt. Ein immer größerer Teil des Kochens ist heute in Manufakturen und Fabriken ausgelagert, die Gestaltung vieler dieser Speisen ist international und wird in Labors durchgeführt. Weltweit entsteht dadurch ein Einheitsbrei, der zwar zur Kultivierung etwa der beklemmenden britischen oder dumpfen deutschen Küche durchaus beiträgt, in der französischen, italienischen und der österreichischen Küche aber bleibende Schäden anrichtet. Diese Gleichschaltung der Essgewohnheiten ist eines der Ergebnisse der Industrialisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung. Dem gegenüber steht jedoch das unglaublich günstige Preis-Leistungsverhältnis von Nahrungsmittel, das es in der gesamten Menschheitsgeschichte noch niemals gegeben hat.

Doch die Wende ist zum Glück längst eingeleitet, lokale Köstlichkeiten sind wieder in Mode gekommen und zu erschwinglichen Preisen zu haben. Die Fernsehköche sind wieder jung, taff, kreativ und manche von ihnen weltberühmt. Ganz gleich ob im Innviertel oder in der Toskana, lokale Küche war und ist aktuell und die lokale Kochkultur hat Bedeutung über die Landesgrenzen hinaus.

6. Juni 2006 Meine Küchentechnik: Silberputzmittel

Actoid im SpiegelSilber läuft an, indem es Schwefelverbindungen eingeht. Dabei verbindet sich der Schwefel aus der Luft mit Silber zu einem braun-blau-schwarzen Belag. Die Reaktion erfolgt dabei mit Schwefelwasserstoff H2S, der das elementare Silber zu Silbersulfid (Ag2S) oxidiert:
  4 Ag + 2 H2S + O2 → 2 Ag2S + 2 H2O
Licht, höhere Temperaturen, Feuchtigkeit, Sauerstoff und Schwefelspuren in Lebensmittel beschleunigen diesen Prozess.

Nun zur Abhilfe: Man nimmt ein flaches Gefäß aus Glas, Porzellan oder Kunststoff und legt Alufolie hinein - mit der rauen Seite nach oben. Dann gießt man sehr heißes Wasser darauf und löst etwas Salz vollständig darin auf, je nach Wassermenge ein bis drei Esslöffel. Anschließend legt man das Silber auf die Alufolie. Bald bilden sich am Silber Bläschen, der schwarze Belag verschwindet, das Silber erstrahlt wieder in neuem Glanz und das Wasser riecht anschließend penetrant nach Schwefel. Der Silbersulfidbelag hat sich wieder in die beiden ursprünglichen Bestandteile Silber und Schwefel zurück verwandelt.
Dieser Prozess findet auf elektrischem Wege statt. Silber und Alufolie bilden ein so genanntes Lokalelement, in dem sich eine elektrische Spannung von etwa 0.7 Volt aufbaut. Der dadurch entstehende galvanische Strom im Milliampere-Bereich bewirkt, dass das Silber in dem schwarzen Silbersulfidbelag wieder in reines Metall zurück verwandelt wird, das Aluminium wird dabei zersetzt.

5. Juni 2006 Meine Küchentechnik: Holzkochlöffel

Die kurzweilige Kunst des KochensDer gute alte Holzkochlöffel hat auch heute noch seinen Platz in der Küche. Holz ist ein schlechter Wärmeleiter und eine Wohltat für die Oberfläche des Kochgeschirrs. Kochlöffel und Spatel aus Holz lassen sich mit Glaspapier immer wieder glätten und restaurieren. Den letzen Kochlöffel aus Kunststoff habe ich bereits vor vielen Jahren ausgemustert.

4. Juni 2006 Meine Küchentechnik: Geräte

Noch viel zu tunMeine treueste Küchenmaschine sind Ceranfeld und Backrohr meines Herds, der mich 30 Menüs für einen schönen Abend mit Freunden herstellen lässt.
Meine begabteste Küchenmaschine ist der Geschirrspüler, der mir die Zeit für kreativere Tätigkeiten als Abwaschen schenkt.
Mein Pürierstab verwandelt Gemüse in feinen Pasten, bereitet zarte Saucen und macht aus Ei und Öl köstliche Mayonnaise. Der Kopf meines Pürierstabs ist aus Metall, damit ihm Hitze und Gewürzfarben nichts anhaben können.
Mein Mörser ist aus weißem Porzellan und zerkleinert Kräuter und frische Gewürze ohne Aromaverlust.
Mein Thermofühler zeigt mir die Temperaturen im Inneren des Bratens an.
Mein Sparschäler schält nicht nur Äpfel, Erdäpfel, Gurken und Karotten, sondern fabriziert auch die hübschesten Parmesanflocken.
Zur Grundausstattung gehören selbstverständlich auch Alltagsgeräte wie Espressomaschine, Wasserkocher und Toaster.
Mein Gurkenhobel formt Kohlrabi, Gurken und Karotten zu Scheiben, Stiften, und Stiftchen.
Ein barbarisches Küchengerät ist die Brotschneidemaschine, denn man schneidet Brot mit einem langen Messer mit Wellenschliff, das stiehlt keinen Platz auf der Küchenplatte.
Das abscheulichste alle Küchengeräte ist das Elektromesser, das immer nur dort zum Einsatz kommt, wo unbeirrbare Verweigerer richtiger Küchenmesser agieren.
Die Mikrowellen-Kiste verwende ich nur zum Aufwärmen von Gemüse, denn zum Garen von Speisen ist sie ziemlich ungeeignet, außer man verabscheut Geschmack und liebt Gesottenes.

3. Juni 2006 Meine Küchentechnik: Messer

Die kurzweilige Kunst des KochensDas am häufig gebrauchte Schneidewerkzeug in der Küche sollte das Chefmesser sein, mit einer Klinge von nicht unter 20 Zentimeter Länge. Es lohnt sich mit dem Wetzstahl umgehen zu können, mit etwas Übung erzielt man damit unglaubliche Ergebnisse, sowohl was die Schärfe als auch das Aussehen der Klingen betrifft. Stumpfe Messer erfordern mehr Kraftaufwand und man kann sich dann durch Abrutschen leicht verletzen.

Die Messer meiner Mutter

Bei meiner Mutter hatte ich eine merkwürdige Art des Schneidens beobachtet, bei der sie eine gebückte Stellung einnahm und das Küchenmesser mit großer Anstrengung nach unten drückte, während sie schnitt. Dabei hielt sie mit Daumen und Zeigefinger den obersten Teil der Messerklinge krampfhaft fest. Der Grund dafür waren die zu kleinen und zu stumpfen Messer, mit denen sie sich abplagte.
Irgendwann, als ich einige Tage bei meinen Eltern zu Besuch war, konnte ich ihrem Säbeln nicht mehr zusehen und ich entschloss mich zu einer Radikalkur: Ich ersetzte ihre, an Gemüsemesserchen erinnernden, "Schneidewerkzeuge" durch vier richtig Küchenmesser - das Chefmesser mit einer Klinge von 23 Zentimeter - und einen Wetzstahl. Meine Mutter war über mein Tun ziemlich verärgert, da nützte es gar nichts ihr Lieblingssohn zu sein. Doch ich konnte ihr die alten Messer nicht mehr zurückgeben, denn ich hatte sie vorsorglich weggeworfen.
Anfangs wetzte ich die Messer und sie schnitt sich immer wieder in den Zeigefinger, weil sie es gewohnt war, den Finger gleich unter dem Griff auf die Messerschneide zu pressen, um besser drücken zu können. Nach wenigen Tagen konnte meine Mutter mit den Messern und dem Wetzstahl umgehen und jedes Mal, wenn ich wieder zu Besuch kam, sagte sie mit, wie glücklich sie mit den neuen Messern sei. Meine Mutter war damals 72.

2. Juni 2006: Der Meister und Margarita

TheaterDas Burgtheater gibt im Kasino Schwarzenbergplatz "Der Meister und Margarita" in einer wundervollen Inszenierung. Schrullig, dynamisch und herzzerreißend - eine Bilderschau so berauschend, als hätte es Peymann an der Burg nie gegeben. Einfach ein wundervoller Theaterabend, makellos wie schon lange nicht mehr.

Projektgestaltung als HerausforderungNach dem Theaterbesuch fahren wir mit der Schnellbahn (die seit Anfang des Jahres im Bundesbahndialekt Ess-Bahn heißt) nach Hause. Ein junger Mann muss anscheinend dringend aufs Klo, stellt sich vor die von innen versperrte WC-Türe und wartet. Schließlich wird er ungeduldig und beginnt in immer kürzeren Abständen gegen die Türe zu klopfen. Nach einer Weile geht die Türe auf, eine junge Frau kommt heraus, setzt sich in das Abteil und beginnt zu erzählen: "Ich bin mit dem Rucksack gegangen und wie ich ihn herunter nehme ist das Fach leer." Sie hält ihren Rucksack in der Hand und öffnet den Zipp der Vorderfaches. "Mir haben sie alles gestohlen: Das Geld, die Bankomatkarte, den Führerschein, die ÖBB-Jahreskarte und den Zulassungsschein vom Moped." Alle Leute in Hörweite haben nun ihre Aufmerksamkeit auf die hübsche Frau gerichtet und sie setzt nach: "Wissen Sie was das kostet, mindestens zweitausend Euro - alleine die Jahreskarte kostet tausendzweihundert!". Nun kommt der junge Mann wieder aus dem WC, die Frau steht auf und sagt, während sie durch die Türe geht: "Fahrschein habe keinen und schwanger bin ich noch dazu." verschwindet in der Kabine und schließt ab.

Meine Küchentechnik: Kochkunst naturwissenschaftlich erklärt

Die kurzweilige Kunst des KochensVor dem Theaterbesuch finde ich beim Stöbern in einer Buchhandlung zwei spannende und ergötzliche Bücher über die naturwissenschaftliche Basis des Kochens: Eines vom britischen Physiker Peter Barham und eines vom französischen Chemiker Hervé This-Benckhard. Beide beschreiben das Kochen aus den Blickpunkten des Naturwissenschaftlers und behandeln die Zubereitung von Köstlichkeiten von Aspik bis Zitronenmousse. Endlich einmal Kochbücher, die mehr sind als eine bloße Sammlung von Rezepten. In der Piper-Ausgabe des Buchs von This-Benckhard steckt allerdings noch ein kleines Geheimnis: Nämlich, dass das die Rezeptsammlung mit naturwissenschaftlichen Erklärungen "Kulinarische Geheimnisse" komplett im enthalten ist.

Mit dieser Sommerlektüre sollte es mir gelingen in neue Tiefen meiner Liebhaberei einzutauchen. Es tut sich für mich eine neue Welt auf und plötzlich habe ich den Zugang zum physikalischen und chemischen Basiswissen der Kochkunst:
Hervé This-Benckhard: Rätsel der Kochkunst. Naturwissenschaftlich erklärt.
Springer-Verlag 1996, ISBN 3540611134
Peter Barham: Die letzten Geheimnisse der Kochkunst.
Springer Verlag 2003, ISBN 3540009086

1. Juni 2006: Läufig zum Sommerbeginn

WellnessDer meteorologische Sommer 2006 hat mit dem heutigen Tag begonnen und er lässt es sich ungeachtet des Regens und der lausigen 12 °C nicht anmerken. Trotzdem bin ich fünf Mal die Woche läufig und absolviere heute die 3.300 Meter meiner Marodenstrecke mit Bravour: My all time, best time mit 21'58". Ab nächste Woche ist wieder die 10.000 Meter Stecke dran, das wahre Stück für einen Langstreckenläufer.

 

31. Mai 2006: Quälgeister

XaverAm Vormittag habe ich funkelnagelneue Wanderschuhe getestet - hoher Schaft, braunes Rauleder, Profilsohle, weich gepolstertes Innenleben. Wegen heftiger Schmerzen über dem Knöchel ist bereits nach 70 Minuten Gehen und bergauf Laufen in Gumpoldskirchen ein Abbruch nötig. Die Druckstelle scheint werksseitig eingeplant, denn man hat genau hier in das Futter der Schuhe eine Naht eingearbeitet. Die Quälgeister sofort nach dem nach Hause Kommen verschenkt.

30. Mai 2006: Strategiespiel

Ein Spielchen gefällig?Mit "Würfel" eine neue Variante des Strategiespiels Same Game online gestellt. Ein Strategiespiel erfordert vom Spieler eine systematische Vorgehensweise, die möglichst den gesamten Spielverlauf berücksichtigt. Anders als bei purer Taktik geht es nicht nur darum, den vorangegangenen Spielzug bzw. den anschließend folgenden in seine Überlegungen einzubeziehen, sondern die Spielzüge im Voraus zu erwägen. Bei Strategiespielen gibt es abgesehen von der Ausgangssituation kaum Glücks- bzw. Zufallsanteile.

29. Mai 2006: Traum von Spanien

Die Lust des HerunterlesensIch habe geschäftlich in Spanien zu tun und komme aus dem grellen Sonnenschein über lichtlose Gänge in einen abgedunkelten Sitzungsraum in dem ich mit freundlich-interessierten, mir aber gänzlich unbekannten, Männern Projekte und Geschäftsabschlüsse erfolgreich verhandle. Am Wochenende will ich zum Ausklang der Geschäftsreise im spanischen Hochgebirge Schifahren. Eine ganze Tagesreise lang geht es durch eine mit Sonne beschienene grün-gelb gefleckte Hügellandschaft, bevor ich zu den Bergen komme. Nach einem langwierigen Anstieg über Fels geht es zum Schluss über ein unglaublich steiles Schneefeld, das ich nur in anstrengender Alpintechnik überwinden kann. Schließlich komme ich atemlos bei der Bergstation der Pisten und Seilbahnen an. Dort werden an einem Kiosk Schiausrüstungen ausgeliehen; ich habe einhundertdreißig Euro eingesteckt, doch die Leihgebühr der Schiausrüstung für einen Tag beträgt mehrere tausend Euro. Meine ganze Barschaft reicht schließlich gerade für ein belegtes Brot und eine Limonade, das Schifahren fällt aus.

22. Mai 2006

Reise in den SüdenNachmittags zum ersten Mal in diesem Jahr ein Sonnenbad unter Palmen im Stadtbad Mödling. Nach zwei Stunden flüchte ich bereits wieder vor einen Schlechtwetterfront, die sich die ganze Zeit schon durch einen unangenehmen Wind bemerkbar gemacht hatte.

21. Mai 2006: Zauberflöte

TheaterMozarts Zauberflöte, als Festwochenproduktion im Theater an der Wien, ersäuft in einer grindigen Inszenierung: Eine Opernregie-Erstlingsarbeit, die mit Mozart nichts am Hut hat. Ein Orchester, das nicht nur Probleme mit den Tempi hat. Stimmen, die einfach zu schwach für Mozarts Anforderungen an Sänger sind - ausgenommen der köstliche Papageno und auch die Pamina. Einfach erschütternd, wie man heutzutage ein bröckelndes Theater mit kläglichen künstlerischen Leistungen durch Busladungen füllen kann.

Viel zu viele der zeitgenössischen Künstler treten in diesem Jubiläumsjahr in Scharen gegen Mozart an. Sie benutzen das Mozartjahr dazu, um seine Musik mit ihren mageren Leistungen niederzuringen. "Seht her," scheinen uns diese Mozart-Gegner sagen zu wollen, "seht her, wie jämmerlich dieser Mozart doch in Wirklichkeit ist - genau so untalentiert wie ich."

15. Mai 2006: Die Gans von Kairo

Mozartkugel"L'oca del Cairo" (Die Gans von Kairo) in der Kammeroper ist eine Collage mit wenigen Kompositionen von Mozart. Der Rest sind Arrangements eines gewissen Stephen Oliver, die auch etwas mit Musik zu tun haben könnten. Das prachtvolle Finale aus Arien, Duetten, Terzetten, Quartetten, ... aus Mozarts Hand und das engagierte Ensemble entschädigen für das Ausharren bis zum Schluss.

13. Mai 2006: Die kurzweilige Kunst des Kochens

Die kurzweilige Kunst des KochensAb 19h herrscht in unserer Wohnung der Ausnahmezustand: Wir geben ein wundervolles Früh-Erdäpfelfest für 35 liebe Freunde. Die Einrichtung ist umgestellt, um ein Maximum an Sitzplätzen zu schaffen. Getrunken werden im Laufe des Abends 7 l Wein, 6 l Bier, 4 l Cola, 3 l Prosecco, 3 l Apfelsaft und 2 l Apfelmost.
Die Herstellung von über 100 Portionen in einer normalen Haushaltsküche bedarf trotz der ausgetüftelten Logistik einer Menge Handarbeit, will man weder etwas Alltägliches noch Convenience-Produkte aus der Schachtel zubereiten.
Der Speisezettel unseres Früh-Erdäpfelfests:
60 Portionen Topinambur-Suppe aus 5 kg herrlich orangefarbenen Süßkartoffeln, dazu 2 kg Schwarzbrot. Für die Suppe hatte ich gestern noch einen edlen 20 l Topf aus Edelstahl besorgt.
35 Portionen Backofengemüse auf vier Blechen, aus 7 kg ägyptischen Früherdäpfeln, 2½ kg roten Rüben, Gelbzwiebeln, Knoblauchknollen und bunten Paprikaschoten.
20 Portionen Auflauf aus übereinander geschichteten Erdäpfel- und Apfelscheiben mit ½ kg Zimtzucker und darüber Obers mit Crème fraîche.

Rezept: Backofengemüse
Zutaten für 6 Portionen:
2 kg kleine Erdäpfel
5 rote Rüben
4 Zwiebel
2 rote Paprika
2 gelbe Paprika
4 kleine Zucchini
2 Knollen Knoblauch
Französisches Heu
Olivenöl
Meersalz

Zubereitung:
Erdäpfel gut waschen und bürsten (nicht schälen), die größeren halbieren oder vierteln und auf ein Backblech geben.
Rote Rüben gut waschen und bürsten (nicht schälen) und in 2 cm dicke Scheiben schneiden. Zu den Erdäpfeln geben. Alles mit Salz bestreuen und Olivenöl beträufeln. Erdäpfeln und rote Rüben im Rohr bei 200°C mit Heißluft 25 Minuten garen.
Paprika und Zucchini waschen und in gefällige Form schneiden. Zwiebeln halbieren, ebenso die ganzen Knoblauchknollen. Die vorbereiteten Gemüse zum vorgegarten Gemüse auf den Backblechen geben. Mit Salz und beiden Rosmarinarten bestreuen, mit Olivenöl beträufeln. Nochmals 25 Minuten im Rohr garen.

11. Mai 2006: Die lösende Lust des Laufens

WellnessHeute habe ich 25' in herrlichem Sonnenschein gejoggt, meine kleine Runde durch die Südtirolersiedlung. Zum ersten Mal nach meiner Malaise mit der Achillessehne vor fast zwei Jahren (Juli 2004) laufe ich ohne jegliche Probleme der damals so beleidigten Achillessehne. Inzwischen musste ich das Joggen ganz aufgeben und ein abgebrochener Versuch vor einem Jahr hat ein schmerzhaftes Ende genommen. Nun habe ich nur die übliche Atemnot am Anfang einer Laufsaison, ein leichtes Ziehen in der linken Kniekehle und sechs Kilo mehr als vor zwei Jahren. Gegen all das hilft Jogging, Jogging, Jogging und ordentliches Stretching - bin nach dem Lauf fröhlich und richtig ausgelassen, weil diese gottverdammte schmerzhafte Achillodynie auf einmal und so überraschend weg ist. Vier Tage später laufe ich die Strecke bereits in knappen 22'40".

Die Achillessehne ist die größte Sehne des menschlichen Körpers. Zugleich ist sie auch die anfälligste für uns Läufer, denn beim Laufen muss die Achillessehne die gesamte Kraft beim Abstoßen des Fußes vom Boden auf den Körper übertragen. Das ist Schwerstarbeit für die Sehne, die leider auch nur eines sehr geringe Elastizität aufweist und Überlastungen nicht standhalten kann.
Die Hauptgründe für eine Achillessehnenverletzung liegen in einer verkürzten Wadenmuskulatur, wenn das Fersenbein beim Aufsetzten des Fußes nach innen oder nach außen kippt (Pronation) und zum Dritten durch falsche Laufschuhe.
Als Vorbeugung und als Therapie gegen Achillodynie helfen Dehnungen der Achillessehne mit gestrecktem und gebeugtem Knie, sowie die Auswahl der richtigen Schuhe. Wenn man zu Überpronation (nach innen knicken) oder Übersupination (auch als Unterpronation bezeichnetes nach außen überknöcheln) neigt, ist der richtige Schuh zur Unterstützung der Biomechanik besonders wichtig.
Da ich drei bis Läufe pro Woche absolviere, benutze ich abwechselnd drei Paar unterschiedliche Laufschuhe. Denn auch Beschwerden des Rückens, der Knie- und Sprunggelenke können ungeeignetes Schuhwerk als Ursache haben.
Und nicht vergessen: Am Beginn jedes Laufs warmlaufen und nachher Dehnungsgymnastik.

7. Mai 2006: Entführung aus dem Serail

Erlebe in der Neuner-Loge des Burgtheaters die Entführung aus dem Serail. Eine leider nur szenische Aufführung mit kleinen Höhen und breiten Tiefen. Für das Publikum gibt es wichtige Neuigkeiten: Man kann auch kopfüber hängend oder über den Boden robbend nicht besser singen als stehend oder gehend. Insgesamt fühle ich mich durch die Regie gefoppt und genieße dennoch den Abend. Trotz der Atmosphäre wie im Abu-Ghraib-Gefängnis auf der Bühne erwarte ich mit großer Vorfreude die fünf neuen Shakespeare-Inszenierungen der nächsten Spielsaison, über die ich beim Ausgang der Kaiserstiege einen schwarzen Schuber mit Programm-Büchlein, Poster und DVD erwerbe.

VenusWie immer vor dem Burgtheaterbesuch gibt es Wienerschnitzel und Bier im Einstein. Heute kann man endlich wieder unter den Kolonnaden sitzen. Am Nebentisch nimmt ein schöne Dicke mit Mireille-Mathieu-Frisur Platz. Als sie sich niedersetzt springt ein Knopf vom zu straff um ihren Bauch gespannten Mantel ab und sie kann ihn nur mit größter Mühe wieder aufheben. Aber da habe ich das Schnitzel und den Erdäpfelsalat auch schon aufgegessen.

6. Mai 2006: Strategiespiele

Ein Spielchen gefällig?In den letzten Tagen habe ich einige neue Strategiespiele online gestellt. Zuletzt eine einfache Variante des Klassikers Tetris. Onlinespiele können durchaus auch im Rahmen von Werbeauftritten eingesetzt werden. So ein Spielchen kann das Erinnerungsvermögen an ein Produkt oder auf einem Messestand die Aufmerksamkeit der Besucher steigern. Gezielt erstellte Spielkonzepte sind ein Instrument zur Kundenbindung, deinen dem Transport von Produktinformationen und des Unternehmensimages. Ein gutes Spiel ist immer unterhaltsam und wer spielt nicht gerne?

4. Mai 2006: Spaziergang

Einen Spaziergang von Mödling nach Baden und dann mit dem Zug zurück. Laufe die zwei großen Steilrampen hinauf und schlafe 15 Minuten in der Sonne beim Wasserwerkshäuschen. Eine dunkelbraune Äskulapnatter mit fast zwei Meter Länge getroffen, einige flinke Eidechsen auf eine sonnenwarmen Mauer in Gumpoldskirchen beobachtet und am Wegrand eine Alraunenwurzel gefunden.

 

24. April 2006: Baden und Lupo

WeinbergeAm frühen Nachmittag wandere ich von Mödling nach Baden und schaffe den Weg in etwas mehr als zwei Stunden. Die Hügel zeigen im Sonnenschein jetzt ihr hellstes Grün und die Frühlingsarbeiten in den Weingärten haben gerade begonnen.

Am Abend zum ersten Mal in diesem Jahr beim Heurigen Lupo im Garten, ich genieße den Roten und es ist so als hätte es keinen Winter gegeben: die gleichen Gäste kommen um die gleiche Zeit, genau wie im letzen, vorletzten und vorvorletzten Jahr. Manche scheinen sogar die gleichen Kopfbedeckungen aufzuhaben und das gleiche Einkaufssackerl in der Hand zu tragen wie in den letzen Jahren. Der hundertjährige Ahorn, der den ganzen Garten überdacht, lässt seine Pollen fliegen und ich kriege rote Augen. Später setzen sich noch einige Freunde an unseren Tisch, die sich hier miteinander verabredet hatten.

21. April 2006: Kapuzinergruft

Lese "Die Kapuzinergruft" von Joseph Roth in zwei Tagen aus. Eine merkwürdige Fortsetzung des Radetzkymarsch in der einige der dort ausgesparten Themen beleuchtet werden: Frauen, arme Verwandte, Kaffeehauskultur, Nachkriegselend. Viele der handelnden Haupt- und Nebenpersonen sind mit jenen aus dem Radetzkymarsch mehr oder weniger eng verwandt. Das dünne Büchlein ist insgesamt nur ein schwacher Abklatsch des Romans Radetzkymarschs und offensichtlich unter beträchtlichem Einsatz von Versatzstücken aus seinem Tagebuch, übrig gebliebenem Material vom Radetzkymarsch und Alkohol entstanden.

Den Roman "Hotel Savoy" habe ich nunmehr auf mein Notebook und lese ihn vorerst auf diesem Medium, diese Form hat einige Vor- und viele Nachteile.

17. April 2006: Radetzkymarsch II

Am Morgen lese ich die letzten Seiten des erschütternden Romans "Radetzkymarsch". Anschließend kläre ich noch einige Hintergründe: Der Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in Galizien stellte sich als Katastrophe, nicht nur für den Leutnant Trotta, heraus. Die Herbstschlachten gegen die Russen in Galizien brachten dem k. u. k. Heer enorme Verluste. Zirka 500.000 Desertierte, Gefangene, Vermisste und Gefallene stehen der Friedensstärke der k.u.k. Armee von 415.000 Mann gegenüber. Zur quantitativen Überlegenheit der russischen Verbände kamen ihre hervorragenden Maschinengewehre und die weit tragenden Geschütze. Trotz einiger gelungener Operationen ging unter der russischen Dampfwalze bereits 1914 der größte Teil Galiziens verloren und es kam zum Rückzug der Österreicher zum südwestlichen Karpatenbogen. Die Schulden von Leutnant Carl Joseph von Trotta in der Höhe von 72.500 Kronen entsprechen heute 300.000 Euro (oder 4,2 Mio. ATS, mit dem Umrechnungsfaktor 4,171 Euro/Krone).

6. April 2006: Radetzkymarsch I

Ich finde bei Thalia eine wundervolle Joseph-Roth-Ausgabe von Kiepenheuer & Witsch (gebunden und preisgünstig) und erstehe erst einmal den Radetzkymarsch, die Kapuzinergruft steht nun auf meinem Einkaufszettel - seine übrigen Romane liegen wohl nicht auf meiner Linie. Ich lese im Stehen vor dem Bücherstapel den ersten Absatz (der über 2½ Seiten reicht) und bin total hingerissen.

1. April 2006: Schiurlaub

Der letzte Morgen unseres Schiurlaubs in Wagrain verabschiedet uns mit Sonnenschein und diesem psychedelischen blauen Himmel mit den rosa Wölkchen. Heute heißt es alles einpacken und behände in unser kleines Auto schlichten. Dann um 11h Abfahrt noch einmal vorbei an den schlohweißen Pisten in Richtung Salzburg.

Die sechs Schitage haben uns das winterliche Bergwetter erleben lassen: Regen, Schneefall, Nebelfetzen in halber Höhe der Berghänge. Und dann immer wieder dieses Hochgefühl, wenn die Sonne heraus kommt und wir im Sonnenschein über den herrlichen Hängen zwischen Flachau, Wagrain und St. Johann über die gepflegten Pisten schwingen. Manchmal sind so wenige Gäste hier, dass wir den ganzen Berg ganz alleine für uns zu haben scheinen - Tage an denen man sein Handy mitnehmen muss, wie das ein Freund ausdrückt. Auch unser Appartement hoch über Wagrain war wie im Urlaubsprospekt, die gepflegten Zimmer der kleinen Wohnung, die gut ausgestattete Küche, die Aussicht vom Balkon auf die tannengrün-schneeweiß gefleckten Berge und am Abend die Lichter der Pistengeräte auf den Hängen und der Häuser im Tal.

 

30. März 2006: Karl Heinrich Waggerl

Schi fahrenIm Anschluss an einen schönen Schitag in Wagrain einen Besuch im Karl Heinrich Waggerl Haus in der Karl-Heinrich-Waggerl-Gasse, schräg gegenüber von der Karl-Heinrich-Waggerl-Hauptschule. Eine Wiederentdeckung. In meiner Kindheit habe ich oft mit meinen Eltern seiner volltönenden Stimme im Radio gelauscht. Einer jener Pflichttermine, bei denen alle andächtig auf der Eckbank unter dem Radio gesessen sind. Seine Stimme und vor allem diesen Langsamsprechen haben damals meine Aufmerksamkeit völlig gebannt. Jedes Wort und jeden Satz hat er gründlich vorgekaut, bevor es in unserer Wohnküche angekommen ist. Die Betonungen und Lauthebungen waren ungewöhnlich und faszinierend.

Projektgestaltung als HerausforderungJetzt in seinem verwinkeltem Haus erfahre ich mehr über Waggerl, lese ich andere Sätze, als die in den Geschichten aus dem Radio. Lese von der Verachtung für die Menschen und noch mehr für die Frauen. Lese von dieser verquerten Form der Tierliebe, die die Kreatur in Vielem über den Menschen stellt. (Wahrscheinlich sind in der Einstellung dieser Leute die Pflanzen, dann noch höher einzustufen und über allem stehen dann die Steine.) Lese, dass dieser Mann ein feiger Opportunist war, der sich perfekt den Nischen angepasst hat, die sich um ihn herum ergeben haben: Versagen in seinem Beruf als Volksschullehrer. Erlösung vom ungeliebten Beruf durch den Roman "Brot". Pazifist in der 1920er Jahren. Überzeugter Nationalsozialist in den spätern 1930ern und aufrechter Hitler-Bewunderer. Nach 1945 dann von einer politischen Erinnerungslücke über seine Begeisterung für das Hitlerregime befallen. Schließlich ein Autor, der immer berühmter wird obwohl er nur mehr wenige immer dünnere Büchlein schreibt, in denen nur das steht, was sein Verleger haben will. Und dazwischen weinerliche Klagen über das Schreiben als Beruf. Waggerl ist ein klein karierter Essayist, den die Welt zu seinem Glück für einen großen Romancier gehalten hatte.

24. März 2006: Salzburger Finta Giardiniera

MozartDie Salzburger Inszenierung der Finta Giardiniera von Doris Dörrie ist durch eine reizende Bebilderung belebt. Die Spielstätte ist ein witziges Gartencenter mit Schildern wie "Fertigteiche" und Fleisch fressenden Pflanzen, die so groß sind, dass sie ganze Menschen verdauen können. Der verspielte Innenraum des Landestheaters umrahmt das Geschehen mit seiner klassischen Eleganz. Das Mozarteum-Orchester präsentiert die herrliche Musik in bester klassischer Manier und gibt auch dem vorbereiteten Zuhörer die Chance bisher Überhörtes in Mozarts Musik zu entdecken. Die Sänger verstehen ihr Handwerk und agieren gekonnt und überzeugend.

15. März 2006: Klimaerwärmung

Heute kommt wieder einmal das leidige Thema der Klimaerwärmung auf das Tapet und endlich gelingt es mir, meine Bedenken verbalisieren.
Reise in den SüdenImmer hatte ich schon vermutet, dass man über derart langfristige klimatische Entwicklungen keine seriösen Aussagen machen könne. Es handelt sich bei der Klimaprognose ja um die Vorhersage meteorologischer Erscheinungen, die durch zusätzliche Phänomene wie die thermohalinen Meeresströmungen und die Vorhersage der langfristigen sozialen und industriellen Entwicklung der Weltbevölkerung erschwert werden. Das alles zusammen ergibt ein System, für das ein Modell für eine seriöse Vorhersage bereits im Ansatz scheitern muss. Heutige meteorologische Prognosemodelle versagen bereits vollkommen dabei, das Wetter des kommenden Sommer auch nur einschätzen zu können. (Ich meine jetzt den Sommer in Mitteleuropa, Saharasommer oder Arktiswinter kann man ohne jegliche Kenntnis der Meteorologie richtig abschätzen.) Die Wirklichkeit der Prognoseprobleme ist aber noch schlimmer: Nicht einmal das Wetter der nächsten Woche kann sicher vorhergesagt werden. Wie will man da Wettererscheinungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte prognostizieren?

14. März 2006: Winterrückkehr

der Winter ist zurückgekommen
und ringt sogar dem Frommen
ab manch bitt'ren Fluch
bis hin zum Nervenzusammenbruch
der Winter hält die Laune fest in seinen Klauen
in hoffnungslosem Grau und dumpfem Grauen

13. März 2006

XaverHeute war ich Nebendarsteller in einem Dental-Event in Ungarn - eine klassische Loch-auf-Loch-zu-Begebenheit:
Das Loch im Zahn ist zu, dabei wurde mir ein Loch in der Geldbörse gerissen.

7. März 2006: "Neue" Rechtschreibung

Nach langjährigen Debatten und heftigem Widerstand vieler Schreibschwacher, älterer Schriftsteller, einiger großer Medien und Verlage steht nun neuerlich eine Rechtschreibreform an. Die Einteilung kann nunmehr wie folgt getroffen werden:
Schreiben als Leidenschaft- Neue Rechtschreibung: ab August 2006
- Alte Rechtschreibung: von 1996 bis Juli 2006
- Uralte Rechtschreibung: von 1905 bis 1996
- Steinalte Rechtschreibung: vor 1905.
Mein Vater hatte jedenfalls die uralte Rechtschreibung perfekt beherrscht und konnte nicht nur das Diktat "Aus dem Testament einer Mutter" ohne Fehler schreiben. Und ich selbst werde mich mit der neuen Rechtschreibung auch nicht schwerer tun als mit der alten und der uralten.

6. März 2006: Traum von den Innenräumen

Ich finde mich in einem Gebäude, riesengroß wie eine Stadt. Der Komplex ist völlig aus rötlichbraunem Kalkstein errichtet. Ich besuche als Erstes den Bürgermeister, der in seiner Trachtenjacke in einem kleinen Raum hoch über allen Geschäftigkeiten residiert und mit freundlich Auskunft über dies und das gibt. Als andere Leute in das Zimmerchen drängen, verabschiede ich mich. Zufällig finde ich in einem der großzügig angelegten Gänge ein elegantes kleines Geschäft, in dem ich einen preiswerten und unglaublich attraktiven Trachtenanzug erwerbe. Als ich meinen Einkauf dann einige Zeit später stolz herzeige, bin ich schrecklich enttäuscht wegen der riesigen roten englischsprachigen Werbebotschaft auf dem Rücken der Joppe. Die einzelnen Etagen sind durch gewaltige Treppenhäuser miteinander verbunden, hier wird die Schönheit des des Kalksteins besonders zur Geltung gebracht.

Ich schwebe in diesen rötlichbraunen Hallen langsam, die Füße etwa einen halben Meter über den Stufen, nach unten. Immer weiter will ich treppab schwingen, denn es macht Spaß, im Schweben mit sanften Körperbewegungen Richtung, Höhe und Geschwindigkeit kontrollieren zu können. Einmal stoße ich fast mit einer Gruppe von Leuten zusammen, die mir plötzlich von unten auf einem Treppenabsatz entgegen kommen, zum Glück hatte ich bereits die Geschwindigkeit reduziert, als ich auf den Absatz zugeschwebt war. Im Erdgeschoß liegt ist Bahnhof eingebaut und es gibt einen Flohmarkt, der wie eine Antiquitätenmessen eingerichtet ist. Mit unglaublich kostbaren Ausstellungsstücken hinter Glas. Der belebte Flohmarkt erstreckt sich weiter und weiter über einige der unterirdischem Etagen.

4. März 2006: Der Sturm

Premiere von William Shakespeares "Der Sturm" in der Mödlinger Bühne. Ein herrliches Stück, märchenhaft und voller Phantasie, reizend inszeniert, gewandt bebildert und nett gespielt. Leider sitz hier ein unglaublich verstocktes Publikum, das ganz einfach nicht klatschen will - wahrscheinlich sind das jene Leute, die nur mehr im Flieger bei den Landungen auf ihren Urlaubsreisen klatschen.

 

21. Februar 2006: Tannhäuser in 80 Minuten

Robert Meyer mimt auf der Bühne des Burgtheaters ein halbes Dutzend Typen aus der Tragödie rund um den Tannhäuser. Er mimt den zwischen Geilheit und Religiosität schwankenden Tannhäuser ebenso schrullig wie das liebende Lieschen, den musiknärrischen Landgraf Purzl und blasierten Wolfram von Dreschenbach. Die Neuen Wiener Concert Schrammeln begleiten Nestroys parodistische "Zukunftsposse mit vergangener Musik und gegenwärtigen Gruppierungen". Während der Opernblödelei macht sich das Lachen im Publikum breit und am Schluss gibt es Standing Ovations.
Die Wiener Theaterzeitung schreibt: "Die Vorstellungen der Parodie des 'Tannhäuser‘ erzielen jedes Mal ein brechend volles Haus. Dem Publikum wird aber auch in Beziehung auf die Parodie selbst Amüsantes, in der auf Ausstattung wahrhaft Pompöses, Großartiges und in musikalisch-parodistischer Hinsicht Vorzügliches geboten.“ - das war 1857 und diese Einschätzung bestätigt sich auch 150 Jahre später.

17. Februar 2006: Faule Butterfly

Madame Butterfly ist in der Volksoper träge geworden, sie will sich nicht selbst das Harakirimesser in den Bauch rammen, sondern lässt sich lieber von Passanten erstechen. Ihre stimmlichen Mittel stehen weit über allem Firlefanz der Regie und lassen uns die selbstbewusste Entschlossenheit einer Verzweifelten erleben, die ihr Schicksal annimmt. Doch Lieutenant Pinkerton strengt sich wirklich nie besonders an, manchmal kann man sein Stimmchen kaum mehr wahrnehmen. Dafür sind Orchester und Meister Puccini hoch aktiv. Das Orchester durch die gewaltige Lautstärke, gegen die die Sänger oftmals vergeblich ankämpfen und der Komponist höchstpersönlich durch sein gestenreiches Eingreifen in die Handlung während der gesamten Vorstellung.

16. Februar 2006: Indien in Baden

"Indien" erzählt von einer beklemmend-stumpfsinnigen Männerfreundschaft. Ursprünglich ein Theaterdialog von Alfred Dorfer und Josef Hader, später eins erfolgreicher Film und nun wieder als Zweipersonenstück in Baden. Ein Prolet und ein Kleinbürger ohne Herz und ohne Verstand reisen im Auto als Wirtshaustester des Tourismusamts der niederösterreichischen Landesregierung von einem Dorf zum nächsten. Sie testen Klos, Fremdenzimmer, Schnitzel und Bier. Diese erdrückende Idylle wird durch das Sterben des Jüngeren beendet, der in seinen letzten Tage im Spital über den Tod in Indien räsoniert.

15. Februar 2006: Der Flaggenverbrenner (Berufe die keiner braucht, N° 9)

der Flaggenverbrenner schon in aller Morgenfrühe
taucht den Pinsel in den Farbenkasten
malt mit ungelenker Hand und reichlich Mühe
die Däneflagge Danebrog - ohne Rasten
er weiß nicht viel und kann nicht lesen
kennt nur glaubensstarke Hypothesen




der Flaggenverbrenner zieht wenig später mit den Horden
durch die Gassen, in Flammen steht der Danebrog
um zu zeigen denen dort im hohen Norden
mit Brennen, Grölen, Treten den Dialog
dass der Prophet hat niemals nicht
ein Gesicht

12. Februar 2006: Traum von Venedig

Ich komme in einer Stadt an, die Venedig heißt, aber es gibt weder Wasser nach Kanäle sondern nur Häuserschluchten aus rötlichem und ockerfarbenem Naturstein. Doch als wir den direkten Ausgang zur Stadt passieren wollen, müssen wir wieder zurück und durch endlose unterirdische Kavernen und finstere Tunnels zu einem anderen Ausgang eilen, der dann nur wenige Meter neben dem vorherigen liegt. Dort stehen auf einem riesigen leeren Platz zwei rote Marmorsäulen links und rechts von einem großen runden Brunnen. Dann beginnt gemeinsam mit zwei Dutzend fremden Männern ein orientierungsloses Herumirren in der Stadt, es sind alles Angestellte von Siemens. Die Männer haben einen Riesen-Stress, weil wir gemeinsam irgendwo hin sollen, aber keiner kennt das Ziel oder weiß den Weg dahin. Schließlich wird es Zeit für die Rückfahrt, doch der Rückweg zum Ankunftspunkt ist nicht mehr zu finden. Alleine suche ich in den Häuserschluchten nach einem Bekannten, von dem ich weiß, dass er den Ausgang kennt. Als ich ihn in einem der burgenhaften Sandsteinhäuser gefunden habe, steige ich mit ihm hoch über die Stadt auf. In dieser Vogelsicht kann ich mich nun endlich orientieren: Sehe wie die Straßen der Stadt verlaufen, die kupierten ockerfarbenen Berge an denen die Stadt liegt und in weiter Ferne auch den Platz an dem die Ausgänge liegen.

10. Februar 2006: Traum von der Haushälterin

Ich vermittle meiner Schwester (die ich im realen Leben gar nicht habe) die Position der Haushälterin von Roland Girtler. Der wohnt in einem der düsteren Universitätshochhäuser neben einem Park mit Bäumen, die aussehen, als wären sie aus dunkelgrün gefärbtem Styropor gesägt. Ich bringe meine ältliche Schwester an einem Eisengitter vorbei durch muffige Gänge und graue Räume in die oberen Stockwerke und kämpfe mich gegen den Widerstand von Girtlers missgünstigen Professorenkollegen durch, die hier überall ihre Büros haben. Schließlich gelingt es mir endlich, meiner Schwester den Zutritt zu den grauen, fensterlosen Räumlichkeiten des berühmten Kulturanthropologen zu verschaffen. Der lächelnde Herr mit der gerunzelten Stirn hat seinen Kopf etwas zur Seite gelegt, denn erwartet uns bereits und freut sich offenbar über unseren Besuch. Wir reichen uns die Hände, meine Schwester legt ihr weißes Kopftuch ab und bekommt vom Professor einen riesigen Schlüsselbund ausgehändigt.

Schreiben als LeidenschaftEinen Traum kann ich nur dann aufschreiben, wenn er in einen Klartraum endet, nur so sind die Erinnerungen deutlich genug, um das Traumerlebnis nacherzählen zu können. Doch Vieles, was mir in diesem Traum noch als absolut logisch erschien und ich als Folge von klaren Erlebnissen empfunden habe, kann ich dann im Wachzustand nicht mehr verstehen - doch die Bilder bleiben. Zahlreiche der Zusammenhänge empfinde ich nach und nach nicht mehr als logisch und mein waches Hirn verändert sie ohne dass ich das will, verformt, filtert und verändert sie, um die Traumerlebnisse der erlernten Logik, den üblichen Kausalketten und der Erfahrungen aus dem RL (realem Leben) anzupassen.

8. Februar 2006: VIII Tage war mein Notebook krank

acht Tage war mein Notebook krank
noch mehr: es war ganz still und mausetot
Delete-C und Recovery in großer Not
jetzt läuft es wieder - Gott sei Dank
fast alle Files an ihrem Ort
nur Weniges für immer fort




Würmer, Trojanerpferde oder Viren
haben mein Notebook stillgelegt
und alles von der Disk gefegt.
gegen diese frevlerischen Irren
zahlt sich das Sichern aus
dann kommt man aus der Not auch wieder raus

3. Februar 2006: Pariser Fenstersturz

Actoids MuseumFür mich muss sich eine Operninszenierung als geniale Bebilderung die Handlung und vor allem die Musik zu einem Gesamtwerk tragend ergänzen.
Und - Regie kann niemals ein eigenständiges Werk darstellen.

Michael Haneke versucht sich nun bei seiner Inszenierung von Don Giovanni an der Pariser Oper als Opernregisseur und liefert uns eine Bürogeschichte. Bei ihm mutiert Giovanni zu einem Oligarchen, der schlussendlich von einem multinationalen Putztrupp aus dem Fenster seines Firmensitzes geschmissen wird. Haneke stellt sich damit in der Reihe jener 08/15 Regiemacher hinten an, die es Mozart und Da Ponte immer wieder zeigen wollen, wie man Opern zu machen hat. Mozart hatte nicht nur zu seinen Lebzeiten Feinde, er hat sie auch heute noch.

2. Februar 2006: Mein Notebook hat das Frieslfieber

Gestern ist mir mein Notebook an einer multiplen Infektion eingegangen oder an der Therapie dagegen. Es war so etwas Undefinierbares wie das berühmte "Hitzige Frieselfieber" des 18. Jahrhunderts. Durch disziplinierte Sicherungsmaßnahmen habe ich aber all meine Texte und Bilder durch glückliche Umstände mit einem Tag Arbeit retten können. Nur die Tagebucheinträge der letzen fünf Tage müssen noch einmal geschrieben werden, nun aber nur mehr in abgekürzter Version. Nur muss ich jetzt eben eine Zeit lang mit Windows 98 arbeiten, statt mit Windows XP. Eine äußerst unangenehme Berührung mit dem 20. Jahrhundert.

 

30. Jänner 2006: Selbstmordattentäter (Berufe die keiner braucht, N° 8)

der Selbstmordattentäter fährt auf in den Himmel
während sein Körper explodiert
und er damit die bösen Feinde liquidiert.
er stirbt denn auch für seinen Pimmel
denn im nahen Paradies warten nach dem Grauen
seiner sechs Dutzend Paradiesjungfrauen
.
Auge rotder Gotteskrieger erlebt nun - BUM - seine Explosion:
durch des Märtyrers Schlund schießet dumm - das Halbverdaute.
Blut und Hirn, Gedärm und Schieße spritzt als laute
rot gefärbte Masse auf Passanten und Peron
der Teufelsbraten hat sich nun vermengt
mit seinen Opfern, die er mit sich gesprengt
.
der Selbstmordattentäter, nun Matsch und Dreck
mitsamt seinem zergatschten Pimmel
bricht nun auf in den siebten Himmel
doch die großäugigen Huris wenden sich im Schreck
vom Gotteskrieger ab
und sein Gatsch verfault allein im Grab

29. Jänner 2006: Fest für Mozart

MozartkugelDas Fest für Mozart beginnt im Musikverein mit einem musikalischen Gemälde, das Franz von Suppé vor 152 Jahren großartig aus Mozarts Kompositionen zusammengestellt hat. Die Bühne ist voller Geigen der Wiener Symphoniker.
Die zweite Station lässt  Emanuel Schikaneder in Texten von Susanne Wolf auferstehen. Adi Hirschal ist nicht in die Rolle des Tausendsassas Schikaneder geschlüpft - er ist einfach dieser Schauspieler, Sänger, Theaterdirektor, Libretist und Freund Mozarts.
In den Kammerspielen lesen Theaterstars das Libretto des Figaro. Ein Klamauk, der einen den Großstadtwinter vergessen lässt.
Zuletzt auf der Bühne des Volkstheaters ein Klavierkonzert Quasi una fantasia. Nicht ganz meine Sache,  die der Pianist Oleg Maisenberg einfach großartig bringt.

27. Jänner 2006: Mozart für alle

MozartWir feiern in Wien Mozarts Geburtstag bei freiem Eintritt im großen Festzelt am Stephansplatz mit zwei Klavierkonzerten und einer Lesungen aus seinen Briefen. Nach dem Besuch im Café Weinwurm die zeitversetzte Übertragung von Mozarts Krönungsmesse aus dem Stephansdom als Klangfusion Maria-Theresien-Platz. Ich genieße diese Welt der zwischen den Klangtürmen hin- und herwogenden Klänge, den beleuchteten Sandsteinfassaden der beiden Museen, dem grünen Denkmal inmitten der konischen Bäume in klirrendem Frost - das Gloria ein wahre Explosion, das Kyrie über den Platz getragen von einer reinen Knabenstimme. Der Kälte zum Trotz steht am Ausgang zum Heldentor bewegungslos ein Mann in kurzen Ärmeln und in kurzer Hose und hält bis zum Schluss aus wie ich. Schließlich aufwärmen bei einem Wiener Schnitzel im Einstein.
In Salzburg dagegen feiert man Mozarts Geburtstag mit einem großen Konzert im großen Festspielhaus für 2170 zahlende Gäste. Der Fürsterzbischof wurde zwar von über 200 Jahren aus dem Land gejagt (nicht von den Salzburger selbst, sondern von Napoleon), aber sein Sinn wird hier bis heute gepflegt.

26. Jänner 2006: Papst (Die schönsten Berufe der Welt N° 2)

der Heilige Vater lebt im fernen Rom
predigt allerheiligste Sentenzen
empfängt zu erhabenen Audienzen
thront in seinem Petersdom
schluckt heimlich Brom
.
Actoids Pilgerreisender Papst braucht für seine Enzyklika fast ein ganzes Jahr
schreibt und schreibt von Eros, Sex und Liebe
flucht dem pornographischsten aller Triebe
in Rechtschreibung, alt wie sie früher war
Actoids Pilgerreisenvom Sex als der Christgläubigen höchsten Gefahr
.
der Papst schwebt über uns allen
predigt uns die absolute Wahrheit
und sagt in aller Klarheit
rammelt keine Schnallen
das wird dem lieben Gott missfallen

25. Jänner 2006: Ortstafelverrücker (Berufe die keiner braucht, N° 6)

unser Ortstafelverrücker ist kein Gottseibeiuns
kein Jesus und kein Engel
es ist nur dieser Haider-Bengel
weltbekannt ob seines Tuns
.
    unser Ortstafelverrücker ist der Bin-schon-wieder-weg
mit melodramatischem Grabsteingeschwafel
am Liebsten Räder unter jeder Ortstafel
in Wahrheit aber bereits politischer Nasendreck
.
unser Kärntner Ortstafelverrücker
steht vor seinem Polit-Super-GAU
und versucht nun mit biblischem Radau
sich zu retten als unser Zwangsbeglücker

Anlassfall: Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider predigt beim BZÖ-Neujahrstreffen am 22. Jänner in Pörtschach:
"Wahrlich, ich sage euch: Vor 2.000 Jahren ist einer auferstanden und hat den Grabstein verrückt. Heute findet sich ein Landeshauptmann, der die Ortstafeln verrückt."

23. Jänner 2006: Xanthippe (Berufe die keiner braucht, N° 5)

die Xanthippe ist en böses Weib
quält gern den eignen Mann
so gut sie's eben kann -
zum Zeitvertreib
.
Venusdie Xanthippe hadert gern und ausgedehnt
und gar nicht heiter
quält sie ihr Männchen immer weiter
der sich nach Ruhe sehnt
.
die Xanthippe greint und weint
schreit, dass ihr nichts passt
und ihren Mann von Herzen hasst
der sich in Schweigen fasst

22. Jänner 2006: Der Arme (Berufe die keiner braucht, N° 4)

der Arme hierzulande
hat genug zu essen
auch Rauchzeug, Wein und Bier
muss er in seinem Dasein hier
nicht ganz vergessen
auch reicht es zum Gewande
.
.Xaver
der Arme kriegt sein Geld vom Staat
sogar wenn er nix hackelt
auch Hund und Katz, zu gar nix nütze
leben bequem von der Stütze
der Staat wird dazu auch gern betakelt
doch im Kopf - da ist dem Armen fad

21. Jänner 2006: Geizhals  (Berufe die keiner braucht, N° 3)

der Geizhals ist nicht arm wie du
er legt sein Geld auf sichre Konten
sonst hat die Geizhalsseele keine Ruh
Mammon gehört zu ihren Horizonten
.
    der Geizhals ähnelt nicht dem flinken Reh
er ähnelt der verbissnen Hyäne
lebt von den Andren mit 'nem Schmäh
wen er nicht spart, krieget er Migräne
.
der Geizhals nimm von dir mit forschem Mut
muss er doch für die Zukunft raffen
der Geizhals ist ein Tunichtgut
will sich ein Vermögen schaffen

20. Jänner 2006: Aushilfskellner  (Berufe die keiner braucht, N° 2)

ein junger Mann bringt Bier und Wein
auch Speisen kann er tragen
er stellt nur hin und schenkt nicht ein
nimmt die Bestellung auf mit platten Fragen -
das kann nur der Aushilfskellner sein
Projektgestaltung als Herausforderung



eine Aushilfe mit Speisen schwer beladen
wankt zu dem Gast, der das bestellt
kämpft sich durch Zigarettenschwaden
das Gesicht vom Dauergrinsen leicht entstellt
dann nippt sie an dem Glase, auf das sie eingeladen

19. Jänner 2006: Der Seeadler

Ich selbst habe mich zwar nur ausführlich mit dem Adel im "Römischen Reich Deutscher Nation" näher beschäftigt. Aber auch wie die Erhebungen in den Adelsstand dann nach dessen Auflösung nach den napoleonischen Kriegen gehandhabt wurden, ist nicht ganz ohne. Das war nämlich dann allein Sache des jeweiligen Fürsten und deren gab es ja ab 1806 reichlich. Hatte Napoleon massenhaft Soldaten, Glücksritter und Spekulanten zu Grafen und Herzögen ernannt, nahm einige Jahre später die Situation der Nobilitierungen in Österreich-Ungarn ebenfalls eine skurrile Wendung.

Franz Joseph I. von Österreich hatte als junger Kaiser (1848-1916) massenhaft Adelsprädikate erteilt, meist war es der bald weit verbreitete "Ritter von" oder "Edler von". Daher nannte man den Kaiser in Wien auch den See-Adler, weil er angeblich jeden adelte, den er gesehen hatte. Hohe Beamte, Professoren und Offiziere erhielten z.B. von diesem Kaiser anlässlich ihrer Pensionierung statt einer angemessenen Pension einen "Edlen oder Ritte von", was hierzulande eine gewisse Adels-Inflation auslöste. Aus diesem Grunde gelten in (österreichischen) Adelskreisen die Nobilitierungen des 19. und 20. Jahrhunderts nicht viel.

16. Jänner 2006: Ewiger Student  (Berufe die keiner braucht, N° 1)

Ein ew'ger Student ist bewahr' kein Held
von seinem Tun zeih'n keine Epen
er lebt von fremdem Geld
man hält ihn für 'nen Deppen
er weiß, ihm gehört dennoch die Welt
.
Auge rotbereits am Morgen ungepflegt
genehmigt er sich seine Pausen
und ganz entspannt zurückgelegt
übt er sich im Hausen
die Zukunft einfach weg gefegt
.
dem Dasein mangelt's an Belang
kein Stress begrenzt das Leben
der rasch versiegte Bildungsdrang
das rasch verpuffte frühe Streben
führt in den Niedergang

15. Jänner 2006: Die Posaunen des Idomeneo

MozartUm 11h in einer Loge bei einer fröhlichen "Idomeneo Matinee" im neu adaptierten Theater an der Wien. Der Autor Michael Köhlmeier und der Tenor Neil Shicoff schwärmen über Idomeneo. Der eine über die Sagenfigur des Königs von Kreta, der im Trojanischen Pferd in die Stadt Troja gekommen war, sie einzunehmen. Der andere über seine Rolle im Mozartschen Dramma per Musica.

Stiftung SeeauMozart bekommt 1780 von meinem Vorfahren, dem Grafen Seeau, den Auftrag die Oper Idomeneo zu komponieren, die anlässlich des Münchner Karnevals 1781 aufgeführt wird. Das Libretto verfasst der Salzburger Hofkaplan Gianbattista Varesco, der den unlösbar scheinenden Konflikt des Titelhelden im christlichen Sinne löst: Seinem Schwur treu zu bleiben und den eigenen Sohn trotzdem nicht opfern zu müssen. Doch Mozarts geht völlig neue Wege und komponiert für Idomeneo das erste große Solistenensemble in der Geschichte der Opera seria.

Mozart hatte bereits sechs Jahre vorher einen Kompositionsauftrag von Joseph Anton Graf Seeau von Mühlleuten erfolgreich durchgeführt: Die Oper La finta giardiniera für den Münchner Karneval 1775.

Bei den Probearbeiten für Idomeneo kommt es jedoch diesmal zwischen dem Grafen von Seeau und Mozart immer wieder zu Unstimmigkeiten. Einerseits wegen des Librettos und andererseits wegen der Orchesterbesetzung. Die Weigerung des Grafen, wegen weniger Takte eigens drei Posaunisten für die Oper zu verpflichten führt dazu, dass Mozart widerwillig die Passage für die Münchner Aufführung uminstrumentiert.

Am am 11. Jänner 1781 schreibt darüber Mozart an seinen Vater in Salzburg: "Ich habe nebst vielen anderen kleinen Streitigkeiten einen starken Zank mit dem Graf Seeau wegen den Posaunen gehabt - ich heiß es einen starken Streit, weil ich mit ihm hab müssen grob sein, sonst wär ich nicht ausgekommen …“

Bis zum 19. Jahrhundert zählen Posaunen nicht zur Standardbesetzung eines Orchesters - erst Beethoven räumt ihr ab seiner 5. Symphonie einen fixen Platz in der Musik ein. In der Zeit Mozarts zeigen Posaunen meist, dass übernatürliche Kräfte oder gar Götter in die Handlung eingreifen - und es sind Posaunenklänge, die gegen Schluss des Idomeneo jene göttliche Stimme begleiten, die als Deus ex Machina einschreitet um der Opferung des Sohnes Einhalt zu gebieten. Ohne Posaunen kommen Mozarts Opern Die Entführung aus dem Serail, Le nozze di Figaro und Così fan tutte aus, dagegen spielen die Posaunen in Don Giovanni und in der Zauberflöte selbstredend ihre tragende Rolle.

12. Jänner 2006: Der Palm-Mozart

MozartkugelKämpfe mich gerade das brandneue Mozartbuch von Kurt Palm. Da ist auf der einen Seite die fesselnde Einschau in den Alltag Mozarts mit vielen spannenden Details die sich um Essen und Trinken in der damaligen Zeit ranken. Auf der anderen Seite ist das wacklige Deutsch des Autors mit den ärgerlichen Rechtschreibfehlern, die den Lesefluss immer wieder hemmen. Man kann nur hoffen, dass Palms Kenntnisse über Mozart gefestigter sind als die über seine Muttersprache.

Auf der anderen Seite ist aber Palms Wissen über Mozart und seine witzige Art des Erzählens. Beim Lesen vergleiche ich die Speisen Mozarts immer wieder mit den Rezepten aus meinem ältesten Kochbuch, das 1791 - also dem Todesjahr Mozarts - erschienen ist.

11. Jänner 2006: Winter-Dispersionen

die fröhlich-helle Wintersonne
schickt einen Strahl
mit Wonne
durch den Kristall
dann fällt er in die Zimmerecken
zerbirst in bunte Regenbogenfarben
in Form von rund gescheckten Flecken -
wie lange mussten wir im Finstren darben
Farbkreis



die Sonne scheint mit sanfter Macht
und auch die bunt gefiederten Sittichtiere
schwingen sich nach überstandner Winternacht
gut gelaunt aus ihrem Gitterquartiere
und fliegen in ihrer Farbenpracht
hin und her wie immer
zwischen Vor- und Wohnzimmer
und thronen froh auf hölz'nen Stangen
zwitschernd und gänzlich unbefangen

10. Jänner 2006: Net-community

WebdesignIch gehöre seit mehr als zwei Jahrzehnten dem an, was man heutzutage Net-community nennt. Und zwar seit den 1980er-Jahren, als das World Wide Web noch BTX hieß. Schon damals habe ich für einen als BTX-Terminal entwickelten Computer Software entwickelt, auf dem Programme ausgeführt werden konnten. Seit diesen Tagen kämpfe ich für Informationsfreiheit und engagiere mich für offene, frei zugängliche Inhalte wie Texte, Bilder und Programmcodes und gegen security by obscurity.

9. Jänner 2006: Pseudonyme

Die Lust des HerunterlesensPseudonyme sind so alt wie die menschliche Kultur selbst. Die Wahl eines griffigen Kunstnamens wird in Politik und Kultur wird seit Langem gepflegt, Beispiele für perfekte Pseudonyme sind: Platon, Augustus, Voltaire, Novalis, Lenin, Stalin, Madonna, Prince. In der katholischen Kirche wird z.B. beim Eintritt in einen Orden oder in das Papstamt ein Pseudonym gewählt. Und mein Pseudonym ist seit meiner Kindheit "Achim von Achenlohe" und seit zwei Jahrzehnten ist "Actoid" mein Nickname.

8. Jänner 2006: ORF (Öffentlich Rechtliche Forensik)

MozartDie Dokumentation über die forensische Untersuchung des so genannten Mozartschädels hat keine einzige der gestellten Fragen gelöst, sondern nur viele neue Fragen aufgeworfen. Wolfgang Amadeus Mozart ist im Mozartjahr natürlich der prominenteste Anwärter auf den "Kopf des Jahres 2006". Dass allerdings der Schädel tatsächlich derjenige des Musikgenies ist, konnte eher widerlegt als bestätigt werden.

Die erste DNA-Analyse an dem Schädel wurde aus öffentlich-rechtlichen Geldern des ORF (Öffentlich Rechtliche Forensikanstalt) bestritten. Diese Organisation fördert ansonsten Leute wie Karl Moik, Peter Rapp und Vera Russwurm, aber ist nun mit etwas Verspätung auf die CSI-Welle aufgesprungen. Der wichtigste Unterschied zu den amerikanischen Gerichtsmediziner-Serienproduktionen dieser Art: Es werden die Fälle nicht gelöst, sondern noch mehr verwirrt.

Im Zuge der heute gezeigten Folge wurde dargestellt, dass die Gebeine im Familiengrab Leopold Mozarts am Salzburger Friedhof St. Sebastian miteinander keinerlei familiale Verbindung haben und auch mit dem so genannten Mozartschädel keine Verwandtschaft zeigen. All diese Gebeine stammen von Menschen, die gar nicht miteinander verwandt sind. Auch die überlieferten Haarlocken des Komponisten wurden geprüft - und stammen von wenigstens zwei verschiedenen Personen, deren keine mit dem Träger des Schädels ident ist und haben daher nie den fraglichen Schädel geziert.

Der untersuchte Schädel wurde (angeblich) zehn Jahre nach Mozarts Tod bei einer Neubelegung des Grabes am Friedhof St. Marx vom Totengräber Rothmayer exhumiert und versteckt. Mitte des 19. Jahrhunderts kam er über Umwege an den Mödlinger Anatomen Josef Hyrtl der ihn der Öffentlichkeit bekannt gemacht hat. Seither wurde der Schädel, der sich seit 1902 in der Salzburger Stiftung Mozarteum befindet, mehrere Male erfolglos auf seine Authentizität geprüft, zuletzt in den 1990ern vom Naturhistorischen Museum.

3. Jänner 2006: Zauberflötchen

XaverEine neue "Zauberflöte“ in der Wiener Kammeroper? Weit gefehlt, denn Gabriel Barylli erzählt die Geschichte der Zauberflöte in einer musikalischen und inhaltlichen Reduktion mit der er die Frage beantwortet: Wie niedrig kann das künstlerische Niveau sein, damit man eine Oper gerade noch wieder erkennen kann? Drei Paare haben sich den Prüfungen des Lebens zu stellen, stimmschwach und begleitet von einem gieksenden Orchester. Alleine der Flötist pflegt in seinen Spielpausen eine kokette Pantomime und bringt damit ungewollt etwas Esprit in die groteske Inszenierung.

Als ich am Bahnhof stehe, um zum Zauberflötchen nach Wien zu fahren, braust ein Güterzug am Bahnsteig vorbei. Der Sog reißt mir mit einem heftigen Ruck den Hut vom Kopf und der Stetson kullert immer rascher am Bahnsteig entlang. Ich laufe ihm nach und niemand kann oder will ihn stoppen. Schließlich fällt er unter die dahinbrausenden Güterwaggons. Als der Zug dann weg ist, sagt mir eine junge Frau, dass sie ihn bis zum Schluss beobachtet hat und das da vorne, einen halben Kilometer weiter, kein Kohlestück sondern mein Hut sei. Und er ist es auch - ein wenig nass, aber völlig unbeschädigt, nur die Garnitur fehlt. Aber die hübschen Federn lassen sich leicht ersetzen.

Dann die Presse bei einem kleinen Braunen im eleganten Café Diglas, vier Karten der Reise-01 für "Ein Fest für Mozart" besorgen (Reise-03 wäre auch interessant gewesen würden nicht Elfriede Ott und Fritz Muliar in verteilten Rollen aus Mozarts derb-witzigen Bäsle-Briefen lesen - IMHO ein Programmpunkt für Gerontophile), anschließend Trumer Pils & Mailänderbrot im Kra-Kra und zurück in die Kammeroper.

1. Jänner 2006: Mein Silvesternagel

ZeitläufeBei der Silvesterfeier ist beim Bleigießen flüssiges Metall auf mich gespritzt. Das Meiste ist wohl an meiner Kleidung abgeperlt. Doch habe ich auch einiges in die Haare gekriegt und ein Klümpchen ist so fest mit meiner Kopfhaut verschmolzen, dass es aussieht, als hätte mir jemand im Schädel einen Nagel eingeschlagen. Die Gastgeberin, der das Missgeschick unterlaufen ist, hat sich aber damit einen riesigen Phallus gegossen - ich gönn ihn ihr. Im Übrigen war diese Einladung eine der gepflegtesten Begrüßungen eines neuen Jahres, die ich je erlebt habe: Ich alleine mit vier gebildeten und kunstinteressierten Damen hoch über der Stadt. Die Feuerwerke zelebrieren sich im rötlichen Dunst unter uns. Gespräche über Theaterkultur in Wien. Herrlichen Rotwein und ein köstliches Wurzelfleisch als Neujahrssuppe.

SchnabelkopfBug Fighter: Schon in aller Frühe als Fingerübung ein neues Javascript-Spiel fertig geschrieben und in der Spielzone "Abenteuer in Laputa" der Flitter-Spiele online gestellt. Dort warten nunmehr 287 Spiele mit ihren verschiedenen Variationen darauf, der kleinen Langeweile zwischendurch abzuhelfen.

MozartkugelFür das Mozartprojekt habe ich nunmehr 50 (in Worten: fünfzig) digitale Mozartauftritte online gestellt: Von mir entwickelte Lerneinheiten, Spielereien und Spiele. Viele der Applikationen können jeweils mit mehreren Bildvarianten gespielt werden. Bei der Arbeiten an diesen Spiele bin ich Mozart wiederum ein Stück näher gekommen.