1. Dezember 2005: Adventskalender

Actoids PilgerreisenAdvent, Advent, ein Lichtlein brennt. Endlich ist es soweit: Heute pünktlich um 0 Uhr öffnet sich bei den Flitter-Spielen das erste Türchen unseres digitalen Adventskalenders. Hinter den Christkindln verbergen sich Spiele und Übungen zum Brain-Jogging. Für jeden Tag wird eine andere Übung angeboten.

 

24. Oktober 2005: Das Mozartprojekt

Stiftung SeeauFür das Mozartprojekt habe ich nunmehr 45 (in Worten: fünfundvierzig) digitale Mozartauftritte fertig gestellt: Lerneinheiten, Spielereien und Spiele. Bei diesen Arbeiten bin ich Mozart wiederum ein Stück näher gekommen. Die vier Puzzle-Fassungen werden jeweils mit sechs Bildvarianten angeboten.

Eine neue Welt der Musikkultur tut sich damit auf, schließlich hat Mozart selbst um 1787 sein Musikalisches Würfelspiel kreiert, eine Anleitung zur Komposition von Musikstücken mit zwei Würfeln. 1787 wird im Pariser Journal darüber berichtet: "Einer der neusten modischen Zeitvertreibe in Gesellschaften ist ... das musikalische Würfel-Spiel; wo jedermann, der nur ein bißgen Clavier spielen kann, ohne ein Wort von Composition zu verstehen, vermittelst zweyer Würfel und eines Notenblatts, Menuets ins Unendliche komponiren kann."

14. Oktober 2005: Spätsommer in Venedig

Salon ActoidWieder einmal mit dem Rucksack für einen Tag in das Alles umschmeißende Venedig. Hin und zurück mit dem Nachtzug. In Venedig ist die Zeit stehen geblieben, einmal was die Architektur betrifft, andererseits was die Jahreszeit anbelangt - die Stadt zelebriert Mitte Oktober einen Spätsommertag. Wie immer zuerst mit einem von Touristen überfluteten Vaporetto vom Bahnhof zum Markusplatz. Dann genießen wir die Pracht der Räume im Dogenpalast und gehen über die Seufzerbrücke in die Kasematten. Dann wieder ausgedehnte Spaziergänge durch die Gässchen und Plätze zwischen den Häusern von Byzanz bis Barock. Eine der kleinen Wohnungen hier in den Dächern sollte mir gehören, mit einem einzelnen Fenster auf einen Platz oder zu einem der Kanäle - das wäre mein Glück. Zum Abschluss des Tages ein romantisches Abendessen im Ristorante Omnibus in den letzen Strahlen der Abendsonne über dem Canal Grande und dann zu Fuß durch die halbe Stadt zurück zum Bahnhof. Diese Stadt war wieder einmal Genuss pur.

Kurz vor der Abfahrt macht sich eine Chinesin in unserem Abteil breit. Sie spricht gut englisch und ihr Telefonino ist mit chinesischen Schriftzeichen übersäht. Die junge Frau redet über dies und das, zwei ihrer Aussagen sind sind aber ungewöhnlich: Erstens weiß sie nicht wie die Stadt heißt, die sie nun in Richtung Wien verlässt und lässt sich den Namen buchstabieren. Zweitens mokiert sie sich darüber, dass hier weder Gerichte mit Heuschrecken noch aus Schlangenfleisch angeboten werden. Die Nacht im Abteil ist jedenfalls eng, trotzdem bin ich am nächsten Morgen ausgeschlafen.
 

6. Oktober 2005: Regietheater Verschwender

Auge rotHeute Abend wurde wieder einmal durch das gerade moderne Regietheater die Bühne des Burgtheaters genotzüchtigt. Ferdinand Raimund Raimunds "Verschwender" stellt sich uns als blässlicher Warner der Reichen vor. Regisseur Stefan Bachmann hat den Österreichern, dem Biedermeier und besonders dem Ferdinand Raimund wieder einmal gezeigt, wie das Leben aussieht - wenn man es in eine pietistische Haut einnäht. Nix da mit der prallen Freude am Leben, da müssen schon einige Gummipuppen und eine Treppenpyramide her, um zu zeigen wie entseelt, unecht und hohl alles ist.

BurgtheaterAch wäre ich doch einfach im Einstein unter den Kolonnaden sitzen geblieben und hätte mich weiter an Schnitzel und Bier ergötzt. Der Kellner hier versteht jedenfalls sein Gewerbe besser als der Regisseur im nahen Burgtheater das seinige. Dienstleistungen können so ja unterschiedlich sein.
 

3. Oktober 2005: Ein digitaler Auftritt für Mozart

    Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Das Mozartjahr 2006 steht vor der Türe. Ganz gleich, ob man lieber den 250. Geburtstag dieses Ausnahmekünstlers feiert oder den 225. Jahrestag seines Rausschmiss aus dem ihm so verhassten Salzburg. Zu diesem Jubiläum bereite ich seit Wochen einen digitalen Auftritt für Mozart vor.

Digitaler Mozartauftritte sind anders, jedenfalls meine: Spiele und Spielereien, Raten und Rätsel, Memories und Musikbeispiele laden zum Zerkugeln ein und werfen respektvoll respektlose Schlaglichter auf Kunst und Kommerz in Zeiten der Mozart-Manie.

In der Spielzone zum Mozartjahr 2006 gibt es fröhliche DHTML Spiele und JavaScript Köstlichkeiten zu den Themen Leben und Werk, Freunde und Feinde sowie Musik, Münzen und Mozartkugeln.

Mozart selbst hatte Sinn für Humor und liebte das Bizarre. Humoristische Elemente finden finden sich häufig, das Paradebeispiel dafür ist "Ein musikalischer Spaß“, auch in Opern wie Cosi, Entführung  und Zauberflöte zelebriert er seinen Witz.

Ob Mozart nun den EU-Rechtsstreit über die Mozartkugeln oder meine Spiele lustiger gefunden hätte, lässt sich nur erahnen.

 

27. September 2005: Spiel mit dem SpongeBob

Heute habe ich ein bereits entwickeltes Fangenspiel mit dem SpongeBob ausgestattet und das Spiel sieht mit dieser Figur jedenfalls netter aus als vorher mit dem verstaubten Clown. Alle Fans des Schwammköpfchens können ab sofort dieses quirlige Männchen abschießen.

25. September 2005

    In der Spielzone Brain Jogging sind zehn neue Lektionen zum Training des Gehirns in der Auswahlparade, darunter Fragenkomplexe zur Evolution des Menschen, Lebenserwartung und Spieltheorie. Bisher sind bereits über zwei Dutzend Quizes, Spiele und Fragebögen zusammen gekommen.

Digitales Brain-Jogging klappt anders: In interaktiven Medien lässt sich erfrischendes Hirntraining greifbarer umsetzen und wendiger implementieren. Das digitale Brain-Jogging ist kunterbunt aber nichts für Gelegenheitsdenker.

21. September 2005: Warten

ZeitläufeWarten ist ein ständiger Begleiter in unserem Lebens. Da gibt es einmal das kleine Warten: Im Stau. An der Supermarktkasse. Bei der Ampel. Das ist oft zu kurz, um mit dieser Zeit etwas Sinnvolles anfangen zu können. In dieser kurzen Weile ist man gezwungen, sich darauf zu konzentrieren, wie die Zeit vergeht. Alles was in diesen kurzen Intervallen ablenkt, bringt keine wirkliche Entspannung.

Wenn man sich aber schon vorher ausrechnen kann, wie lange man warten muss, kann man es sich jedoch richten. Wichtig ist dabei, dass die verwartete Zeit eine Struktur verpasst bekommt. Beim größeren Warten kann die Zeit zwischen den aktiven Tätigkeiten auch sinnvoll genutzt werden: Lesen, Trinken, Essen, Gesprächen mit Fremden, Tagebuch schreiben, Beobachten, Sinnieren.

Dauert der Warteprozess dann doch zu lange, löst das in den Menschen ablehnende Reaktionen aus. Bei einem Rendezvous fiebert man zuerst dem Date entgegen. Dann wartet man gespannt auf sein Gegenüber, kommt es nicht, fängt man an zu zweifeln bis man wütend auf sich selbst oder die andere Person wird. In Lebenssituationen, in denen das Warten zu lange dauert, kann diese Wut zur Hoffnungslosigkeit werden.

Viele Menschen haben das Warten in ihre Tageszeit fest integriert: Feuerwehrleute, Hypochonder, Querulanten, Polizisten, Prostituierte, Sanitäter, Soldaten, Spechtler. Hier geht es darum die Wartezeit zu kultivieren und in ihr mehr oder weniger Sinnvolles zu treiben, sie zu einem erträglichen Teil des Alltags zu machen.

16. September 2005: 120 km auf dem Jakobsweg

JakobsmuschelDie 120 Kilometer Pilgerreiste auf dem Jakobsweg von Oberösterreich, durch Salburg und Bayern nach Tirol sind geschafft. Ein Erlebnis von Natur, Land und Leuten der besonderen Art. Vier Tage auf mich alleine gestellt auf Güter-, Feld- und Wiesenwegen, entlang von Flüssen und über Berge durch das Land.

12. September 2005: Vorbereitung der Pilgerreise

WeblogHeute ist der Tag der Vorbereitung für den Jakobsweg von Oberösterreich nach Tirol: Die laufenden Projekte an definierten Punkten abschließen. Landkarten und Touren zusammenstellen. Kleinzeug (Kamera, Ladegeräte, Messer, Toiletteartikel, Unterwäsche, Ausweise, Geld) aus den verschiedenen Regionen der Wohnung zusammentragen.

11. September 2005: Zufalls-Lektionen

Statte auch die Flitter-Spiele mit der Technik zur Auswahl von Zufalls-Lektionen aus. Dadurch wird eine x-beliebige der derzeit insgesamt 152 Lerneinheiten aus dem Fundus der Lernflitter ausgewählt. Die Medien-Installation der Lern-Flitter-Spiele enthält derzeit 166 JavaScript-Applikationen.

Meine psychotischen Medien-Emotionen - Installationen zwischen Wahn und Sinn - zählen inzwischen fast 300 Stücke und irgendwann wird das alles online gehen, zum Wohle der gesamten Menschheit.

7. September 2005: Das letzte Mal unter Palmen

Reise in den SüdenIch bin seit zweit Tagen etwas marode und sonne mich ab Mittag im Stadtbad. Ich lese auf einer Liege im Schatten einer Palme den Roman "Plattform", mein erstes Buch von Michel Houellebecq. Je tiefer ich in die Geschichte hineinkommen, um so besser gefallen mir der Wechsel im Schreibstil zwischen rabiat, klug und einfühlsam und seine nüchtern, erfrischend und schamlos dargestellten Szenen.

Für einen Wochentag sind erstaunlich viel Badegäste hier, allerdings ist Baden absolut weiblich - zwei Drittel der Badegäste sind Frauen im Alter zwischen vierzig und achtzig. Für mich jedenfalls ist es der letzte Badetag in diesem Jahr, wurde doch die Öffnungszeit des Bades wegen des herrlichen Wetters um einige Tage verlängert, um diesen Regensommer wenigstens etwas auszugleichen.

1. September 2005: Der Traum vom eingestürzten Dach

ActoidUnser Schlafzimmer hat keine Decke mehr. Die Einrichtung ist unter herab gestürzten Balken und Mauerteilen begraben. Über dem Schuttberg kann man durch die ineinander verkeilten Dachsparren den grauen Himmel sehen.

Es heiß nun, eine neue Wohnung zu finden. Die Suche führt uns immer öfter hinaus aus Mödling nach Wien. Skurrile Wohnungen werden uns angeboten: Eine liegt in einem Haus am Fuß einer steilen orangefarbenen Hutweide. Eine kleine Wohnung besteht aus einem einzigen Raum und liegt direkt neben einem Kaffeehaus; die einzige Fensterfront trennt das Lokal von dem länglichen Zimmer. Viele der Wohnungen liegen in schlechten Vierteln in kleinen Gassen, die wie im Orient durch Händler und Waren verstellt sind. Am Abend kommen wir zu einem abgelegenen Landhaus, bei dem das Zirpen der Grillen unerträglich laut ist. Langsam nehme ich die Umrisse der Einrichtung und des Fensters in unserem Schlafzimmer wahr. Das Zirpen scheint aus dem Gehäuse des Fernsehers zu kommen, in den sich vielleicht eine Grille verirrt hat.

 
30. August 2005

    Für die Flitter-Spiele und die Medien-Emotionen die Software für die "interactive Map" fertig gestellt und integriert. Nunmehr kann das "Spiel des Tages" und ein "Zufallsspiel" automatisch angewählt werden. Diese Technik übernimmt die automatische Weiterschaltung, baut auf DOM-Konzepten auf und ergänzt die sonst übliche Map mit einer interaktiven Darbietung von Web-Auftritten mit vielen gleichartigen Sites. Sinnvoll angewandt kann das Ganze erst, wenn deutlich mehr als 100 gleichartige Sites miteinender im Wettbewerb stehen.

Die Sitemap ist mit der Hauptnavigation der wichtigste Zugangsschlüssel in ein umfangreiches Informations-Angebot. Je größer die Anzahl der Sites ist, desto schwieriger wird es, Sitemaps anzulegen und aktuell zu halten.

Sitemaps müssen die die logischen Struktur der Website widerspiegeln und jede Site mit einem Klick verfügbar machen, wenn sie denn richtig angelegt ist. Je größer die Website, desto größer der Aufwand für die Erstellung der Sitemap, aber umso nötiger ist sie auch zur Erschließung des Informationsangebots.

Mit der "Interactive Map" werden in einem Rutsch zusätzlich sinnvolle Kontrollen der Sites erzeugt. Dafür werden jene Verknüpfungsinformationen genutzt, die sowieso in jeder Sitemap vorhanden sind. Funktionen wie das "Spiel des Tages" oder die Auswahl eines "Zufallsspiels" sthen dann ohne weiteren Aufwand zur Verfügung.

25. August 2005: Spielzone Brain-Jogging

    Die völlig neu entwickelte Spielzone Brain Jogging bringt die grauen Zellen auf Trab. Die Lern-Flitter-Spiele enthalten damit ein ganzjähriges Trainingsprogramm für die geistige Fitness. In abwechslungsreichen Übungen werden Gedächtnis, kognitive Intelligenz, Konzentration, Kreativität und logisches Denken trainiert.

Auf den Websites von Brain-Jogging gibt es eine tägliche Denksport-Aufgabe, dazu abwechslungsreich gestaltete Quizfragen. Im Anschluss findet sich die Auflösung der Aufgabe, außerdem zusätzliche Erklärungen und Übungen, die das Gedächtnis trainieren.

20. August 2005: Ramsau am Traunsee

Reise zu den UrsprüngenSchlafe heute im Gasthaus Ramsau erstmals bei offener Terrassentüre. Die Aussicht vom Bett durch die Terrasse über den bleiernen See nach Ebenzweier ist beglückend. Irgendwie ist es hier wie zu Hause angelegt: dort geht die Aussicht vom Bett durch das Lesezimmer über das Wohnzimmer zu meinen Bildern an der Wand. Um sechs sitze ich bereits auf der Terrasse, schreibe Tagebuch und mache ein paar Fotos, die zeigen wie das Blei des Sees zu lauterem Silber wird.

Eine Woche bin ich nun in dieser zauberhaften Gegend am Traunsee, dem "lacus felix" der Römer. Die Regentage sind zum Glück erst einmal vorüber, doch der See ist kalt und so konnte ich gestern nur kurz schwimmen. Trotz der Flossen bin ich nur bis zum Ende des Landungsstegs gekommen.

18. August 2005: Cosi fan Tutte

Cosi fan Tutte. Salzburg. Großes Festspielhaus. Grandios. Phantastisches Bühnenbild auf Licht gesetzt. Stimmungen von Morgenröte bis zu bleiernem Regenwetter. Von gleißender Mittagssonne bis zur düsteren Nacht. Mozarts Musik ist hinreißend und die Inszenierung lässt den Sängern jenen Raum, in dem sie die merkwürdige Verwechslungskomödie meistern können. Mein Sitz wurde leider exakt hinter einer der beiden Säulen des riesigen Saales montiert und ich kann den Zentralbereich der Bühne kaum einsehen.

17. August 2005: Der Himmel heut' ist regengrau

    der Himmel heut' ist regengrau
wie gesponn'ne Seide
er schwankt
er krankt
wird bisweilen licht
durch blaue Flecken aufgehellt
bevor der Regen wieder fällt
.
im Kastaniengarten
schießt ein kleiner Fluss
der Regen kommt in Strömen nieder
das Traunsee-Ufer gegenüber
kann man nur ahnen
verhängt von Regenfahnen
der Himmel heut' ist regengrau

17. August 2005: Religiös verwahrloste Jugend

Actoids PilgerreisenDer Klerus der katholischen Kirche hat eine neues Problem außerhalb der Kirche entdeckt: "Religiös verwahrloste Jugend". Ein Nichts gegen jenen menschlich verwahrlosten Klerus, der über Jahrhunderte durch seine religiösen Eiferer abertausenden von Menschen Folter und Tod gebracht hatte.

16. August 2005: König Ottokars Glück und Ende

KontaktDie Königstragödie "König Ottokars Glück und Ende" wird in einem aufgelassen Salzlager auf der Pernerinsel in Hallein aufgeführt, ein spannender und ungewöhnlicher Spielort. Ebenso Stück und Inszenierung: halsstarrig, lebendig und ergreifend. Der Intendant Kusej kann bereits einiges, muss aber noch viel lernen. Er hat es Grillparzer einige Male deutlich gezeigt, wer hier der Herr ist und wie man das Stück eigentlich schreiben hätte sollen. Doch die Koituseinlagen auf der Bühne sind nur markiert, Zigaretten geraucht wird dagegen richtig. Ich finde das genau verkehrt, sollt ich einmal ein Stück von Kusej bearbeiten, dann drehe ich das um.

13. August 2005: Der Barbier von Schärding

Stiftung SeeauIm Kubin-Saal zu Schärding gibt's heute den Barbier von Sevilla - in seiner Erstvertonung von Giovanni Paisiello. Eine typische Barockoper, perfekt komponiert und einfallsreich inszeniert. Das winzige Orchester tut sein Bestes, was aber nicht immer genug ist. Eine wahre Komödie wird gegeben und ganz im Vordergrund steht die reizende Rosina. Schlussendlich ist das Publikum so begeistert, dass es eigentlich gar nicht mehr gehen möchte.

Dann noch auf ein Bier in einen Schanigarten, wo warme Decken für die immer zu kühl angezogenen Damen ausgelegt sind. Ein herrlicher Tag geht zu Ende.

1. August 2005: Die letzten Unrechtschreiber

Schreiben als LeidenschaftBayern und Nordrhein-Westfalen stehen seit heute mit ihrer Unrechtschreibung alleine - sie schreiben ab nun nicht mehr recht. Denn da sind die Holzköpfe zu Haus und feiern den Schreib-Dadaismus des 21. Jahrhunderts, indem sie alte und neue Schreibweisen weiterhin gleichzeitig für gültig halten. Jeder kann dort schreiben wie er will, Stoiber sei Dank. Sieben Jahre waren zum Umdenken und Umlernen: Für manche reicht das nicht! Auch der Nordrhein schreibt wie er will und der Westfale schafft es auch nicht mit der neuen Rechtschreibung. Ich frage mich nun, was ist mit dem Ostfalen? Schreibt der nun recht oder unrecht - oder schreibt der gar nichts? Fragen über Fragen an den umstellungs-unwilligen Nordrhein. Jedenfalls schreiben nun alle österreichischen Bundesländer, Liechtenstein, Südtirol und alle Kantone der Schweiz recht.

 

29. Juli 2005: Der HNO-Arzt

Auge rotAus der flirrenden Sonnenhitze fliehe ich unter einen Schirm in meinem Stammcafé. Mein Glück sollte nicht von Dauer sein, denn noch bevor ich meinen Kaffee bekomme, formiert sich hinter mir eine Gruppe von älteren Leuten um einen längst pensionierten HNO-Arzt. Früher hatte er wohl jedem Kind des Ortes in Hals, Nase und Ohren geschaut und wenn es sich die Eltern irgendwie leisten konnten, hat er dann dem Kind die Mandeln und Nasenpolypen herausgeschnitten - privat und auf Rechnung versteht sich. Jetzt ist er Mittelpunkt einer Runde, in der jeder lauthals versucht, seine Krankheiten und Operationen in den Mittelpunkt zu stellen. Schade, dass dieser Arzt nicht Psychiater geworden ist, sonst würde ich jetzt über die Psychosen der Familien unterrichtet, das würde mich wesentlich mehr interessieren. Ich zahle, sobald die Kellnerin wieder vorbeikommt, denn ich kann es nicht weiter mitanhören, welche schrecklichen Leiden diese altersfleckigen Wracks bereits hinter sich haben. Ich fliehe weiter, diesmal in das grelle Sonnenlicht hinaus.

26. Juli 2005: Intelligentes Design

SchnabelkopfDie vorliegenden Medien-Installation der Lern-Flitter-Spiele sind ein Spin-off der Entwicklung meiner web-basierten Informationssysteme und der Online-Lernsysteme. Sozusagen meine laufenden Fingerübungen für die Perfektionierung des Umgangs mit HTML, CSS und JavaScript.

All diese Applikationen sind auf der Basis von "Intelligentem Design" (kurz ID) entstanden und verbinden einwandfreies Layout auf Basis von interaktiven Hightech-Scripts. Nachdem die Theorie von ID in letzter Zeit auch bei uns immer heftiger diskutiert wird, hier einige der grundlegenden Überlegungen dazu:

Der Grundgedanke des "Intelligent Design" sagt aus, dass software-basierte Informationssysteme (eventuell auch die Hardware) Eigenschaften haben, die auf das Wirken eines intelligenten, willensbegabten Urhebers (Autor, Entwickler, Designer, Gestalter) hinweisen und andere Möglichkeiten ihrer Herkunft (Zufall, Langeweile, Herumprobieren) ausschließen. Vage Spekulationen, wie sie etwa die Evolution bietet, greifen bei diesem Erklärungsmodell nicht. Voltaires Argument "Das Bessere ist der Feind des Guten" wird im ID keinerlei Bedeutung zugemessen.

Eigenschaften der Herkunft, die auf einen Designer hinweisen, werden im Gedankengebäude des Kreationismus als "Design-Signale" bezeichnet und die ID-Theorie beinhaltet eine Reihe wissenschaftliche Kriterien, mit denen solche Design-Signale identifiziert werden können. Durch eine wissenschaftliche Untersuchung kann eindeutig geklärt (oder wenigstens plausibel gemacht) werden, ob eine informations-orientierte Struktur auf einen intelligente Urheber zurückgeht oder nicht.

Das Gegenstück von ID ist konsequentes Drauflos-Programmieren, das grundsätzlich nur zufällige Entwicklungen als Basis zulässt, auch in Integrations- und Ursprungsfragen. Die Entstehung der Informationssysteme aller Art sollen nach Meinung der ID-Gegner allein durch wildes Herumprobieren, lang andauernde Langeweile, stümperhafte Übungen und pure Zufälle erklärt werden.

ID assoziiert Prinzipien wie Design, Gestaltung, Layout, Planung, Zielsetzung und Zweckorientierung, weniger aber Begriffe wie Verzierung, Verschönerung oder Ästhetik wie etwa bei "Designer-Schuhen" usw. Es geht also bei ID um das Funktionelle und Zweckhafte in Programmen und Informationssystemen, nicht um beliebige Spielereien, obwohl Letztere im Grau des Alltags durchaus reizvolle Beschäftigung sein können.

Für die Gestalt von Programmen kommen grundsätzlich nach den Kriterien des ID drei Faktoren in Frage: Zufall, Pflichtenhefte oder Kreativität.
Um nachzuweisen, dass ein kreativer Designer am Werke war, gibt es zwei Möglichkeiten:
  1. Zufall und Spieltrieb werden als ausreichende Ursachen ausgeschlossen.
  2. Es können positive Befunde für die Existenz eines Designers angegeben werden.

Als "Signale" für "Intelligent Design" gelten vor allem synorganisierte (aus mehreren voneinander abhängigen Bauteilen bestehend) Strukturen mit verschachtelten Wechselbeziehungen zwischen den Bestandteilen:
 1. Arrangierte Komplexität (specified complexity)
 2. Irreduzible Komplexität (irreducible complexity)
Es handelt sich dabei um also ein System, das nicht mehr mehr verkleinert werden kann, ohne die Funktion ganz zu verlieren.

Der Gedanke an Planung von Software drängt sich dem unbefangenen Benutzer zweifellos auf. Weil die Welt voll von Designer-Schuhen, -Jeans, -Möbel und -Drogen ist, ziehen wir zurecht den Schluss daraus, dass diese Dinge alle von "Designern" für uns gemacht sind. Dieser Schluss kann ohne Informationsverlust auf die Software übertragen werden. Dort ist der Designer natürlich nicht in gleicher Weise bekannt, wie etwa der Urheber von Jeans, daher handelt es sich auch nur um einen Analogieschluss. Das heißt: Man schließt aufgrund ähnlicher Verhältnisse bei Alltagsdesign und beim Design in Programmen auf eine ähnliche Ursache (bzw. einen Urheber).

Nach Auffassung zahlreicher Benutzer weisen zahlreiche Programme noch zahlreichere Mängel auf, so genannte "Design-Fehler". Daraus resultiert ein "Unvollkommenheits-Argument": Ein besonnener Gestalter würde keine fehlerhafte Software entwickeln, daher wird oft irrtümlich angenommen, dass Fehler auf eine ungeplante Entstehung eines Informationssystems hinweisen. Dieses Fehlinterpretation kann jedoch sicher irgendwann einmal in der fernen Zukunft der Menschheit wirkungsvoll entkräftet werden - und das ist aber auch schon der einzige Design-Fehler in der Lehre Intelligent-Design. Der Gestalter als Stümper?, das kann und darf nicht sein.

21. Juli 2005: Medien-Installation Lern-Flitter-Spiele online

Heute habe ich die bereits seit Langem vorbereiteten Medien-Installation Lern-Flitter-Spiele online gestellt. Die einzelnen Applikationen sind entsprechend dem Konzept des "Intelligent Design" entwickelt. Damit lassen sich neue technologische Lösungen erproben, deren Kompatibilität und ihr Zusammenspiel mit Bewährtem optimieren.

15. Juli 2005: Schönborn ganz schön verbohrt

XaverKardinal Schönborn hat vor einigen Tagen die Lehre von der Evolution des Menschen verteufelt, ganz im Gegenteil sieht er hinter der Entwicklung des Menschen einen göttlichen Plan. Er verwendet dafür das neudeutsche Wort "Design" oder "intelligentes Design", das wohl wissenschaftlich klingen soll. Die Grundregeln der Mutation und Selektion als Basis der Evolution alles Lebendigen gelte nicht. Schönborn stellt wieder einmal den Glauben über das Wissen und rutscht damit hinter die europäische Aufklärung zurück.

Was er aber nicht weiß und nie begreifen wird, ist dass sich die Menschen ihre Götter selbst geschaffen haben. Denn nicht der einzige Gott hat die Menschen samt allen anderen Göttern, Engel, Teufel und dem ganzen Zusatz-Aberglauben geschaffen. Das "Design" der einzelnen Götter und Göttinnen hat der Mensch seit jeher mit Sorgfalt seinem jeweiligen Kulturkreis angepasst: ägyptische Götter den Ägyptern, indische Götter den Indern, germanische Götter den Germanen, griechische Götter den Griechen und das evangelikalen Christentum den Amerikanern.

Nun verlangt Schönborn von der Naturwissenschaft, sie sollte ihm "beweisen, dass es kein Design des Menschen gibt." Eine kluge Forderung, denn dieser Beweis kann auf wissenschaftlicher Basis nicht erbracht werden - weil Glaubensfragen eben außerhalb der Wissenschaft stehen und auch draußen bleiben müssen.

13. Juli 2005: Dialog

Projektgestaltung als HerausforderungEin Ausländer aus Südosteuropa in einer Sackgasse zu mir: Bitte wo ist Schule?
Ich: Welche Schule meinen Sie?
Ausländer: Schule für Kinder.
Ich: Es gibt hier zwölf Schulen für Kinder, welche meinen Sie?
Ausländer: Wo ist hier MA 48?
Ich: Die gibt’s nur in Wien.
Ausländer: Wo ist die Botschaft?
Ich: Welche Botschaft? Alle Botschaften sind in Wien.
Ausländer: Danke.

8. Juli 2005: Verarmungen

Alexander von Schönburgs Buch "Die Kunst des stilvollen Verarmens" regt mich an, den Besitz meiner Vorfahren zu bewerten.
Ur-Ur-Großvater und alle davor: Schlösser, Gutshöfe und Ländereinen.
Ur-Großvater: Ein Gutshof.
Großvater: Ein Stadthaus.
Vater: Ein Einfamilienhaus.
Ich: Mietwohnung.

Das Verarmen ist eines jener 08/15 Projekte, wie es so viele in unserem Leben gibt. Die schleichende Armut kann man durchaus mit einem Achselzucker übergehen, wenn man nur die notwendige Contenance hat und eine stabile Haltung dabei einnimmt. Es heißt, auf alles nicht (Lebens-)Notwendige verzichten - von feinem Essen bis zu teurer Kleidung. Teure Urlaube und wertvolle Autos sind sowieso gestrichen. Man kann aber ganz einfach Lebensqualität gewinnen, indem man af sein Geld achtet und Prioritäten beim Ausgeben setzt. Luxus bedeutet eben nicht, dass man eine Masse von Dingen besitzt. Es geht ganz einfach um die Heilung vom Konsumwahn, bei sich selber.

 

27. Juni 2005: Den Fluss hinan

wir wandern in der Schwüle
hinan im Nass des Flusses Kühle
Reise zu den Ursprüngenich den Baby umgeschnallt
über Kies und Fels in weißer Gischt
dann und wann mit der Algen Grün vermischt
und unser fröhlich Lachen hallt
.
da beginnt im Sonnenschein der Regen leicht
das Uferwäldchen einer grünen Urwaldhölle gleicht
Badende an einem Felsenspalt
schwimmen, lachen in dem reinen Nass
viel zu schnell ist zu Ende unser Spaß
und bald sind wir zurück nach diesem Aufenthalt

23. Juni 2005: Sonnenlicht

mit seinen leichten Armen
Weinbergehält uns das Sonnenlicht umfangen
mit ihrer Sonnenwarmen
Entschlossenheit gefangen
hat die Sonnenschirme aufgespannt
und so den Himmel mir verbannt
.
dazu weht sanft der Sommerwind
der alles fächelnd kühlt
was heiß im Innern wühlt
ganz nahe hab' ich gefühlt
mein Erleben dazumal als Kind
.
ganz hoch im Blau die weißen
Wolkentürme entreißen
die Entbergung dem Verborgenen
die Entdichtung dem Verdichteten
und regnen, regnen in einem Lauf
wann hört das endlich wieder auf

16. Juni 2005: Die Sprachhose

die Sprache ist eine alte Hose
in die wir täglich schlüpfen
Schreiben als Leidenschaftob sie uns eng oder lose
und
gleich wie wir sie knüpfen
Hauptsache sie ist bequem
und
trägt sich angenehm
.
schickt sich einer an
unsere speckige Hose herzurichten
sind wir böse über den, der das ersann
und
wollen drauf verzichten
streiten um den alten Tand
und
fordern hehren Sachverstand
.
da lassen wir lieber die alte Hose an
auch wenn sie andere für uns gemacht
lassen nichts an sie heran
und
pflegen die Löcher und unbedacht
leben wir lieber mit speckigem Beinkleid
und
seien die neuen Regel noch so gescheit
.
oft hab ich ein Wort geschrieben
damit's kein and'rer vor mir schreibt
bin neugierig geblieben
und
hab mir die Welten einverleibt
geschrieben ging es fort von mir
und
ist doch immer wieder hier
.
hab die Fäden meiner alten Hose
gewaschen und geflickt
und
ausweglose
Löcher zugestickt
mit ihm manch Nacht des Herzens mir vermerkt
und
durch das Wort auch manch kleines Glück verstärkt

14.Juni 2005: Tagtraum

an manchem Tage träume
Reise zu den Ursprüngenich mich ganz weit weg
zu kühlen Seen und hohen Bergen
allein, mich zu verbergen
getrennt von allem Alltagsdreck
achtsam, auf dass ich nichts versäume
.
zur Entbergung des Verborgenen
im Ohr des Mozarts "G'rechtelt's enk'.
Gehn ma in‘n Prada, gehn ma in’d Hötz."
auf dass ich mich ergötz
an dem Geschenk
das nur Natur kann besorgen

12.Juni 2005: Vögelchen

Mein Vögelchen erzähl
Die Lust des Herunterlesenszwitschere, tiriliere
ich kann dich nicht verstehn
lass dich trotzdem gehn
tschilpe in der Sprache der Tiere
hör nicht auf, bitte erzähl
.
ach, nun weilst du still
ohne einen einz'gen Ton
würde dich gern fragen wo du wohnst
und was du für ein Vogel bist, doch umsonst
du fliegst davon
und ahnest nicht, was ich von dir will

11. Juni 2005: Yggdrasil

Actoidaus dem Traume
in den Tag gefallen
aufgewacht vor allen
in dem kühlen Raume
.
zerfetzt der dunkle Himmelbogen
triefende Wolken in nackten Grau
fern ist jedes Himmelsbau
um den Sonnenschein betrogen
.
am Yggdrasil vor unsrem Haus
spitze Blätter im Wind vibrieren
während wir auch drinnen frieren
und bald muss ich hinaus

9. Juni 2005: Junis Anfang

SchnabelkopfSchwaden segeln
im Dämmerschein des Tags -
der Himmelsbogen
von Wolken zugezogen
.
in der Schafeskälte
fällt der kalte Regen -
ohne Sonnenschein -
kriecht ins Gebein
.
unter dunklem Gewölk
ziehen Menschen
auf ihren Wegen -
trotzen allen Niederschlägen
.
angetan mit Jacken, Mänteln
um der Kälte zu entkommen
wie von einem Tier verletzt -
im dunklen Jetzt

7. Juni 2005: RGB Gedicht
.
Mediendesignwie ein Stern, der zitternd glühet
durch die sommerliche Nacht,
kommt der Text und sprühet
mir ein Bild in seltner Pracht
.
wenn sich Bild um Bilder malen
neu im Fenster dieses Seins,
scheint er Frisches auszustrahlen
fremd und rätselhaften Scheins
.
zeigen sich die Wortgebilde
als ungewisse Offenbarung
oder als alt vertraut' Gefilde
für mein Denken neue Nahrung
.
er scheint mich gänzlich aufzusaugen
fordert meinen ganzen Blick,
bin nun nur mehr Augen
und finde kaum zu mir zurück

 

29. Mai 2005: Photosynthese

Reise in den SüdenAcht Stunden Photosynthese im Stadtbad, ganz ohne Mittagspause. Ein Massenevent der Sonnenbeter, an dem Tausende in stiller Freude teilgenommen haben. Schon am Morgen ein ausgiebiges Frühstück unter der Pergola. Dann die letzte Palme auf der Liegefläche ergattert, um in ihrem Schatten lesen, plaudern, dösen, beobachten und Radio hören zu können.

20. Mai 2005: Geburtstag

BurgtheaterIn diesem Jahr ist das Datum meines Geburtstages geradezu unübertrefflich symmetrisch, es ist der 20.05.2005. Zur Feier des Tages sehe ich im Burgtheater aus unserer Loge einen grandiosen Hamlet. Vorher natürlich Schweinsschnitzel beim Einstein, eines der wenigen Lokale in Wien, bei dem der Schnitzelindex unter fünf liegt.  

14. Mai 2005: Digitale Kunst ist anders

Digitale Kunst kann/muss anders sein, als alles was man bisher kannte. Hier liegt die visuelle Mediengestaltung im Spannungsfeld der künstlerisch-experimentellen Auseinandersetzung mit der technischen, ästhetischen, formalen und inhaltlichen Entwicklung. Daraus entstehen Computer gesteuerte Installationen digitaler Infografie und Inszenierungen in digitalen Räumen.

VenusAusgestellt werden ausgewählte digitale Arbeiten, die seit 1994 an meinem Computer entstanden sind: interaktive Bilder, 3D-Bilder, Foto Paintings, animierte Collagen, Fraktale und abstrakte Arbeiten. Es geht dabei um Hommagen an die große Kunst der vergangenen Jahrhunderte in Form von Collagen und Montagen die animiert und interaktiv ausgeführt sind.

Die Hintergrundfarben, Abläufe der Animationen können bei meinen Installationen vielfach vom den Betrachter selbst eingestellt und gesteuert werden. Dadurch ergibt sich eine zusätzliche Möglichkeit, sich interaktiv mit Kunst zu beschäftigen.

7. Mai 2005: Auf einen Sprung nach Venedig

Salon ActoidSchnell den Rucksack gepackt und mit dem Nachtzug in das alle Sinne betörende Venedig und mit dem nächsten Nachtzug wieder zurück nach Wien. In Venedig ist die Zeit stehen geblieben. Seit mehr als 200 Jahren Stillstand, als Napoleon sich die französische Revolution, ganz Frankreich und dann ganz Europa unter den Nagel gerissen hatte. Dieser Parvenü hatte schließlich den Hochadel mit dem Dogen abgesetzt und aus der Stadt verjagt. Bis heute konnte sich keine Autorität mehr festsetzen, die die Stadt hätte umgestalten können. Die Stadt Salzburg erlitt ein ähnliches Schicksal mit ihrem Fürsterzbischof und die Stadtkerne der beiden Städte sind dadurch zu einem steinernen Museum geworden und sehen heute (fast) noch so aus, wie sie einst Napoleon hinterlassen hatte. Jedenfalls begrüßt uns in Venedig herrliches Wetter, das großartig zu dieser außerordentlichen Residenz der luxuriösen Architektur passt.

Im Vaporetto vom Bahnhof zum Markusplatz, vorbei an der versinkenden Schönheit der Paläste am belebten Canal Grande. In einer der engen Gassen ein ordentliches Frühstück mit einem Glas Vino-Rosso. Ausgedehnte Spaziergänge zwischen Häusern von byzantinischer Gotik bis zum ausladenden Barock. Einen riesigen Bund grünen Spargel für das morgige Abendessen auf dem Grünmarkt erstanden, einige kleine Andenken, Abendessen am Canal Grande in der wärmenden Abendsonne und mit der Vaporetto wieder zurück zum Bahnhof. Eigentlich kein richtiges Tagesprogramm - aber Genuss pur.

Auf der Rückreise passieren wir gegen 5h früh Salzburg, wo (am 8. Mai!) die Landschaft mit Schnee überzuckert ist, trotz der geschichtlichen Gleichklänge der Städte ein unangenehmes Wechselspiel des Wetters.

1. Mai 2005: Interaktive Texte

NachschlagewerkDigitale Kunst ist anders: Für die Literatur stellen elektronische Medien den dynamischen Aufbau und den interaktiven Ablauf von Prosa und Gedichten zur Verfügung. Gestaltungsmöglichkeiten durch den Benutzer machen ihn zum Mitgestalter eines Werkes.

Die Präsentation von Text ist nach wie vor die wichtigste Aufgabe des Internet. Doch die in den Urzeiten des Internet üblichen unformatierten Texte sind längst vorbei.

Mit geschickt gemachten Medien-Installationen lässt sich zeigen, wie mit einem Dutzend Zeilen JavaScript der Browser in ein interaktives Medium verwandelt werden kann.

Mit meiner Arbeit habe ich dabei wieder einmal die Grenzen ausgereizt - nämlich die von Firefox, der sagenhafte Abstürze produziert und das halbe Windows-XP gleich mitreißt. Das Ding ist immer noch instabil, einfach billig und schlecht gemacht und taugt nur dazu um 08/15 Sites anzuzeigen.

 

25. April 2005: Daumier

Die Lust des HerunterlesensEine erfreuliche Zuschrift betreffend unseres Karikaturenmuseums und der dort ausgestellten Werke von Honoré Victorin Daumier hat uns aus New York erreicht.
 

19. April 2005: Habemus Papam

WeinbergeEin neuer Papst ist gekürt, den wir schon lange als den Präfekt der Glaubenskongregation kennen - ein Kirchenfunktionär reinsten Wassers. Gut für die wahren Christen, die unbedingt in den Himmel wollen. Schlecht für alle jene, die sich längst ihren eigenen Glauben gebastelt haben und denen es wohlergeht auf Erden. Er passt genau zur Renaissance der religiösen Hardliner in den USA. Aber erst die Zukunft kann zeigen, ob er über den düsteren Schatten springen wird, der ihm vorausgeht.

Ich habe heute gleich zum Anlass der Papstwahl mit einer neuen Technologie ein kleines Papst-Puzzle entwickelt und nun kann man es im Netz bewundern. Einige Tage später ist dann noch ein hübsches Papst-Memory dazu gekommen.

18. April 2005: Reich von Reichenstein

Stiftung SeeauHeute sind gleich zwei interessante Mails anlässlich meiner Adelsforschung eingegangen. Eine aus Frankreich über Reich von Reichenstein, mit dem schönsten Lob, das ich jemals über meine Arbeit bekommen habe. Und eine Zuschrift aus Deutschland über die Kronberg vom Ohrenstamm und deren Wappen mit den drolligen Eselsohren als Kleinod.

10. April 2005: Das Gehirn auslüften

Sein Gehirn immer wieder auszulüften um es von miesen Gedanken zu reinigen und zu entstauben ist eine Aufgabe die man regelmäßig erledigen muss, will man nicht, dass sich das alles im Kopf zu vernebeln beginnt. Francis Picabia (1879–1953), Maler, Schriftsteller und Provokateur weiß "Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann." Und diesen Richtungswechsel gilt es zu unterstützen. Um sein Gehirn auslüften zu können, gibt es einige äußerst wirksame Methoden:

Da sind einmal die psychologischen Methoden wie autogenes Training und Meditation.

Man kann aber auch ganz einfach eine Runde spazieren gehen oder mit interaktiver Unterhaltungssoftware spielen. Minutenspiele nutzen die Infrastruktur des normalen Arbeitsplatzes und bringen in Sekunden oder wenigen Minuten Entspannung.

Das Gehirn kann man natürlich auch mit papierenen oder elektronischen Medien auf einen Spaziergang schicken, indem man die neuesten Nachrichten oder einen Hintergrundbericht liest. Aber dabei kann man leicht die Zeit vergessen und die geplanten Sekunden werden zu Minuten oder einer Stunde.

Passend ausgewählte Unterhaltungssoftware birgt hier weniger Gefahren. Ein Zwanzigsekundenspiel drei Mal durchgespielt bringt das Abschalten, liefert ein echtes Erfolgserlebnis und kostet wirklich nur eine Minute. Oder eben das Wort zum Tag lesen, das dauert nur einen Augenblick.

Interaktive Unterhaltungssoftware ist ein witziger und ausdrucksvoller Jongleur des Moments - ein Stückchen Entspannung vom Alltag.

Bei all diesen Methoden geht es nur um eines: Man macht damit in dem sprichwörtlichen "Brett vorm Kopf" ein kleines Loch, um die Welt dahinter wieder ein bisschen besser sehen zu können.

 

26. März 2005: Winter Ade

Schi fahrenHeute ist unser letzter Schitag auf dem Unterberg. Im Tal bereits der Frühling, am Berg regiert immer noch der Winter. Der Schnee ist etwas schwerer als noch vor acht Wochen aber unglaublich g'führig und nach einer kurzen Einfahrzeit schwingen wir die weißen Hänge hinab, die noch keinen Makel haben. Sogar die Talabfahrt ist in erstklassigem Zustand, wenn von der versifften Einfahrt in die Schlucht absieht, deren Felsformationen immer noch an den Wasserfall erinnern, der sie einmal war. Alles in Allem ein herrlicher Schitag in der warmen Märzsonne.

21. März 2005: Total real

Die Objekte der Neuen Medien entstehen auf Displays und in Lautsprechern. Manchmal flach und mono, vielfach aber dreidimensional und stereo. Realistisch sieht die Welt aus dem Computer aus. Computer generierte Grafiken werden als eine dreidimensionale Welt aus echten und virtuellen Bestandteilen sichtbar.

Für mich stellt sich immer wieder die Frage: Wie lässt sich ein Multimedia-Produkt noch wirklichkeitsnaher darstellen, auch wenn es doch gar nicht haptisch existiert? Wie bringe ich den Computer dazu, dass eine einzelne Darstellung oder ein ganzes Spiel noch realistischer aussieht? Viele der im Rahmen der Neuen Medien kreativ Schaffenden schaffen es, dem Betrachter die Dreidimensionalität von grafischen Gebilden als förmlich real zu suggerieren, auch wenn jene in Wahrheit nur auf Monitoren existieren. Bedienelemente, Spiele, Produktmodelle oder Architekturbilder werden in Zukunft noch greifbarer erscheinen müssen, um sich vom Einerlei der unkreativen Nachahmer abheben zu können.

Für den Betrachter schafft das Dreidimensionale auf dem flachen Monitor ein vertrautes Realitätsgefühl, besonders wenn es über real wirkende Steuerungselemente bedient oder bewegt werden kann. Diese Art der Darbietung wird den althergebrachten Interaktionsgewohnheiten des Menschen gerecht. Durch gerichteten Schall lässt sich der visuelle Eindruck noch weiter verbessern.

16. März 2005: aeiou und draußt bist du

Stiftung SeeauHätte mir doch denken können, dass hinter dem österreichischen Internet-Lexikon aeiou Professor Hermann Maurer aus Graz steckt, hanebüchene Machart und mangelndes Formgefühl erinnern stark an das von ihm in den späten 1980er Jahren entwickelte MUPID. Nun wird das "aeiou" Projekt ebenfalls eingestellt, für Maurer völlig "unverständlich, dass dieses einmalige Informationsangebot über Österreich, dessen Aufbau rund sieben Millionen Euro gekostet hat, aus dem Internet entfernt wird."

Das zeigt wieder einmal, dass eine gute Idee nichts bringt, wenn sie stümperhaft und geistlos umgesetzt wird. Es ist nichts leichter, als eine gute Idee zu vernichten!

Es wird mir zwar mancher Inhalt, nicht aber nicht die Unkultur der Umsetzung von aeiou fehlen. Einzig das Album über österreichische Musikgeschichte mit den (leider schlampig editierten) Tonbeispielen ist derzeit unersetzlich. In Wirklichkeit sind die für dieses Projekt ausgegebenen Millionen an Steuermitteln nur Geldverschwendung. Wikipedia zum Beispiel kostet nicht nur bedeutend weniger, sondern ist auch unglaublich viel umfangreicher, schneller und universeller - die Inhalte von "aeiou" würden sich hier leicht unterbringen lassen.

Es ist kaum zu glauben, dass allein Edition und Hosting dieses Internet-Lexikon sieben Millionen Euro verschlungen haben sollen (der Content war ja schon vorhanden). Dagegen ist die Grasser-Homepage mit kolportierten Kosten von einer  Viertelmillion Euro für die Entwicklung einschließlich Content geradezu ein Schnäppchen.

14. März 2005: Digitale Originale

WebdesignAlle Arten von digitalen Kunstwerken benutzen massenhaft technische Konzepte und Codes, bei denen der kreative Gestalter des Kunstwerks nicht der Urheber ist. Der Autor bedient sich wie selbstverständlich fremder Programmierleistung, um seine ästhetischen Intentionen technisch umzusetzen zu können. Bei diesen Betrachtungen geht es um eigene und fremde Codes in Medien-Installationen ...

12. März 2005: Winterpracht

Schi fahrenDieser Winter wehrt sich vehement gegen das Vorurteil der globalen Erwärmung. Mit dem Schifahren unter Palmen ist es wieder nix. Ganz im Gegenteil: Im Schigebiet Amadé präsentiert sich nun der Winter in seiner weißesten Pracht. Alle Salzburger Schigebiete können durch einen einzigen Schipass befahren werden, eine Herausforderung der man in einer Urlaubswoche nicht begegnen kann.

Sonntag: Schigebiete Radstadt und Altenmarkt bei leichtem Schneefall.
Montag: Schigebiet Fageralm bei Sonnenschein und Pulverschnee.
Dienstag: Schigebiete Wagrain und Flachau im dichten Nebel.
Mittwoch: Die Schi fahren nur auf dem Dach des Autos - zum Hallenbad.
Donnerstag: Schigebiet Mühlbach am Hochkönig, Goldegg und Dienten mit ein bisschen Sonne.
Freitag: Schigebiet Wagrain - St. Johann Alpendorf bei herrlichem Sonnenschein.

Hier fehlt die Frühlingswärme des März, ohne dass die beißende Kälte und Finsternis der Jännertage herrschen. Andererseits sind auf manchen Pisten unglaublich wenige Leute, so dass man oft ganz einsam eine der Abfahrten genießen kann und vorher sicherheitshalber überprüft, ob man (für den Worst-case) das Handy auch sicher eingesteckt hat, so menschenleer sind heuer die Berge. Die Schneelage ermöglicht den Betrieb praktisch aller Tallifte und die Befahrbarkeit aller Talabfahrten, was die Pisten insgesamt außerordentlich entlastet.

5. März 2005: Über die Ästhetik des Codes

FarbkreisLiterarische Texte oder Computer-Programme zu schreiben heißt gleichermaßen Wörter aus Buchstaben zu bilden und  Aussagen aus Wörtern und Satzzeichen zusammenzusetzen. Dabei sollten die Gestaltung der eigentlichen Aussage und der Ästhetik des Codes Spaß machen und dabei helfen, Information zu transportieren. Die Darstellung und der Transport von Information ist der eigentliche und ursprüngliche Zweck jedes Codes, die Darstellung der Aussagen als ästhetische Gestaltungsaufgabe ist eine zweite Herausforderung.

Es geht dabei um die ästhetische Gestaltung des Codes, als Verbindung des Funktionellen mit den Ansprüchen der Ästhetik. Dabei sind die Vorschriften der Rechtschreibung eine minimale Codiervorschrift, um die Verständlichkeit zu gewährleisten. Die Ästhetik des Quellcodes geht über seine reine Funktionalität hinaus und erfüllt dadurch auch bei einem Programmcode einen künstlerisch-ästhetischen Anspruch.

Mein Essay über die Ästhetik des Codes befasst sich mit Betrachtungen über die Gestaltung von literarischen Texten und Computerprogrammen. Er ist ein wenig länglich geraten, drum steht der gesamte Text über die Ästhetik des Codes im Salon ...

3. März 2005: Die Viertelliterklasse

Projektgestaltung als HerausforderungPremiere des Problemfilms Die Viertelliterklasse im Gasometer. Roland Düringer führt (Erst-)Regie und leiht vier Männern Gesicht und Sprache die eines gemeinsam haben: Über sie herrscht König Alkohol. Die Protagonisten stammen aus verschiedenen Milieus und haben grundverschiedene Lebenspläne, die durch den Alkoholismus zum Alptraum geraten.

Eine etwas magere Geschichte nimmt ihren Lauf und die vier Figuren treffen auf einer jener (Weinachs-)Feiern zusammen, die ich immer schon frühzeitig verlassen habe, um eben diesen Jammer nicht mit ansehen zu müssen. Nachdem ich aber zu dieser Kinopremiere eingeladen bin, ist die Fluch nicht gut möglich und ich erlebe das Trinkerdrama aus der Position meines unbequemen Kinositzes bis zum Ende. Von den mitgebrachten Rumkugeln habe ich aber keine hinuntergebracht.

2. März 2005: Der PDF-Bazillus

Auge blauGerade eben habe ich wieder einmal unter dem Nerv tötenden Abruf einer PDF-Datei gelitten. Wirre Namen rasen sinnentleert über den Bildschirm, um die überflüssige Darstellung der überflüssigen PDF-Information vorzubereiten. Und nichts kann diesen Wahnsinn stoppen. Der PDF-Bazillus verbreitet sich immer mehr im Netz und mausert sich zum Zeitdieb des Surfers. Für manche Informationsanbieter ist diese Art der Darstellung von Informationen inzwischen so selbstverständlich geworden, dass sie auf eine Kennzeichnung derartiger Files vergessen. Da erkennt der Surfer einen Link, rechnet aber nicht mit einem Wechsel von HLML zu PDF und das Unglück nimmt seinen Lauf. Der Schrott-Transport vom Server zum Acrobat Reader beginnt, dessen Hobby zu sein scheint, Daten und Codes zu laden und zu verifizieren, denn es dauert eine ganze Weile, bis die Anzeige endlich aufgebaut ist und erst jetzt kann man diese lästige Bazille von seinem Bildschirm wieder verjagen.

 

26. Februar 2005: Venus & Adonis ...

Theater... eine süße Barockoper in der Wiener Kammeroper. Eine Westentaschenoper aus dem 17. Jahrhundert in englischer Sprache. Schön gesungen von Venus (Luzine Azaryan), Adonis (Daniel Schmutzhard) und vor allem Cupido (Max Riebl). Perfektes Orchester (Bernhard Klebel) auf Originalinstrumenten. Die an sich überflüssigen Multimediaeinlagen sind von Leuten (Daniel Angermayr & Thomas Goerge) gemacht, die damit beweisen, dass sie von Multimedia rein gar nichts verstehen. Insgesamt für einen Opernabend um ein Weniges zu kurz.

25. Februar 2005: Scheinkrank

MedizinprojektScheinkranke haben's gut, die können sich ihre Krankheit aussuchen - je nach Saison, Mode, Familiensituation und Weltlage. Aber sie können nicht nur den Beginn und den Verlauf der Scheinkrankheit bestimmen, sondern auch die Heilungsphase - die berühmten Spontanheilungen sind dabei nicht ausgeschlossen.

Auch die Wirksamkeit der Heilmittel haben die Scheinkranken völlig im Griff: Manchmal hilft Granderwasser, manchmal helfen simple Lebensmittelergänzungsstoffe, auch das Anlegen von Magnetarmbändern oder das Streicheln von Halbedelsteinen kann die Heilung bewirken. Der Kreativität des Scheinkranken sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Und ganz gleich, in welchem Stadium sich die Scheinkrankheit gerade befindet, Vortragsstoff für Familie, Freunde und zufällige Bekanntschaften in Cafés oder Wartezimmern von Arztpraxen bietet die selbst erdachte Krankheit in hohem Ausmaß, lässt sie sich doch je nach Erfordernis in verschiedenen Variationen darstellen.

Aber die Wissenschaft will und will den Scheinkranken nicht so richtig anerkennen, da reicht sein gesamtes Kreativitätspotential immer noch nicht aus.

20. Februar 2005

Na so was!Die Entwicklung von gut gestalteten Internetauftritten ist teuer oder exorbitant teuer und sie wird nicht nach Codelängen oder Megabyte gewogen und bezahlt. Entscheidend bei jedem elektronischen Portal ist die Originalität der dahinter stehenden Idee, dazu kommt noch die Art und Weise der Umsetzung.

Ich glaube nach wie vor an die ursprüngliche Idee des Internets: Den freien, kostenlosen Informationszugang für jedermann. Auch deswegen stelle ich jede Menge Software und Informationen online.

Für den Erfolg eines online Informationssystems sind auch die vermittelte Illusion und deren attraktive Darstellung verantwortlich. Das Gleiche gilt natürlich auch für jedes Lernsystem und jedes web-basierte Spiel.

15. Februar 2005: Spielend lernen

Spielen und Lernen scheinen mir ziemlich nahe beisammen zu sein. Dazu kommt, dass ich lieber lerne als spiele und so spiele ich auch nicht besonders oft. Aber wenn ich einmal spiele, dann will ich diesen Zeitvertreib selbst gestalten oder wenigstens beeinflussen können, schönere Grafiken aussuchen oder den Text verbessern. Und so sind eben mehrere Dutzend Online-Spiele entstanden - vorerst nur für mich selbst und zu meiner eigenen Erbauung und als Planspiele für die Erprobung und den Einbau in Projekte.

Heute ist es mir endlich gelungen, in JavaScript ein kompaktes Lernprogramm zu entwickeln, bei dem beliebig viele Antwortmöglichkeiten vorgesehen sind und das für alle möglichen Gegenstände eingesetzt werden kann, also Sprachen, Mathematik, Physik, Geschichte, Geographie, Biologie, Corporate Design, Umgangsformen, etc. Ich teste es erst einmal als Vokabeltrainer für Deutsch/English.

Außerdem habe ich es heute doch noch geschafft, verschiedene Mühlespiele zum Laufen zu bringen und Hnefa-Tafl, das Wikinger-Schach, grafisch zu optimieren.

5. Februar 2005: Über das Öffnen

KunstprojektIch bekomme einige merkwürdige Meldungen von Benutzern, die nicht wissen, dass auf der ersten Seite eines Internetauftritts nicht die gesamte Information untergebracht ist, sondern dass man die Details erst im Informationsangebot findet, wenn man sich hineinklickt. Es war ihnen nicht möglich, zu den eigentlichen Informationen zu gelangen. In einer Besprechung zur Homepage einer Gruppe von Benutzern waren zwei Männer mit einem Printout der Domainseite erschienen und einer von ihnen hatte enttäuscht gemeint: "Im Internet steht aber nicht viel drin'." Dem ernst gemeinten Rat, einen Hinweis mit dem Text wie "Hier geht's weiter ..." anzubringen bin ich nicht nachgekommen, da man am Zugang zu den Details über alle fünf Grafiken und dem Text jetzt schon kaum vorbeiklicken kann.

Diese Leute ähneln im Verhalten Steinzeitmenschen, die nicht wissen, dass man ein Buch aufklappen muss um es lesen zu können - oder, dass man erst in ein Auto einsteigen muss, um damit wegfahren zu können.

Das Öffnen von Gegenständen ist eine Intelligenzleistung, über die alle Säugetiere und die Vögel verfügen, aber auch Kraken schaffen das. Primitiveren Tierformen wie Reptilien, Insekten, Spinnen und Würmern ist die Handlungsweise des bewussten Öffnens von Objekten nicht möglich.

Unter Lesekompetenz versteht PISA die Fähigkeit, Texte in ihren Aussagen, ihren Absichten und ihrer formalen Struktur zu verstehen, sie in den Zusammenhang einzuordnen und sie sachgerecht nutzen zu können. Was aber wenn jemand eine schlechte Öffnungskompetenz hat und nix lesen kann, weil er Bücher und Internetseiten nicht aufmachen kann.

3. Februar 2005: Schöne neue Browserwelt

FarbkreisGewisse Darstellungsprobleme für Besucher mit Alternativbrowsern wie Netscape, Mozilla oder Firefox sind bei der Komplexität der Implementierung nicht zu vermeiden. Exoten werden immer Schwierigkeiten bei Seiten mit komplexen Javascripts haben, da diese Exotenbrowser bestimmte Darstellungen ganz einfach falsch machen. Jedes Programm hat Fehler und so auch die dort eingesetzte Rendering-Engine von Gecko. Um eine komplexe Seite (wie diese) immer fehlerfrei anzeigen zu können, muss daher der Internet Explorer verwendet werden. In Zukunft wird es Browser (wie dem derzeit angekündigten neuen Netscape) geben, die alternativ die Rendering-Engine Gecko oder die des Internet-Explorer verwenden - aber bis dahin ist noch Zeit. Leute, die mit Exoten durchs Netz surfen, müssen damit leben bestimmte Seiten entweder gar nicht oder verfälscht zu sehen.

Bedauerlicherweise kommt die Rendering-Engine Gecko weder mit CSS noch mit JavaScript zu Rande und stellt bestimmte Farbvorgaben nicht oder falsch dar und/oder erzeugt eine fehlerhafte Bildgeometrie. Wegen dieser Verunstaltungen der Darstellung können Gecko-basierte Browser wie Netscape, Mozilla oder Firefox (zumindest derzeit) nicht empfohlen werden, will man ernsthaft mit dem Internet arbeiten. KHTML basierte Browser wie Safari und Konqueror sowie Opera haben noch größere Probleme mit den Normen.

Browser-unabhängige Entwicklungen würden demnach voraussetzen, dass man im Code die Fehler jeder Art und Abart von Browsern zu umgehen hätte. Die Forderung nach Browserunabhängigkeit ist per se eine Killerphrase.

Mit Firefox, Mozilla und Co. ist es eben wie mit Autos, die mit Erdgas oder elektrisch angetrieben sind - eine gute Idee scheitert oft an der Realität, denn mangelnde Kompatibilität, Sicherheit und Reichweite schränken die praktische Verwendbarkeit drastisch ein.

1. Februar 2005: Wahlplattform

Heute Vormittag geht das Informationsangebot der Wahlplattform online. Ich habe eine ganze Menge Know-how in die Seite eingearbeitet. Die Seite enthält eine Reihe von Spezialeffekten, die dem Besucher das Erschließen von Informations-Verdichtungen wie Kandidatenliste und Parteiprogramm einfacher machen. Aufgepeppt ist das ganze mit einem Online-Gewinnspiel, sowie Memory-Spielen über die Kandidaten, historischen Persönlichkeiten und Baudenkmäler. Außerdem enthält die Seite eine integrierte Online-Umfrage über die Bürgerzufriedenheit. Der erste Gewinnspieler hat kurz nach der Freischaltung der Homepage seine Einsendung abgegeben.

Damit ist eine brandneue, informative Wahlplattform entstanden, die sich in Punkto Funktionalität von allen anderen Partei-Seiten unterscheidet, die ich bisher gesehen habe. Nach der Wahl werden hier aktuelle Bildberichte aus dem Stadtgeschehen zu lesen sein.

 

27. Jänner 2005: A Capella Musical "Avenue X"

Ein Musical aus der grausamen Welt verfeindeter Volksgruppen in den USA, Book & Lyrics by John Jiler, Music by Ray Leslee.

TheaterGroße Stimmen in der kleinen Oper. Ein Singstück ohne Orchester in dem acht Sänger in der Wiener Kammeroper eine grausame Geschichte schildern. Ein A-Capella-Werk mit Rock-and-Roll, Gospel, Blues, Jazz und Rap als europäische Erstaufführung eines amerikanischen Musicals in der Wiener Kammeroper. Ein Musical über Liebe und den Hass zwischen zwei Ethnien, über Träume, Ängste und Aggressionen junger Menschen im Brooklyn des Jahres 1963, als die Stadtverwaltung Schwarze aus Harlem in das Italienerviertel umsiedelt. Die Avenue X teilt das Viertel in zwei verfeindete Welten, in die der Afroamerikaner und der Italoamerikaner. Die Minimaldekoration der Bühne erstrahlt in immer wechselnden Farben der Stimmungen und Situationen. Dem großen Beifall am Schluss gelingt es, das Sittendrama aus einer fremden Welt ein wenig mit unserem Leben zu verbinden.

Dann mit Freunden im Franks auf ein gepflegtes Kapsreiter Bier.

25. Jänner 2005: Softwarepatente und selbständige Entwickler

Projektgestaltung als HerausforderungZum Glück gibt es in EU-ropa noch immer keine neue Patentregelung für Software und hoffentlich kommt es zu einem Überdenken der bisherigen Standpunkte. An einer Entscheidung der "Richtlinie über die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen" scheiterte bisher das EU-Ratsgremium. Sie soll nun am 31. Jänner im Rat für Allgemeine Fragen und Außenbeziehungen durchgezogen werden.

Das nun seit Jahren laufenden Gesetzgebungsverfahrens im EU-Parlament bedürfte aber eines völligen Neustarts. Selbständige Entwickler hätten bei einer Umsetzung des derzeitigen Papiers durchschlagende Wettbewerbsnachteile.

Die Befürworter, darunter die Branchenriesen wie Microsoft, Nokia, SAP und Siemens, brauchen den erweiterten Patentschutz für ihre Erfindungen, die auf Software basieren. Der Industrielobby geht es vor allem darum, dass bei Softwareentwicklungen künftig nicht nur der konkrete Code, sondern ganze Verfahren - wie etwa die Ein-Klick-Methode auf der Website von Amazon - patentiert werden können und damit lizenzpflichtig werden.

Ein selbständiger Entwickler hätte gar nicht die Kapazität, all seine Codes patentieren zu lassen und müssten außerdem laufen über enorm aufwändige Recherchen herausfinden, welche Methoden bereits patentiert sind. Ja, er würde sich sogar strafbar machen, wenn er den von ihm selbst entwickelten Code einsetzt, falls dieser von einem der Branchenriesen bereits patentiert ist oder irgendwann später zum Patent angemeldet wird.

23. Jänner 2005: Klimawandel

Reise in den SüdenBereits in zehn Jahren könnte sich die Welt in einem unaufhaltsamen Klimawandel befinden. Eine reale Chance, dass eine weitere Erwärmung der Erde stattfindet, die schönes Wetter und viel Sonne bringt, Heizenergie und -kosten reduziert und es nicht mehr notwendig macht für einen unbeschwerten Urlaub um den halben Globus zu fliegen. Der Urlaub im eigenen Land brächte weniger Verkehrstote und eine bedeutende Energieersparnis.

Davor warnt eine internationale Studie britischer, amerikanischer und australischer Angst- und Miesmacher. Die G-8-Staaten werden darin aufgefordert, rasch auf erneuerbare Energien umzusteigen und den CO2-Ausstoß deutlich zu verringern, damit wir weiter unter Regenwetter und Kälte zu leiden haben. Sie gönnen uns eben keine Palmen unter ewig blauem Himmel.

21.Jänner 2005: Die kleinen Erfolge

Ich gestalte gerade eine einzelne Architekturseite für ein städtisches Kultur- und Veranstaltungszentrum und das Ergebnis ist durchaus befriedigend.

KontaktDie Unterbringung einer Bildergalerie am Bildschirm ist immer ein Problem: Wie lassen sich mehrere Bilder zeigen, ohne den Betrachter durch das Scrollen mussmutig zumachen? Ohne seine Übersicht zu gefährden? Ohne beim Schreiten von Bild zu Bild widersinnige Unruhe in die Übergängen zu bringen? die den Betrachter vom Eigentlichen ablenkt. Ich musste erst einmal eine geeignete Technologie entwickeln und erproben, alles was ich bisher für die Lösung ähnlicher Aufgaben verwendet hatte, trug dieses fatale Ereignis der Unruhe des Auftritts in sich. Die an sich unerwartete Lösung basiert auf einer JavaScript-Miniatur, die all meine Anforderungen erfüllt: Klare Lösung, kleiner Aufwand, große Wirkung. Keine fruchtlosen Code-Strecken wie Makromedia-Flash, keine Plug-ins, kein Hin und Her mit dem Server. Keinerlei Scrollen zwischen Ansichten und Einsichten. Und nicht zuletzt blitzartige Ladezeiten.

Der Erfolg bringt für mich eine angenehme Empfindung für den ganzen Tag, ich fühle mich stolz uns beschwingt. Es sind die kleinen, unerwarteten Erfolge, die uns glücklich machen.

17. Jänner 2005: Nackte Seiten

Die Lust des HerunterlesensDas Führen eines elektronischen Tagesbuchs hat für mich persönlich einen zusätzlichen positiven Effekt: Früher musste ich mich immer verteidigen, warum ich nur auf nackte Seiten schreiben will. Alle anderen schrieben auf Blätter, die mit blauen Linien liniert oder kariert waren. Immer, wenn mich jemand beim Kauf eines Heftes begleitete, war ich schon in Erwartung seines Gesichtsausdrucks oder seiner guten Ratschläge wegen meiner Entscheidung für die nackten Seiten in Sorge. Aber ich hatte keinen Entscheidungsspielraum, denn ich kann zwischen die vorgegeben Zeilen und über die gedruckten Kästchen nichts schreiben, teilen sie doch die Seiten in Bereiche, die nicht mein Maß haben. Und wenn ich schreibe, kann ich mich nicht durch Linien und Karos in eine Ordnung zwingen lassen, die nicht die meine ist.

Nun schreiben (fast) alle mit dem PC und damit auf nackte Seiten und keiner wundert sich mehr über mich.

Schreiben war und ist für mich immer Auftrag und außerdem ist es in der Lage, die biologische Uhr anzuhalten. Früher oder später wird (fast) alles über das Leben eines Menschen vergessen, schon von demjenigen der es gelebt hat, und noch weniger bleibt nach seinem Tod im Gedächtnis der später Überlebenden. Das große Mysterium des geschriebenen Wortes liegt auch in seiner Fähigkeit, der biologischen Uhr zu widerstehen und dadurch die zeitliche Dimension zu beherrschen.

Und es gilt das gewichtigste Axiom aller Kultur: Wer schreibt, der bleibt.

13. Jänner 2005: Uraufführung der La finta giardiniera vor 230 Jahren

Stiftung SeeauHeute ist für mich persönliche ein besonders bezauberndes Jubiläum: Genau vor 230 Jahren fand die Uraufführung der Mozartoper "La finta giardiniera" statt, nämlich am 13. Jänner 1775. Mein 5xUrgroßonkel Josef Anton Graf Seeau hatte sie vom 18-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart für den Münchner Karneval komponieren lassen.

11. Jänner 2005: Memory

Gestern habe ich ein attraktives web-basiertes Spiel entworfen und heute in Javascript fertig implementiert. Das Spiel ist die Weiterentwicklung des klassischen Memory-Spiels. Meine Version verteilt Bilder von z.B. bekannten Persönlichkeiten und ihre Lebensdaten auf einem Spielbrett. Durch Aufdecken von je zwei Feldern können dann die Portraits den Namen zugeordnet werden. In einem zweiten Teil wird die Auflösung gezeigt. Das Lernspiel ist parametrisierbar und kann daher leicht abgeändert und als Lernmedium für andere Sachgebiete eingesetzt werden.

Ein kleines Spielchen zur Entspannung in Lernpausen gefällig? In dem eben entwickelten Lernsystem gibt es dafür eine Spielwiese. Die Spiele-Sammlung ist in letzter Zeit rasch auf 18 Stück angewachsen und enthält natürlich viele der bekannten Klassiker, alle überarbeitet und im gleichen Layout. Dazu gehören etwa schachartige Spiele wie Dame, das acht Königinnen Problem und Tigerschach.

Ein Teil der Spiele stellt eine gewitzte Verknüpfung von Computerspiel und einer Lerneinheit dar. Das ist auch die Richtung, in der die Spiele in Zukunft weiter entwickelt werden sollen.

8. Jänner 2005: Don Carlos

BurgtheaterIch habe am Wiener Burgtheater Don Carlos erlebt. Eines der großen politischen Bekenntnisdramen, es analysiert und durchleuchtet das Netzwerk der Macht und Intrige in einem Brennpunkt der absoluten Herrschaft. Doch ist bei dieser Don Carlos Aufführung das Bühnenbild die Hauptsensation. Martin Zehetgruber hat ein labyrinthisches Gefüge von Glaskobeln mit Gängen um die Handlung herumgebaut, die Architektur einer verkommenen Büroetage aus den 1960-Jahren, in der die Atmosphäre eines unmodern gewordenen Großraumbüros herrscht. Die Dekoration kann sich drehen und wenden, wird zum Audienzsaal des Königs, zum Schlafzimmer der Königin, zum Palmenhaus, in dem Gräfin Eboli Don Carlos zum Rendezvous erwartet, zum Verlies, aber nie zum Königpalast. Bleibt immer eine Arbeitsstätte, die für arme Leute gebaut ist, hat nie etwas königlich Herrschaftliches. Passt nie zum Thema, denn die Mächtigen halten wo anders Hof, nicht hier.

Don Carlos ist jenes politische Bekenntnisdrama des Revolutionärs und Freigeistes Friedrich Schiller, in dem "Sire, geben Sie Gedankenfreiheit" vom Spanischen König Philipp II. gefordert wird, einem gewissenlosen Diktator.

Zwischen 19 und 22 Uhr 45 wird gezeigt, wie verwickelt und undurchsichtig politisch-gesellschaftliche Prozesse in einer Diktatur ablaufen. Sven Eric Bechtolf in der Rolle Philipp II. verhält sich glaubhaft als unberechenbarer Potentat und seine Hofschranzen verfolgen vielschichtige Ziele und folgen damit den bizarren Wendungen des Königs. Nach einer fundamentalen Auseinandersetzung über das Machtverständnis verweigert er seinem Sohn Don Carlos die Versöhnung. Philipp Hauss spielt einen heftigen, leicht zu begeisternden jungen Mann, der linkisch Ziele verfolgt, die gegen die Machtausübung seines Vaters gerichtet sind und dabei kein Fettnäpfchen auslässt.

Christiane von Poelnitz kann als Fürstin Eboli nicht gerade überzeugen. Überhaupt bringt einen die Inszenierung von Andrea Breth zum Nachdenken über die Umtriebe von Königsmacht und Kriegskunst und darüber, warum es Machtmenschen nichts ausmacht, Untertanen, Freunde und Familie für ihre Ziele zu verheizen. Und wenn man genauer darüber nachdenkt: In so einer Arbeitsumgebung kann man keine großen Gedanken hegen, sondern entwickelt Häme, Aggression, Gleichgültigkeit oder Missmut, je nachdem auf welche Hierarchieebene einen das Schicksal gestellt hat. Friedrich Schiller hätte sich sicher keine Bürohengste in Bürokleidung als Grafen, Fürsten und Könige gewünscht. Denn sonst hätte er Müllers Büro und nicht Don Carlos geschrieben.

4. Jänner 2005: Nach dem Tsunami

Reise in den SüdenNeun Tage nach dem Tsunami-Unglück in Asien präsentieren und kommentieren die Medien vor Palmenstränden immer grausamere Schicksale der Opfer. Im Privatfernsehen werden abendfüllende Formate über verwüstete Landstriche und Einzelschicksale dauergesendet. Reporter, die wie Zugvögel zu den Bruchlinien der menschlichen Zivilisation reisen, sind längst eingetroffen und mit der Erschließung des Leids der Menschen beschäftigt. Die zurück gebliebenen Journalisten haben sich inzwischen darauf spezialisiert uns möglichst viele, möglichst prominente Spender im Fernsehen zu zeigen. Google liefert für das vorher kaum bekannte Wort Tsunami inzwischen 14 Millionen Treffer, eine Woche später sind es bereits doppelt so viel.

Die Welt ist ein Dorf geworden, ein mediales so wie so, aber auch eines, in dem man verschiedene Sommer- und Winterwohnsitze hat, die man außerhalb des Berufslebens in Anspruch nimmt. Und in eben in einem dieser Winterdomizile im sonnigen Asien hat die Natur das Meer überschwappen lassen, Küstenbewohner und Küstengäste zigtausendfach mit sich gerissen und das Paradies zur Hölle verkehrt. Die Technologieverweigerer, Verschwörungstheoretiker und Kausalkettendenker arbeiten seither fieberhaft daran, der Menschheit wenigstens einen Teil der Ursachen des Unglücks anzulasten.

3. Jänner 2005: Genealogische Untersuchungen

Stiftung Seeau2005 ist für die Familie Seeau ein Jahr der Jubiläen. Vor 525 Jahren kommt mein 10xUrgroßvater Thomas zur Welt. Vor 350 Jahren heiratet mein 7xUrgroßvater Elias die Enkelin des Salzburger Fürsterzbischofs Wolf-Dietrich von Raitenau.

2004 konnte ich gleich zwei Aufführungen der selten gespielten Mozartoper La finta giardiniera genießen. Nun gibt es eine neu geschriebene musikalische Würdigung. Schließlich war der Auftraggeber der Oper mein 5xUrgroßonkel Josef Anton Graf Seeau von Mühlleuten.

2. Jänner 2005: Mein Tagebuch

Schreiben als LeidenschaftIch schreibe in meinem Tagebuch die Episoden aus meinem Leben auf, um sie nicht wie meine Gehirnwellen im Nichts verpuffen zu lassen. Das Tagebuch ist meine Zeitkapsel. Meine, nicht die anderer Leute. Ich entscheide alleine und spontan, was ich später über die Details eines Tages wissen werde. Ich schreibe es mit der felsenfesten Überzeugung, dass jeder Tag meines Lebens sich wenigstens eine Zeile in meinem Tagebuch verdient.

1. Jänner 2005: Killerphraseologie
ActoidIn diesem Jahr gibt es als Dauerprogramm die Killerphrase zum Tag! Killerphrasen dienen der Abwehr fremder Meinungen. Sie werden im nichtpartnerschaftlichen Argumentieren eingesetzt - als Ausreden, Abwehrmaßnahmen und Ruhigsteller. Nichtpartnerschaftliches Argumentieren orientiert sich an einem programmierten Sieg-Niederlage-Modell und zielt darauf ab, in einer argumentativen Auseinandersetzung mit verbalen Vorgriffen das Recht-Behalten abzusichern. Dabei geht es nicht darum, den Gesprächspartner zu überzeugen, sondern ganz im Gegenteil, ihn in gleich eingangs mit einem Wortabschneider zu überrumpeln und zur Aufgabe seines eigenen Standpunktes zu bewegen.

Seit vielen Jahren fasse ich zum Neujahrstag den Vorsatz, keinerlei Vorsätze zu fassen und bin damit bisher bereits am Anfang jedes Jahres gescheitert. Vielleicht schaffe ich es diesmal, keine Vorsätze zu fassen. Schließlich meinte mein Vater zu jedem tatsächlichen/vermuteten Scheitern: "Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert!" und da will ich sicher nicht hin: Quasi Höllenwegverweigerer.

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