1. Dezember 2005: Adventskalender
Advent,
Advent, ein Lichtlein brennt. Endlich ist es soweit: Heute pünktlich um 0
Uhr öffnet sich bei den
Flitter-Spielen das erste Türchen unseres digitalen Adventskalenders. Hinter den Christkindln
verbergen sich Spiele und Übungen zum Brain-Jogging. Für jeden Tag wird eine
andere Übung angeboten.
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24. Oktober 2005: Das Mozartprojekt
Für
das
Mozartprojekt habe ich nunmehr
45 (in Worten: fünfundvierzig) digitale Mozartauftritte fertig gestellt:
Lerneinheiten, Spielereien und Spiele. Bei diesen Arbeiten bin ich Mozart
wiederum ein Stück näher gekommen. Die vier Puzzle-Fassungen werden jeweils
mit sechs Bildvarianten angeboten.
Eine neue Welt der Musikkultur tut sich damit auf, schließlich hat Mozart selbst um 1787
sein
Musikalisches Würfelspiel kreiert, eine Anleitung zur Komposition von
Musikstücken mit zwei Würfeln. 1787 wird im Pariser Journal darüber
berichtet: "Einer der neusten modischen Zeitvertreibe in Gesellschaften ist
... das musikalische Würfel-Spiel; wo jedermann, der nur ein bißgen Clavier
spielen kann, ohne ein Wort von Composition zu verstehen, vermittelst zweyer
Würfel und eines Notenblatts, Menuets ins Unendliche komponiren kann."
14. Oktober 2005: Spätsommer in Venedig
Wieder
einmal mit dem Rucksack für einen Tag in das Alles umschmeißende Venedig.
Hin und zurück mit dem Nachtzug. In Venedig ist die Zeit stehen geblieben,
einmal was die Architektur betrifft, andererseits was die Jahreszeit
anbelangt - die Stadt zelebriert Mitte Oktober einen Spätsommertag. Wie
immer zuerst mit einem von Touristen überfluteten Vaporetto vom Bahnhof zum
Markusplatz. Dann genießen wir die Pracht der Räume im Dogenpalast und gehen
über die Seufzerbrücke in die Kasematten. Dann wieder ausgedehnte
Spaziergänge durch die Gässchen und Plätze zwischen den Häusern von Byzanz
bis Barock. Eine der kleinen Wohnungen hier in den Dächern sollte mir
gehören, mit einem einzelnen Fenster auf einen Platz oder zu einem der
Kanäle - das wäre mein Glück. Zum Abschluss des Tages ein romantisches
Abendessen im Ristorante Omnibus in den letzen Strahlen der Abendsonne über
dem Canal Grande und dann zu Fuß durch die halbe Stadt zurück zum Bahnhof.
Diese Stadt war wieder einmal Genuss pur.
Kurz vor der Abfahrt macht sich eine Chinesin in unserem Abteil breit.
Sie spricht gut englisch und ihr Telefonino ist mit chinesischen
Schriftzeichen übersäht. Die junge Frau redet über dies und das, zwei ihrer
Aussagen sind sind aber ungewöhnlich: Erstens weiß sie nicht wie die Stadt heißt, die
sie nun in Richtung Wien verlässt und lässt sich den Namen buchstabieren.
Zweitens mokiert sie sich darüber, dass hier weder Gerichte mit
Heuschrecken noch aus Schlangenfleisch angeboten werden. Die Nacht im Abteil
ist jedenfalls eng, trotzdem bin ich am nächsten Morgen ausgeschlafen.
6. Oktober 2005: Regietheater Verschwender
Heute
Abend wurde wieder einmal durch das gerade moderne Regietheater die Bühne
des Burgtheaters genotzüchtigt. Ferdinand Raimund Raimunds "Verschwender"
stellt sich uns als blässlicher Warner der Reichen vor. Regisseur Stefan
Bachmann hat den Österreichern, dem Biedermeier und besonders dem Ferdinand
Raimund wieder einmal gezeigt, wie das Leben aussieht - wenn man es in eine
pietistische Haut einnäht. Nix da mit der prallen Freude am Leben, da müssen
schon einige Gummipuppen und eine Treppenpyramide her, um zu zeigen wie
entseelt, unecht und hohl alles ist.
Ach wäre ich doch einfach im Einstein unter den Kolonnaden sitzen geblieben
und hätte mich weiter an Schnitzel und Bier ergötzt. Der Kellner hier
versteht jedenfalls sein Gewerbe besser als der Regisseur im nahen
Burgtheater das seinige. Dienstleistungen können so ja unterschiedlich sein.
3. Oktober 2005: Ein digitaler Auftritt für
Mozart
Große
Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Das Mozartjahr 2006 steht vor der
Türe. Ganz gleich, ob man lieber den 250. Geburtstag
dieses Ausnahmekünstlers feiert oder den 225. Jahrestag seines Rausschmiss aus dem
ihm so verhassten Salzburg. Zu diesem Jubiläum bereite ich seit Wochen einen
digitalen
Auftritt für Mozart vor. Digitaler Mozartauftritte sind anders,
jedenfalls meine: Spiele und Spielereien, Raten und Rätsel, Memories und
Musikbeispiele laden zum Zerkugeln ein und
werfen respektvoll respektlose Schlaglichter auf Kunst und Kommerz in
Zeiten der Mozart-Manie.
In der Spielzone
zum Mozartjahr 2006 gibt es fröhliche DHTML Spiele und JavaScript
Köstlichkeiten zu den Themen Leben und Werk, Freunde und Feinde sowie Musik,
Münzen
und Mozartkugeln.
Mozart selbst hatte Sinn für Humor und liebte das Bizarre. Humoristische
Elemente finden finden sich häufig, das Paradebeispiel dafür ist "Ein
musikalischer Spaß“, auch in Opern wie Cosi, Entführung und
Zauberflöte zelebriert er seinen Witz.
Ob Mozart nun den EU-Rechtsstreit über die Mozartkugeln
oder meine Spiele lustiger gefunden hätte, lässt sich nur erahnen.
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27. September 2005: Spiel mit dem SpongeBob
Heute habe ich
ein bereits entwickeltes
Fangenspiel mit dem SpongeBob ausgestattet und das Spiel sieht mit
dieser Figur jedenfalls netter aus als vorher mit dem verstaubten Clown.
Alle Fans des Schwammköpfchens können ab sofort dieses quirlige Männchen
abschießen.
25. September 2005
In der
Spielzone
Brain Jogging sind zehn neue Lektionen zum Training des Gehirns in der
Auswahlparade, darunter Fragenkomplexe zur Evolution des Menschen,
Lebenserwartung und Spieltheorie. Bisher sind bereits über zwei Dutzend
Quizes, Spiele und Fragebögen zusammen gekommen.
Digitales Brain-Jogging klappt anders: In interaktiven Medien lässt sich
erfrischendes Hirntraining greifbarer umsetzen und wendiger implementieren.
Das digitale Brain-Jogging
ist kunterbunt aber nichts für Gelegenheitsdenker.
21. September 2005: Warten
Warten ist
ein ständiger Begleiter in unserem Lebens. Da gibt es einmal das kleine
Warten: Im Stau. An der Supermarktkasse. Bei der Ampel. Das ist oft zu kurz,
um mit dieser Zeit etwas Sinnvolles anfangen zu können. In dieser kurzen
Weile ist man gezwungen, sich darauf zu konzentrieren, wie die Zeit vergeht.
Alles was in diesen kurzen Intervallen ablenkt, bringt keine wirkliche
Entspannung.
Wenn man sich aber schon vorher ausrechnen kann, wie lange man warten muss,
kann man es sich jedoch richten. Wichtig ist dabei, dass die verwartete Zeit
eine Struktur verpasst bekommt. Beim größeren Warten kann die Zeit zwischen
den aktiven Tätigkeiten auch sinnvoll genutzt werden: Lesen, Trinken, Essen,
Gesprächen mit Fremden, Tagebuch schreiben, Beobachten, Sinnieren.
Dauert der Warteprozess dann doch zu lange, löst das in den Menschen
ablehnende Reaktionen aus. Bei einem Rendezvous fiebert man zuerst dem Date
entgegen. Dann wartet man gespannt auf sein Gegenüber, kommt es nicht, fängt
man an zu zweifeln bis man wütend auf sich selbst oder die andere Person
wird. In Lebenssituationen, in denen das Warten zu lange dauert, kann diese
Wut zur Hoffnungslosigkeit werden.
Viele Menschen haben das Warten in ihre Tageszeit fest integriert:
Feuerwehrleute, Hypochonder, Querulanten, Polizisten, Prostituierte,
Sanitäter, Soldaten, Spechtler. Hier geht es darum die Wartezeit zu
kultivieren und in ihr mehr oder weniger Sinnvolles zu treiben, sie zu einem
erträglichen Teil des Alltags zu machen.
16. September 2005: 120 km auf dem Jakobsweg
Die
120 Kilometer Pilgerreiste auf dem
Jakobsweg von Oberösterreich, durch Salburg und Bayern nach Tirol sind
geschafft. Ein Erlebnis von Natur, Land und Leuten der besonderen Art. Vier
Tage auf mich alleine gestellt auf Güter-, Feld- und Wiesenwegen, entlang
von Flüssen und über Berge durch das Land.
12. September 2005: Vorbereitung der Pilgerreise
Heute ist
der Tag der Vorbereitung für den
Jakobsweg von Oberösterreich nach Tirol: Die laufenden Projekte an definierten Punkten abschließen.
Landkarten und Touren zusammenstellen. Kleinzeug (Kamera, Ladegeräte, Messer,
Toiletteartikel, Unterwäsche, Ausweise, Geld) aus den verschiedenen Regionen
der Wohnung zusammentragen.
11. September 2005: Zufalls-Lektionen
Statte auch die
Flitter-Spiele mit der Technik zur
Auswahl von Zufalls-Lektionen aus. Dadurch wird eine x-beliebige der derzeit
insgesamt 152 Lerneinheiten aus dem Fundus der Lernflitter ausgewählt. Die
Medien-Installation der
Lern-Flitter-Spiele enthält derzeit
166 JavaScript-Applikationen.
Meine psychotischen Medien-Emotionen - Installationen zwischen Wahn und Sinn
- zählen inzwischen fast 300 Stücke und irgendwann wird das alles online
gehen, zum Wohle der gesamten Menschheit.
7. September 2005: Das letzte Mal unter Palmen
Ich
bin seit zweit Tagen etwas marode und sonne mich ab Mittag im Stadtbad. Ich
lese auf einer Liege im Schatten einer Palme den Roman "Plattform", mein
erstes Buch von Michel Houellebecq. Je tiefer ich in die Geschichte
hineinkommen, um so besser gefallen mir der Wechsel im Schreibstil zwischen
rabiat, klug und einfühlsam und seine nüchtern, erfrischend und schamlos
dargestellten Szenen.
Für einen Wochentag sind erstaunlich viel Badegäste hier,
allerdings ist Baden absolut weiblich - zwei Drittel der Badegäste sind
Frauen im Alter zwischen vierzig und achtzig. Für mich jedenfalls ist es der
letzte Badetag in diesem Jahr, wurde doch die Öffnungszeit des Bades wegen
des herrlichen Wetters um einige Tage verlängert, um diesen Regensommer
wenigstens etwas auszugleichen.
1. September 2005: Der Traum vom eingestürzten Dach
Unser
Schlafzimmer hat keine Decke mehr. Die Einrichtung ist unter herab
gestürzten Balken und Mauerteilen begraben. Über dem Schuttberg kann man
durch die ineinander verkeilten Dachsparren den grauen Himmel sehen.
Es heiß nun, eine neue Wohnung zu finden. Die Suche führt uns immer öfter
hinaus aus Mödling nach Wien. Skurrile Wohnungen werden uns angeboten: Eine
liegt in einem Haus am Fuß einer steilen orangefarbenen Hutweide. Eine
kleine Wohnung besteht aus einem einzigen Raum und liegt direkt neben einem
Kaffeehaus; die einzige Fensterfront trennt das Lokal von dem länglichen
Zimmer. Viele der Wohnungen liegen in schlechten Vierteln in kleinen Gassen,
die wie im Orient durch Händler und Waren verstellt sind. Am Abend kommen
wir zu einem abgelegenen Landhaus, bei dem das Zirpen der Grillen
unerträglich laut ist. Langsam nehme ich die Umrisse der Einrichtung und des
Fensters in unserem Schlafzimmer wahr. Das Zirpen scheint aus dem Gehäuse
des Fernsehers zu kommen, in den sich vielleicht eine Grille verirrt hat.
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30. August 2005
Für die
Flitter-Spiele und die Medien-Emotionen die Software für die "interactive
Map"
fertig gestellt und integriert. Nunmehr kann das "Spiel des Tages" und ein "Zufallsspiel" automatisch angewählt werden. Diese Technik übernimmt die
automatische Weiterschaltung, baut auf DOM-Konzepten auf und ergänzt die
sonst übliche Map mit einer interaktiven Darbietung von Web-Auftritten mit
vielen gleichartigen Sites. Sinnvoll angewandt kann das Ganze erst, wenn
deutlich mehr als 100 gleichartige Sites miteinender im Wettbewerb stehen.
Die Sitemap ist mit der Hauptnavigation der wichtigste Zugangsschlüssel in
ein umfangreiches Informations-Angebot. Je größer die Anzahl der Sites
ist, desto schwieriger wird es, Sitemaps anzulegen und aktuell zu halten.
Sitemaps müssen die die logischen Struktur der Website widerspiegeln und
jede Site mit einem Klick verfügbar machen, wenn sie denn richtig angelegt
ist. Je größer die Website, desto größer der Aufwand für die Erstellung
der Sitemap, aber umso nötiger ist sie auch zur Erschließung des
Informationsangebots.
Mit der "Interactive Map" werden in einem Rutsch zusätzlich sinnvolle
Kontrollen der Sites erzeugt. Dafür werden jene Verknüpfungsinformationen
genutzt, die sowieso in jeder Sitemap vorhanden sind. Funktionen wie das "Spiel des Tages"
oder die Auswahl eines "Zufallsspiels" sthen dann ohne weiteren Aufwand
zur Verfügung.
25. August 2005: Spielzone Brain-Jogging
Die völlig
neu entwickelte Spielzone
Brain Jogging bringt die grauen Zellen auf Trab.
Die Lern-Flitter-Spiele enthalten damit ein ganzjähriges
Trainingsprogramm für die geistige Fitness. In abwechslungsreichen Übungen
werden Gedächtnis, kognitive Intelligenz, Konzentration, Kreativität und logisches Denken trainiert.
Auf den Websites von Brain-Jogging gibt es eine tägliche Denksport-Aufgabe, dazu
abwechslungsreich gestaltete Quizfragen.
Im Anschluss findet sich die Auflösung der Aufgabe,
außerdem zusätzliche Erklärungen und Übungen, die das Gedächtnis
trainieren.
Schlafe heute im Gasthaus Ramsau
erstmals bei offener Terrassentüre. Die Aussicht vom Bett durch die Terrasse
über den bleiernen See nach Ebenzweier ist beglückend. Irgendwie ist es hier
wie zu Hause angelegt: dort geht die Aussicht vom Bett durch das Lesezimmer
über das Wohnzimmer zu meinen Bildern an der Wand. Um sechs sitze ich
bereits auf der Terrasse, schreibe Tagebuch und mache ein paar Fotos, die
zeigen wie das Blei des Sees zu lauterem Silber wird.
Eine Woche bin ich nun in dieser zauberhaften Gegend am
Traunsee, dem "lacus felix" der Römer. Die
Regentage sind zum Glück erst einmal vorüber, doch der See ist kalt und so
konnte ich gestern
nur kurz schwimmen. Trotz der Flossen bin ich nur bis zum Ende des
Landungsstegs gekommen.
Cosi fan Tutte. Salzburg. Großes Festspielhaus. Grandios.
Phantastisches Bühnenbild auf Licht gesetzt. Stimmungen von
Morgenröte bis zu bleiernem Regenwetter. Von gleißender Mittagssonne bis zur
düsteren Nacht. Mozarts Musik ist hinreißend und die Inszenierung lässt den
Sängern jenen Raum, in dem sie die merkwürdige Verwechslungskomödie meistern
können. Mein Sitz wurde leider exakt hinter einer der beiden Säulen des
riesigen Saales montiert und ich kann den Zentralbereich der Bühne kaum einsehen.
17. August 2005: Der Himmel heut' ist regengrau
der Himmel heut' ist regengrau
wie gesponn'ne Seide
er schwankt
er krankt
wird bisweilen licht
durch blaue Flecken aufgehellt
bevor der Regen wieder fällt
.
im Kastaniengarten
schießt ein kleiner Fluss
der Regen kommt in Strömen nieder
das Traunsee-Ufer gegenüber
kann man nur ahnen
verhängt von Regenfahnen
der Himmel heut' ist regengrau
Der Klerus der katholischen Kirche hat eine neues Problem
außerhalb der Kirche entdeckt: "Religiös verwahrloste Jugend". Ein Nichts
gegen jenen menschlich verwahrlosten Klerus, der über Jahrhunderte durch
seine religiösen Eiferer abertausenden von Menschen Folter und Tod gebracht
hatte.
16. August 2005: König Ottokars Glück und
Ende
Die Königstragödie "König Ottokars Glück und Ende" wird in
einem aufgelassen Salzlager auf der Pernerinsel in Hallein aufgeführt, ein
spannender und ungewöhnlicher Spielort. Ebenso Stück und Inszenierung:
halsstarrig, lebendig und ergreifend. Der Intendant Kusej kann bereits
einiges, muss aber noch viel lernen. Er hat es Grillparzer einige Male
deutlich gezeigt, wer hier der Herr ist und wie man das Stück eigentlich
schreiben hätte sollen. Doch die Koituseinlagen auf der Bühne sind nur
markiert, Zigaretten geraucht wird dagegen richtig. Ich finde das genau verkehrt, sollt
ich einmal ein Stück von Kusej bearbeiten, dann drehe ich das um.
13. August 2005: Der Barbier von Schärding
Im
Kubin-Saal zu Schärding gibt's heute den Barbier von Sevilla - in seiner
Erstvertonung von Giovanni Paisiello. Eine typische Barockoper,
perfekt komponiert und einfallsreich inszeniert. Das winzige Orchester tut
sein Bestes, was aber nicht immer genug ist. Eine wahre Komödie wird gegeben
und ganz im Vordergrund steht die reizende Rosina. Schlussendlich ist das
Publikum so begeistert, dass es eigentlich gar nicht mehr gehen möchte.
Dann noch auf ein Bier in einen Schanigarten, wo warme Decken für die immer
zu kühl angezogenen Damen ausgelegt sind. Ein herrlicher Tag geht zu Ende.
Bayern
und Nordrhein-Westfalen stehen seit heute mit ihrer Unrechtschreibung
alleine - sie schreiben ab nun nicht mehr recht. Denn da sind die Holzköpfe
zu Haus und feiern den Schreib-Dadaismus des 21. Jahrhunderts, indem sie
alte und neue Schreibweisen weiterhin gleichzeitig für gültig halten. Jeder
kann dort schreiben wie er will, Stoiber sei Dank. Sieben Jahre waren zum
Umdenken und Umlernen: Für manche reicht das nicht! Auch der Nordrhein
schreibt wie er will und der Westfale schafft es auch nicht mit der neuen
Rechtschreibung. Ich frage mich nun, was ist mit dem Ostfalen? Schreibt der
nun recht oder unrecht - oder schreibt der gar nichts? Fragen über Fragen an
den umstellungs-unwilligen Nordrhein. Jedenfalls schreiben nun alle
österreichischen Bundesländer, Liechtenstein, Südtirol und alle Kantone der
Schweiz recht.
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Aus der
flirrenden Sonnenhitze fliehe ich unter einen Schirm in meinem Stammcafé.
Mein Glück sollte nicht von Dauer sein, denn noch bevor ich meinen Kaffee bekomme, formiert sich hinter mir eine Gruppe von
älteren Leuten um einen längst pensionierten HNO-Arzt. Früher hatte er wohl
jedem Kind des Ortes in Hals, Nase und Ohren geschaut und wenn es sich die
Eltern irgendwie
leisten konnten, hat er dann dem Kind die Mandeln und Nasenpolypen herausgeschnitten -
privat und auf Rechnung versteht sich. Jetzt ist er Mittelpunkt einer Runde,
in der jeder lauthals versucht, seine Krankheiten und Operationen in den
Mittelpunkt zu stellen. Schade, dass dieser Arzt nicht Psychiater geworden
ist, sonst würde ich jetzt über die Psychosen der Familien unterrichtet, das
würde mich wesentlich mehr interessieren. Ich zahle, sobald die Kellnerin wieder vorbeikommt, denn ich kann
es nicht weiter mitanhören, welche schrecklichen Leiden diese altersfleckigen
Wracks bereits hinter sich haben. Ich fliehe weiter, diesmal in das grelle
Sonnenlicht hinaus.
Die vorliegenden Medien-Installation der
Lern-Flitter-Spiele sind ein Spin-off der Entwicklung
meiner web-basierten Informationssysteme und der Online-Lernsysteme.
Sozusagen meine laufenden Fingerübungen für die Perfektionierung des Umgangs
mit HTML, CSS und JavaScript.
All
diese Applikationen sind auf der Basis von "Intelligentem Design" (kurz ID)
entstanden und verbinden einwandfreies Layout auf Basis von interaktiven
Hightech-Scripts. Nachdem die Theorie von ID in letzter Zeit auch bei uns
immer heftiger diskutiert wird, hier einige der grundlegenden Überlegungen
dazu:
Der Grundgedanke des "Intelligent Design" sagt aus, dass
software-basierte Informationssysteme (eventuell auch die Hardware)
Eigenschaften haben, die auf das Wirken eines intelligenten, willensbegabten
Urhebers (Autor, Entwickler, Designer, Gestalter) hinweisen und andere
Möglichkeiten ihrer Herkunft (Zufall, Langeweile, Herumprobieren)
ausschließen. Vage Spekulationen, wie sie etwa die Evolution bietet, greifen
bei diesem Erklärungsmodell nicht. Voltaires Argument "Das Bessere ist der
Feind des Guten" wird im ID keinerlei Bedeutung zugemessen.
Eigenschaften der Herkunft, die auf einen Designer hinweisen,
werden im Gedankengebäude des Kreationismus als "Design-Signale" bezeichnet und die ID-Theorie beinhaltet eine Reihe wissenschaftliche Kriterien, mit denen
solche Design-Signale identifiziert werden können. Durch eine
wissenschaftliche Untersuchung kann eindeutig geklärt (oder wenigstens
plausibel gemacht) werden, ob eine informations-orientierte Struktur auf
einen intelligente Urheber zurückgeht oder nicht.
Das Gegenstück von ID ist konsequentes Drauflos-Programmieren, das
grundsätzlich nur zufällige Entwicklungen als Basis zulässt, auch in
Integrations- und Ursprungsfragen. Die Entstehung der Informationssysteme
aller Art sollen nach Meinung der ID-Gegner allein durch wildes
Herumprobieren, lang andauernde Langeweile, stümperhafte Übungen und pure
Zufälle erklärt werden.
ID assoziiert Prinzipien wie Design, Gestaltung, Layout, Planung,
Zielsetzung und Zweckorientierung, weniger aber Begriffe wie Verzierung,
Verschönerung oder Ästhetik wie etwa bei "Designer-Schuhen" usw. Es geht
also bei ID um das Funktionelle und Zweckhafte in Programmen und
Informationssystemen, nicht um beliebige Spielereien, obwohl Letztere im
Grau des Alltags durchaus reizvolle Beschäftigung sein können.
Für die Gestalt von Programmen kommen grundsätzlich nach den Kriterien
des ID drei Faktoren in Frage: Zufall, Pflichtenhefte oder Kreativität.
Um
nachzuweisen, dass ein kreativer Designer am Werke war, gibt es zwei
Möglichkeiten:
1. Zufall und Spieltrieb werden als ausreichende Ursachen
ausgeschlossen.
2. Es können positive Befunde für die Existenz eines Designers angegeben werden.
Als "Signale" für "Intelligent Design" gelten vor allem synorganisierte (aus mehreren voneinander abhängigen Bauteilen bestehend)
Strukturen mit verschachtelten Wechselbeziehungen zwischen den
Bestandteilen:
1. Arrangierte Komplexität (specified complexity)
2. Irreduzible Komplexität (irreducible complexity)
Es handelt sich dabei um also ein System, das nicht mehr mehr verkleinert
werden kann, ohne die Funktion ganz zu verlieren.
Der Gedanke an Planung von Software drängt sich dem unbefangenen Benutzer
zweifellos auf. Weil die Welt voll von Designer-Schuhen, -Jeans, -Möbel und
-Drogen ist, ziehen wir zurecht den Schluss daraus, dass diese Dinge alle
von "Designern" für uns gemacht sind. Dieser Schluss kann ohne
Informationsverlust auf die Software übertragen werden. Dort ist der
Designer natürlich nicht in gleicher Weise bekannt, wie etwa der Urheber von
Jeans, daher handelt es sich auch nur um einen Analogieschluss. Das heißt:
Man schließt aufgrund ähnlicher Verhältnisse bei Alltagsdesign und beim
Design in Programmen auf eine ähnliche Ursache (bzw. einen Urheber).
Nach Auffassung zahlreicher Benutzer weisen zahlreiche Programme noch
zahlreichere Mängel auf, so genannte "Design-Fehler". Daraus resultiert ein
"Unvollkommenheits-Argument": Ein besonnener Gestalter würde keine
fehlerhafte Software entwickeln, daher wird oft irrtümlich angenommen, dass
Fehler auf eine ungeplante Entstehung eines Informationssystems hinweisen.
Dieses Fehlinterpretation kann jedoch sicher irgendwann einmal in der fernen
Zukunft der Menschheit wirkungsvoll entkräftet werden - und das ist aber
auch schon der einzige Design-Fehler in der Lehre Intelligent-Design. Der
Gestalter als Stümper?, das kann und darf nicht sein.
21. Juli 2005: Medien-Installation
Lern-Flitter-Spiele online
Heute habe ich die
bereits seit Langem vorbereiteten Medien-Installation
Lern-Flitter-Spiele online
gestellt. Die einzelnen Applikationen sind entsprechend dem Konzept des "Intelligent Design" entwickelt. Damit lassen sich neue technologische Lösungen erproben, deren
Kompatibilität und ihr Zusammenspiel mit Bewährtem optimieren.
15. Juli 2005: Schönborn ganz schön verbohrt
Kardinal
Schönborn hat vor einigen Tagen die Lehre von der Evolution des Menschen
verteufelt, ganz im Gegenteil sieht er hinter der Entwicklung des Menschen
einen göttlichen Plan. Er verwendet dafür das neudeutsche Wort "Design"
oder "intelligentes Design", das
wohl wissenschaftlich klingen soll. Die Grundregeln der Mutation und
Selektion als Basis der Evolution alles Lebendigen gelte nicht. Schönborn
stellt wieder einmal den Glauben über das Wissen und rutscht damit hinter
die europäische Aufklärung zurück.
Was er aber nicht weiß und nie begreifen wird, ist dass sich die Menschen
ihre Götter selbst geschaffen haben. Denn nicht der einzige Gott hat die
Menschen samt allen anderen Göttern, Engel, Teufel und dem ganzen
Zusatz-Aberglauben geschaffen. Das "Design" der einzelnen Götter und
Göttinnen hat der Mensch seit jeher mit Sorgfalt seinem jeweiligen Kulturkreis
angepasst: ägyptische Götter den Ägyptern, indische Götter den Indern,
germanische Götter den Germanen, griechische Götter den Griechen und das
evangelikalen Christentum den Amerikanern.
Nun verlangt Schönborn von der Naturwissenschaft, sie sollte ihm "beweisen, dass
es kein Design des Menschen gibt." Eine kluge Forderung, denn dieser Beweis
kann auf wissenschaftlicher Basis nicht erbracht werden - weil
Glaubensfragen eben außerhalb der Wissenschaft stehen und auch draußen
bleiben müssen.
13. Juli 2005: Dialog
Ein
Ausländer aus Südosteuropa in einer Sackgasse zu mir: Bitte wo ist Schule?
Ich: Welche Schule meinen Sie?
Ausländer: Schule für Kinder.
Ich: Es gibt hier zwölf Schulen für Kinder, welche meinen Sie?
Ausländer: Wo ist hier MA 48?
Ich: Die gibt’s nur in Wien.
Ausländer: Wo ist die Botschaft?
Ich: Welche Botschaft? Alle Botschaften sind in Wien.
Ausländer: Danke.
8. Juli 2005: Verarmungen
Alexander von Schönburgs
Buch "Die Kunst des stilvollen Verarmens" regt mich an, den Besitz meiner
Vorfahren zu bewerten.
Ur-Ur-Großvater und alle davor: Schlösser, Gutshöfe und Ländereinen.
Ur-Großvater: Ein Gutshof.
Großvater: Ein Stadthaus.
Vater: Ein Einfamilienhaus.
Ich: Mietwohnung.
Das Verarmen ist eines jener 08/15 Projekte, wie es so
viele in unserem Leben gibt. Die schleichende Armut kann man durchaus mit
einem Achselzucker übergehen, wenn man nur die notwendige Contenance hat und
eine stabile Haltung dabei einnimmt. Es heißt, auf alles nicht (Lebens-)Notwendige
verzichten - von feinem Essen bis zu teurer Kleidung. Teure Urlaube und
wertvolle Autos sind sowieso gestrichen. Man kann aber ganz einfach
Lebensqualität gewinnen, indem man af sein Geld achtet und Prioritäten beim
Ausgeben setzt. Luxus bedeutet eben nicht, dass man eine Masse von Dingen
besitzt. Es geht ganz einfach um die Heilung vom Konsumwahn, bei sich
selber.
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27. Juni 2005: Den Fluss hinan
wir wandern in der Schwüle
hinan im Nass des Flusses Kühle
ich
den Baby umgeschnallt
über Kies und Fels in weißer Gischt
dann und wann mit der Algen Grün vermischt
und unser fröhlich Lachen hallt
.
da beginnt im Sonnenschein der Regen leicht
das Uferwäldchen einer grünen Urwaldhölle gleicht
Badende an einem Felsenspalt
schwimmen, lachen in dem reinen Nass
viel zu schnell ist zu Ende unser Spaß
und bald sind wir zurück nach diesem Aufenthalt
23. Juni 2005: Sonnenlicht
mit seinen leichten Armen
hält
uns das Sonnenlicht umfangen
mit ihrer Sonnenwarmen
Entschlossenheit gefangen
hat die Sonnenschirme aufgespannt
und so den Himmel mir verbannt
.
dazu weht sanft der Sommerwind
der alles fächelnd kühlt
was heiß im Innern wühlt
ganz nahe hab' ich gefühlt
mein Erleben dazumal als Kind
.
ganz hoch im Blau die weißen
Wolkentürme entreißen
die Entbergung dem Verborgenen
die Entdichtung dem Verdichteten
und regnen, regnen in einem Lauf
wann hört das endlich wieder auf
16. Juni 2005: Die Sprachhose
die
Sprache ist eine alte Hose
in die wir täglich schlüpfen
ob sie uns eng oder lose
und
gleich wie wir sie knüpfen
Hauptsache sie ist bequem
und
trägt sich angenehm
.
schickt sich einer an
unsere speckige Hose herzurichten
sind wir böse über den, der das ersann
und
wollen drauf verzichten
streiten um den alten Tand
und
fordern hehren Sachverstand
.
da lassen wir lieber die alte Hose an
auch wenn sie andere für uns gemacht
lassen nichts an sie heran
und
pflegen die Löcher und unbedacht
leben wir lieber mit speckigem Beinkleid
und
seien die neuen Regel noch so gescheit
.
oft hab ich ein Wort geschrieben
damit's kein and'rer vor mir schreibt
bin neugierig geblieben
und
hab mir die Welten einverleibt
geschrieben ging es fort von mir
und
ist doch immer wieder hier
.
hab die Fäden meiner alten Hose
gewaschen und geflickt
und
ausweglose
Löcher zugestickt
mit ihm manch Nacht des Herzens mir vermerkt
und
durch das Wort auch manch kleines Glück verstärkt
an manchem Tage träume
ich
mich ganz weit weg
zu kühlen Seen und hohen Bergen
allein, mich zu verbergen
getrennt von allem Alltagsdreck
achtsam, auf dass ich nichts versäume
.
zur Entbergung des Verborgenen
im Ohr des Mozarts "G'rechtelt's enk'.
Gehn ma in‘n Prada, gehn ma in’d Hötz."
auf dass ich mich ergötz
an dem Geschenk
das nur Natur kann besorgen
12.Juni 2005: Vögelchen
Mein Vögelchen erzähl
zwitschere,
tiriliere
ich kann dich nicht verstehn
lass dich trotzdem gehn
tschilpe in der Sprache der Tiere
hör nicht auf, bitte erzähl
.
ach, nun weilst du still
ohne einen einz'gen Ton
würde dich gern fragen wo du wohnst
und was du für ein Vogel bist, doch umsonst
du fliegst davon
und ahnest nicht, was ich von dir will
11. Juni 2005: Yggdrasil
aus dem
Traume
in den Tag gefallen
aufgewacht vor allen
in dem kühlen Raume
.
zerfetzt der dunkle Himmelbogen
triefende Wolken in nackten Grau
fern ist jedes Himmelsbau
um den Sonnenschein betrogen
.
am Yggdrasil vor unsrem Haus
spitze Blätter im Wind vibrieren
während wir auch drinnen frieren
und bald muss ich hinaus
Schwaden segeln
im Dämmerschein des Tags -
der Himmelsbogen
von Wolken zugezogen
.
in der Schafeskälte
fällt der kalte Regen -
ohne Sonnenschein -
kriecht ins Gebein
.
unter dunklem Gewölk
ziehen Menschen
auf ihren Wegen -
trotzen allen Niederschlägen
.
angetan mit Jacken, Mänteln
um der Kälte zu entkommen
wie von einem Tier verletzt -
im dunklen Jetzt
7. Juni 2005: RGB Gedicht
.
wie ein Stern, der zitternd glühet
durch die sommerliche Nacht,
kommt der Text und sprühet
mir ein Bild in seltner Pracht
.
wenn sich Bild um Bilder malen
neu im Fenster dieses Seins,
scheint er Frisches auszustrahlen
fremd und rätselhaften Scheins
.
zeigen sich die Wortgebilde
als ungewisse Offenbarung
oder als alt vertraut' Gefilde
für mein Denken neue Nahrung
.
er scheint mich gänzlich aufzusaugen
fordert meinen ganzen Blick,
bin nun nur mehr Augen
und finde kaum zu mir zurück
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Acht Stunden Photosynthese im Stadtbad, ganz ohne Mittagspause. Ein
Massenevent der Sonnenbeter, an dem Tausende in stiller Freude teilgenommen
haben. Schon am Morgen ein ausgiebiges Frühstück unter der Pergola. Dann die
letzte Palme auf der Liegefläche ergattert, um in ihrem Schatten lesen,
plaudern, dösen, beobachten und Radio hören zu können.
In diesem Jahr ist das Datum meines Geburtstages geradezu unübertrefflich
symmetrisch, es ist der 20.05.2005. Zur Feier des Tages sehe ich im
Burgtheater aus unserer Loge einen grandiosen Hamlet. Vorher natürlich
Schweinsschnitzel beim Einstein, eines der wenigen Lokale in Wien, bei dem
der Schnitzelindex unter fünf liegt.
Digitale Kunst kann/muss anders sein, als alles was man bisher kannte.
Hier liegt die visuelle Mediengestaltung im Spannungsfeld der
künstlerisch-experimentellen Auseinandersetzung mit der technischen,
ästhetischen, formalen und inhaltlichen Entwicklung. Daraus entstehen
Computer gesteuerte Installationen digitaler Infografie und Inszenierungen
in digitalen Räumen.
Ausgestellt
werden ausgewählte digitale Arbeiten, die seit 1994 an meinem Computer entstanden sind:
interaktive Bilder, 3D-Bilder, Foto Paintings, animierte Collagen, Fraktale
und abstrakte Arbeiten. Es geht dabei um Hommagen an die große Kunst der
vergangenen Jahrhunderte in Form von Collagen und Montagen die animiert und
interaktiv ausgeführt sind.
Die
Hintergrundfarben, Abläufe der Animationen können bei meinen Installationen vielfach vom den Betrachter selbst
eingestellt und gesteuert
werden. Dadurch ergibt sich eine zusätzliche Möglichkeit, sich interaktiv
mit Kunst zu beschäftigen.
7. Mai
2005: Auf einen Sprung nach Venedig
Schnell den Rucksack gepackt und mit dem Nachtzug in das alle Sinne
betörende Venedig und mit dem nächsten Nachtzug wieder zurück nach Wien. In
Venedig ist die Zeit stehen geblieben. Seit mehr als 200 Jahren Stillstand,
als Napoleon sich die französische Revolution, ganz Frankreich und dann ganz
Europa unter den Nagel gerissen hatte. Dieser Parvenü hatte schließlich den
Hochadel mit dem Dogen abgesetzt und aus der Stadt verjagt. Bis heute konnte
sich keine Autorität mehr festsetzen, die die Stadt hätte umgestalten
können. Die Stadt Salzburg erlitt ein ähnliches Schicksal mit ihrem
Fürsterzbischof und die Stadtkerne der beiden Städte sind dadurch zu einem
steinernen Museum geworden und sehen heute (fast) noch so aus, wie sie einst
Napoleon hinterlassen hatte. Jedenfalls begrüßt uns in Venedig herrliches
Wetter, das großartig zu dieser außerordentlichen Residenz der luxuriösen
Architektur passt.
Im Vaporetto vom Bahnhof zum Markusplatz, vorbei an der versinkenden
Schönheit der Paläste am belebten Canal Grande. In einer der engen Gassen
ein ordentliches Frühstück mit einem Glas Vino-Rosso. Ausgedehnte
Spaziergänge zwischen Häusern von byzantinischer Gotik bis zum ausladenden
Barock. Einen riesigen Bund grünen Spargel für das morgige Abendessen auf
dem Grünmarkt erstanden, einige kleine Andenken, Abendessen am Canal Grande
in der wärmenden Abendsonne und mit der Vaporetto wieder zurück zum Bahnhof.
Eigentlich kein richtiges Tagesprogramm - aber Genuss pur.
Auf der Rückreise passieren wir gegen 5h früh Salzburg, wo (am 8. Mai!) die
Landschaft mit Schnee überzuckert ist, trotz der geschichtlichen
Gleichklänge der Städte ein unangenehmes Wechselspiel des Wetters.
Digitale Kunst ist anders: Für die Literatur stellen
elektronische Medien den dynamischen Aufbau und den interaktiven Ablauf von Prosa und
Gedichten zur Verfügung. Gestaltungsmöglichkeiten durch den Benutzer machen
ihn zum Mitgestalter eines Werkes.
Die Präsentation von Text ist nach wie vor die wichtigste Aufgabe des
Internet. Doch die in den Urzeiten des Internet üblichen unformatierten
Texte sind längst vorbei.
Mit geschickt gemachten Medien-Installationen lässt sich zeigen, wie mit einem Dutzend Zeilen
JavaScript der Browser in ein interaktives Medium verwandelt werden kann.
Mit meiner Arbeit habe ich dabei wieder einmal die Grenzen ausgereizt -
nämlich die von Firefox, der sagenhafte Abstürze produziert und das halbe
Windows-XP gleich mitreißt. Das Ding ist immer noch instabil, einfach billig
und schlecht gemacht und taugt nur dazu um 08/15 Sites anzuzeigen.
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25.
April 2005: Daumier
Eine erfreuliche Zuschrift betreffend
unseres
Karikaturenmuseums und
der dort ausgestellten Werke von Honoré Victorin Daumier hat uns aus New
York erreicht.
Ein neuer Papst ist gekürt, den wir schon lange als den Präfekt der
Glaubenskongregation kennen - ein Kirchenfunktionär reinsten Wassers. Gut für die wahren Christen,
die unbedingt in den Himmel wollen. Schlecht für alle jene, die sich längst
ihren eigenen Glauben gebastelt haben und denen es wohlergeht auf Erden. Er passt genau zur Renaissance der religiösen Hardliner in den USA. Aber
erst die Zukunft kann zeigen, ob er über den düsteren Schatten springen
wird, der ihm vorausgeht.
Ich habe heute gleich zum Anlass der Papstwahl mit einer neuen Technologie ein kleines
Papst-Puzzle entwickelt und nun kann man es im Netz bewundern. Einige
Tage später ist dann noch ein hübsches
Papst-Memory dazu gekommen.
Heute sind gleich zwei interessante Mails anlässlich meiner Adelsforschung
eingegangen. Eine aus Frankreich über
Reich von Reichenstein, mit dem schönsten Lob, das ich jemals über meine
Arbeit bekommen habe. Und eine Zuschrift aus Deutschland über die
Kronberg vom Ohrenstamm und deren Wappen mit den drolligen Eselsohren
als Kleinod.
Sein Gehirn immer wieder auszulüften um es von miesen
Gedanken zu reinigen und zu entstauben ist eine Aufgabe die man regelmäßig
erledigen muss, will man nicht, dass sich das alles im Kopf zu vernebeln
beginnt. Francis Picabia (1879–1953), Maler, Schriftsteller und
Provokateur weiß "Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung
wechseln kann." Und diesen Richtungswechsel gilt es zu unterstützen. Um
sein Gehirn auslüften zu können, gibt es einige äußerst wirksame Methoden:
Da sind einmal die psychologischen Methoden wie
autogenes Training und Meditation.
Man kann aber auch ganz einfach eine Runde spazieren
gehen oder mit interaktiver Unterhaltungssoftware spielen. Minutenspiele
nutzen die Infrastruktur des normalen Arbeitsplatzes und bringen in
Sekunden oder wenigen Minuten Entspannung.
Das Gehirn kann man natürlich auch mit papierenen oder
elektronischen Medien auf einen Spaziergang schicken, indem man die
neuesten Nachrichten oder einen Hintergrundbericht liest. Aber dabei kann
man leicht die Zeit vergessen und die geplanten Sekunden werden zu Minuten
oder einer Stunde.
Passend ausgewählte Unterhaltungssoftware birgt hier
weniger Gefahren. Ein Zwanzigsekundenspiel drei Mal durchgespielt bringt
das Abschalten, liefert ein echtes Erfolgserlebnis und kostet wirklich nur
eine Minute. Oder eben das
Wort zum Tag lesen, das dauert nur einen
Augenblick.
Interaktive Unterhaltungssoftware ist ein witziger und
ausdrucksvoller Jongleur des Moments - ein Stückchen Entspannung vom
Alltag.
Bei all diesen Methoden geht es nur um eines: Man macht
damit in dem sprichwörtlichen "Brett vorm Kopf" ein kleines Loch, um die
Welt dahinter wieder ein bisschen besser sehen zu können.
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Heute ist unser letzter Schitag auf dem Unterberg. Im
Tal bereits der Frühling, am Berg regiert immer noch der Winter. Der
Schnee ist etwas schwerer als noch vor acht Wochen aber unglaublich
g'führig und nach einer kurzen Einfahrzeit schwingen wir die weißen Hänge
hinab, die noch keinen Makel haben. Sogar die Talabfahrt ist in
erstklassigem Zustand, wenn von der versifften Einfahrt in die Schlucht
absieht, deren Felsformationen immer noch an den Wasserfall erinnern, der
sie einmal war. Alles in Allem ein herrlicher Schitag in der warmen
Märzsonne.
Die Objekte der Neuen Medien entstehen auf Displays und
in Lautsprechern. Manchmal flach und mono, vielfach aber dreidimensional
und stereo. Realistisch sieht die Welt aus dem Computer aus. Computer
generierte Grafiken werden als eine dreidimensionale Welt aus echten und
virtuellen Bestandteilen sichtbar.
Für mich stellt sich immer wieder die Frage: Wie lässt
sich ein Multimedia-Produkt noch wirklichkeitsnaher darstellen, auch wenn
es doch gar nicht haptisch existiert? Wie bringe ich den Computer dazu,
dass eine einzelne Darstellung oder ein ganzes Spiel noch realistischer
aussieht? Viele der im Rahmen der Neuen Medien kreativ Schaffenden
schaffen es, dem Betrachter die Dreidimensionalität von grafischen
Gebilden als förmlich real zu suggerieren, auch wenn jene in Wahrheit nur
auf Monitoren existieren. Bedienelemente, Spiele, Produktmodelle oder
Architekturbilder werden in Zukunft noch greifbarer erscheinen müssen, um
sich vom Einerlei der unkreativen Nachahmer abheben zu können.
Für den Betrachter schafft das Dreidimensionale auf dem
flachen Monitor ein vertrautes Realitätsgefühl, besonders wenn es über
real wirkende Steuerungselemente bedient oder bewegt werden kann. Diese
Art der Darbietung wird den althergebrachten Interaktionsgewohnheiten des
Menschen gerecht. Durch gerichteten Schall lässt sich der visuelle
Eindruck noch weiter verbessern.
16.
März 2005: aeiou und draußt bist du
Hätte mir doch denken können, dass hinter dem
österreichischen Internet-Lexikon aeiou
Professor Hermann Maurer aus Graz steckt, hanebüchene Machart und
mangelndes Formgefühl erinnern stark an das von ihm in den späten 1980er
Jahren entwickelte MUPID. Nun wird das "aeiou" Projekt ebenfalls
eingestellt, für Maurer völlig "unverständlich, dass dieses einmalige
Informationsangebot über Österreich, dessen Aufbau rund sieben Millionen
Euro gekostet hat, aus dem Internet entfernt wird."
Das zeigt wieder
einmal, dass eine gute Idee nichts bringt, wenn sie stümperhaft und
geistlos umgesetzt wird. Es ist nichts leichter, als eine gute Idee zu
vernichten!
Es wird mir zwar mancher Inhalt, nicht aber nicht
die Unkultur der Umsetzung von aeiou fehlen. Einzig das Album über österreichische
Musikgeschichte mit den (leider schlampig editierten) Tonbeispielen ist
derzeit unersetzlich. In Wirklichkeit sind die für dieses Projekt
ausgegebenen Millionen an Steuermitteln nur Geldverschwendung.
Wikipedia zum
Beispiel kostet nicht nur bedeutend weniger, sondern ist auch unglaublich
viel umfangreicher, schneller
und universeller - die Inhalte von "aeiou" würden sich hier leicht
unterbringen lassen.
Es ist kaum zu glauben, dass allein Edition und Hosting
dieses Internet-Lexikon sieben Millionen Euro verschlungen haben sollen (der Content war ja schon vorhanden). Dagegen ist die Grasser-Homepage mit
kolportierten Kosten von einer Viertelmillion Euro für die Entwicklung
einschließlich Content geradezu ein Schnäppchen.
Alle Arten von digitalen Kunstwerken benutzen massenhaft technische Konzepte
und Codes, bei denen der kreative Gestalter des Kunstwerks nicht der Urheber
ist. Der Autor bedient sich wie selbstverständlich fremder
Programmierleistung, um seine ästhetischen Intentionen technisch umzusetzen
zu können. Bei diesen
Betrachtungen geht es um eigene und fremde
Codes in
Medien-Installationen ...
Dieser Winter wehrt sich vehement gegen das Vorurteil
der globalen Erwärmung. Mit dem Schifahren unter Palmen ist es wieder nix.
Ganz im Gegenteil: Im Schigebiet Amadé präsentiert sich nun der Winter in
seiner weißesten Pracht. Alle Salzburger Schigebiete können durch einen
einzigen Schipass befahren werden, eine Herausforderung der man in einer
Urlaubswoche nicht begegnen kann.
Sonntag: Schigebiete Radstadt und Altenmarkt bei leichtem Schneefall.
Montag: Schigebiet Fageralm bei Sonnenschein und Pulverschnee.
Dienstag: Schigebiete Wagrain und Flachau im dichten Nebel.
Mittwoch: Die Schi fahren nur auf dem Dach des Autos - zum Hallenbad.
Donnerstag:
Schigebiet Mühlbach am Hochkönig, Goldegg und Dienten mit ein bisschen
Sonne.
Freitag:
Schigebiet Wagrain - St. Johann Alpendorf bei herrlichem Sonnenschein.
Hier fehlt die
Frühlingswärme des März, ohne dass die beißende Kälte und Finsternis der
Jännertage herrschen. Andererseits sind auf manchen Pisten unglaublich
wenige Leute, so dass man oft ganz einsam eine der Abfahrten genießen kann
und vorher sicherheitshalber überprüft, ob man (für den Worst-case) das
Handy auch sicher eingesteckt hat, so menschenleer sind heuer die Berge.
Die Schneelage ermöglicht den Betrieb praktisch aller Tallifte und die
Befahrbarkeit aller Talabfahrten, was die Pisten insgesamt außerordentlich
entlastet.
Literarische Texte oder Computer-Programme zu schreiben
heißt gleichermaßen Wörter aus Buchstaben zu bilden und Aussagen aus
Wörtern und Satzzeichen zusammenzusetzen. Dabei sollten die Gestaltung der
eigentlichen Aussage und der Ästhetik des Codes Spaß machen und dabei
helfen, Information zu transportieren. Die Darstellung und der Transport
von Information ist der eigentliche und ursprüngliche Zweck jedes Codes,
die Darstellung der Aussagen als ästhetische Gestaltungsaufgabe ist eine
zweite Herausforderung.
Es geht dabei um die ästhetische Gestaltung des Codes, als Verbindung des
Funktionellen mit den Ansprüchen der Ästhetik. Dabei sind die Vorschriften
der Rechtschreibung eine minimale Codiervorschrift, um die
Verständlichkeit zu gewährleisten. Die Ästhetik des Quellcodes geht über
seine reine
Funktionalität hinaus und erfüllt dadurch auch bei einem Programmcode einen
künstlerisch-ästhetischen Anspruch.
Mein Essay über die Ästhetik des Codes befasst sich
mit Betrachtungen über die Gestaltung von literarischen Texten und
Computerprogrammen. Er ist ein wenig länglich geraten, drum steht der
gesamte Text über die
Ästhetik des Codes im Salon ...
Premiere des Problemfilms Die Viertelliterklasse im Gasometer.
Roland Düringer führt (Erst-)Regie und leiht vier Männern Gesicht und
Sprache die eines gemeinsam haben: Über sie herrscht König Alkohol. Die
Protagonisten stammen aus verschiedenen Milieus und haben grundverschiedene
Lebenspläne, die durch den Alkoholismus zum Alptraum geraten.
Eine etwas magere Geschichte nimmt ihren Lauf und die vier Figuren treffen
auf einer jener (Weinachs-)Feiern zusammen, die ich immer schon frühzeitig
verlassen habe, um eben diesen Jammer nicht mit ansehen zu müssen. Nachdem
ich aber zu dieser Kinopremiere eingeladen bin, ist die Fluch nicht gut
möglich und ich erlebe das Trinkerdrama aus der Position meines unbequemen
Kinositzes bis zum Ende. Von den mitgebrachten Rumkugeln habe ich aber keine
hinuntergebracht.
Gerade eben habe ich wieder einmal unter dem Nerv
tötenden Abruf einer PDF-Datei gelitten. Wirre Namen rasen sinnentleert
über den Bildschirm, um die überflüssige Darstellung der überflüssigen
PDF-Information vorzubereiten. Und nichts kann diesen Wahnsinn stoppen.
Der PDF-Bazillus verbreitet sich immer mehr im Netz und mausert sich zum
Zeitdieb des Surfers. Für manche Informationsanbieter ist diese Art der
Darstellung von Informationen inzwischen so selbstverständlich geworden,
dass sie auf eine Kennzeichnung derartiger Files vergessen. Da erkennt der
Surfer einen Link, rechnet aber nicht mit einem Wechsel von HLML zu PDF
und das Unglück nimmt seinen Lauf. Der Schrott-Transport vom Server zum
Acrobat Reader beginnt, dessen Hobby zu sein scheint, Daten und Codes zu
laden und zu verifizieren, denn es dauert eine ganze Weile, bis die
Anzeige endlich aufgebaut ist und erst jetzt kann man diese lästige
Bazille von seinem Bildschirm wieder verjagen.
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... eine süße Barockoper in der Wiener Kammeroper.
Eine Westentaschenoper aus dem 17. Jahrhundert in englischer Sprache. Schön
gesungen von Venus (Luzine Azaryan), Adonis (Daniel Schmutzhard) und vor
allem Cupido (Max Riebl). Perfektes Orchester (Bernhard Klebel) auf
Originalinstrumenten. Die an sich überflüssigen Multimediaeinlagen sind
von Leuten (Daniel Angermayr & Thomas Goerge) gemacht, die damit beweisen,
dass sie von Multimedia rein gar nichts verstehen. Insgesamt für einen
Opernabend um ein Weniges zu kurz.
Scheinkranke haben's gut, die können sich ihre
Krankheit aussuchen - je nach Saison, Mode, Familiensituation und
Weltlage. Aber sie können nicht nur den Beginn und den Verlauf der
Scheinkrankheit bestimmen, sondern auch die Heilungsphase - die berühmten
Spontanheilungen sind dabei nicht ausgeschlossen.
Auch die Wirksamkeit der Heilmittel haben die
Scheinkranken völlig im Griff: Manchmal hilft Granderwasser, manchmal
helfen simple Lebensmittelergänzungsstoffe, auch das Anlegen von
Magnetarmbändern oder das Streicheln von Halbedelsteinen kann die Heilung
bewirken. Der Kreativität des Scheinkranken sind hier kaum Grenzen
gesetzt.
Und ganz gleich, in welchem Stadium sich die
Scheinkrankheit gerade befindet, Vortragsstoff für Familie, Freunde und
zufällige Bekanntschaften in Cafés oder Wartezimmern von Arztpraxen bietet
die selbst erdachte Krankheit in hohem Ausmaß, lässt sie sich doch je nach
Erfordernis in verschiedenen Variationen darstellen.
Aber die Wissenschaft will und will den Scheinkranken
nicht so richtig anerkennen, da reicht sein gesamtes Kreativitätspotential
immer noch nicht aus.
20.
Februar 2005
Die Entwicklung von gut gestalteten
Internetauftritten ist teuer oder exorbitant teuer und sie wird nicht
nach Codelängen oder Megabyte gewogen und bezahlt. Entscheidend bei jedem
elektronischen Portal ist die Originalität der dahinter stehenden Idee,
dazu kommt noch die Art und Weise der Umsetzung.
Ich glaube nach wie vor an die ursprüngliche Idee des
Internets: Den freien, kostenlosen
Informationszugang für jedermann. Auch deswegen stelle ich jede Menge Software
und Informationen online.
Für den Erfolg eines online Informationssystems sind
auch die vermittelte Illusion und deren attraktive Darstellung
verantwortlich. Das Gleiche gilt natürlich auch für jedes Lernsystem und
jedes web-basierte Spiel.
Spielen und Lernen scheinen mir ziemlich nahe beisammen zu sein. Dazu kommt,
dass ich lieber lerne als spiele und so spiele ich auch nicht besonders
oft. Aber wenn ich einmal spiele, dann will ich diesen Zeitvertreib selbst
gestalten oder wenigstens beeinflussen können, schönere Grafiken aussuchen
oder den Text verbessern. Und so sind eben mehrere Dutzend Online-Spiele
entstanden - vorerst nur für mich selbst und zu meiner eigenen Erbauung und
als Planspiele für die Erprobung und den Einbau in Projekte.
Heute ist es mir endlich gelungen, in JavaScript ein kompaktes Lernprogramm
zu entwickeln, bei dem beliebig viele Antwortmöglichkeiten vorgesehen
sind und das für alle möglichen Gegenstände eingesetzt werden kann, also
Sprachen, Mathematik, Physik, Geschichte, Geographie, Biologie, Corporate
Design, Umgangsformen, etc. Ich teste es erst einmal als Vokabeltrainer für
Deutsch/English.
Außerdem habe ich es heute doch noch geschafft, verschiedene
Mühlespiele zum Laufen zu bringen und Hnefa-Tafl, das Wikinger-Schach,
grafisch zu optimieren.
Ich bekomme einige merkwürdige Meldungen von Benutzern,
die nicht wissen, dass auf der ersten Seite eines Internetauftritts nicht
die gesamte Information untergebracht ist, sondern dass man die Details
erst im Informationsangebot findet, wenn man sich hineinklickt. Es war
ihnen nicht möglich, zu den eigentlichen Informationen zu gelangen. In
einer Besprechung zur Homepage einer Gruppe von Benutzern waren zwei
Männer mit einem Printout der Domainseite erschienen und einer von ihnen
hatte enttäuscht gemeint: "Im Internet steht aber nicht viel drin'."
Dem ernst gemeinten Rat, einen Hinweis mit dem Text wie "Hier geht's
weiter ..." anzubringen bin ich nicht nachgekommen, da man am Zugang zu
den Details über alle fünf Grafiken und dem Text jetzt schon kaum vorbeiklicken
kann.
Diese Leute ähneln im Verhalten Steinzeitmenschen, die
nicht wissen, dass man ein Buch aufklappen muss um es lesen zu können -
oder, dass man erst in ein Auto einsteigen muss, um damit wegfahren zu
können.
Das Öffnen von Gegenständen ist eine
Intelligenzleistung, über die alle Säugetiere und die Vögel verfügen, aber
auch Kraken schaffen das. Primitiveren Tierformen wie Reptilien, Insekten,
Spinnen und Würmern ist die Handlungsweise des bewussten Öffnens von
Objekten nicht möglich.
Unter Lesekompetenz versteht PISA die Fähigkeit, Texte
in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu
verstehen, sie in den Zusammenhang einzuordnen und sie sachgerecht nutzen
zu können. Was aber wenn jemand eine schlechte Öffnungskompetenz hat und
nix lesen kann, weil er Bücher und Internetseiten nicht aufmachen kann.
3.
Februar 2005: Schöne neue Browserwelt
Gewisse Darstellungsprobleme für Besucher mit
Alternativbrowsern wie Netscape, Mozilla oder Firefox sind bei der
Komplexität der Implementierung nicht zu vermeiden. Exoten werden immer
Schwierigkeiten bei Seiten mit komplexen Javascripts haben, da diese
Exotenbrowser bestimmte Darstellungen ganz einfach falsch machen. Jedes
Programm hat Fehler und so auch die dort eingesetzte Rendering-Engine von
Gecko. Um eine komplexe Seite (wie diese) immer fehlerfrei anzeigen
zu können, muss daher der Internet Explorer verwendet werden. In Zukunft
wird es Browser (wie dem derzeit angekündigten neuen Netscape) geben, die
alternativ die Rendering-Engine Gecko oder die des Internet-Explorer
verwenden - aber bis dahin ist noch Zeit. Leute, die mit Exoten
durchs Netz surfen, müssen damit leben bestimmte Seiten entweder gar nicht
oder verfälscht zu sehen.
Bedauerlicherweise kommt die
Rendering-Engine Gecko weder mit CSS noch mit JavaScript zu Rande und
stellt bestimmte Farbvorgaben nicht oder falsch dar und/oder erzeugt eine
fehlerhafte Bildgeometrie. Wegen dieser Verunstaltungen der Darstellung
können Gecko-basierte Browser wie Netscape, Mozilla oder Firefox
(zumindest derzeit) nicht empfohlen werden, will man ernsthaft mit dem
Internet arbeiten. KHTML basierte Browser wie Safari und Konqueror sowie
Opera haben noch größere Probleme mit den Normen.
Browser-unabhängige Entwicklungen
würden demnach voraussetzen, dass man im Code die Fehler jeder Art und
Abart von Browsern zu umgehen hätte. Die Forderung nach
Browserunabhängigkeit ist per se eine Killerphrase.
Mit Firefox, Mozilla und Co. ist es eben wie mit
Autos, die mit Erdgas oder elektrisch angetrieben sind - eine gute Idee
scheitert oft an der Realität, denn mangelnde Kompatibilität, Sicherheit und
Reichweite schränken die praktische Verwendbarkeit drastisch ein.
Heute Vormittag geht das Informationsangebot der
Wahlplattform online. Ich habe eine ganze Menge Know-how in die Seite
eingearbeitet. Die Seite enthält eine Reihe von Spezialeffekten, die dem
Besucher das Erschließen von Informations-Verdichtungen wie
Kandidatenliste und Parteiprogramm einfacher machen. Aufgepeppt ist das
ganze mit einem Online-Gewinnspiel, sowie Memory-Spielen über die
Kandidaten, historischen Persönlichkeiten und Baudenkmäler. Außerdem
enthält die Seite eine integrierte Online-Umfrage über die
Bürgerzufriedenheit. Der erste Gewinnspieler hat kurz nach der
Freischaltung der Homepage seine Einsendung abgegeben.
Damit ist eine brandneue, informative Wahlplattform
entstanden, die sich in Punkto Funktionalität von allen anderen
Partei-Seiten unterscheidet, die ich bisher gesehen habe. Nach der Wahl
werden hier aktuelle Bildberichte aus dem Stadtgeschehen zu lesen sein.
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27.
Jänner 2005: A Capella Musical "Avenue X"
Ein Musical aus der grausamen Welt verfeindeter
Volksgruppen in den USA, Book & Lyrics by John Jiler, Music by Ray
Leslee.
Große Stimmen in der kleinen Oper. Ein Singstück ohne
Orchester in dem acht Sänger in der Wiener Kammeroper eine grausame
Geschichte schildern. Ein A-Capella-Werk mit Rock-and-Roll, Gospel,
Blues, Jazz und Rap als europäische Erstaufführung eines amerikanischen
Musicals in der Wiener Kammeroper. Ein Musical über Liebe und den Hass
zwischen zwei Ethnien, über Träume, Ängste und Aggressionen junger
Menschen im Brooklyn des Jahres 1963, als die Stadtverwaltung Schwarze aus
Harlem in das Italienerviertel umsiedelt. Die Avenue X teilt das Viertel
in zwei verfeindete Welten, in die der Afroamerikaner und der
Italoamerikaner. Die Minimaldekoration der Bühne erstrahlt in immer
wechselnden Farben der Stimmungen und Situationen. Dem großen Beifall am
Schluss gelingt es, das Sittendrama aus einer fremden Welt ein wenig mit
unserem Leben zu verbinden.
Dann mit Freunden
im Franks auf ein gepflegtes Kapsreiter Bier.
25.
Jänner 2005: Softwarepatente und
selbständige Entwickler
Zum Glück gibt es in EU-ropa noch immer keine neue
Patentregelung für Software und hoffentlich kommt es zu einem Überdenken
der bisherigen Standpunkte. An einer Entscheidung der "Richtlinie über die
Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen" scheiterte bisher
das EU-Ratsgremium. Sie soll nun am 31. Jänner im Rat für Allgemeine
Fragen und Außenbeziehungen durchgezogen werden.
Das nun seit Jahren laufenden Gesetzgebungsverfahrens im
EU-Parlament bedürfte aber eines völligen Neustarts. Selbständige
Entwickler hätten bei einer Umsetzung des derzeitigen Papiers
durchschlagende Wettbewerbsnachteile.
Die Befürworter, darunter die Branchenriesen wie
Microsoft, Nokia, SAP und Siemens, brauchen den erweiterten Patentschutz
für ihre Erfindungen, die auf Software basieren. Der Industrielobby geht
es vor allem darum, dass bei Softwareentwicklungen künftig nicht nur der
konkrete Code, sondern ganze Verfahren - wie etwa die Ein-Klick-Methode
auf der Website von Amazon - patentiert werden können und damit
lizenzpflichtig werden.
Ein selbständiger Entwickler hätte gar nicht die
Kapazität, all seine Codes patentieren zu lassen und müssten außerdem
laufen über enorm aufwändige Recherchen herausfinden, welche Methoden
bereits patentiert sind. Ja, er würde sich sogar strafbar machen, wenn er
den von ihm selbst entwickelten Code einsetzt, falls dieser von einem der
Branchenriesen bereits patentiert ist oder irgendwann später zum Patent
angemeldet wird.
Bereits in zehn Jahren könnte sich die Welt in einem
unaufhaltsamen Klimawandel befinden. Eine reale Chance, dass eine weitere
Erwärmung der Erde stattfindet, die schönes Wetter und viel Sonne bringt,
Heizenergie und -kosten reduziert und es nicht mehr notwendig macht für
einen unbeschwerten Urlaub um den halben Globus zu fliegen. Der Urlaub im
eigenen Land brächte weniger Verkehrstote und eine bedeutende
Energieersparnis.
Davor warnt eine internationale Studie britischer,
amerikanischer und australischer Angst- und Miesmacher. Die G-8-Staaten werden darin
aufgefordert, rasch auf erneuerbare Energien umzusteigen und den
CO2-Ausstoß deutlich zu verringern, damit wir weiter unter Regenwetter und
Kälte zu leiden haben. Sie gönnen uns eben keine Palmen unter ewig blauem
Himmel.
Ich gestalte gerade eine
einzelne Architekturseite für ein städtisches Kultur- und
Veranstaltungszentrum und das Ergebnis ist durchaus befriedigend.
Die Unterbringung einer Bildergalerie am Bildschirm
ist immer ein Problem: Wie lassen sich mehrere Bilder zeigen, ohne den
Betrachter durch das Scrollen mussmutig zumachen? Ohne seine Übersicht zu
gefährden? Ohne beim Schreiten von Bild zu Bild widersinnige Unruhe in die
Übergängen zu bringen? die den Betrachter vom Eigentlichen ablenkt. Ich
musste erst einmal eine geeignete Technologie entwickeln und erproben, alles was ich
bisher für die Lösung ähnlicher Aufgaben verwendet hatte, trug dieses fatale
Ereignis
der Unruhe des Auftritts in sich. Die an sich unerwartete Lösung basiert auf einer JavaScript-Miniatur,
die all meine Anforderungen erfüllt: Klare Lösung, kleiner Aufwand, große
Wirkung. Keine fruchtlosen Code-Strecken wie Makromedia-Flash, keine
Plug-ins, kein Hin und Her mit dem Server. Keinerlei Scrollen zwischen Ansichten
und Einsichten. Und nicht zuletzt blitzartige Ladezeiten.
Der Erfolg bringt für mich eine angenehme Empfindung für den ganzen Tag, ich
fühle mich stolz uns beschwingt. Es sind die kleinen, unerwarteten Erfolge,
die uns glücklich machen.
Das Führen eines elektronischen Tagesbuchs hat für mich persönlich einen
zusätzlichen positiven Effekt: Früher musste ich mich immer verteidigen,
warum ich nur auf nackte Seiten schreiben will. Alle anderen schrieben auf
Blätter, die mit blauen Linien liniert oder kariert waren. Immer, wenn mich
jemand beim Kauf eines Heftes begleitete, war ich schon in Erwartung seines
Gesichtsausdrucks oder seiner guten Ratschläge wegen meiner Entscheidung für
die nackten Seiten in Sorge. Aber ich hatte keinen Entscheidungsspielraum,
denn ich kann zwischen die vorgegeben Zeilen und über die gedruckten
Kästchen nichts schreiben, teilen sie doch die Seiten in Bereiche, die nicht
mein Maß haben. Und wenn ich schreibe, kann ich mich nicht durch Linien und
Karos in eine Ordnung zwingen lassen, die nicht die meine ist.
Nun schreiben (fast) alle mit dem PC und damit auf nackte Seiten und keiner
wundert sich mehr über mich.
Schreiben war und ist für mich immer Auftrag und außerdem ist es in der
Lage, die biologische Uhr anzuhalten. Früher oder später wird (fast) alles
über das Leben eines Menschen vergessen, schon von demjenigen der es gelebt
hat, und noch weniger bleibt nach seinem Tod im Gedächtnis der später
Überlebenden. Das große Mysterium des geschriebenen Wortes liegt auch in
seiner Fähigkeit, der biologischen Uhr zu widerstehen und dadurch die
zeitliche Dimension zu beherrschen.
Und es gilt das gewichtigste Axiom aller Kultur: Wer schreibt, der bleibt.
13.
Jänner 2005: Uraufführung der La finta
giardiniera vor 230 Jahren
Heute ist für mich persönliche ein besonders bezauberndes Jubiläum: Genau
vor 230 Jahren fand die Uraufführung der Mozartoper "La
finta giardiniera" statt, nämlich am 13. Jänner 1775. Mein
5xUrgroßonkel Josef Anton Graf Seeau hatte sie vom 18-jährigen Wolfgang
Amadeus Mozart für den Münchner Karneval komponieren lassen.
11. Jänner 2005:
Memory
Gestern habe ich ein attraktives web-basiertes Spiel entworfen und heute in
Javascript fertig implementiert. Das Spiel ist die Weiterentwicklung des
klassischen Memory-Spiels. Meine Version verteilt Bilder von z.B. bekannten
Persönlichkeiten und ihre Lebensdaten auf einem Spielbrett. Durch Aufdecken
von je zwei Feldern können dann die Portraits den Namen zugeordnet werden.
In einem zweiten Teil wird die Auflösung gezeigt. Das Lernspiel ist
parametrisierbar und kann daher leicht abgeändert und als Lernmedium für
andere Sachgebiete eingesetzt werden.
Ein kleines Spielchen zur Entspannung in Lernpausen gefällig? In dem eben
entwickelten Lernsystem gibt es dafür eine Spielwiese. Die Spiele-Sammlung
ist in letzter Zeit rasch auf 18 Stück angewachsen und enthält natürlich
viele der bekannten Klassiker, alle überarbeitet und im gleichen Layout.
Dazu gehören etwa schachartige Spiele wie Dame, das acht Königinnen Problem
und Tigerschach.
Ein Teil der Spiele stellt eine gewitzte Verknüpfung von Computerspiel und
einer Lerneinheit dar. Das ist auch die Richtung, in der die Spiele in
Zukunft weiter entwickelt werden sollen.
Ich habe am Wiener Burgtheater Don Carlos erlebt.
Eines der großen politischen Bekenntnisdramen, es analysiert und
durchleuchtet das Netzwerk der Macht und Intrige in einem Brennpunkt der
absoluten Herrschaft. Doch ist bei dieser Don Carlos Aufführung das
Bühnenbild die Hauptsensation. Martin Zehetgruber hat ein labyrinthisches
Gefüge von Glaskobeln mit Gängen um die Handlung herumgebaut, die
Architektur einer verkommenen Büroetage aus den 1960-Jahren, in der die
Atmosphäre eines unmodern gewordenen Großraumbüros herrscht. Die
Dekoration kann sich drehen und wenden, wird zum Audienzsaal des Königs,
zum Schlafzimmer der Königin, zum Palmenhaus, in dem Gräfin Eboli Don
Carlos zum Rendezvous erwartet, zum Verlies, aber nie zum Königpalast.
Bleibt immer eine Arbeitsstätte, die für arme Leute gebaut ist, hat nie
etwas königlich Herrschaftliches. Passt nie zum Thema, denn die Mächtigen
halten wo anders Hof, nicht hier.
Don Carlos ist jenes politische Bekenntnisdrama des
Revolutionärs und Freigeistes Friedrich Schiller, in dem "Sire, geben Sie
Gedankenfreiheit" vom Spanischen König Philipp II. gefordert wird, einem
gewissenlosen Diktator.
Zwischen 19 und 22 Uhr 45 wird gezeigt, wie
verwickelt und undurchsichtig politisch-gesellschaftliche Prozesse in
einer Diktatur ablaufen. Sven Eric Bechtolf in der Rolle Philipp II.
verhält sich glaubhaft als unberechenbarer Potentat und seine Hofschranzen
verfolgen vielschichtige Ziele und folgen damit den bizarren Wendungen des
Königs. Nach einer fundamentalen Auseinandersetzung über das
Machtverständnis verweigert er seinem Sohn Don Carlos die Versöhnung.
Philipp Hauss spielt einen heftigen, leicht zu begeisternden jungen Mann,
der linkisch Ziele verfolgt, die gegen die Machtausübung seines Vaters
gerichtet sind und dabei kein Fettnäpfchen auslässt.
Christiane von
Poelnitz kann als Fürstin Eboli nicht gerade überzeugen. Überhaupt bringt
einen die Inszenierung von Andrea Breth zum Nachdenken über die Umtriebe
von Königsmacht und Kriegskunst und darüber, warum es Machtmenschen nichts
ausmacht, Untertanen, Freunde und Familie für ihre Ziele zu verheizen. Und
wenn man genauer darüber nachdenkt: In so einer Arbeitsumgebung kann man
keine großen Gedanken hegen, sondern entwickelt Häme, Aggression,
Gleichgültigkeit oder Missmut, je nachdem auf welche Hierarchieebene einen
das Schicksal gestellt hat. Friedrich Schiller hätte sich sicher keine
Bürohengste in Bürokleidung als Grafen, Fürsten und Könige gewünscht. Denn
sonst hätte er Müllers Büro und nicht Don Carlos geschrieben.
4.
Jänner 2005: Nach dem Tsunami
Neun Tage nach dem Tsunami-Unglück in Asien präsentieren
und kommentieren die Medien vor Palmenstränden immer grausamere Schicksale der Opfer. Im Privatfernsehen werden abendfüllende Formate über
verwüstete Landstriche und Einzelschicksale dauergesendet. Reporter, die
wie Zugvögel zu den Bruchlinien der menschlichen Zivilisation reisen, sind
längst eingetroffen und mit der Erschließung des Leids der Menschen
beschäftigt. Die zurück gebliebenen Journalisten haben sich inzwischen
darauf spezialisiert uns möglichst viele, möglichst prominente Spender im
Fernsehen zu zeigen. Google liefert für das vorher kaum bekannte Wort
Tsunami inzwischen 14 Millionen Treffer, eine Woche später sind es bereits
doppelt so viel.
Die Welt ist ein Dorf geworden, ein mediales so wie so,
aber auch eines, in dem man verschiedene Sommer- und Winterwohnsitze hat,
die man außerhalb des Berufslebens in Anspruch nimmt. Und in eben in einem
dieser Winterdomizile im sonnigen Asien hat die Natur das Meer
überschwappen lassen, Küstenbewohner und Küstengäste zigtausendfach mit
sich gerissen und das Paradies zur Hölle verkehrt. Die
Technologieverweigerer, Verschwörungstheoretiker und Kausalkettendenker
arbeiten seither fieberhaft daran, der Menschheit wenigstens einen Teil
der Ursachen des Unglücks anzulasten.
3.
Jänner 2005: Genealogische Untersuchungen
2005 ist für die Familie Seeau ein Jahr der Jubiläen. Vor 525 Jahren
kommt mein 10xUrgroßvater Thomas zur Welt. Vor 350 Jahren heiratet mein
7xUrgroßvater Elias die Enkelin des Salzburger Fürsterzbischofs
Wolf-Dietrich von Raitenau.
2004 konnte ich gleich zwei Aufführungen der selten gespielten Mozartoper
La finta giardiniera genießen. Nun gibt es eine neu geschriebene
musikalische Würdigung. Schließlich war der Auftraggeber der Oper mein
5xUrgroßonkel Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten.
2.
Jänner 2005: Mein Tagebuch
Ich schreibe in meinem
Tagebuch die Episoden aus meinem Leben auf, um sie nicht wie meine
Gehirnwellen im Nichts verpuffen zu lassen. Das Tagebuch ist meine
Zeitkapsel. Meine, nicht die anderer Leute. Ich entscheide alleine und
spontan, was ich später über die Details eines Tages wissen werde. Ich
schreibe es mit der felsenfesten Überzeugung, dass jeder Tag meines Lebens
sich wenigstens eine Zeile in meinem Tagebuch verdient.
In diesem Jahr gibt es als Dauerprogramm die
Killerphrase zum Tag! Killerphrasen
dienen der Abwehr fremder Meinungen. Sie werden im nichtpartnerschaftlichen
Argumentieren eingesetzt - als Ausreden, Abwehrmaßnahmen und Ruhigsteller.
Nichtpartnerschaftliches Argumentieren orientiert sich an einem
programmierten Sieg-Niederlage-Modell und zielt darauf ab, in einer
argumentativen Auseinandersetzung mit verbalen Vorgriffen das
Recht-Behalten abzusichern. Dabei geht es nicht darum, den
Gesprächspartner zu überzeugen, sondern ganz im Gegenteil, ihn in gleich
eingangs mit einem Wortabschneider zu überrumpeln und zur Aufgabe seines eigenen Standpunktes zu
bewegen.Seit vielen Jahren fasse ich zum Neujahrstag den Vorsatz,
keinerlei Vorsätze zu fassen und bin damit bisher bereits am Anfang jedes
Jahres gescheitert. Vielleicht schaffe ich es diesmal, keine Vorsätze zu
fassen. Schließlich meinte mein Vater zu jedem tatsächlichen/vermuteten
Scheitern: "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!" und da
will ich sicher nicht hin: Quasi Höllenwegverweigerer.
Zum Werkbuch des Jahres 2004 ...
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